Medien Akkordschreiber

Eine US-Firma errechnet, nach welchen Informationen Menschen im Internet suchen, und lässt dann die passenden Texte tausendfach von freien Journalisten produzieren

Wie brutzelt man Chicken Wings? Mit solchen Fragen verdient Shawn Colo, der Chef von Demand Media, sein Geld

Wie brutzelt man Chicken Wings? Mit solchen Fragen verdient Shawn Colo, der Chef von Demand Media, sein Geld

Wie macht man Raupen in den Rabatten den Garaus? Wie brutzelt man Chicken Wings? Mit Fragen wie diesen verdient Shawn Colo sein Geld. Oder besser: mit den Antworten. Seine Firma Demand Media lässt jeden Tag Tausende Artikel und Videos produzieren und stellt sie anschließend zum Abruf ins Netz – kostenlos, finanziert durch Werbung.

Auf den Internetseiten des Unternehmens, sie heißen eHow, Livestrong oder GardenGuides, ist Nützliches, wenn auch wenig Neues, zu lesen. Wie spare ich Geld beim Tanken? Wie ernähre ich mich gesund? Wie buche ich einen Flug bei Turkmenistan Airlines, oder was packe ich für eine Reise in den Süden ein? Freie Mitarbeiter beantworten jede erdenkliche Frage mit maximal 500 Wörtern Text oder einem wenige Minuten langen Kurzfilm.

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Und ihre Dienste sind gefragt: Mehr als 100 Millionen Menschen nutzen dieses Angebot im Monat. Die meistens stoßen über Suchanfragen bei Google auf die Seiten.

Bei Demand Media glaubt man, dass so die Zukunft der Informationsvermittlung (vorläufig nur im Internet) aussieht. Die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger mit ihren hohen Druckkosten, den komplexen Vertriebsorganisationen und den tariflich bezahlten Journalisten stoßen da an ihre Grenzen. Sie müssen sich überlegen, ob und wie sie mithalten können. Auch in Deutschland. Denn noch in diesem Jahr will Demand Media hierzulande starten.

Die Ausgangslage ist folgende: Jahrzehntelang haben die Verlage außergewöhnlich hohe Renditen erzielt. Dafür nahmen sie hohe Kosten für die Produktion von Nachrichten- und Lesestoff in Kauf. Dann kam das Internet, und die Medienunternehmen verloren ihre beherrschende Stellung bei der Verbreitung von schriftlichen Kurzinformationen. Heute kann im Internet jeder halbwegs technisch Begabte sein eigener Verleger sein. Und auch finanzkräftige junge Unternehmen wie Yahoo und Google konkurrieren mit den Medienkonzernen um die Aufmerksamkeit der Nutzer im Netz – und letztlich um die Werbegelder.

Umgekehrt haben traditionelle Medienunternehmen erfahren müssen, dass sich mit ihrem Journalismus im Internet bislang kaum Geld verdienen lässt. Ihr Geschäftsmodell fürs Internet trägt nicht. Unter den gegebenen Umständen sind die Einnahmen zu klein – und damit Inhalte schlicht zu teuer.

Genau hier setzt Shawn Colo mit Demand Media an. Rund 355 Millionen Dollar haben er und sein Kompagnon Richard Rosenblatt von Investoren wie Goldman Sachs eingesammelt, einen Börsengang noch in diesem Jahr schließen sie nicht aus. Was so viel Geld anlockt, ist die Methode: Nicht ein Chefredakteur bestimmt, welche Themen seine Mitarbeiter recherchieren, sondern ein Algorithmus, eine mathematische Formel. Die berücksichtigt verschiedene Faktoren. Für welche Themen interessieren sich die Menschen im Netz? Nach welchen Informationen suchen sie? Gibt es konkurrierende Angebote, die ähnliche Fragen beantworten? Lässt sich das Thema über Werbung vermarkten? Und schließlich wird geschätzt: Interessiert es in ein paar Monaten noch?

Leser-Kommentare
    • self22
    • 02.04.2010 um 17:12 Uhr

    Was wäre mit der gleichen Idee in Deutschland oder der ganzen EU passiert? Wären da auch schnell mal 355 Millionen für die globale Umsetzung locker gemacht worden? Nein! und deshalb spielt Alt-Europa und Bismarck-Deutschland beim Intenet keine Rolle. Oder haben wir nicht einmal die Ideen? Noch schlimmer!Dann sollte man schnellstens die Ursachen suchen.
    Denn am Ende leben die Amis gut von den Informationen, die wir ihnen kostenlos ins Netz stellen. Das kann eigentlich nicht das Ziel sein. Die Autos haben sie ja auch schon für ungedeckte Häuser-Schuldscheine bekommen...

    • Ranjit
    • 02.04.2010 um 21:48 Uhr

    Das Geschäftsmodell macht Sinn. Schön ist es trotzdem nicht. Gerade im Internet bekomme ich solche Informationen über Social Media und brauche dazu keine schnell zusammengeschusterten Artikel. Was die Qualität angeht: Schlimmer als bei Ratschäge in Apothekenblättchen, Fernsehzeitungen und Lokalblättern kann sie nicht sein.

    Man mus aber klar sagen: Gute Idee. Ob sie auf dauer mit der Blogosphere mithalten können, wird sich aber noch zeigen.

    • iboo
    • 03.04.2010 um 0:20 Uhr

    ...denn das sieht man denen auch leider an. Daher ist es auch kein großer Verlust, wenn der billige "Content", mit dem schon heute die Seiten vieler billiger Illustrierten gefüllt werden dann noch etwas billiger produziert werden - denn Geld ausgeben würde ich als Leser für so etwas sowieso nie.

    Ein Artikel wie der obige dürfte dagegen kaum per Schreibautomaten zu machen sein, denn den anzufertigen macht vor allem auch eines: viel Arbeit.

    • part
    • 03.04.2010 um 7:38 Uhr

    Wenn man betrachtet hat, wie schnell Medien wie "Der Spiegel" oder "Die Zeit" journalistisch in den Keller gegangen sind, dann braucht man vor einer nachfrageorientierten Kommerzialisierung keine Angst zu haben. Viel schlechter kann die Presse nicht mehr werden.

  1. "Zeit.de: ....Die Ausgangslage ist folgende: Jahrzehntelang haben die Verlage außergewöhnlich hohe Renditen erzielt. Dafür nahmen sie hohe Kosten für die Produktion von Nachrichten- und Lesestoff in Kauf. Dann kam das Internet, und die Medienunternehmen verloren ihre beherrschende Stellung bei der Verbreitung von schriftlichen Kurzinformationen."
    --------------------------------------------------

    Gehen Sie noch einmal einen Schritt zurück, und in sich !

    Tatsächlich verloren die Medienunternehmen ihre beherrschende Stellung durch subjektive Berichterstattung im letzten Jahrzehnts !

    Auch wenn Sie das verwerfen, so ist es doch wohl begründet.

    Ich gehöre einer Generation an, die mit einer relativ objektiven Berichterstattung der Druckpresse aufwuchs. Objektivität deshalb, weil in den gesellschaftlich relevanten Kernthemen (jener Zeit) mir als Leser die Möglichkeit zur freien Entscheidung überlassen wurde. Es gab keinen unterschwelligen Pfad, der einer Absicht folgte.

    Diesen unterschwelligen Pfad spürte man im Laufe des letzten Jahrzehnts sehr wohl; und empfand/empfindet ihn als ein Versuch der Manipulation.

    Als Konsequenz hieraus, wandte ich mich dem Internet zu; selbstredend hieß das auch, sich den Druckerzeugnissen abzuwenden!

    Als wirkliche Chance für eine Fortsetzung der Druckmedien ist eine Rückkehr zur ehemaligen Objektivität zwingend Voraussetzung.

    Denn zumindest meine Generation vermisst die Zeitung !

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    • 04.04.2010 um 14:04 Uhr

    Sie haben Recht,
    bloß erlauben Sie mir ein kleine Korrektur:
    Subjektivität wäre nicht schlimm, weil als solche immer kenntlich! Subjektiv ist ein Kommentar, Erzählung oder ein Essay usw.. Das muss nicht unwahrheitlich sein.

    ABER: Man ist heute aber
    SUBJEKTIVISTISCH (statt subjektiv)
    und damit unwahrheitlich,

    da viele Leute glauben, daß es Wahrheit gar nicht mehr gebe und alles ohnehin frei -und im Kopf alleine- assoziiert sei.Platon lässt hier grüßen,d.h.anders ausgedrückt:
    die rationale (auch christlich- ) mitteleuropäische Tradition verfällt.

    So gibt man seine eigene Kultur auf!

    Philosophie ist eben unersetzlich, kommt aber in der Schule nicht vor. Das kulturelle 18. Jh. besteht in der Schule nur aus Literatur!
    Germanismus ist nur auf Literatur und nicht auf rationale Philosophie im Sinne von Leibnitz bis Kant ausgerichtet.
    Schule bleibt engstirnig u. kleinbürgerlich auf ausschließlich vordergründigen Nutzen - und als Gegenpol- reine irrationale Poesie ausgerichtet.
    Ratio gibt es in der Schule nur noch in der Naturwissenschaft, zu der dann auch z.B.der Musikunterricht der Form nach zu zählen scheint.Alles akademisch und tot!
    Denken - über die Gegenstandsbetrachtung hinaus - wird nicht gelehrt!

    • Zapfen
    • 04.04.2010 um 14:04 Uhr

    Sie haben Recht,
    bloß erlauben Sie mir ein kleine Korrektur:
    Subjektivität wäre nicht schlimm, weil als solche immer kenntlich! Subjektiv ist ein Kommentar, Erzählung oder ein Essay usw.. Das muss nicht unwahrheitlich sein.

    ABER: Man ist heute aber
    SUBJEKTIVISTISCH (statt subjektiv)
    und damit unwahrheitlich,

    da viele Leute glauben, daß es Wahrheit gar nicht mehr gebe und alles ohnehin frei -und im Kopf alleine- assoziiert sei.Platon lässt hier grüßen,d.h.anders ausgedrückt:
    die rationale (auch christlich- ) mitteleuropäische Tradition verfällt.

    So gibt man seine eigene Kultur auf!

    Philosophie ist eben unersetzlich, kommt aber in der Schule nicht vor. Das kulturelle 18. Jh. besteht in der Schule nur aus Literatur!
    Germanismus ist nur auf Literatur und nicht auf rationale Philosophie im Sinne von Leibnitz bis Kant ausgerichtet.
    Schule bleibt engstirnig u. kleinbürgerlich auf ausschließlich vordergründigen Nutzen - und als Gegenpol- reine irrationale Poesie ausgerichtet.
    Ratio gibt es in der Schule nur noch in der Naturwissenschaft, zu der dann auch z.B.der Musikunterricht der Form nach zu zählen scheint.Alles akademisch und tot!
    Denken - über die Gegenstandsbetrachtung hinaus - wird nicht gelehrt!

    • Euwie
    • 03.04.2010 um 9:50 Uhr

    Was soll denn das? Will sich DIE ZEIT tatsächlich mit billigen Ratgebern vergleichen? Jammert sie jetzt darüber, dass die gleichen Zeitungsläden, die DIE ZEIT anbieten, die BÄCKERBLUME kostenlos abgeben? Dass die APOTHEKENRUNDSCHAU eine Konkurrenz ist? Vielleicht ist es aber so, dass klassische Medien mit dem rasanten Wachstum in anderen Wirtschaftsbereichen unvergleichbar sind.
    Anstatt "Omas Rezepte" persönlich kommuniziert werden - in Ermangelung von Omas in Zeiten der Kernfamilie - baut sich hier ein ganz neues Marktsegment auf. Und das mit - vorerst - traumhaften Wachstumsfaktoren. Es handelt sich hier um die Industrialisierung sozialem Wissens. Will DIE ZEIT mit Küchenweisheiten konkurrieren? Na dann, viel Glück!
    Ich denke, dass die klassischen Medien sich auf ihre absoluten Wert beziehen sollen, anstatt auf sinkende Marktanteile in einem größeren Markt.

    • Zapfen
    • 04.04.2010 um 14:04 Uhr

    Sie haben Recht,
    bloß erlauben Sie mir ein kleine Korrektur:
    Subjektivität wäre nicht schlimm, weil als solche immer kenntlich! Subjektiv ist ein Kommentar, Erzählung oder ein Essay usw.. Das muss nicht unwahrheitlich sein.

    ABER: Man ist heute aber
    SUBJEKTIVISTISCH (statt subjektiv)
    und damit unwahrheitlich,

    da viele Leute glauben, daß es Wahrheit gar nicht mehr gebe und alles ohnehin frei -und im Kopf alleine- assoziiert sei.Platon lässt hier grüßen,d.h.anders ausgedrückt:
    die rationale (auch christlich- ) mitteleuropäische Tradition verfällt.

    So gibt man seine eigene Kultur auf!

    Philosophie ist eben unersetzlich, kommt aber in der Schule nicht vor. Das kulturelle 18. Jh. besteht in der Schule nur aus Literatur!
    Germanismus ist nur auf Literatur und nicht auf rationale Philosophie im Sinne von Leibnitz bis Kant ausgerichtet.
    Schule bleibt engstirnig u. kleinbürgerlich auf ausschließlich vordergründigen Nutzen - und als Gegenpol- reine irrationale Poesie ausgerichtet.
    Ratio gibt es in der Schule nur noch in der Naturwissenschaft, zu der dann auch z.B.der Musikunterricht der Form nach zu zählen scheint.Alles akademisch und tot!
    Denken - über die Gegenstandsbetrachtung hinaus - wird nicht gelehrt!

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