Gespräch mit Dani Levy"Komödien gehören in den Bereich der Erlösung"

Der Schweizer Regisseur und Schauspieler Dani Levy erzählt, warum Humor am interessantesten ist, wenn er dunkel ist. von Louis Lewitan

ZEITmagazin: Herr Levy, wie entsteht Humor?

Dani Levy: Humor wird genährt aus den Erfahrungen, die man macht, und den Lösungen, die man findet. Humor ist ein Standort in der Entwicklung und im Wachstum einer Kultur und eines Menschen.

ZEITmagazin: Kann Humor lebensrettend sein?

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Levy: Humor ist tatsächlich ein nicht zu unterschätzender Rettungsfaktor. Grundsätzlich ist Humor in unserem privilegierten Alltagsleben ein ganz wichtiges Element, um ein Leben zu dem zu machen, wofür es eigentlich gedacht ist, nämlich lebenswert und dynamisch.

Dani Levy
Dani Levy

52, ist Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur. Für seine Filmkomödie »Alles auf Zucker!« wurde Levy 2005 mit dem Ernst- Lubitsch-Preis ausgezeichnet. 2007 lief sein Film »Mein Führer. Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler«

ZEITmagazin: Welche Rolle spielt Humor in Ihrem Schaffen? 

Levy: Ich habe Komödien gedreht und Tragödien. Ich liebe beides. Das sind für mich nicht zwei verschiedene Wege zu einem Ziel, sondern das gehört zusammen wie Tag und Nacht. Ich glaube sogar, dass Humor aus Trauer entsteht. Jeder ernst zu nehmende Künstler lebt in einer Wechselwelt zwischen Euphorie, tiefstem Zweifel und Albträumen. Humor ist am interessantesten, wo es am dunkelsten ist.

ZEITmagazin: Haben Sie deshalb eine Komödie über Adolf Hitler gedreht? Ein Thema, das nicht gerade zum Lachen einlädt.

Levy: Humor ist ein Licht, das man in einem tabuisierten Raum anzündet. Das ist eine Funktion von Humor, die mich immer schon interessiert hat, und deswegen gehören Komödien eigentlich in den Bereich der Erlösung. Humor hat in einer eh schon hellen Welt keine wirkliche Erlösungsfunktion. Auf jeden Fall hat er ein gutes Resultat in der Psyche, weil ich nicht in Depression versinke, sondern lieber schlechte Filme mache.

Das war meine Rettung
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Alle Interviews aus der Serie des ZEITmagazins zum Nachlesen   |  © qsus/photocase

ZEITmagazin: Sie haben mal sinngemäß gesagt, Sie würden sich wünschen, dass die Deutschen Hitler verdauten und hinten wieder als das rausließen, was er eigentlich ist: eine braune Wurst.

Levy: Ich werde immer wieder zu dem Thema befragt. Eine Art von Monothematik wird mir von außen gerne aufgestempelt. Ich sitze ja jetzt auch nicht zur Veralgung der Brandenburger Seen hier am Tisch. Man sieht uns eben sehr gerne als Judenclowns, die die Zeitungen in Deutschland füllen.

ZEITmagazin: Was ist das Besondere am jüdischen Humor?

Levy: Es ist ein Humor, der auf der Absurdität und der Ambivalenz der Seele basiert. Es geht viel um Schwächen, um Inkonsequenz, aber auch darum, wie man Autoritäten unterläuft. Der jüdische Humor ist immer ein Aufruf zur Subversivität, deswegen ist er so beliebt, weil er von unten kommt und nicht von oben. Es ist kein Herrscherhumor, sondern es ist ein Humor von Leuten, die sich wehren müssen. Ich glaube, wir Juden haben schon auch so eine Art Loser-Humor.

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