Stilkolumne Der Zauberlehrling von Paris

Zahlreiche Modemacher beschäftigen sich zurzeit mit ihrem ästhetischen Erbe. Der Designer Alber Elbaz tut hingegen das, was Mode tun sollte: Das Jetzt abbilden.

Happy, happy, happy: Das Hochzeits-T-Shirt, das Alber Elbaz für Lanvin entworfen hat, ist eine Alternative zum Brautkleid - und mit 360 Euro viel günstiger

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Das Erbe ist derzeit ein großes Thema in der Mode. Gucci erinnert in Anzeigen daran, wie der Sattlermeister Guccio Gucci im Jahr 1921 in einer kleinen Werkstatt in Florenz mit seinem Handwerk begann. Bei den Schauen in Mailand inszenierte das Designer-Duo Dolce & Gabbana auf einer Videoleinwand das traditionelle Handwerk in seinen Nähstuben.

Und auch sonst scheinen die großen Marken auf der Suche nach ihrem ästhetischen Erbe zu sein – oder, wie man es heute ausdrückt, nach ihrer DNA. Raf Simons präsentierte für Jil Sander Kostüme, die auch die Altmeisterin selbst so hätte entwerfen können. Miuccia Pradas neue Kollektion sah wie ein Best-of der vergangenen zehn Jahre aus. Alles sehr schöne Kleider – und doch blieb eine Frage: Bedeutet Mode nicht mehr als Traditionspflege?

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

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Man musste bis zu den Schauen in Paris warten, um die Antwort zu erfahren, durch die Kollektion von Lanvin nämlich, die der Designer Alber Elbaz kreiert hat. "Alle reden immer davon, dass man zu seinen Wurzeln zurückfinden muss", sagte er, "aber man muss sich auch nach vorne bewegen." Für ein solches Statement ist man dankbar in Zeiten der Verunsicherung. Elbaz drapierte Stoffe zu raffinierten Asymmetrien, experimentierte mit Materialien aus der Sportswear, hüllte die Models in Straußenfedern und ließ sie in nahezu allen Silhouetten auftreten, die Kleidung einer Frau geben kann. Nur wenige haben die Mode in den vergangenen Jahren so vorangebracht wie der in Marokko geborene Israeli.

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Alber Elbaz ist ein Alchemist der Stoffe. Er kombiniert Fließendes mit Sperrigem, Glänzendes mit Abgetragenem. Für die schwedische Firma Acne hat Elbaz Jeans zu hocheleganten Mänteln verarbeitet – als wäre es einfach natürlich, dass man Denim so trägt.

Sogar das Aussehen einer Braut hat Alber Elbaz neu erdacht. Statt eines Kleides designte er ein T-Shirt, auf das ein kitschiges Brautpaar gestickt ist, zusammen mit dem Motto "Happy". Er habe dabei eher an eine Frau gedacht, die nicht zum ersten Mal heirate, war sein Kommentar dazu. Das eben macht ihn zum zeitgemäßesten Designer von Paris. Er lässt Frauen nicht jünger oder dünner aussehen, sondern interessanter. Sie sehen nach "jetzt" aus. Und das ist die Wurzel aller Mode.

 
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