Der Alien von Altai Der kleine Finger der Evolution

Ein Fossil aus Russland stammt womöglich von einer bislang unbekannten Menschenart.

Einen ähnlichen Blick auf das Anui-Tal hatten die Frühmenschen, die einst hier ihre Spuren hinterließen

Einen ähnlichen Blick auf das Anui-Tal hatten die Frühmenschen, die einst hier ihre Spuren hinterließen

Man kann von bevorzugter Wohnlage sprechen. Das Quartier bietet einen weiten Blick über das Flusstal des Anui, das eingerahmt ist von den bewaldeten Hängen des Altai-Gebirges. Als Behausung wurde die in einer Sandsteinklippe gelegene Denisova-Höhle in Südsibirien bereits vor über 100.000 Jahren geschätzt. Der 300 Quadratmeter große Innenraum bot in der Vorgeschichte immer wieder frühen Menschen Zuflucht.

In den Sedimenten sucht das russische Ausgräberteam von Michael Shunkov und Anatoli Derevianko seit Jahren nach den Spuren steinzeitlicher Bewohner. Aber die Forscher ahnten nicht, dass hier ein neuer Akteur aus dem Dämmer der Prähistorie ins Rampenlicht treten sollte.

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Es war im Sommer 2008, als dem Team endlich ein interessanter Fund gelang – ein fossiliertes Knöchelchen, das Endglied des kleinen Fingers einer jugendlichen Menschenhand. In derselben Sedimentschicht fanden sich auch Steinklingen, Knochenwerkzeuge und Ornamente. Das Alter passte: Die Ablagerungen waren vor 48.000 bis 30.000 Jahren entstanden – zu einer Zeit, in der moderne Menschen aus Afrika nach Europa und Asien vordrangen.

Gehörten die Leute aus der Denisova-Höhle zu jener Zeit also zu den Pioniertrupps der Invasoren? Oder handelte es sich bei dem Knochenrest noch um ein Relikt der früheren Bewohner Eurasiens, der Neandertaler? Auch das schien möglich, denn man hatte in den Sedimenten der Höhle auch Steinwerkzeuge gefunden, deren Machart typisch für diese ursprünglichen Herren des Kontinents war.

Das Urteil sollte in Leipzig fallen, im Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie (EVA). Dort fischten Svante Pääbo, Johannes Krause und Kollegen aus einer winzigen Probe des Fossils Reste seiner Erbsubstanz. Seither laufen im Leipziger Institut die DNA-Dekoder im Dauerbetrieb. Das erste Ergebnis der genetischen Dechiffrierung wird diese Woche in Nature präsentiert – und versetzt die Zunft in Aufruhr: Das Wesen aus dem Altai war definitiv kein moderner Mensch – und ebenso wenig ein Neandertaler.

Offensichtlich war Europa bereits von zwei Menschenarten der Gattung Homo besiedelt, als Homo sapiens sich anschickte, den Kontinent zu übernehmen. Er selbst habe es zunächst nicht glauben wollen, gesteht Pääbo: »Das erschien zu fantastisch, um wahr zu sein.« Zunächst haben die EVA-Forscher die sogenannte mt-DNA entschlüsselt, das kleine Genom der Mitochondrien, die in jeder Zelle als Kraftwerke dienen.

Ein Vergleich mit dem Mitochondrien-Erbgut von Menschen und dem aus Neandertaler-Fossilien ließ keine Zweifel zu: Die Probe unterschied sich von beiden, man war auf eine fremde Menschenart gestoßen. Und außerdem: Der letzte gemeinsame Vorfahr von Homo sapiens und dem sibirischen Alien dürfte vor rund einer Million Jahren in Afrika gelebt haben. Ähnlich entfernt ist dessen Verwandtschaft zu den Neandertalern. »Die DNA-Evidenz ist unbestreitbar, da gibt es etwas Neues in Europa«, sagt der Paläoanthropologe Paul Mellars von der Cambridge University: »Dieses Wesen ist kein Vorfahre und kein Nachfahre der Neandertaler.« Doch wer waren die rätselhaften Sibirier?

Längst arbeiten die Paläogenetiker auch an der Dekodierung des eigentlichen Erbguts der mysteriösen Früheuropäer. Die Dechiffrierung lässt bereits einen ersten Befund zu: Das Wesen besaß kein Y-Chromosom, war also eine Frau. Vielleicht gelinge es, ein nahezu komplettes Genom zu rekonstruieren, sagt Pääbo. »Dann könnten wir feststellen, ob dieses Wesen wirklich eine ganz andere Form von Hominide war.«

Leser-Kommentare
  1. winner's cool blog - Ich bin mir sicher, dass es noch mehr Arten gibt, die wir noch gar nicht erfasst haben. Spannend zu wissen, dass die ursprünglich wohl aus Afrika kamen.

  2. hierbei nur um einen Alien handeln.
    Welcher seine Gene bereitwillig unter der primitiven terranischen Bevölkerung verteilte, mit der Intention, ganz viele Perry Rhodans zu zeugen.

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    ... wir haben lediglich einen Antiker vor uns, natürlich vor deren Aufbruch in die Pegasus-Galaxie.

    ... wir haben lediglich einen Antiker vor uns, natürlich vor deren Aufbruch in die Pegasus-Galaxie.

  3. ... wir haben lediglich einen Antiker vor uns, natürlich vor deren Aufbruch in die Pegasus-Galaxie.

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    • honett
    • 24.03.2010 um 21:49 Uhr

    Frage an den Autor:

    heisst versteinert nicht, der Knochen ist mit Stein ersetzt worden? kann man DNA von einer "Versteinerung" untersuchen?

    oder Knochenrest? dann vielleicht, wenn man Glueck hat ..

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    "ein versteinertes Knöchelchen...."

    Es handelt sich um einen Knochenrest. Eine Versteinerung würde viel länger dauern als die angegebenen 30.000 - 48.000 Jahre. Entsprechend ist in allen anderen Artikeln zum Thema auch von Knochenfragment die Rede, nicht von versteinertem Knochen.

    Redaktion

    Lieber Leser,

    ich habe gerade mit dem Autor, Herrn Bahnsen, noch einmal über den Begriff "versteinert" gesprochen.

    An dieser Stelle wäre es tatsächlich besser von "fossiliert" zu sprechen - der Knochen ist ein Überrest und keine Versteinerung im engeren Sinne.

    Wir haben es geändert, herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

    "ein versteinertes Knöchelchen...."

    Es handelt sich um einen Knochenrest. Eine Versteinerung würde viel länger dauern als die angegebenen 30.000 - 48.000 Jahre. Entsprechend ist in allen anderen Artikeln zum Thema auch von Knochenfragment die Rede, nicht von versteinertem Knochen.

    Redaktion

    Lieber Leser,

    ich habe gerade mit dem Autor, Herrn Bahnsen, noch einmal über den Begriff "versteinert" gesprochen.

    An dieser Stelle wäre es tatsächlich besser von "fossiliert" zu sprechen - der Knochen ist ein Überrest und keine Versteinerung im engeren Sinne.

    Wir haben es geändert, herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

    • postit
    • 24.03.2010 um 21:58 Uhr

    in EUROPA ??? Ich bin geographisch verwirrt, kann das jemand aufklären?

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    "....gibt es etwas Neues in EUROPA ??? Ich bin geographisch verwirrt..."

    Richtig, Sibirien liegt in Asien.........

    "....gibt es etwas Neues in EUROPA ??? Ich bin geographisch verwirrt..."

    Richtig, Sibirien liegt in Asien.........

  4. "...das Endglied des kleinen Fingers einer jugendlichen Menschenhand"

    Jugendlich trifft es nicht ganz - der Fund stammt vermutlich von einem 5-7jährigem Kind.

    "Die Dechiffrierung lässt bereits einen ersten Befund zu: Das Wesen besaß kein Y-Chromosom, war also eine Frau."

    ???? Da wissen Sie aber mehr als die gesamte Weltpresse und die Forscher selbst! :-)

    Die untersuchte Probe stammt von der entnommenen mitochondrialen DNA, die nur von Mutter zu Tochter weitervererbt wird. Daher haben die Forscher dem Wesen den Spitznamen "X-Woman" gegeben.

    Auch wenn die Weitergabe der mitochondrialen DNA nur von Mutter zu Tochter erfolgt, haben natürlich *alle* Menschen mitochondriale DNA. ;-)

    Das Geschlecht lässt sich nur mit Hilfe der nuklearen DNA bestimmen, die aber jetzt erst untersucht wird. Es wird noch mehrere Monate dauern, bis erste Ergebnisse vorliegen.

    (Sollten Sie, Herr Bahnsen, jedoch in den letzten Monaten geheime Laborversuche angestellt haben und als erster nachweisen können, dass es sich tatsächlich um eine Frau handelt, verzeihen Sie meine kritischen Anmerkungen....und rufen Sie bitte SOFORT das Max Planck-Institut an. ;-))

    Ob Junge oder Mädchen....die Wettbüros sind noch geöffnet. Die Chancen stehen 50:50. ;-)

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    Eine Frage nochmal:
    Sie schreiben Mitochondiren werden nur von Mutter zur Tochter vererbt, meinten Sie damit eventuell nur von Mutter auf Kind?
    MfG

    Eine Frage nochmal:
    Sie schreiben Mitochondiren werden nur von Mutter zur Tochter vererbt, meinten Sie damit eventuell nur von Mutter auf Kind?
    MfG

  5. Wie stellt ihr euch das eigentlich vor? Vergleich mit Neandertaler-Genom, mit Jetztmensch, das Ausschliessen von Verunreinigungen u.s.w. u.s.f.?

    Wenn Neil Armstrong auf dem Mond landet, dann fragt man sich doch ob er die Rakete selbst entwickelt, gebaut, getestet und bezahlt hat! (Und nein er hatte keins von alldem, er war einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort)

    Analog dazu: Pääbo und Krause stehen auf den Schultern von Giganten und sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Nicht mehr und nicht weniger. Aber umbedingt nen Nature-Artikel veroeffentlichen obwohl man eigentlich gar nix weiss ...

  6. "ein versteinertes Knöchelchen...."

    Es handelt sich um einen Knochenrest. Eine Versteinerung würde viel länger dauern als die angegebenen 30.000 - 48.000 Jahre. Entsprechend ist in allen anderen Artikeln zum Thema auch von Knochenfragment die Rede, nicht von versteinertem Knochen.

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