Internationaler Währungsfonds Waschlappen aus Washington
Europa erwartet, dass der Internationale Währungsfonds Defizitsündern harte Auflagen macht. Dabei ist er ganz zahm geworden.
© Michael Reynolds/dpa

Der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn
Rashid Amjad ist vielleicht der am besten bewachte Wirtschaftsprofessor der Welt. Wer ihn in seinem Büro an der Quaid-i-Azam-Universität am Stadtrand von Islamabad besuchen will, muss Straßensperren, Metalldetektoren, Stacheldraht und schwer bewaffnete Wachleute passieren.
Pakistan ist ein Land im Ausnahmezustand: Aus Furcht vor Anschlägen sind öffentliche Einrichtungen und Hotels zu Festungen ausgebaut. Pakistan ist auch ein Land mit großen Finanzproblemen – so groß, dass es vom Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Notkrediten über Wasser gehalten wird. Dafür musste sich die Regierung zu Reformen verpflichten. Und genau damit hat Amjad ein Problem. Der IWF, so sagt er mit einem Akzent, dem man die Jahre des Studiums in Cambridge immer noch anhört, nehme »der Wirtschaft die Luft zum Atmen«.
Diese Sichtweise ist verbreitet, nicht nur in Pakistan. Der Internationale Währungsfonds – rund um den Globus gilt er als Agent des Neoliberalismus, der hilfsbedürftige Staaten unterjocht und keine Rücksicht nimmt auf lokale Besonderheiten.
Der Ruf kommt nicht von ungefähr: In den achtziger Jahren zwangen die Washingtoner Ökonomen mit ihren berüchtigten Strukturanpassungsprogrammen viele afrikanische Länder zu Radikalreformen. Die Armen litten, die westlichen Konzerne profitierten. Den von der Asienkrise betroffenen Staaten verordnete der IWF Ende der neunziger Jahre einen strengen Sparkurs, der die Konjunktur abwürgte und die Lage noch verschlimmerte.
Dank Angela Merkel könnten nun schon bald Griechenland und die anderen Schuldenstaaten Südeuropas Besuch vom Währungsfonds bekommen. Die deutsche Kanzlerin setzte durch, dass der IWF an möglichen Rettungsaktionen für angeschlagene Euro-Länder beteiligt wird.
Werden die Ökonomen aus Washington mit ihren drakonischen Auflagen demnächst womöglich unsere Nachbarländer wirtschaftlich verwüsten? Wer eine Antwort auf die Frage sucht, muss Zahlenkolonnen und Abkommen studieren, und er muss mit den Menschen sprechen, die von den laufenden Programmen betroffen sind.
Wie Mahmood Elahi in Pakistan. Elahi hat in den USA studiert, er entstammt einer alten pakistanischen Unternehmerdynastie. In Taxila, eine Autostunde von Islamabad entfernt, betreibt er mit seinem Bruder eine Spinnerei. Hinter dicken weißen Mauern zerteilen Maschinen ratternd weiße, flauschige Polyesterballen in dünne Stränge. Wieder und wieder werden sie verdreht, bis reißfestes Garn entsteht. In Paketen zu zweieinhalb Pfund wird es an die Textil- und Lederindustrie verkauft und dort etwa zum Vernähen von Fußbällen verwendet. Mit seinen 1000 Angestellten produziert Mahmood Elahi jeden Tag rund 14 Tonnen Garn. Die Geschäfte laufen gut, die Auftragsbücher sind voll.
- Datum 01.04.2010 - 18:17 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 31.03.2010 Nr. 14
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Dann sprechen Sie doch mal mit den Leuten in Lettland. Denen wurden vom IWF die Schließung von Krankenhäusern vorgeschrieben sowie andere Austeritätsmaßnahmen, die zu einem völligen Kollaps des Sozialsystems führen. Der Schwenk des IWF unter Strauss-Kahn ist solange unglaubwürdig, wie die drakonische Politik weitergeführt wird. Die Sonderziehungsrechte haben nichts mit der IWF-Politik zu tun, sondern sind eine Ausnahme, die in der Finanzkrise geschaffen wurde.
... liebevoller Hilfsverein. Wer's glaubt. Immerhin scheint man etwas vorsichtiger vorzugehen, auch wenn die Richtung nach wie vor falsch ist.
Schön auch für die Pakistanis, dass sie jetzt, neben höheren Energiepreisen auch noch Mwst. bezahlen dürfen, während die Vermögen der Reichen nicht angetastet werden und per Zins und Zinseszins auch noch jede Menge Geld ins Ausland fliesst. Da wird Pakistan sicher bald auf die Beine kommen, ganz sicher, zumindest wenn sie es schaffen chinesische Dumpingpreise zu unterbieten und die berühmten *internationalen Investoren* abzuwerb... äh anzulocken.
Das ist so lächerlich und dumm, dass man weinen könnte. Witzigerweise denkt das Mutterland des IWF, die USA, nicht im Traum daran ähnliche Maßnahmen über sich ergehen zu lassen. Die USA drucken einfach Geld, alle anderen sollen kuschen, wie sie das bei dem unfairen Währungssystem auch bisher getan haben.
Und was ist die Konsequenz? Ein Aufschrei in der Presse? Nein. Rumgeseiere. Die letzten Jahrzehnte werden wahrscheinlich als die Dümmsten der Neuzeit in die Geschichte eingehen...
oder "Hirten&Woelfe" von H.J.Krysmanski. Viel "Spass" beim Lesen.
Ein schoenes Osterwochende wuenscht,
Georg Trappe
....bei der IWF ganz gut platziert. Obwohl die Europäer dort die Stimmenmehrheit haben, ist der politische Druck durch die EU weniger direkt, als auf die EU Kommission, die den Stabilisierungspakt ja verkommen ließ. Auch ist die Erfahrung des IWF für solche Fälle weit besser.
Warum will Griechenland dann partout keine Kredite vom IWF, obwohl die doch sogar zinsgünstiger wären als die marktgerecht zu verzinsenden Kredite von anderen Eurozonen-Ländern? (Vgl. heute "Griechenland will IWF-Hilfe vermeiden" - http://www.zeit.de/wirtsc... )
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