Adolf Hitlers "Mein Kampf"Das verbotene Buch

Ein Gespräch mit der Wiener Historikerin Brigitte Hamann über Adolf Hitlers bizarre Bekenntnisschrift und den Plan, sie neu zu edieren. von 

Verbotene Literatur: Das Institut für Zeitgeschichte möchte eine neue Ausgabe von Adolf Hitlers Buch "Mein Kampf" herausgeben

Verbotene Literatur: Das Institut für Zeitgeschichte möchte eine neue Ausgabe von Adolf Hitlers Buch "Mein Kampf" herausgeben  |  © Daniel Berehulak/Getty Images

DIE ZEIT: Frau Hamann , für Ihr Buch Hitlers Wien haben Sie sich durch Mein Kampf gekämpft. Kann man das Buch heute noch lesen?

Brigitte Hamann: Ich kenne niemanden, der es komplett geschafft hat. Es ist unerträglich und schrecklich langweilig...

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ZEIT: ...aber eine wichtige historische Quelle?

Hamann: Na ja. Hitler tut so, als zeichne er ein ungeschminktes Bild seines Lebens. Aber wenn man sich seine Jugend in Linz und die Wiener Jahre 1908 bis 1913 anschaut, wird schnell klar, dass so gut wie alles, was er schreibt, erlogen ist, zum Beispiel, er habe auf dem Bau gearbeitet. Der schmächtige Hitler konnte nicht mal einen Koffer tragen.

ZEIT: Aber gibt das Buch nicht umso mehr Aufschluss über sein Denken?

Hamann: Es ist ein Programm, natürlich. Dass er »Lebensraum im Osten« gewinnen will, dass die »Volksgemeinschaft« die parlamentarische Demokratie ersetzen muss und der Marxismus und das Judentum vernichtet werden sollen – das steht da alles drin. Wobei Hitler behauptet, er sei schon in Wien glühender Antisemit gewesen. Aber in Wien hatte er noch nichts gegen die Juden. Schließlich verdankte er ihnen fast alles. Vor allem die Familie Morgenstern hat ihm geholfen, indem sie die Postkarten, die er malte, in ihrem Laden verkaufte. Hitlers Postkarten stapelten sich dort noch 1938, als die Nazis einmarschierten.

ZEIT: Welche Ideen, die Hitler damals aufgesogen hat, finden sich später in Mein Kampf? Er verfasste das Buch ja erst nach dem Münchner Putschversuch von 1923 in der Haft.

Hamann: Hitler hat so gut wie nichts aus sich selbst geschöpft. Er hat immer nur abgeschrieben, vor allem aus den Postillen politischer Randgruppen wie der Alldeutschen Partei Georg von Schönerers. Schönerer war ein Deutschnationaler, der den Anschluss Österreichs an das deutsche Reich propagierte. Seine Anhänger pflegten einen obskuren Arierkult, waren glühende Antisemiten und grüßten mit »Heil!«. Mein Kampf liest sich über weite Strecken tatsächlich wie eine Collage aus den Pamphleten der rechten Wiener Publizistik. Allein der brutale, monomanische, einpeitschende Tonfall! Auch viele Vokabeln finden sich hier, »entartet« etwa und andere rassistische Begriffe, die damals in Mode waren.

ZEIT: Selbst das Hakenkreuz stammt aus der Wiener Zeit...

Hamann: ...womit wir bei den esoterischen Gestalten wären, die Hitler faszinierten. Dazu gehören Guido von List und Lanz von Liebenfels, beide völlig verrückt. List entwickelte eine germanische Mystik und feierte das Hakenkreuz als arisches Kraftsymbol. Liebenfels führte es in seinem frei erfundenen Privatwappen und veröffentlichte Schriften, in denen er in Züchtungsfantasien schwelgte, die auf frappierende Weise die Lebensborn-Visionen der Nationalsozialisten vorwegnahmen: Ausgewählte arische »Zuchtmütter« sollen mit Ariermännern blonde Arierkinder produzieren.

Leserkommentare
  1. "Ich kenne niemanden, der es komplett geschafft hat. Es ist unerträglich und schrecklich langweilig..."

    So ist es. Das Buch zu verbieten, ist die blanke Dummheit von Leuten, die wahrscheinlich nie versucht haben, es zu lesen. Die schlimmste Strafe für Naziphantasten könnte sein, sie dazu zu verdonnern, Mein Kampf GANZ zu lesen.

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    SO ist es. Man müßte die entsprechenden Neonazis dann darum bitten, in eigenen Worten wiederzugeben, was da steht. Das wäre ein Heidenspaß.

    Ich finde, man unterschätzt die Intelligenz der Bevölkerung und überschätzt die Verführbarkeit desselbigen, wenn man solche dümmlichen Pamphlete verbietet oder ihren Verkauf erschwert.

  2. Das Buch ist verboten? Wusst ich garnicht. Warum denn? Was macht es für einen Sinn Bücher zu verbieten? Ok wenn darin beschrieben steht wie man Bomben aus Pudding und Schnur bastelt verstehe ichd as noch. oder wie man am besten einen menschen schlachtet und zubereitet. Aber was ist so schlimm daran, die verwirrten gedanken eines Fanatikers auf die Welt zuzulasen? Verbote sind doch dämlich. es braucht in dieser Hinsicht keine Verbote. es braucht Bildung und Jugendeinrichtungen, damit der Nachwuchs sich nicht in unüberlegte Szenen wirft. Das Buch zu verbieten gibt dem ganzen doch erst den Kick. Lächerlich das ganze.

    Folgende Dinge sollten hingegen endlich einmal verboten werden: Massentierhaltung, Tierzucht- und Verkauf in zoolände und privat, Auslandseinsätze die gegen das Grundgesetzt verstoßen (Ups, sind ja schon verboten, aber Rethorik macht auch das möglich), Zirkusse mit Tierhaltung, Kirchensteuer die durch den Staat erhoben wird, Kostenpflichtiges Bahnfahren für H4 Empfänger, Jagd und vieles mehr.

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  3. 3. Verbot

    Das Buch ist ja gar nicht im eigentlichen Sinne verboten. Bayern hat nur Hitlers von den Alliierten beschlagnamtes Vermögen übernommen und meint damit auch die Verwertungsrechte an "Mein Kampf" zu bestitzen. So ganz geklärt scheint das nicht zu sein, aber jedenfalls verhindert Bayern so bislang eine Neuauflage in Deutschland.
    Das Ganze erweckt allerdings mehr den Eindruck, als wäre es zumindest anfangs mehr darum gegangen, eine DIskussion und Aufarbeitung zu vermeiden, weil man sich mit diesem Kapitel der Geschichte lieber nicht so genau auseinandersetzen wollte. Und irgendwie hat sich das dann verselbständigt und Bayern konnte sich nie durchringen, seine Position zu ändern. 2015 laufen die Urheberrechte aus, damit hat sich das dann erledigt.
    Wäre natürlich besser gewesen, wenn man die Debatte etwas früher geführt und diesen Urheberrechtsblödsinn aufgegeben hätte.

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  4. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, daß sich die werte Historikerin nicht wirklich mit der Thematik beschäftigt hat. Zunächst einmal ist das Buch "Mein Kampf" überhaupt nicht "verboten"! Jeder, der es lesen möchte, kann es auch kaufen. (Allerdings nur Bücher, die bis zum Tode von Adolf Hitler vertrieben wurden.)
    Da sich die bayerische Regierung ,unter nicht ganz unumstrittenen Umständen, die Urheberrechte für dieses Buch unter die Fingernägel gerissen hat, wird ein Neudruck mit dieser Begründung verhindert. Glücklicherweise läuft das Urheberrecht 70 Jahre nach Tod des Urhebers aus; d.h. 2015 kann jeder, der will, eine Neuausgabe auf den Markt bringen.

    Außerdem scheint es mir, als ob die werte Historikerin sich nicht wirklich neutral/wissenschaftlich mit der Thematik befasst hat. Personen, die eine andere Ideologie haben, werden schlicht als verrückt bezeichnet. Damit macht man es sich natürlich sehr einfach.
    Im Prinzip der bekannte Kanon: Hitler war lächerlich, blöde und schmächtig. Außerdem hat er sich alle Ideen zusammengeklaut. Da stellt sich mir die Frage: Wie kann so jemand zu einer der mächtigsten Personen des 20. Jahrhunderts aufsteigen?

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    "Personen, die eine andere Ideologie haben, werden schlicht als verrückt bezeichnet."

    Entschuldigung. Aber wenn ein Mensch zu diesem Schluss kommt, und das auch noch asl Wissenschaftlerin, dann sit das ihr gutes recht. immerhin verfasst sie hier keine wissenschaftliche arbeit sondern führt ein gespräch mit einer Zeitung. Und da darf man, erst recht als hostorikerin, die inblick ind ie materie hat, durchaus eine ideologie ablehnen und sie entsprechend bezeichnen.

  5. Frau Hamann kann es sich nicht verkneifen, Hitler wie einen Idioten aussehen lassen zu wollen - als Historikerin sollte sie es besser wissen, aber dann käme das Interview ja nicht mehr so schmissig daher, nicht wahr? Mich macht das immer so unendlich müde ...

    Für eine nach pädagogischen Gesichtspunkten aufbereiteten Neuauflage des Buches "Mein Kampf" ist es schlichtweg zu spät, kann doch mittlerweile jeder Interessierte das Buch im Internet gratis herunterladen.

    3 Leserempfehlungen
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    • dachsus
    • 03. September 2012 9:40 Uhr

    ...runtergeladen, neine ich.
    Ich habe mir die ersten 3 Seiten angetan, habe noch einige weitere Kapitel angetestet.
    Es ist unglaublig langweilig und schwülstig geschrieben. Unterträglich.
    Ich kann es nicht verstehen, das man solch ein Machwerk unter Verschluss hält. Das inspiriert wirklich niemanden zum Nationalsozialismus.
    Ich habs wieder gelöscht....

  6. "Personen, die eine andere Ideologie haben, werden schlicht als verrückt bezeichnet."

    Entschuldigung. Aber wenn ein Mensch zu diesem Schluss kommt, und das auch noch asl Wissenschaftlerin, dann sit das ihr gutes recht. immerhin verfasst sie hier keine wissenschaftliche arbeit sondern führt ein gespräch mit einer Zeitung. Und da darf man, erst recht als hostorikerin, die inblick ind ie materie hat, durchaus eine ideologie ablehnen und sie entsprechend bezeichnen.

    Antwort auf "Ach, ja"
  7. Können Neonazis denn eigentlich lesen?

    Hitlers "Mein Kampf" ist in Deutschland nicht verboten, lediglich der kommerzielle Vertrieb.

    Zum Lesen als historische Quelle würde ich allerdings eine kommentierte Ausgabe bevorzugen...
    Ich denke die Art, wie Frau Hamann an das Thema herangeht, ist grundsätzlich für die Situation des Interviews nicht falsch. Wer das Buch mal komplett durchgelesen hat weiß, dass man bei so einer Materie an Aussagen (deren tatsächlicher Wahrheitsgehalt, wie die Historikerin ausführt, oftmals sehr fragwürdig ist) nicht durchweg sachlich und objektiv bleiben kann.

    Klar, in einem wissenschaftlichen Aufsatz gingen diese teilweise subjektiven Darstellungen nicht.

  8. 8. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf die reletivierende Äußerungen. Danke, die Redaktion/mo.

    Eine Leserempfehlung
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    >>Im Prinzip der bekannte Kanon: Hitler war lächerlich, blöde und schmächtig. Außerdem hat er sich alle Ideen zusammengeklaut.<<

    selbstverständlich nimmt sich hitler gemessen am geistig-kulturellen stand der zeit als "lächerlich und blöde" aus. auch waren seine weltanschaulichen denk- und deutungsmuster in der tat, wenn man so will, "zusammengeklaut". die ein- und fehlsichten seiner intellektuellen gewährsleute kehren in 'mein kampf' durchweg in selektiv und simplizistisch vezerrter form wieder. es ist anzunehmen, dass sie ihm, wie der mehrheit der deutschen, vornehmlich aus den vulgarisierenden gestaltungen der lagardes und möllers und sonstigen deutschtümelnden politisch-philosophischen after-literaten bekannt (und wohl auch nur in diesen begreiflich) waren. auch wenn es dem deutschen volk heute 'normalitäts'-sehnsüchte verhagelt - es ist seinerzeit nicht einem geistesgroßen charismatiker und unwiderstehlichen verführungskünstler erlegen. um seine bereitschft zu vernichtung und untergang zu aktualisieren und organisieren, genügte ein ungebildeter, zwangsautoritärer 'tatmensch', der es verstand, an bestehende dispositionen anzuschließen.

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  • Schlagworte Adolf Hitler | Brigitte Hamann | NSDAP | Buch | Judentum | Wien
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