Kriminologie Die Schnipseljagd
Bremen setzt als erste deutsche Stadt künstliche DNA-Fragmente ein, um Verbrecher zu überführen. Der Nutzen des Projekts ist fragwürdig.
Hilft Hightech gegen Raub und Diebstahl? Lassen Einbrecher die Finger von Wertgegenständen, deren rechtmäßiger Besitzer sich auch nach vielen Jahren noch eindeutig feststellen lässt? Können Überfälle auf Tankstellen verhindert werden, wenn die Räuber bei der Tat mit einer Flüssigkeit besprüht werden, die sie überführen kann?
Auf diese Fragen sucht die Bremer Polizei seit November in einem bundesweit einmaligen Pilotprojekt eine Antwort. Gefunden hat sie sie noch nicht, dafür aber eine lautstarke Debatte über die Privatisierung der Strafverfolgung losgetreten. Dabei werden nicht nur rechtliche Bedenken ins Feld geführt. Es wird mit frisierten Statistiken gearbeitet, mit populistischen Umfragen und problematischen Plakaten. Es ist ein Lehrstück über die Fallstricke, die drohen, wenn Kriminalität mit technischer Aufrüstung bekämpft werden soll.
Große rot-weiße Schilder im Versuchsgebiet in der Bremer Neustadt warnen potenzielle Diebe. »DNA-Spuren führen zum Täter«, ist darauf zu lesen, darunter ein symbolischer Fingerabdruck. Die gleiche Botschaft tragen auch mehrere Hundert Aufkleber an Türen und Fenstern der drei- bis vierstöckigen Häuserblocks. Das von Spielhallen, Internetcafés und Discountmärkten eingerahmte kleinbürgerliche Viertel ist Schauplatz des gut 100.000 Euro teuren Pilotprojekts »Eigentumsschutz durch künstliche DNA«.
- Genbausteine
Nur aus vier verschiedenen Genbausteinen besteht das Erbgut-Molekül DNA – symbolisiert durch die Buchstaben A, T, G und C. Im Labor lassen sich mit diesen Bausteinen kurze synthetische DNA-Schnipsel herstellen. Deren Buchstaben ergeben einen einzigartigen Code, ganz ähnlich wie die Striche maschinenlesbarer Etiketten im Supermarkt.
- DNA-Barcodes
DNA-Barcodes werden bereits bei der Untersuchung von wichtigem Erbgut eingesetzt, etwa in komplexen Forschungsprojekten oder bei forensischen Ermittlungen: Das zu analysierende Material wird dabei mit einem eindeutigen DNA-Code versehen. So können nachträglich hineingelangte Verunreinigungen leichter erkannt werden.
- Mitochondriales Genom
Es existiert auch der Plan, Lebewesen mittels eines natürlichen Barcodes zu katalogisieren. Ein 648 Genbausteine umfassender, sehr variabler Abschnitt aus dem mitochondrialen Genom ist bei jeder Art unterschiedlich. Durch ein »barcoding of life« könnte der Verbraucher künftig besser vor Betrug geschützt werden (ist das Sashimi wirklich aus Rotem Thun?) oder der Schmuggel geschützter Arten wirkungsvoller bekämpft werden.
Gemeint ist damit nicht der menschliche Gencode, sondern ein transparenter Lack, mit dem Computer, Schmuck, Videorekorder und andere Wertgegenstände eindeutig, dauerhaft und fast unsichtbar markiert werden können. Ein Set mit einem Fläschchen Lack, Tupfer und Anleitung hat die Polizei an über 1000 Haushalte in der »Pilotregion« verteilt, zusätzlich sind auch alle Bremer Schulen, Hochschulen, Kindertagesstätten und andere öffentliche Einrichtungen damit ausgestattet worden.
Ein DNA-Lack für Wertgegenstände ordnet diese eindeutig ihrem Besitzer zu
Wie ein unverwechselbarer Fingerabdruck haftet der Lack auf einmal markierten Gegenständen. Solches Diebesgut kann eindeutig seinem Besitzer zugeordnet werden. Denn in der Flüssigkeit stecken winzige Kunststoffplättchen, sogenannte Microdots, mit einer eingravierten Nummer.
Stößt die Polizei bei der Überprüfung eines Verdächtigen auf mutmaßliche Beute, kann sie die Markierung mit einer UV-Lampe suchen und auf der Wache mit einem Mikroskop die Zahlenfolge auf den Microdots auslesen. Eine zentrale Online-Datenbank gibt darüber Auskunft, welchem Eigentümer sie zugeordnet ist. Im Rahmen des Pilotprojekts kümmert sich die Polizei um den Datenbankeintrag und trägt auch die Kosten. Später aber sollen die Nutzer sich selbst registrieren und Jahr für Jahr 7,50 Euro bezahlen.
Wer markierten Besitz verkauft oder verschenkt, muss das ebenfalls in der Datenbank vermerken lassen, damit der neue Eigentümer nicht zu Unrecht unter Verdacht geraten kann. Sind in der Markierung keine Microdots mehr zu finden, können selbst winzige Reste des Lacks noch immer in jedem forensischen Labor untersucht werden. Denn er enthält eine kleine Menge künstlich erzeugter DNA. Die Kombination der Nukleinbasen Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin ergibt in jeder Charge einen anderen, einzigartigen Code. Auch er ist in der Datenbank hinterlegt. Der Lack leuchtet unter Schwarzlicht lila, ist aber mit bloßem Auge unsichtbar. Die schiere Möglichkeit einer Markierung soll Diebe und Hehler abschrecken.
- Datum 31.03.2010 - 11:05 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 31.03.2010 Nr. 14
- Kommentare 7
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"DNA" ist us-amerikanisch!
Dieser UA-Amerikanismus allerorten - er ekelt mich an.
ich dachte zuerst, es wäre ein aprilscherz. aber der erste april ist eigentlich doch vorbei.
das wird hinten und vorne nicht funktionieren. wenn mehr als eine DNA spur auf jemanden haftet wird es mit der zuordnung schwer. und wer sagt, daß es nicht bald schon das mafia-gel XS gebt, welches wilkürliche DNA muster hinterläßt? und sich mit DNA einschmieren ist auch nicht besonders hautschonend da es den pH wert verändert.
was ein schwachsinn. und dafür bezahlen die steruerzahler? ich kann es nicht glauben.
Zum Kommentar 1:
Wllkommen im 21. Jahrhundert, sehen sie sich ruhig ein wenig um, das ist gar nicht so beængstigend, wie es vielleicht im ersten Moment wirkt (Selbst der Duden spricht von DNA. DNS sei "veraltend")
Und zu Kommentar 2:
Es muss bei diesen Ansætzen ja gar keine DNA zugeordnet werden, anders als z.B. in "gewøhnlichen" Kriminalfællen. Es werden einfach alle DNA Spuren auf einem Verdæchtigen darauf ueberprueft ob die, mit der der Tæter markiert wurde und von der man weiss wie sie aussieht vorhanden ist, oder nicht.
Dass es natuerlich noch zig andere DNA Fragmente auf einem Menschen gibt ist dabei nicht entscheidend, daher wird auch weitere Fremd-DNA nicht helfen.
Auch ueber ihren pH Wert sollten sie sich keine Sorgen machen, unsere Haut kommt stændig in Kontakt mit aller møglichen DNA, und wir Reden hier von sehr kleinen Mengen.
Beunruhigender als die Technik an sich, bei der man gespannt sein kann, ob der Versuch erfolgreich ist oder auch nicht, ist der angesprochene laxe Umgang mit der Unschuldsvermutung. Gluecklicherweise scheint das Problem zumindest im Nachhinein erkannt worden zu sein.
Der Duden, liebe(r) Blixten, ist ja nun einmal nicht normativ, sondern deskriptiv. Er zeichnet also auch die Entwicklung zu Sprachschrott nach ("veraltend"). Anderenfalls müsste er als Stichwort "DNS" führen und unter "DNA" den Hinweis geben "Oft fälschlich gebraucht für -> DNS".
Der Duden, liebe(r) Blixten, ist ja nun einmal nicht normativ, sondern deskriptiv. Er zeichnet also auch die Entwicklung zu Sprachschrott nach ("veraltend"). Anderenfalls müsste er als Stichwort "DNS" führen und unter "DNA" den Hinweis geben "Oft fälschlich gebraucht für -> DNS".
Auch ich moniere die Sprech- und Schreibweise DNA als undeutsch! In der Chemie und Biologie war die Wissenschaftssprache deutsch! Im Deutschen heißt es eben nicht acid, sonder Säure und deshalb DNS - schaun Sie mal gut übersetzte amerikanische oder englische Filme - da hat der Übersetzer ein DNS drauf - nur unsere verblödeten Moderatoren und auch Journalisten meinen, sie müßten DNA sagen - ach, wie schlau die doch sind - und dabei können einige noch nicht einmal richtig acid aussprechen und enden so wie unser Sprachtalent aus Baden-Würtemberg mit seinem Psykoloschi.
Der Duden, liebe(r) Blixten, ist ja nun einmal nicht normativ, sondern deskriptiv. Er zeichnet also auch die Entwicklung zu Sprachschrott nach ("veraltend"). Anderenfalls müsste er als Stichwort "DNS" führen und unter "DNA" den Hinweis geben "Oft fälschlich gebraucht für -> DNS".
Sie sind wirklich lustig mit der 'fälschlichen' DNA.
Ich muss Ihnen Englisch-Empfindlichen allerstrengstens empfehlen ausschließlich VSA zu benutzen für 'Vereinigte Staaten von Amerika', denn USA - 'United States of America' ist leider nicht deutsch. Ich lache mich schlapp.
Wie war das mit Gesichtserker statt Nase? Keine aus dem lateinischen eingedeutschten Ausdrücke hier! Und bitte Meuchelpuffer für Pistole in Zukunft!
Can't you see the fuckin' difference? Natürlich rede ich auch von den USA (oder den Vereinigten Staaten). "USA", weil es die Alternative "VSA" in D nie gegeben hat - im Unterschied zur DNS. Das war ( :-( )einfach die in D gängige Abkürzung für Desoxyribonukleinsäure. Ein A hat da in der Abkürzung nichts zu suchen und taucht zwar immer öfter, aber dennoch immer höchstens fälschlicherweise auf.
Frage an die Moderatoren: Verstößt es gegen die Netiquette, wenn ich anrege, erst zu denken, dann zu schreiben? Ist zugegebenermaßen alles strictly OT, aber wenn ich hier in die Naziecke gestellt werde ...
Can't you see the fuckin' difference? Natürlich rede ich auch von den USA (oder den Vereinigten Staaten). "USA", weil es die Alternative "VSA" in D nie gegeben hat - im Unterschied zur DNS. Das war ( :-( )einfach die in D gängige Abkürzung für Desoxyribonukleinsäure. Ein A hat da in der Abkürzung nichts zu suchen und taucht zwar immer öfter, aber dennoch immer höchstens fälschlicherweise auf.
Frage an die Moderatoren: Verstößt es gegen die Netiquette, wenn ich anrege, erst zu denken, dann zu schreiben? Ist zugegebenermaßen alles strictly OT, aber wenn ich hier in die Naziecke gestellt werde ...
Can't you see the fuckin' difference? Natürlich rede ich auch von den USA (oder den Vereinigten Staaten). "USA", weil es die Alternative "VSA" in D nie gegeben hat - im Unterschied zur DNS. Das war ( :-( )einfach die in D gängige Abkürzung für Desoxyribonukleinsäure. Ein A hat da in der Abkürzung nichts zu suchen und taucht zwar immer öfter, aber dennoch immer höchstens fälschlicherweise auf.
Frage an die Moderatoren: Verstößt es gegen die Netiquette, wenn ich anrege, erst zu denken, dann zu schreiben? Ist zugegebenermaßen alles strictly OT, aber wenn ich hier in die Naziecke gestellt werde ...
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