Wenn ein Haus in Tirana noch eine Baustelle ist, müssen die Besitzer weniger Steuern zahlen

ZEIT: Was ist besonders an Tiranas Straßen?

Radebach: Abseits der wenigen Geschäftsstraßen haben sie oft Schlaglöcher. Dort fahren fast nur alte Mercedes. Die sind robust genug, sagen die Einheimischen. In den Außenvierteln gibt es nur Sand und Schlamm, in den flache Steine gelegt sind. Über die balancieren Frauen mit hochhackigen Schuhen, grazil und ohne sich zu beschmutzen. Wir sahen nach einer halben Stunde total verschlammt aus. Übrigens haben wir nie Geld auf der Straße gefunden. Die Tiraner achten offenbar auf ihr Geld.

ZEIT: Und wie sehen die Häuser aus?

Radebach: Bei den Einfamilienhäusern ist die erste Etage hergerichtet, im Erdgeschoss stehen rohe Wände. Solange das Haus eine Baustelle ist, zahlt man weniger Steuern. Nur in den besseren Vierteln im Süden sahen wir fertige Häuser, eingerahmt von Mauern, auf denen Glasscherben stecken. Nicht sehr einladend.

ZEIT: Nach Tirana reisen bislang nur wenige Touristen. Wie haben die Menschen auf sechs Studenten mit Fotoapparat reagiert?

Radebach: Gleich am ersten Tag gab’s Ärger. Eine von uns hat im Zentrum einen Marktstand fotografiert, wo Fleisch angeboten wurde, nicht unbedingt nach deutschen Hygienestandards. Der Verkäufer kam herausgestürmt. Er hat die Fotografin geschüttelt, die Kamera geschüttelt. Danach haben wir um Erlaubnis gefragt, bevor wir ein Foto machten. Und wir verteilten unsere Flyer auf Albanisch, die das Projekt erklären.

ZEIT: Sind Sie auch mal mit Menschen ins Gespräch gekommen?

Radebach: Häufig riefen uns Leute von ihren Grundstücken her zu: Wollt ihr mit uns Kaffee trinken? Sehr nett. Aber dann hätten wir unser Pensum nicht geschafft. Manchmal plauderten wir auch mit den älteren Herren, die überall auf Bänken sitzen und Domino spielen. Immer Männer, spielende Frauen haben wir nie gesehen.