Medien AkkordschreiberSeite 2/2
Am Ende des fast voll automatisierten Prozesses stehen konkrete Arbeitsaufträge, die rund 10.000 freie Mitarbeiter entgegennehmen. So viele Journalisten beschäftigt Demand Media in den USA und Großbritannien. Pro Artikel oder Video bekommen sie geschätzte 15 bis 20 Dollar. Shawn Colo spricht von 20 und 25 Dollar in der Stunde. Mehr als ein Text pro Stunde: Das ist moderne Fließbandarbeit.
»Demand Media zieht gering bezahlte Lohnschreiber heran«
Dann redet Colo über die Qualitätsstandards von Demand Media: »Wir prüfen, ob Texte Plagiate sind. Wir prüfen die Fakten. Es gibt eine Reihe von Prozessen, in denen die Texte redigiert werden.« Rund 650 angestellte Redakteure sollen für Demand arbeiten. »Unsere Mitarbeiter haben an der Universität Film studiert oder kommen von Tageszeitungen«, sagt Demand-Mitgründer Steven Kydd. »Ihre Beiträge bekommen vielleicht keinen Pulitzerpreis.« Aber die Qualität sei hoch.
Das sehen viele anders. Er sei »nicht beeindruckt« von der Qualität der Demand-Inhalte, sagt etwa Dan Gillmor, Journalismus-Professor in Arizona. Obwohl nicht alle Beiträge schlecht seien – bei der schieren Menge ist ein Pauschalurteil kaum möglich –, fördere das Modell das Mittelmaß. »Demand Media zieht eine große Klasse von gering bezahlten Lohnschreibern heran«, kritisiert Gillmor. Andere gehen noch weiter: Der US-Blogger Tony Silber wünschte das Unternehmen neulich zur Hölle. Der New Yorker Journalismus-Professor Jay Rosen findet es »faszinierend und beängstigend« zugleich. Weniger aufgeregt beobachtet der Web-Berater Jeff Jarvis das Treiben. Die ganze Aufregung um Demand basiere auf »Emotionen und Statusdenken« der klassischen Medienproduzenten, stellt der Buchautor ( Was würde Google tun? ) fest. Demand reduziere die Kosten der Produktion, so einfach sei das.
Colos Partner Richard Rosenblatt hält seinen Kritikern gern ein Manifest entgegen. »Wir geben den Nutzern genau das, was sie wollen, und ziehen ein Publikum an, das die Werbekunden wollen, und erledigen diese Aufgabe mithilfe einer nachhaltigen Kostenstruktur«, heißt es dort. Schwarze Zahlen bedeuten für Rosenblatt und Colo, dass sie ihren Job im Sinne aller erledigen. Und nur weil ein Algorithmus eingesetzt werde, meint Kydd, bedeute das nicht, dass Texte maschinell erstellt würden. »Es gibt viele Missverständnisse«, sagt er.
Unmissverständlich dagegen ist die Profitabilität von Demand Media. Sie ist nach eigenen Angaben um das Fünffache gestiegen, seit ein Computer die Themenplanung übernommen habe. Das Zauberwort lautet »Skalierbarkeit«. Was so viel heißt wie: Die Masse macht’s. Bei Zigmillionen abrufbaren Texten und Videos rechnet sich die Infrastruktur.
Systematisch durchforsten also Demand-Rechner das Netz nach Informationslücken. Darum gibt es bei Demand Media auch keine Nachrichten im klassischen Sinn, also keine Politik, keine Wirtschaft, keine Kultur. Solche Inhalte, sagt Colo, rechneten sich nicht.
Die »Inhaltefabrik«, wie Demand gerne genannt wird, konkurriert mit den klassischen Medien also vor allem bei Service- und Ratgeberthemen. Sie rivalisieren darum, wer bei Suchmaschinen wie Google höher eingestuft wird – das entscheidet auf längere Sicht wesentlich über die Werbeerlöse.
Denkbar ist aber auch, dass beide Seiten in Zukunft stärker kooperieren. In den USA arbeitet Demand beispielsweise für den Reiseteil der Tageszeitung Atlanta Journal-Constitution . »Wir können den Verlagen helfen«, warb Steven Kydd gerade wieder auf einem Kongress der deutschen Zeitschriftenverleger. Die Medienunternehmen müssten begreifen, dass ihr Geschäft eine neue Entwicklungsstufe erreicht habe. Und, natürlich, Demand habe diesen Schritt vorangetrieben. »Wir verbinden die Kunst der Traditionsmedien mit der Wissenschaft des Internets«, sagte Kydd.
Ohne Frage ist das Unternehmen eines, das bestehende Produktionsprozesse infrage stellt und sie in Teilen der Medienindustrie unwiederbringlich verändern könnte. Bereits jetzt gibt es eine Reihe von Nachahmern, der prominenteste ist der einstige Internetgigant AOL, mittlerweile wieder von Time Warner getrennt. Ein weiterer Mitbewerber ist Associated Content. Hier wie dort sprechen die Macher von einer »neuen Ökonomie der Inhalte«. An dieser, so das vollmundige Versprechen, könne künftig jeder teilhaben.
Wenn er denn will. Und wenn er sich an die Regeln hält, die fürs Fließband gelten.
- Datum 01.04.2010 - 13:55 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 31.03.2010 Nr. 14
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Was wäre mit der gleichen Idee in Deutschland oder der ganzen EU passiert? Wären da auch schnell mal 355 Millionen für die globale Umsetzung locker gemacht worden? Nein! und deshalb spielt Alt-Europa und Bismarck-Deutschland beim Intenet keine Rolle. Oder haben wir nicht einmal die Ideen? Noch schlimmer!Dann sollte man schnellstens die Ursachen suchen.
Denn am Ende leben die Amis gut von den Informationen, die wir ihnen kostenlos ins Netz stellen. Das kann eigentlich nicht das Ziel sein. Die Autos haben sie ja auch schon für ungedeckte Häuser-Schuldscheine bekommen...
Das Geschäftsmodell macht Sinn. Schön ist es trotzdem nicht. Gerade im Internet bekomme ich solche Informationen über Social Media und brauche dazu keine schnell zusammengeschusterten Artikel. Was die Qualität angeht: Schlimmer als bei Ratschäge in Apothekenblättchen, Fernsehzeitungen und Lokalblättern kann sie nicht sein.
Man mus aber klar sagen: Gute Idee. Ob sie auf dauer mit der Blogosphere mithalten können, wird sich aber noch zeigen.
...denn das sieht man denen auch leider an. Daher ist es auch kein großer Verlust, wenn der billige "Content", mit dem schon heute die Seiten vieler billiger Illustrierten gefüllt werden dann noch etwas billiger produziert werden - denn Geld ausgeben würde ich als Leser für so etwas sowieso nie.
Ein Artikel wie der obige dürfte dagegen kaum per Schreibautomaten zu machen sein, denn den anzufertigen macht vor allem auch eines: viel Arbeit.
Wenn man betrachtet hat, wie schnell Medien wie "Der Spiegel" oder "Die Zeit" journalistisch in den Keller gegangen sind, dann braucht man vor einer nachfrageorientierten Kommerzialisierung keine Angst zu haben. Viel schlechter kann die Presse nicht mehr werden.
"Zeit.de: ....Die Ausgangslage ist folgende: Jahrzehntelang haben die Verlage außergewöhnlich hohe Renditen erzielt. Dafür nahmen sie hohe Kosten für die Produktion von Nachrichten- und Lesestoff in Kauf. Dann kam das Internet, und die Medienunternehmen verloren ihre beherrschende Stellung bei der Verbreitung von schriftlichen Kurzinformationen."
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Gehen Sie noch einmal einen Schritt zurück, und in sich !
Tatsächlich verloren die Medienunternehmen ihre beherrschende Stellung durch subjektive Berichterstattung im letzten Jahrzehnts !
Auch wenn Sie das verwerfen, so ist es doch wohl begründet.
Ich gehöre einer Generation an, die mit einer relativ objektiven Berichterstattung der Druckpresse aufwuchs. Objektivität deshalb, weil in den gesellschaftlich relevanten Kernthemen (jener Zeit) mir als Leser die Möglichkeit zur freien Entscheidung überlassen wurde. Es gab keinen unterschwelligen Pfad, der einer Absicht folgte.
Diesen unterschwelligen Pfad spürte man im Laufe des letzten Jahrzehnts sehr wohl; und empfand/empfindet ihn als ein Versuch der Manipulation.
Als Konsequenz hieraus, wandte ich mich dem Internet zu; selbstredend hieß das auch, sich den Druckerzeugnissen abzuwenden!
Als wirkliche Chance für eine Fortsetzung der Druckmedien ist eine Rückkehr zur ehemaligen Objektivität zwingend Voraussetzung.
Denn zumindest meine Generation vermisst die Zeitung !
Sie haben Recht,
bloß erlauben Sie mir ein kleine Korrektur:
Subjektivität wäre nicht schlimm, weil als solche immer kenntlich! Subjektiv ist ein Kommentar, Erzählung oder ein Essay usw.. Das muss nicht unwahrheitlich sein.
ABER: Man ist heute aber
SUBJEKTIVISTISCH (statt subjektiv)
und damit unwahrheitlich,
da viele Leute glauben, daß es Wahrheit gar nicht mehr gebe und alles ohnehin frei -und im Kopf alleine- assoziiert sei.Platon lässt hier grüßen,d.h.anders ausgedrückt:
die rationale (auch christlich- ) mitteleuropäische Tradition verfällt.
So gibt man seine eigene Kultur auf!
Philosophie ist eben unersetzlich, kommt aber in der Schule nicht vor. Das kulturelle 18. Jh. besteht in der Schule nur aus Literatur!
Germanismus ist nur auf Literatur und nicht auf rationale Philosophie im Sinne von Leibnitz bis Kant ausgerichtet.
Schule bleibt engstirnig u. kleinbürgerlich auf ausschließlich vordergründigen Nutzen - und als Gegenpol- reine irrationale Poesie ausgerichtet.
Ratio gibt es in der Schule nur noch in der Naturwissenschaft, zu der dann auch z.B.der Musikunterricht der Form nach zu zählen scheint.Alles akademisch und tot!
Denken - über die Gegenstandsbetrachtung hinaus - wird nicht gelehrt!
Sie haben Recht,
bloß erlauben Sie mir ein kleine Korrektur:
Subjektivität wäre nicht schlimm, weil als solche immer kenntlich! Subjektiv ist ein Kommentar, Erzählung oder ein Essay usw.. Das muss nicht unwahrheitlich sein.
ABER: Man ist heute aber
SUBJEKTIVISTISCH (statt subjektiv)
und damit unwahrheitlich,
da viele Leute glauben, daß es Wahrheit gar nicht mehr gebe und alles ohnehin frei -und im Kopf alleine- assoziiert sei.Platon lässt hier grüßen,d.h.anders ausgedrückt:
die rationale (auch christlich- ) mitteleuropäische Tradition verfällt.
So gibt man seine eigene Kultur auf!
Philosophie ist eben unersetzlich, kommt aber in der Schule nicht vor. Das kulturelle 18. Jh. besteht in der Schule nur aus Literatur!
Germanismus ist nur auf Literatur und nicht auf rationale Philosophie im Sinne von Leibnitz bis Kant ausgerichtet.
Schule bleibt engstirnig u. kleinbürgerlich auf ausschließlich vordergründigen Nutzen - und als Gegenpol- reine irrationale Poesie ausgerichtet.
Ratio gibt es in der Schule nur noch in der Naturwissenschaft, zu der dann auch z.B.der Musikunterricht der Form nach zu zählen scheint.Alles akademisch und tot!
Denken - über die Gegenstandsbetrachtung hinaus - wird nicht gelehrt!
Was soll denn das? Will sich DIE ZEIT tatsächlich mit billigen Ratgebern vergleichen? Jammert sie jetzt darüber, dass die gleichen Zeitungsläden, die DIE ZEIT anbieten, die BÄCKERBLUME kostenlos abgeben? Dass die APOTHEKENRUNDSCHAU eine Konkurrenz ist? Vielleicht ist es aber so, dass klassische Medien mit dem rasanten Wachstum in anderen Wirtschaftsbereichen unvergleichbar sind.
Anstatt "Omas Rezepte" persönlich kommuniziert werden - in Ermangelung von Omas in Zeiten der Kernfamilie - baut sich hier ein ganz neues Marktsegment auf. Und das mit - vorerst - traumhaften Wachstumsfaktoren. Es handelt sich hier um die Industrialisierung sozialem Wissens. Will DIE ZEIT mit Küchenweisheiten konkurrieren? Na dann, viel Glück!
Ich denke, dass die klassischen Medien sich auf ihre absoluten Wert beziehen sollen, anstatt auf sinkende Marktanteile in einem größeren Markt.
Sie haben Recht,
bloß erlauben Sie mir ein kleine Korrektur:
Subjektivität wäre nicht schlimm, weil als solche immer kenntlich! Subjektiv ist ein Kommentar, Erzählung oder ein Essay usw.. Das muss nicht unwahrheitlich sein.
ABER: Man ist heute aber
SUBJEKTIVISTISCH (statt subjektiv)
und damit unwahrheitlich,
da viele Leute glauben, daß es Wahrheit gar nicht mehr gebe und alles ohnehin frei -und im Kopf alleine- assoziiert sei.Platon lässt hier grüßen,d.h.anders ausgedrückt:
die rationale (auch christlich- ) mitteleuropäische Tradition verfällt.
So gibt man seine eigene Kultur auf!
Philosophie ist eben unersetzlich, kommt aber in der Schule nicht vor. Das kulturelle 18. Jh. besteht in der Schule nur aus Literatur!
Germanismus ist nur auf Literatur und nicht auf rationale Philosophie im Sinne von Leibnitz bis Kant ausgerichtet.
Schule bleibt engstirnig u. kleinbürgerlich auf ausschließlich vordergründigen Nutzen - und als Gegenpol- reine irrationale Poesie ausgerichtet.
Ratio gibt es in der Schule nur noch in der Naturwissenschaft, zu der dann auch z.B.der Musikunterricht der Form nach zu zählen scheint.Alles akademisch und tot!
Denken - über die Gegenstandsbetrachtung hinaus - wird nicht gelehrt!
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