Soziale Gerechtigkeit "Die Mittelklasse irrt"

Je ungleicher eine reiche Gesellschaft, desto größer ihre sozialen Probleme: Der britische Sozialforscher Richard Wilkinson über die Frage, warum der wachsende Abstand zwischen Arm und Reich schlecht für alle ist

Richard Wilkinson: "Die Politik muss für mehr Gleichheit sorgen!"

Richard Wilkinson: "Die Politik muss für mehr Gleichheit sorgen!"

DIE ZEIT: Herr Wilkinson, Ihrer Ansicht nach ist Ungleichheit die Ursache fast aller sozialen Probleme in wohlhabenden Industriestaaten. Warum?

Richard Wilkinson: Die Statistiken sind da ganz eindeutig. Je größer die Unterschiede zwischen Arm und Reich, umso größer sind auch die sozialen Probleme. Ob es um Kriminalität, Gewalt, Drogenmissbrauch, Schwangerschaften im Kindesalter, um schlechte Gesundheit, Fettleibigkeit, den Bildungsstand oder die Lebenserwartung geht: Überall zeigt sich, dass »ungleiche« Staaten wesentlich schlechter dastehen. Und zwar nicht nur ein bisschen schlechter. Anders ausgedrückt: In den westlichen Industrienationen, in denen der Unterschied zwischen Arm und Reich weniger ausgeprägt ist, gibt es bis zu sechsmal weniger Morde. Und bis zu zehnmal weniger Menschen sitzen im Gefängnis.

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ZEIT: Welche Staaten stehen besonders schlecht da?

Wilkinson: Maßstab sind die Einkommen der reichsten und der ärmsten 20 Prozent in den jeweiligen Staaten. Der Abstand in den Ländern mit großer sozialer Kluft ist dabei rund doppelt so hoch wie in jenen mit geringer Ungleichheit. Was Ungleichheit und soziale Probleme angeht, schneiden die USA, Großbritannien und Portugal am schlechtesten ab. Am besten Japan und die skandinavischen Staaten. Deutschland liegt meist in der Mitte.

Gleichheit ist Glück
Gleichheit ist Glück

Richard Wilkinson hat zusammen mit Kate Pickett das Buch "Gleichheit ist Glück" geschrieben. Seine zentrale These: Ungleichheit macht krank - nicht nur den Einzelnen, sondern am Ende die gesamte Gesellschaft. Das Buch ist eine gründliche Ergänzung zur Glücksforschung der Ökonomen, die das Streben nach Zufriedenheit zwar als wirtschaftliche Triebkraft sieht, das den Menschen aber auch neidisch macht. Erschienen ist das Buch im Tolkemit-Verlag, 320 S., 19.90 Euro

ZEIT: Und die gleicheren Länder haben wirklich immer und in jedem Fall weniger Probleme?

Wilkinson: Wir haben Dutzende Studien ausgewertet, sie sprechen alle dieselbe Sprache: Massive Ungleichheit macht eine Gesellschaft ganz generell dysfunktionaler. Ohne Ausnahme.

ZEIT: Wie kommt das?

Wilkinson: Es gibt zum Beispiel eine Verbindung zwischen Ungleichheit und Bildung – und damit den Aufstiegschancen. Das Zwischenglied ist der soziale Status. Um das zu erklären, reichen volkswirtschaftliche Modelle aber allein nicht aus. Man muss auch die psychosozialen Folgen von Ungleichheit berücksichtigen. Menschen reagieren sehr sensibel, sie vergleichen sich und ihren Status mit anderen. Materielle Ungleichheit führt zunächst zu Statusangst…

ZEIT: …aber was hat die Statusangst der Eltern mit den Bildungschancen der Kinder zu tun?

Wilkinson: Eltern geben ihre Ängste oft unbewusst an ihre Kinder weiter. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Kooperation wenig zählt und in der die Selbstdarstellung und das Selbstwertgefühl der Menschen vor allem auf materiellem Erfolg beruht. Kinder kriegen das natürlich mit. Statusangst wird ihnen sozusagen in die Wiege gelegt und beeinflusst damit auch die Werte und die Qualität ihrer sozialen Beziehungen. In ungleichen Gesellschaften herrscht weniger Vertrauen, weniger sozialer Zusammenhalt. Zugleich steigt die Tendenz zu mehr Gewalt. Und das beeinflusst natürlich auch die Bildungschancen der Kinder. 

ZEIT: Die Gesellschaft hat also Schuld?

Wilkinson: Richtig. Ungleichheit führt zu Statusproblemen bei den Eltern, und die Kinder bekommen das mit.

ZEIT: Wo bleibt da die individuelle Verantwortung? Fettleibigkeit etwa hat doch wohl auch etwas mit der Frage zu tun, ob man sich vornehmlich von Burgern und Fritten ernährt! 

Wilkinson: Falsch. Die Sozialepidemiologie hat bewiesen, dass die schlechte Qualität unserer sozialen Beziehungen die Hauptursache für chronische Stresssymptome ist. Menschen unter Stress aber essen, um sich gut zu fühlen, und sie essen oft Nahrung mit einem hohen Fettgehalt. Außerdem weiß man aus der Forschung, dass frühkindlicher Stress und Angst Auswirkungen auf das Gewicht haben.

ZEIT: Schneiden die reicheren unter den reichen Ländern besser ab? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Wohlstand und sozialen Problemen?

Wilkinson: Nein. Nehmen Sie das Beispiel Lebenserwartung: Obwohl das Pro-Kopf-Einkommen in den USA oder Norwegen sehr viel höher ist als in Griechenland oder Portugal, gibt es da keine großen Unterschiede. Ähnlich ist es bei den anderen sozialen Indikatoren, die wir untersucht haben. 

ZEIT: Heißt das, ab einem bestimmten Niveau verlieren Wohlstandsgewinne ihre Bedeutung?

Wilkinson: Ja, genau das. Ich glaube, dass in reichen Gesellschaften des Westens Wirtschaftswachstum, also die Verbesserung des materiellen Wohlstandes, allein keine Verbesserungen mehr bringt.

ZEIT: Die Mittelklasse wird das nicht stören. Sie glaubt doch, dass Ungleichheit sie kaum betrifft.

Wilkinson: Da irrt sich die Mittelklasse. Die soziale Lage in ungleicheren Ländern ist doch deshalb so viel schlechter, weil eben nicht nur die Armen betroffen sind. In gleicheren Ländern leiden etwa acht Prozent der Bevölkerung an einer psychischen Erkrankung, in den USA sind es dagegen rund 25 Prozent! Natürlich sind soziale Probleme in den unteren Bevölkerungsschichten besonders virulent. Aber in ungleichen Ländern sickern sie zunehmend auch in die mittleren Schichten ein. Auf lange Sicht wird es einem durchschnittlichen Mittelklassekind in Skandinavien oder Japan also in jedem Fall besser gehen als in den USA oder in Großbritannien. Dieses Kind wird eher nicht drogenabhängig, es wird eher nicht Opfer eines Verbrechens, und es hat auch viel bessere Chancen, in der Schule besser abzuschneiden. 

ZEIT: Noch mal: Ist Ungleichheit wirklich die bestimmende Ursache aller sozialen Probleme? Ist es zum Beispiel nicht bezeichnend, dass Länder mit hoher Ungleichheit zugleich auch Länder mit einem hohen Anteil an Migranten sind?

Wilkinson: Das stimmt doch gar nicht! Schweden und die USA haben in etwa einen gleich großen Anteil von Bürgern, die im Ausland geboren sind. Und zahllose Studien haben festgestellt, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem ethnischen Mix einer Gesellschaft und dem Grad der Ungleichheit gibt.

ZEIT: Ökonomen sagen auch, dass Ungleichheit eine Gesellschaft voranbringt, weil sie Innovation, Wettbewerb und Wachstum antreibt.

Wilkinson: Richtig ist wohl, dass in sich entwickelnden Ländern Ungleichheit vorübergehend positiv wirken kann. In hoch entwickelten Industrienationen, das zeigen nun mal unsere Statistiken, gilt das aber nicht mehr. Auch wenn das nur ein kleiner Hinweis ist: Würde Ungleichheit die Innovationskraft eines Landes stärken, müssten in Ländern mit großem Abstand zwischen Reich und Arm beispielsweise pro Kopf der Bevölkerung mehr Patente erteilt werden als in gleicheren. Was aber nicht der Fall ist.

ZEIT: Auch in Deutschland wächst die Kluft zwischen Arm und Reich. Hier geht die Politik davon aus, dass das vor allem am technischen Wandel und an der Globalisierung liegt. Stimmt das etwa nicht?

Wilkinson: Ich glaube, die deutsche Politik macht es sich mit einer solchen Ansicht viel zu einfach. Der amerikanische Nobelpreisträger Paul Krugman jedenfalls ist wie ich der Meinung, dass für die wachsende Ungleichheit die Politik ganz entscheidend verantwortlich ist. Schließlich waren die ersten Nachkriegsjahrzehnte in allen westlichen Industrienationen von wachsender Gleichheit geprägt. Die Wende kam erst mit der Liberalisierungspolitik von Ronald Reagan und Margaret Thatcher in den achtziger Jahren. Und nach der Wiedervereinigung ist Deutschland mehr oder weniger demselben Modell gefolgt.

ZEIT: Wenn die Politik für Ungleichheit verantwortlich ist: Kann sie dann auch wieder für mehr Gleichheit sorgen?

Wilkinson: Sie muss es! Spätestens seit der Finanzkrise wissen die meisten Menschen, dass es so nicht weitergeht. Sie spüren, dass unsere Gesellschaften härter, unnachgiebiger und unsozialer geworden sind. Sie sind beunruhigt über den materiellen Reichtum der wenigen und die sozialen Probleme der vielen. Sie wissen, dass ein besseres Leben in erster Linie von der Qualität sozialer Beziehungen abhängt. Und die macht man nur besser, wenn man Einkommensunterschiede abbaut.

ZEIT: Was sollte die Politik konkret tun?

Wilkinson: Gleichheit ist ein langfristiges Projekt. Dabei geht es nicht nur um die Frage der Umverteilung. Schweden macht das über Steuern, in Japan sind die Gehaltsunterschiede nicht so groß. Man muss aber auch die wirtschaftliche Demokratie stärken, etwa über die Gewerkschaften und eine größere Mitsprache oder mehr Kapital für Buy-outs von Unternehmen durch ihre Mitarbeiter. Wenn eine Firma durch größere Mitbestimmung in eine Gemeinschaft verwandelt wird, steigt auch die Produktivität. Das wissen wir. 

ZEIT: Lohnt es überhaupt noch, in die Bekämpfung einzelner sozialer Probleme Geld zu stecken, wenn man das Grundübel Ungleichheit nicht angeht?

Wilkinson: Einerseits gibt es – in ungleichen Staaten ganz besonders – soziale Brennpunkte, in denen der gesellschaftliche Zusammenhalt völlig zerbrochen ist. Dort muss der Sozialstaat direkt eingreifen. Bei Gewalt oder Drogenmissbrauch zum Beispiel muss er sich frühzeitig in die Kinderbetreuung einmischen. Aber wenn die Politik nicht die Wurzel aller Probleme angeht, wird sich nichts fundamental ändern, und das ist auf Dauer ziemlich teuer und ineffizient. Also müssen wir uns als Gesellschaft die grundsätzliche Frage stellen, ob wir wirklich nur nach dem Motto leben wollen, dass der Stärkere das meiste kriegt und der Schwächere zurückbleibt. Ungleichheit teilt eine Gesellschaft und reibt sie auf. Ich glaube, wir brauchen wieder mehr Kooperation und Gegenseitigkeit. Die Menschen wollen größere soziale Gleichheit.

Die Fragen stellten John F. Jungclaussen und Christian Tenbrock

 
Leser-Kommentare
  1. kallewestrich: Fragt sich nur, wer das und wie er das verwirklichen soll? Es ist eine Utopie im klassischen Sinn. Wir schaffen es nicht zu einem solchen Denken wie Japan und Schweden zu kommen. Dazu sind unsere egoistischen Grundzüge viel zu sehr im Handeln verankert. Bei uns führt das eher zu einem Aufstand der Mittellosen. Die Gewaltanwendung von unten zeigt das immer mehr.

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    ... das Wissen um die Zusammenhänge ist doch ein erster Ansatzpunkt. Wilkinson liefert ja selbst auch schon Beispiele:
    "Schweden macht das über Steuern, [...] Man muss aber auch die wirtschaftliche Demokratie stärken, etwa über die Gewerkschaften und eine größere Mitsprache oder mehr Kapital für Buy-outs von Unternehmen durch ihre Mitarbeiter."

    Alles Sachen die man gesetzlich regeln kann und zumindest ansatzweise über Wahlen mitbestimmen, oder anders ausgedrückt: FDP sollte man wohl eher nicht ankreuzen.

    Langfristig hoffe ich auch für Deutschland auf (richtige) Demokratie, statt korruptem Deppentheater. Wenn einzelne Interessengruppen sich die Politik und Vorteile nicht mehr erkaufen können, dann wäre schon viel gewonnen...

    Danke übrigens an die ZEIT, frage mich ob man die, meiner Ansicht nach, bahnbrechende Studie auch in der restlichen Medienwelt wahrnehmen wird.

    ... das Wissen um die Zusammenhänge ist doch ein erster Ansatzpunkt. Wilkinson liefert ja selbst auch schon Beispiele:
    "Schweden macht das über Steuern, [...] Man muss aber auch die wirtschaftliche Demokratie stärken, etwa über die Gewerkschaften und eine größere Mitsprache oder mehr Kapital für Buy-outs von Unternehmen durch ihre Mitarbeiter."

    Alles Sachen die man gesetzlich regeln kann und zumindest ansatzweise über Wahlen mitbestimmen, oder anders ausgedrückt: FDP sollte man wohl eher nicht ankreuzen.

    Langfristig hoffe ich auch für Deutschland auf (richtige) Demokratie, statt korruptem Deppentheater. Wenn einzelne Interessengruppen sich die Politik und Vorteile nicht mehr erkaufen können, dann wäre schon viel gewonnen...

    Danke übrigens an die ZEIT, frage mich ob man die, meiner Ansicht nach, bahnbrechende Studie auch in der restlichen Medienwelt wahrnehmen wird.

  2. ... das Wissen um die Zusammenhänge ist doch ein erster Ansatzpunkt. Wilkinson liefert ja selbst auch schon Beispiele:
    "Schweden macht das über Steuern, [...] Man muss aber auch die wirtschaftliche Demokratie stärken, etwa über die Gewerkschaften und eine größere Mitsprache oder mehr Kapital für Buy-outs von Unternehmen durch ihre Mitarbeiter."

    Alles Sachen die man gesetzlich regeln kann und zumindest ansatzweise über Wahlen mitbestimmen, oder anders ausgedrückt: FDP sollte man wohl eher nicht ankreuzen.

    Langfristig hoffe ich auch für Deutschland auf (richtige) Demokratie, statt korruptem Deppentheater. Wenn einzelne Interessengruppen sich die Politik und Vorteile nicht mehr erkaufen können, dann wäre schon viel gewonnen...

    Danke übrigens an die ZEIT, frage mich ob man die, meiner Ansicht nach, bahnbrechende Studie auch in der restlichen Medienwelt wahrnehmen wird.

  3. 7. *lol*

    "Korrelationen reichen eben nicht aus; ein Kausalzusammenhang kann ganz anders aussehen."

    Und wie? Wenn eine große Menge Korrelationen alle in die selbe Richtung weisen, dann sollte man vielleicht wenigstens einen möglichen Denkfehler aufzeigen, statt allgemein ein bisschen rumzumosern, weil die Erkenntnisse vielleicht nicht zum eigenen Weltbild passen wollen und unangenehme kognitive Dissonanzen erzeugen.

    "Was ist sozial gerecht? Schon darüber gibt es keine Einigung."

    Und? Das Buch spricht von mehr Gleichheit und gleichzeitig geringeren gesellschaftlichen Problemen, was ist daran nicht zu verstehen? Warum muss man dazu die Philosophie bemühen?

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    • joG
    • 26.03.2010 um 14:48 Uhr

    ....werden mögliche "Denkfehler" gezeigt indem die Daten mit anderen Methoden beleuchtet werden. Das beweist natürlich nicht, dass die ursprüngliche These völlig unrichtig ist. Es falsifiziert allerdings sehr wohl die Allgemeinheit ihres Anwendungsbereichs.

    • joG
    • 26.03.2010 um 14:48 Uhr

    ....werden mögliche "Denkfehler" gezeigt indem die Daten mit anderen Methoden beleuchtet werden. Das beweist natürlich nicht, dass die ursprüngliche These völlig unrichtig ist. Es falsifiziert allerdings sehr wohl die Allgemeinheit ihres Anwendungsbereichs.

  4. Ein kurzes Beispiel über Korrelation:
    Je mehr Feuerwehrleute eingesetzt werden, desto größer ist der Brandschaden. Kapiert? Es ist eben häufig eine dahinterliegende, intervenierende Variable, die den Kausalzusammenhang stiftet.

    Außerdem verweise ich - genau wie JoG - auf die Rezension der Studie. Das zeigt eindeutig, dass die Situation nicht so einfach ist, wie Sie es gerne hätten

    Eine Leser-Empfehlung
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    ... die Studie ist viel eindeutiger als ihr es wahrhaben wollt. Es passt bloß nicht in euer enges Weltbild rein. Also sucht ihr verzweifelt nach irgendwelchen Angriffspünktchen, weil das immer noch bequemer ist, als seinen eigenen Standpunkt in Frage zu stellen.

    Wahrscheinlich liegt das einfach daran, dass ihr Ungleichheitsgewinner seid. Auch das Symptom ist übrigens empirisch nachweisbar, nennt sich fundamentaler Attributionsfehler:
    http://de.wikipedia.org/w...

    Ein etwas ausführlicheres Interview, in dem auch einige abweichende Fakten erläutert werden, findet man übrigens hier:
    http://www.taz.de/1/archi...

    "Je mehr Feuerwehrleute eingesetzt werden, desto größer ist der Brandschaden. Kapiert?"

    Du mußt mir Korrelationen nicht erklären, aber du könntest vielleicht mal eine mögliche Fehlinterpretation aufzeigen. Die Autoren untersuchen nämlich vorsorglich eine ganze Reihe von verschiedenen Thesen, die sich alle nicht halten lassen, etwa den Migrantenanteil.

    "Außerdem verweise ich - genau wie JoG - auf die Rezension der Studie. Das zeigt eindeutig, dass die Situation nicht so einfach ist, wie Sie es gerne hätten"

    Nein einfach nicht, aber ziemlich eindeutig und für mich auch absolut plausibel und meiner Erfahrung entsprechend.

    Klar kann man den ein oder anderen Fakt herausgreifen lange hin- und herdrehen, andere Studien bemühen, die besser zum eigenen Weltbild passen usw. und dann die Ergebnisse zerreden. Für andere reicht ein Blick nach USA, mit zehnmal so vollen Gefängnissen wie in Deutschland, mit der Säuglingssterblichkeit eines Entwicklungslandes, einer absoluten Horrorkriminalität. Oder der schlichten Tatsache dass es Millionen unversicherter Amerikaner gibt und zig-Millionen die nur von Lebensmittelmarken leben, während auf der anderen Seite märchenhafter Reichtum wuchert...

    Schade eigentlich, denn speziell der Attributionsfehler trifft auf Sie in gleicher Weise zu.

    Es lohnt sich nicht, darauf weiter einzugehen.

    Und denken Sie daran: Je mehr Feuerwehrleute, desto größer der Brandschaden. Diese Korrelation finden Sie immer und überall. Ohne Ausnahme! Sie zielt immer in eine Richtung, und präjudiziert nach Ihrer Denkweise eindeutig, daß da etwas dran sein muß. Was man natürlich nur nicht wahrhaben will.

    Wer hier verzweifelt sucht, ist offensichtlich. Die Gutmenschen wollen Gutes tun, aber leider tun sie es eben oft nicht!

    • IPJ
    • 27.03.2010 um 17:11 Uhr

    Wenn Sie in Bezug auf diese Studie schon auf Korrelationen abstellen, so sollten Sie schon konsequent sein. Dann sollten Sie alle Ihre "Gewissheiten" auf den Prüfstand stellen. Kann jede Wirkung auf eine Ursache zurückgeführt werden? Oder sind es nicht bloss alles Korrelationen? Wenn ich Ihnen eine runterhaue und Sie dann schreien, dann kann ich vielleicht auch nur eine Korrelation feststellen: Immer, wenn ich Ihnen eine runterhaue, dann schreien Sie. Es ist zwar ein seltsames Zusammentreffen von zwei Ereignissen, dennoch muss hier nicht unbedingt ein ursächlicher Zusammenhang bestehen. Oder etwa doch?

    Gruß
    IPJ

    ... die Studie ist viel eindeutiger als ihr es wahrhaben wollt. Es passt bloß nicht in euer enges Weltbild rein. Also sucht ihr verzweifelt nach irgendwelchen Angriffspünktchen, weil das immer noch bequemer ist, als seinen eigenen Standpunkt in Frage zu stellen.

    Wahrscheinlich liegt das einfach daran, dass ihr Ungleichheitsgewinner seid. Auch das Symptom ist übrigens empirisch nachweisbar, nennt sich fundamentaler Attributionsfehler:
    http://de.wikipedia.org/w...

    Ein etwas ausführlicheres Interview, in dem auch einige abweichende Fakten erläutert werden, findet man übrigens hier:
    http://www.taz.de/1/archi...

    "Je mehr Feuerwehrleute eingesetzt werden, desto größer ist der Brandschaden. Kapiert?"

    Du mußt mir Korrelationen nicht erklären, aber du könntest vielleicht mal eine mögliche Fehlinterpretation aufzeigen. Die Autoren untersuchen nämlich vorsorglich eine ganze Reihe von verschiedenen Thesen, die sich alle nicht halten lassen, etwa den Migrantenanteil.

    "Außerdem verweise ich - genau wie JoG - auf die Rezension der Studie. Das zeigt eindeutig, dass die Situation nicht so einfach ist, wie Sie es gerne hätten"

    Nein einfach nicht, aber ziemlich eindeutig und für mich auch absolut plausibel und meiner Erfahrung entsprechend.

    Klar kann man den ein oder anderen Fakt herausgreifen lange hin- und herdrehen, andere Studien bemühen, die besser zum eigenen Weltbild passen usw. und dann die Ergebnisse zerreden. Für andere reicht ein Blick nach USA, mit zehnmal so vollen Gefängnissen wie in Deutschland, mit der Säuglingssterblichkeit eines Entwicklungslandes, einer absoluten Horrorkriminalität. Oder der schlichten Tatsache dass es Millionen unversicherter Amerikaner gibt und zig-Millionen die nur von Lebensmittelmarken leben, während auf der anderen Seite märchenhafter Reichtum wuchert...

    Schade eigentlich, denn speziell der Attributionsfehler trifft auf Sie in gleicher Weise zu.

    Es lohnt sich nicht, darauf weiter einzugehen.

    Und denken Sie daran: Je mehr Feuerwehrleute, desto größer der Brandschaden. Diese Korrelation finden Sie immer und überall. Ohne Ausnahme! Sie zielt immer in eine Richtung, und präjudiziert nach Ihrer Denkweise eindeutig, daß da etwas dran sein muß. Was man natürlich nur nicht wahrhaben will.

    Wer hier verzweifelt sucht, ist offensichtlich. Die Gutmenschen wollen Gutes tun, aber leider tun sie es eben oft nicht!

    • IPJ
    • 27.03.2010 um 17:11 Uhr

    Wenn Sie in Bezug auf diese Studie schon auf Korrelationen abstellen, so sollten Sie schon konsequent sein. Dann sollten Sie alle Ihre "Gewissheiten" auf den Prüfstand stellen. Kann jede Wirkung auf eine Ursache zurückgeführt werden? Oder sind es nicht bloss alles Korrelationen? Wenn ich Ihnen eine runterhaue und Sie dann schreien, dann kann ich vielleicht auch nur eine Korrelation feststellen: Immer, wenn ich Ihnen eine runterhaue, dann schreien Sie. Es ist zwar ein seltsames Zusammentreffen von zwei Ereignissen, dennoch muss hier nicht unbedingt ein ursächlicher Zusammenhang bestehen. Oder etwa doch?

    Gruß
    IPJ

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