Vor dem Eingang eines Krankenhauses kam die Erkenntnis, das man ohne Gott niemandem die Schuld geben kann © REUTERS/Brad Rickerby

Kürzlich hat ein grauenhaftes Erdbeben den kleinen Karibikstaat Haiti erschüttert. Hunderttausende sind gestorben, Millionen wurden obdachlos, unzählige Weitere wurden verletzt oder sind vermisst. Familien, die gerade noch beisammensaßen, waren plötzlich nicht mehr da. Väter und Mütter verschwanden unter ihren Häusern, Söhne und Töchter wurden unter ihren Schulen zerquetscht. Glück hatte, wer gleich starb; Pech hatte, wer über einen langen Zeitraum einen langsamen, qualvollen Tod starb; das größte Pech hatten wohl die Überlebenden, die nun hungerten und obdachlos waren, die Leichen stapeln und ihre Toten begraben mussten.

Es war unbegreiflich.

Es war unvorstellbar.

Es war unerklärlich.

Und da trat hier, in Amerika, noch bevor der Staub sich auf die geschundenen Unschuldigen hatte niederlassen können, ein Mann namens Pat im Fernsehen auf und gab die Schuld den Haitianern selbst.

Shalom Auslander © Rob Loud/Getty Images

Pat ist Pfarrer. Er ist auch der Gründer des Christian Broadcasting Network, eines christlichen Fernsehsenders, und Moderator von dessen Vorzeige-Talkshow The 700 Club. Warum 700, fragen Sie? Ist das vielleicht eine mystische Zahl? Bezieht sie sich auf ein besonderes Datum im Leben Christi? Ist sie ein kryptischer Verweis auf einen alten Vers von moralischer Bedeutung? Nein. Sie bezieht sich auf die ersten 700 Menschen, die Pat zur Förderung des Christian Broadcasting Network zehn Dollar im Monat spendeten. Und so stellte sich Pat, gleich nachdem die haitianische Tragödie in den amerikanischen Nachrichtensendern erschienen war, in seiner Talkshow hin und erklärte, die Haitianer hätten das Erdbeben selbst über sich gebracht, weil sie einige Jahre davor einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hätten. "Sie versammelten sich und gelobten einen Pakt mit dem Teufel", sagte Pat. "Seitdem werden sie mit einer Strafe nach der anderen belegt." Sieht man es so, kann man Gott keine Schuld an dem kaltblütigen Mord an Hunderttausenden von ihnen geben.

Manche entrüsteten sich über Pat.

Manche sagten, Pat solle sich schämen.

Manche sagten, Pat solle sich entschuldigen.

Ein Mann namens Yehuda jedoch nicht.

Yehuda ist Rabbiner. Er ist der Sprecher der Rabbinical Alliance of America, einer Vereinigung von über 800 Rabbinern. Yehuda, der im Namen von über 800 Rabbinern sprach, hatte eine andere Erklärung für das Erdbeben in Haiti. Yehudas Erklärung für das schreckliche Erdbeben in Haiti war: Männer und Frauen, die Liebe zu Angehörigen des eigenen Geschlechts bekunden. Yehuda, der im Namen von über 800 Rabbinern sprach, sagte, die Homosexuellen lösten Erdbeben aus. Er sagte auch, die Homosexuellen hätten Katrina verursacht, was allerdings kein Erdbeben, sondern ein Hurrikan war, daher glaubt Yehuda entweder a), die Homosexuellen könnten Hurrikane wie auch Erdbeben auslösen, oder b), Hurrikane würden durch Erdbeben ausgelöst, die, wie jeder weiß, von den Homosexuellen ausgelöst werden.

Manche entrüsteten sich über Yehuda.

Manche sagten, Yehuda solle sich schämen.

Manche sagten, Yehuda solle sich entschuldigen.

Ein Mann namens Jerry jedoch nicht. Zum Teil deswegen, weil Jerry tot ist, aber wenn er noch am Leben gewesen wäre, hätte er Pat und Yehuda wahrscheinlich zugestimmt.