Integration "Träumt ihr auf Deutsch?"

Was Sigmar Gabriel im Wahlkampf in Moscheen des Ruhrgebiets erlebte

Türkische Jugendliche halten die deutsche und die türkische Flagge als der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel in Gelsenkirchen in die Buer Merkez Moschee kommt

Türkische Jugendliche halten die deutsche und die türkische Flagge als der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel in Gelsenkirchen in die Buer Merkez Moschee kommt

Die Fahne sieht man schon von Weitem. Mondsichel und Stern auf flammendem Rot. Vor der Buer Merkez Moschee an der Horststraße in Gelsenkirchen steht Ümit Cibir, eine verkehrt herum aufgesetzte Baseballmütze auf dem Kopf. Ein paar seiner Freunde hat er mitgebracht, auch sie tragen Hip-Hop-Klamotten und haben ihre Haare mit großen Mengen Gel zu gewagten Skulpturen aufgetürmt.

Sie warten auf Sigmar Gabriel, den SPD-Vorsitzenden, und seinen Bus voller parteinaher Promis. Als die Expedition endlich verspätet auftaucht, spannt Ümit mit seinem Kumpel Mohammed zur Begrüßung die Fahne auf. In den Busfenstern prangen Plakate: »Wir zeigen den Rechten die Rote Karte! SPD.«

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Ümit und sein Freund zeigen den Linken die rote Fahne. Es ist freilich die türkische, und das ist ein Problem. Denn Sigmar Gabriel ist unterwegs, um zu betonen, dass die türkischen Einwanderer »hier in NRW dazugehören« und »dass wir nicht zulassen werden, dass diese Typen einen Keil zwischen uns treiben«. »Diese Typen«, das sind die rechtsextremistischen Hetzer von der Initiative »pro NRW«, die an diesem Wochenende überall im Ruhrgebiet »Mahnwachen« vor Moscheen abhalten. Denen will man die Show stehlen.

Doch so eine riesige türkische Fahne macht das gewünschte Bild kaputt. Gabriel hat kaum den Bus verlassen, da ist er schon federnden Schritts bei den Jungs: »Merhaba. Warum steht ihr hier mit der türkischen Fahne? Seid ihr keine Deutschen? Gehört ihr hier nicht dazu?« Damit haben Ümit und Mohammed nicht gerechnet. Verlegenes, sprachloses Grinsen unter der Basecap. Gabriel marschiert zu einer Gruppe von Jusos und Falken, die an der nächsten Ecke lautstark gegen »Rechtsextremismus und Rassismus« demonstrieren. Als er zum Eingang der Buer Merkez Moschee zurückkehrt, halten Ümit und sein Freund eine deutsche Fahne in den Händen. »Wow. Ihr seid ja pfiffig. Da können wir ja noch was lernen. Kommt mit rein«, sagt Gabriel im Vorbeigehen.

Wenn der SPD-Chef dieser Tage durch die Moscheen des Ruhrgebietes tourt, dann ist das natürlich auch Wahlkampf – sechs Wochen vor dem Sonntag, an dem es der Spitzenkandidatin der SPD, Hannelore Kraft, vielleicht sogar gelingen könnte, Schwarz-Gelb in Düsseldorf von der Macht zu vertreiben. Frau Kraft ist folgerichtig an mehreren Stationen der Reise dabei. Die Sozialdemokratie hat die Muslime nach Jahren ratlosen Schweigens wiederentdeckt. Integrationspolitik ist in der Zwischenzeit Unionsterritorium geworden, im Bund durch Islamkonferenz und Integrationsgipfel, in NRW durch den umtriebigen Minister Laschet. Es geht also auch um die Rückeroberung eines Themas.

Aber mit dem Zeichensetzen ist das nicht so einfach dieser Tage. Wo auch immer der Moscheentourist Gabriel hinkommt an diesem Freitag – immer muss er die Äußerungen des türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan in der jüngsten ZEIT kommentieren, türkische Gymnasien seien ein Mittel gegen die Integrationsdefizite junger Türkischstämmiger. Kaum hat er am Morgen die Haci Bayram Moschee in Oberhausen betreten, geht es schon los. Es ist eine kleine, bescheidene Hinterhofmoschee, in die der Tross hier einfällt. Die mit ornamentalen Kacheln verkleidete Gebetsnische mag in Richtung Mekka weisen, doch die Debatte hat sofort Ankara zum Ziel. Herr Yildirim, der Generalsekretär des Moscheeverbandes Ditib – ein Ableger des Religionsministeriums der Türkei –, möchte sich lieber nicht äußern. »Wir gehören zu Deutschland, wir schätzen den Rechtsstaat« – mehr ist dem Funktionär nicht zu entlocken. Da können Gabriels mitreisende türkische Promis nicht mehr an sich halten. Die Schauspielerin Renan Demirkan sagt, ihr eigenes Türkisch sei zwar »nur radebrechend«: »So what! Mein Deutsch ist gut, das war meinen Eltern wichtig, und darum habe ich es zu etwas gebracht. Ich will, dass die Kinder diese Sprache lernen, damit sie sich sichtbar machen können und mitmachen können in dieser Gesellschaft, die ich so liebe.«

Leser-Kommentare
  1. viereggtext - Sie verschärfen die Staat-im Staat-Lösung und helfen nicht bei der Integration. Oder wollen so viele Deutsche ihre Kinder auf türkisch-deutsche Gymnasien schicken, dass das jetzt akut wird?

  2. 2. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf Diskriminierungen. Die Redaktion/sh

  3. Türkische Gymnasien in Deutschland ja, aber keine Kleintürkei in Deutschland. Wir wollen die Herren im Hause bleiben.
    Herr Gabriel muss das sein hier ihre Tingeltour zu veranstalten.

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    so viel Unsinn erzaehlen.(*kopfschüttel*)

    Bitte formulieren Sie Ihre Kritik doch ein wenig ausführlicher. Die Redaktion/sh

    • Burak
    • 05.04.2010 um 13:04 Uhr

    Sie wollen die Herren im Hause bleiben? Das ist ja niedlich. Soll das ein Plädoyer für eine zwei Klassengesellschaft sein oder doch nur ein Ausdruck Ihrer Angst, abgehängt worden zu sein?
    Sie werden teilen müssen! Was immer es auch sei, die Bildung, die Macht, das Geld, das Leben...

    • grrzt
    • 06.04.2010 um 18:32 Uhr

    ja das muss sein und der darf das auch, denn auch wenn es sie wundert, es gibt (m.E. viele) junge Türken in D, die einen Deutschen Pass haben, und die wählen auch. Gell, da sind sie platt! Um bei ihrer Metaphorik (schreibt man das so?) zu bleiben; Herr im Haus sind alle, die sich darin einrichten, möchte ich meinen.

    so viel Unsinn erzaehlen.(*kopfschüttel*)

    Bitte formulieren Sie Ihre Kritik doch ein wenig ausführlicher. Die Redaktion/sh

    • Burak
    • 05.04.2010 um 13:04 Uhr

    Sie wollen die Herren im Hause bleiben? Das ist ja niedlich. Soll das ein Plädoyer für eine zwei Klassengesellschaft sein oder doch nur ein Ausdruck Ihrer Angst, abgehängt worden zu sein?
    Sie werden teilen müssen! Was immer es auch sei, die Bildung, die Macht, das Geld, das Leben...

    • grrzt
    • 06.04.2010 um 18:32 Uhr

    ja das muss sein und der darf das auch, denn auch wenn es sie wundert, es gibt (m.E. viele) junge Türken in D, die einen Deutschen Pass haben, und die wählen auch. Gell, da sind sie platt! Um bei ihrer Metaphorik (schreibt man das so?) zu bleiben; Herr im Haus sind alle, die sich darin einrichten, möchte ich meinen.

  4. wie ist denn das so in den USA zb? wird da auch bei jeder sich bietenden gelegenheit die fahne von irgendwelchen urvätern herausgekramt? oder packt man doch die amerikanische heraus, weil es einfach besser zur identifikation passt?

    tja.

    ich denke da müssen die zugereisten noch einiges lernen. und nicht wir.

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    "Wir" sind die "Zugereisten" und diese sind wir! Wir müssen alle unvoreingenommen und Tolerant sien udn voneinander lernen. Kritisieren sit leicht, es besser machen ist etwas anderes. Was habe ICH getan um die Integration anderer zu unterstützen? Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Aufeinander zugehen und keinen Beitritt verlangen. Denn gerade in solchen integrationsdebatten wird plötzlich ein Deutsches WIr-Gefühl suggeriert, dass nicht vorhanden ist. Ich identifiziere mich in keiner Weise mit zb IHRER Aussage, oder gar mit Westerwelle und Konsorten. Ein "Wir" kann nur dann Bestand haben, wenn es auch Zugereiste und Ausländer mit einschließt. Wir sind alle MEnschen und das sit was zählt. Das sind keine Sprüche. Das sind Prinzipien, die uns seit jahrzehnten Frei von Nazionalsozialisten halten, die soziale Unruhen verhindern konnten, die allen Menschen die Möglichkeit gibt, ihr individuelles Leben zu führen. Deutsch kann alles sein, und alles kann Deutsch sein. Wir müssen aufeinander Zugehen! Das sit der Knackpunkt.

    Von daher: Schluss mit Gruppenegoismus! Wer ausgrenzt hat ein verschrobenes Bild von gemeinschaft.

    "Wir" sind die "Zugereisten" und diese sind wir! Wir müssen alle unvoreingenommen und Tolerant sien udn voneinander lernen. Kritisieren sit leicht, es besser machen ist etwas anderes. Was habe ICH getan um die Integration anderer zu unterstützen? Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Aufeinander zugehen und keinen Beitritt verlangen. Denn gerade in solchen integrationsdebatten wird plötzlich ein Deutsches WIr-Gefühl suggeriert, dass nicht vorhanden ist. Ich identifiziere mich in keiner Weise mit zb IHRER Aussage, oder gar mit Westerwelle und Konsorten. Ein "Wir" kann nur dann Bestand haben, wenn es auch Zugereiste und Ausländer mit einschließt. Wir sind alle MEnschen und das sit was zählt. Das sind keine Sprüche. Das sind Prinzipien, die uns seit jahrzehnten Frei von Nazionalsozialisten halten, die soziale Unruhen verhindern konnten, die allen Menschen die Möglichkeit gibt, ihr individuelles Leben zu führen. Deutsch kann alles sein, und alles kann Deutsch sein. Wir müssen aufeinander Zugehen! Das sit der Knackpunkt.

    Von daher: Schluss mit Gruppenegoismus! Wer ausgrenzt hat ein verschrobenes Bild von gemeinschaft.

  5. Ich kann Gabriel ja schon verstehen, dass er sich mit dem Auflehnen von Deutschen türkischer Abstammung schwer tut. Denn jede Kritik an den Türken wird bereitwillig von extremen Rechten verkürzt aufgenommen, nach dem Motto 'selbst die Türken sagen, dass die Türken faul sind, o.ä.'. Auf der anderen Seite das gleiche sowohl mit religiösen als auch mit nationalistischen Extremisten.
    Die Frage ist nur, ob es zwischen diesen Extremen noch Platz gibt für eine differenzierte Betrachtung der Probleme. Denn die Türken sind ja nicht nur Opfer, sondern auch selber handelnde Personen, die ihr Schicksal mitverändern können.
    Und hier endet auch mein Verständnis für Gabriel. Denn als verantwortungsvoller Politker sollte er nicht nur Stellvertreter Politk betreiben, sondern auch eine eigene Meinung kundtun, wie es zum Beispiel Obama an den Afroamericans vorgemacht hat.
    Denn die Debatte (und Deutschland) braucht eine differenzierte Diskussion über Integration - da schaden Vereinfachungen nur, egal von welcher Seite sie kommen.

    • jojocw
    • 01.04.2010 um 21:05 Uhr

    Durch solche Auftritte zeigt die SPD, dass sie neue Wählerschichten erschließen will.

    Aber damit wird sie noch mehr ihrer alten Wählerschaft einbüßen.
    Denn die bisherigen SPD-Anhänger denken doch so wie die Mehrheit des Volkes bei diesem Thema.
    Sie hat genug von Zuwanderung aus bestimmten Regionen.
    Und das müssen die Politiker endlich zur Kenntnis nehmen.

    Nein, so wird´s nix mehr mit der SPD.

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    "Sie hat genug von Zuwanderung aus bestimmten Regionen."

    Warum sammelt sich bei Zeit-Online das gesamtdeutsche, rechte Gesinde? NEIN, wir ach so übertollen Deutschen haben nicht genug von Zuwanderung. Ganz im Gegenteil! Wir Deutschen finden es super, wenn jeder Mensch selsbt entscheiden kann wo und wie er leben möchte und finden, dass wir integration nicht einfordern sondern begüsntigen müssen! Ich HASSE diese hirarchischen forderrungen nach unterwürfigen Migranten, die sich gefälligst der Leitkultur zu fügen haben!
    Was für ein faschistischer Blödsinn! Niemand muss sich integieren, man muss sich an die gesetze halten und schluss. Alles darüber hinaus ist eine Gesellscahftliche Frage, die wir friedlich und tolerant lösen müssen.

    es muß sich kein Migrant integrieren,wie schön ,
    wir müssen auch nicht alles akzeptieren was unintegrierte
    Migranten fordern,
    als Passdeutscher mit der türkische Fahne aufreuzen
    genauso so wie es Erdogan es gerne sieht.

    "Sie hat genug von Zuwanderung aus bestimmten Regionen."

    Warum sammelt sich bei Zeit-Online das gesamtdeutsche, rechte Gesinde? NEIN, wir ach so übertollen Deutschen haben nicht genug von Zuwanderung. Ganz im Gegenteil! Wir Deutschen finden es super, wenn jeder Mensch selsbt entscheiden kann wo und wie er leben möchte und finden, dass wir integration nicht einfordern sondern begüsntigen müssen! Ich HASSE diese hirarchischen forderrungen nach unterwürfigen Migranten, die sich gefälligst der Leitkultur zu fügen haben!
    Was für ein faschistischer Blödsinn! Niemand muss sich integieren, man muss sich an die gesetze halten und schluss. Alles darüber hinaus ist eine Gesellscahftliche Frage, die wir friedlich und tolerant lösen müssen.

    es muß sich kein Migrant integrieren,wie schön ,
    wir müssen auch nicht alles akzeptieren was unintegrierte
    Migranten fordern,
    als Passdeutscher mit der türkische Fahne aufreuzen
    genauso so wie es Erdogan es gerne sieht.

  6. so viel Unsinn erzaehlen.(*kopfschüttel*)

    Bitte formulieren Sie Ihre Kritik doch ein wenig ausführlicher. Die Redaktion/sh

  7. würde ich über solche Leute wie Ümit schimpfen.
    Anstatt das Bild von den Türken in den Köpfen der Deutschen zu reparieren, träumt er wohl lieber von Autos.. auf türkisch, versteht sich...

    Tja. Da ich aber leider nur ein in Deutschland lebender Türke bin, muss ich wohl das allgemeine Schicksal hier ertragen. Dabei trag ich weder verkehrte Kappen, noch hab ich zu Türmen hochgegelte Haare. Und glücklicherweise werde ich nicht Autos reparieren...

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