Gedächtnistraining im SchlafLernen über Nacht

Der Schlafforscher Jan Born über Gedächtnistraining im Bett. von Andrea Jeska

Tiefschlaf macht klug: Um komplexe Inhalte zu verarbeiten, müssen alle äußeren Reize ausgeschaltet sein

Tiefschlaf macht klug: Um komplexe Inhalte zu verarbeiten, müssen alle äußeren Reize ausgeschaltet sein  |  © Miss Jones/photocase.com


DIE ZEIT: Der Schlaf gilt noch immer als Geheimnis. Wozu dient er?

Jan Born: Er fördert die Anpassung des Menschen an seine Umwelt und trägt damit zur Erhaltung der Art bei. Alle Forscher sind sich einig, dass im Schlaf die Gehirnfunktionen gefördert werden, das Gehirn ausgebildet wird. Der Tiefschlaf – wir Neurophysiologen sprechen vom Deltaschlaf – ist wichtig für das Gedächtnis. Wir gehen heute davon aus, dass es ohne ihn keine langfristige Verfestigung von Erfahrungen und Wissen gäbe.

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ZEIT: Macht uns Tiefschlaf klüger?

Born: Ja. Um komplexe Inhalte zu verarbeiten, braucht unser Gehirn eine Phase, in der äußere Reize ausgeschaltet sind.

ZEIT: Kommt es sonst nicht hinterher?

Born: Je komplexer die Spezies, je größer die Anforderungen an die Informationsverarbeitung, desto stärker ist das Bedürfnis nach Deltaschlaf. In der Wachphase speichern wir viel mehr Eindrücke vorläufig ab, als wir langfristig brauchen. Der Deltaschlaf hat zwei Funktionen. Erstens, das Gedächtnis zu konsolidieren. Inhalte werden aus einem Zwischenspeicher herausgenommen und ins Langzeitgedächtnis übertragen. Dabei trifft das Gehirn eine Auswahl. Zweitens räumen im Tiefschlaf hohe Deltawellen den temporären Speicher frei, sodass wir wieder Informationen aufnehmen können, wenn wir das nächste Mal wach sind.

ZEIT: Welche Eindrücke haben bei dieser »Auswahl« die besten Chancen?

Born: Das ist eine ganz spannende Frage, die wir noch nicht wirklich beantworten können. Wir wissen, dass emotionale Erfahrungen es eher ins Langzeitgedächtnis schaffen und auch Informationen, die für zukünftige Pläne wichtig sind.

ZEIT: Fördert Tiefschlaf so die Kreativität?

Born: Viele behaupten ja, entscheidende Erkenntnisse seien ihnen im Schlaf gekommen. Das Gehirn erkennt offensichtlich im Deltaschlaf bestimmte wiederkehrende Strukturen und speichert diese separat ab. Dadurch hat man am nächsten Tag einen anderen Blick auf die Dinge. 

Leserkommentare
  1. Der gute Herr Born heißt Jan mit Vornamen und nicht Max..

  2. Der Schlaf hat für das Gehirn also eine ähnliche Funktion wie das Defragmentieren einer Festplatte und weiteren Wartungsaktivitäten, die man auch mit einem PC regelmäßig veranstaltet.

    In den Traumphasen kommen meiner Meinung nach auch noch Szenen und Simulationen dazu, die dazu beitragen vergangene Konflikte zu bearbeiten oder künftige Anforderungen einzuüben. Oft haben die Trauminhalte mit dem vergangenen oder mit dem kommenden Tag zu tun. Träume können auch als eine Art "innerer Guru" in Bezug auf Orientierung genutzt werden und stellen eine Art Schnittmenge zwischen Unterbewusstem und Bewussten dar. Außerdem sind sie oft überraschend humorvoll.

    Die faszinierendste Art der Träume sind die luziden Träume/der Klartraum, weil man dabei weiß das man gerade träumt und willentlich sozusagen im Cyberspace des eigenen Gehirns wie in einem Videogame spielen kann.

    Turmspringer können hier zum Beispiel den genauen körperlichen Ablauf ihres Sprungs üben ohne das Risiko sich verletzen zu können.
    Man kann sich in dieser Art von Traum auch seinen größten Ängsten stellen um sie zu überwinden.

    Der mentale Prozess des Gehirns ist im Klartraum fast derselbe wie in der Realität.

    http://de.wikipedia.org/w...

    • bonfim
    • 29. März 2010 13:23 Uhr

    ich würde mich gerne als probandin zur verfügung stellen - bin zwar schon über 30, schlaf aber trotzdem noch wie ein baby :-)

  3. Vielleicht sollten wir die heutigen Lebensbedingungen unter die Lupe nehmen. Das Gehirn ist doch ein elektrisches System, und trotz dieses Wissens lassen wir eine immer größere Belastung unserer Umgebung durch elektromagnetische Wellen zu. Mir graust schon jetzt vor der Komplettabdeckung mit Funk-Internet. Aber dann können die Freunde der Spiele und der schnellen Downloads ungehindert downloaden. Möchte wissen, wohin der Arme dann flüchten kann, der außerhalb seines Funklochs schwer krank wird.
    Nicht alle merken es, aber wenn mehr und mehr Menschen an Schlafstörungen erkranken, woran kann das nur liegen?
    Übrigens: Ich höre elektromagnetische Wellen, wenn sie stark genug sind, und habe dadurch Schlafprobleme.
    Es geht.

  4. Wenn Sie das so machen...

    "Wir haben Versuchspersonen vor dem Schlafen bestimmte Probleme vorgegeben, zum Beispiel ein Zahlenrätsel. Zunächst waren sie in der Regel nicht in der Lage, das Problem zu lösen. Wenn sie aber eine Nacht darüber geschlafen hatten, erkannten die meisten die Lösung. Dagegen konnten andere Probanden, die wach geblieben waren, auch im zweiten Anlauf das Problem nicht lösen."

    ... dann wissen Sie doch nicht, ob das bessere Resultat dem Drüber-Schlafen geschuldet war oder einfach dem Ausgeschlafen-Sein. Korrekterweise müßte es eine dritte Gruppe geben, die das Zahlenrätsel gleich nach dem Schlafen gestellt bekommt.

    Wenn die es dann lösen können, wissen wir, daß nicht die Verarbeitung des Problems im Tiefschlaf wichtig ist, sondern das Ausgeschlafen-Sein überhaupt. Wenn diese Gruppe es aber nicht schafft, das Problem zu lösen, dann ist es in der Tat die Verarbeitung des Problems im Tiefschlaf, die zum besseren Resultat führt.

    Oder?

  5. Sehr sicher hat nächtlicher Lärm auch Auswirkungen auf den Tiefschlaf.

    Das Umweltbundesamt hat in einer Studie einen Zusammenhang zwischen Strassenverkehrslärm und Herzinfakten nachgewiesen. Über die Jahre steigt der Blutdruck bei den Anwohnern. Eine realistische Schätzung ergibt 4000 Herzinfarkte (alleine Strassenverkehrslärm) pro Jahr in Deutschland.

    Es läßt sich auch nachweisen daß Kinder welche an lauten Strassen wohnen in der Schule schlechter sind.

    Somit ist es sehr realistisch dass, auch im Hinblick auf die Gedächtnisleistung, enorme volkswirtschaftliche Schäden aufgrund von nächtlichen Lernstörungen, hervorgerufen durch Lärm entstehen.

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