Stilkolumne Seid umschlungen, Männer!
Ein Halstuch war einst ein Symbol für Folgsamkeit und Disziplin. Heute markiert es den Individualisten. Tillmann Prüfer über das neue Accessoire für den Herren
Wer mit einem Halstuch noch als Individualist durchgehen möchte, muss schon so eines tragen. Tuch von Paschbeck Fummel + Kram, 195 Euro
Frauen wussten schon immer um die Vorteile eines Halstuchs. Ein Tuch umgibt die Dame mit einem Flair, als sei von ihr Besonderes zu erwarten. Mit einem Tuch setzt sie einen besonderen Akzent. Gleichzeitig hat es etwas Schützendes. Mit dem Tuch lässt sich spielen, man kann es enger binden, ablegen, um die Schultern oder die Beine legen, wenn eine Sommernacht etwas kühler wird. Eine Frau, die sich mit einem Tuch schmückt, wirkt immer, als habe sie sich etwas dabei gedacht, als sei ihr Stil nicht zufällig. Frauen und Tücher passen herrlich zusammen.
Allerdings sind es in jüngerer Zeit immer mehr Männer, die durch Tücher auffallen. Man sieht Männer mit Kaschmir, Seide und Baumwolle umschlungen. Vor allem dann, wenn sie sich in Abendgarderobe geworfen haben oder bei sonst einem Anlass zugegen sind, dem man nicht in Jeans und Pulli beiwohnen sollte.
So wie sie früher im Hemd mit offenem Kragen kamen, kommen sie nun mit Halstuch. Immerhin: Wer mit Halstuch und Sakko aufläuft, macht selten etwas falsch. Das Halstuch ist feierlicher als ein offener Kragen, sagt aber gleichzeitig, dass man viel zu selbstbestimmt ist, sich eine Krawatte umzubinden. Unterstützt wird dieser Boheme-Look gewöhnlich, indem man das Tuch möglichst lässig um den Hals drapiert. Es darf nicht den Eindruck erwecken, da habe sich jemand fein machen wollen.
Schon kurios, dass das Tuch um den Hals heute den Individualisten markiert. Denn traditionell ist es viel eher ein Symbol für Folgsamkeit und Disziplin. Bis heute zählen Halstücher bei den verschiedensten Militärgattungen zur Uniform. Bei der U.S. Navy ergänzt ein schwarzes Halstuch den weißen Dienstanzug der unteren Grade. Und besonders beliebt war das Tuch in der ehemaligen DDR. Die Pionierorganisation hatte es von den Pfadfindern übernommen. Es gab das blaue Halstuch für die Jungpioniere und das rote für die Thälmannpioniere. Pioniertücher mussten mit einem speziellen Pionierknoten gebunden werden.
Kreativer knoten – das wäre vielleicht mal ein Ansatz, mehr Kunstfertigkeit in die allgegenwärtige Tuchtragerei zu bringen.
Allerdings kann man dann schon fast wieder zur Krawatte greifen. Das wäre zurzeit wahrhaft individuell.
- Datum 25.03.2010 - 15:34 Uhr
- Serie Stilkolumne
- Quelle ZEITmagazin, 25.03.2010 Nr. 13
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Der "ich leg mir einen Schal um den Hals" - Boheme - Look ist meines Erachtens nicht (mehr) wirklich "individuell"... Zudem vergisst der Autor die wirklich stilvolle Variante: Den Krawattenschal.
markiert Schicki-Micki und Dünkel, sonst nichts. Ich kann solche Typen nicht ernst nehmen. Es sei denn der Mann ist ernsthaft krank, dann würd ich ihn aber zur nächsten Apotheke schicken um sich ein paar Halsbonbons zu holen.
Man kann ein Halstuch als bereits
1. innerkulturell objektiv vorhandenes Symbol
(FDJ- Tuch)
2. oder als Selbstgestaltung entprechend einer metaphysischen Vorstellung von sich selbst
3. oder einer Vorbildperson mit Tuch
einsetzen.(d.h. aber nicht interpretieren!)
Der Autor liegt völlig falsch, wenn er glaubt oder fantasiert, dass der Typus Halstuch grundsätzlich jemals für Folgsamkeit etc. gestanden haben könnte.
Das ist wirklich Humbug, denn der Mensch lebt nicht eine völlig fixe Symbolik, das gibt - wenn überhaupt - maximal bei Tieren!
Ich bin äußerst tolerant gegenüber Homo- oder Metrosexualität, ich habe jedoch ein Problem damit wenn die Medien versuchen einem eine sexuell Ausrichtung -hier Metrosexualität- aufzudrücken.
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