Ausstellung zum Kölner Stadtarchiv Köln provinziell

Eine Ausstellung in Berlin zeigt Fundstücke aus dem Kölner Stadtarchiv. Die Stadt Köln hat es nämlich verpasst, sich als Hüterin seines kulturellen Erbes darzustellen.

Derzeit zeigt eine Berliner Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zahlreiche Fundstücke aus dem zerstörten Kölner Stadtarchiv, nicht zuletzt auch, um so um Spenden für einen Neubau zu werben. Eigens war ein Ausstellungskatalog geplant, 20 Kölner Prominente wie Jürgen Becker, Dieter Wellershoff und Frank Schätzing hatte der Verlag der Buchhandlung Walther König dafür um Beiträge gebeten.

Erschienen ist dieser Katalog allerdings nicht, weil einige der Texte nach Ansicht des Kölner Kulturdezernenten Georg Quander offensichtlich zu kritisch mit der Kölner Kulturpolitik umsprangen. So kritisiert der Kulturwissenschaftler Friedrich Wilhelm Heubach in seinem Beitrag »solche Witze wie Kölns Bewerbung als Kulturhauptstadt, seine Hochhauspläne, die dem Dom den Status des Unesco-Welterbes zu nehmen drohten«. Quanders Archivdirektorin ließ dem Verlag mitteilen, er gebe seine Einwilligung zum Druck nur, wenn bestimmte Beiträge »verändert bzw. herausgenommen werden«. Der Verlag lehnte dies entschieden ab, statt des Buchs erschien daraufhin nur ein dünner Ausstellungsflyer.

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Ein vielstimmiger prominenter Spendenaufruf, wie eigentlich geplant, unterblieb. Köln hat damit erneut eine Chance vertan, sich als souveräne Hüterin seines kulturellen Erbes darzustellen. Stattdessen steht es einmal mehr als provinziellste Millionenstadt der Republik da.

Und Walther König als ein Verleger, der sich nicht zensieren lässt: Die 20 Textbeiträge sind nämlich am Ende doch erschienen – in einem 32 Seiten starken Heft, das bundesweit in allen Filialen der Buchhandlung Walther König zu haben ist. Kostenlos.

 
Leser-Kommentare
  1. Das einzige Problem an einer Zensur scheinen für Sie Spendenausfälle der Stadt Köln zu sein. Diese Meinung teile ich nicht!
    Eine „souveräne Hüterin“ eines kulturellen Erbes würde man vor allem daran erkennen, dass sie nicht nur um private Spenden bittet, sondern auch darauf drängt, dass der Schaden durch den Verursacher bezahlt wird.

    • Pracht
    • 13.04.2010 um 13:38 Uhr

    Nach dem Einsturz des Archivs entstanden einige Bürgerbewegungen, die nun den Rat zum den Erhalt des über 50 Jahre verwahrlosten Schauspielhauses zwingen wollen. Hinter dem Austand steckt auch Eigeninteresse, nämlich Besitzstandswahrung. Daran ist nichts verwerflich, wenn es um die Sache, nämlich die Verhinderung des Niedergangs der Kultur in Köln, und nicht auch um Personalien und Anspruchsdenken geht. An der Verödung tragen Interessengruppen mit Verantwortung, die sich den Kuchen teilen. Und das ist mittlerweile einen ziemlich überschaubare Clique. Im Kunstverein sind Künstler einschlägiger Kölner Galerien omnipräsent. Die dort agierenden Personen sind Ihren Exarbeitgebern gegenüber loyal. Man hilft sich. Über die Jahrzehnte hat sich jeder nach seiner Façon bequem eingerichtet und wurde fett. Nischen und günstige Räume, die in den 80er Jahren diesen Standort attraktiv machten, gibt es kaum noch. Alte Mythen werden hoch gehalten bis überstrapaziert. Ehrenbürger portraitieren sich, auch wenn ein gescheiterter Kommunalpolitiker zur Sitzung bittet.
    Der von Ihnen erwähnte Herr König verfügt über eine ähnliche Position im Kunstbuchbereich wie der Verleger DuMont im Zeitungswesen. Beide herrschen über ein Imperium. Ich habe durchaus Respekt vor deren Leistung und Kompetenz allerdings machen mich deren enormen Einflussphären skeptisch. Aufgrund der Stellung ist man nun beleidigt, weil der Dezernent nach einer anderen Pfeife tanzt.
    DAS macht diese Stadt provinziell.

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