Es hatte eine historische Konferenz werden sollen: Im Asilomar-Ressort des kalifornischen Küstenstädtchens Pacific Grove versammelten sich in der vergangenen Woche rund 200 Forscher. Über die Manipulation des Erdklimas sinnierten sie, über Experimente mit Wolken und Ozeanen. Solches Geoengineering sollte dringend ein paar Regeln unterworfen werden, am symbolträchtigen Ort. Vor 35 Jahren hatten sich hier Molekularbiologen auf einen Kodex für gentechnische Experimente geeinigt. Asilomar steht seither als Symbol für wissenschaftliche Verantwortung und Selbstbeschränkung. Diesmal aber konnte man sich auf nichts Vergleichbares einigen.

Die globale Erwärmung aufzuhalten, selbst wenn der Ausstoß von Treibhausgasen weiter zunimmt – dazu steht zweierlei zur Diskussion: erstens die Sonneneinstrahlung abzuschwächen, etwa mithilfe von Partikeln in der Atmosphäre (Prinzip Vulkan), oder Treibhausgase zu binden, etwa durch Ozeandüngung (Prinzip Algenpest).

Als Bremerhavener Forscher vor einem Jahr im Südatlantik so eine – kleine – Algenblüte erzeugten und untersuchten, gerieten sie in Deutschland unter Beschuss. In Pacific Grove wurde deutlich, wie weit Pläne andernorts schon gediehen sind: US-Geoingenieure diskutieren, mit welchen Flugzeugtypen man am besten Vulkan spielen kann. In Russland laufen Experimente in niedrigen Atmosphärenschichten längst. An Forschungsgeldern mangelt es jedenfalls nicht.

Warum also sich einschränken? Damit einem das System Erde nicht um die Ohren fliegt! Zu komplex ist die Klimaphysik, zu unerforscht sind die Nebenwirkungen. Grundlagenforschung zum Geoengineering ist sinnvoll, aber sie braucht – genauso wie die Stammzellforschung – Tabus. Zeitlich und räumlich begrenzte Versuche auf dem eigenen Territorium könnten erlaubt sein. Aber wer tonnenweise Ruß in die Luft schießt, der um die halbe Welt fliegt, handelt unverantwortlich.

Jede Diskussion müsse "in Demut" geführt werden, so die unverbindliche Asilomar-Abschlusserklärung. Die Geoingenieure allein sind da überfordert. Sie brauchen Nachhilfe von Risikoforschern, Sozialwissenschaftlern, Volksvertretern. Die britische Royal Society hat längst differenziert Stellung bezogen, US-Wissenschaftsverbände ebenso. Und Deutschland? Es gibt einen runden Tisch, an dem sich, von der Öffentlichkeit unbemerkt, ein paar Experten treffen. Ganze zwei Mal bisher. Mehr Transparenz, bitte – und mehr Tempo! Sonst fällt uns bald der Himmel auf den Kopf.