Damals in der Savanne… Nur im Schutz der Gruppe hätten unsere Vorfahren geschlafen. Alle paar Minuten sei ein anderer aufgewacht, habe gelauscht. Ein Knacken im Busch, ein Heulen in der Dunkelheit? Das archaische Überbleibsel dieser Wachsamkeit wecke uns durchschnittlich 28 Mal pro Nacht auf. Schwer zu glauben? Doch, doch. Wachepisoden, kürzer als drei Minuten, seien am Morgen bereits vergessen. Alles völlig normal.

Ein Raunen geht durchs Publikum im Regensburger Turmtheater. Jürgen Zulley lächelt schelmisch, als seine Geschichte Widerhall findet. Er vorn an der Bühnenkante im schwarzen Anzug, hinter ihm zwei Männer in gestreiften Pyjamas in einem senkrecht stehenden Bett. Sie tun so, als schlummerten sie. Es sind zwei Kabarettisten, mit deren Hilfe der Professor sein Forschungsgebiet auf die Bühne bringt. Den Schlaf.

Jeder zweite Deutsche klagt über Probleme damit, so lautet das Fazit einer Studie der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) vom Anfang des Jahres. Zwölf Millionen Menschen leiden unter behandlungsbedürftigen Schlafstörungen. Und wer bislang verschont geblieben ist, der kommt spätestens an diesem Wochenende aus dem Takt: wenn eine Stunde Nachtschlaf der Sommerzeit geopfert wird. Seit 30 Jahren gibt es die Zeitumstellung jetzt schon in Deutschland.

Zwei, drei Tage lang werden die Leute alles Mögliche mit ihr entschuldigen, von Verspätungen bis zur geistigen Abwesenheit. Indes, die Störung im Kalender verschlimmert nur einen dauerhaften Missstand, unser verkrampftes Verhältnis zum Schlaf an sich. So erkrankten laut DAK im Jahr 2009 über 60 Prozent mehr Menschen an quälender Schlaflosigkeit ("Insomnie") als noch vier Jahre zuvor. Daten aus Großbritannien, Taiwan und den USA zeigen Ähnliches. Die österreichische Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung hatte im 15-Jahres-Abstand repräsentativ Menschen gefragt, ob diese sich im Schlaf irgendwie gestört fühlten. Vergangene Woche veröffentlichte sie das Ergebnis: Schliefen in den neunziger Jahren noch drei Viertel der Befragten ungestört, behauptet dies nun nur noch jeder Fünfte.

"Die Leute lesen mehr und wissen mehr über den Schlaf", sagt die Studienleiterin, die Neurologin Birgit Högl von der Universität Innsbruck – das sensibilisiere. Zunehmend, muss man also schließen, wachen die Menschen über ihren Schlaf. Sie problematisieren ihn.

Allerlei verspricht Abhilfe: Ratgeber und Mittelchen ohne apothekenrelevanten Wirkinhalt; Kissen mit eingebauten Lautsprechern für seichte Schlafmusik; Matratzen, die den Partner durchrütteln, sobald dieser zum Schnarchen ansetzt. Die Mühe mit dem Schlaf ist längst ein Geschäft. Doch viele seiner Rätsel sind noch ungelöst.