Telekom-Spitzelaffäre Ein Zeuge mag nicht mehr
Die Telekom ließ Betriebsräte und Journalisten bespitzeln. Nun sieht es so aus, als würde kein Ex-Chef angeklagt.
Ein Tsunami entfaltet seine verheerende Kraft erst ganz am Ende. Lange rasen die Wassermassen kaum sichtbar durch den Ozean, erst kurz vor der Küste erheben sie sich zu einer riesigen Welle und vernichten alles, was in ihrem Weg steht.
Die Spitzelaffäre bei der Telekom ist sozusagen ein umgekehrter Tsunami: Als sie aufflog, war es eine Riesenwelle öffentlicher Empörung – die seitdem immer flacher wird und jetzt auszuplätschern droht. Die Staatsanwaltschaft scheint in diesen Tagen aufzugeben. Das berichten übereinstimmend mehrere Personen, die die Ermittlungen verfolgen.
Wer hätte das gedacht?
Vor zwei Jahren kam heraus, dass der Konzern in den Jahren 2005 und 2006 Telefon- und Handydaten von rund 60 Betriebsräten, Gewerkschaftern und Journalisten ausspionieren ließ, um herauszufinden, wer aus dem Aufsichtsrat ständig Konzerngeheimnisse an die Presse lancierte. Um zu verhindern, dass vertrauliche Pläne öffentlich diskutiert wurden, bevor die Unternehmenslenker selbst wussten, wohin sie ihr Unternehmen eigentlich lenken wollten.
Statt die ihr anvertrauten Telefondaten zu schützen, bediente sich die Telekom selbst. Scherte sich nicht um Privatheit und die Freiheit der Presse. Empfand sich als rosarote Wagenburg, umzingelt von Feinden, durchsetzt von Verrätern.
Zur großen Welle in den Anfängen der Aufklärung gehörte der Verdacht, dass nicht nur einige Mitarbeiter der konzerneigenen Sicherheitsabteilung zu weit gegangen sind. Sondern dass sie auf Anweisung oder zumindest mit Einverständnis von Ex-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke oder Klaus Zumwinkel, seinerzeit Vorsitzender des Aufsichtsrats, gehandelt haben. Gegen diese und sechs weitere Beschuldigte ermittelt seither der Staatsanwalt. Ricke und Zumwinkel haben stets jede Verantwortung bestritten. Und bald dürfte die Entscheidung fallen, dass die prominenten Ex-Manager tatsächlich nicht mit einem Strafprozess rechnen müssen, geschweige denn mit einer Verurteilung. Treffen dürfte es demzufolge bloß einige Leute aus der dritten Reihe.
»Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen«
Nicht alle wollen sich damit abfinden. So wie Lothar Schröder, Vorstand der Gewerkschaft ver.di und Mitglied des Telekom-Aufsichtsrats. Auch seine privaten Kommunikationsdaten wurden damals heimlich untersucht. »Es kann nicht sein«, schnaubt er heute, »dass eine Affäre dieser Tragweite in einer Anklage zweiter Klasse endet und es schließlich wieder heißt: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.«
Doch danach sieht es aus. Und damit wäre offiziell: Einen Auftraggeber, einen Mastermind, hat es bei der Telekom nie gegeben. Zumwinkel wäre aus der Schusslinie. Einer der größten Überwachungsskandale der deutschen Wirtschaftsgeschichte wäre auf den Übereifer einiger Angestellter zurückzuführen. Ein Unbehagen bliebe dennoch, denn viele Fragen sind nach wie vor offen. Die restlose Aufklärung der Spitzelaffäre ist auch nach zwei Jahren ungewisser denn je.
Gleichwohl waren die Bemühungen nicht vergebens. Sie haben die Gesellschaft sensibilisiert für die Gefahr, die von Kontrollfanatikern in großen Unternehmen ausgeht – auch bei der Bahn und bei Lidl. Die Ermittlungen zeigen, wie Unternehmen mit Krisen umgehen, damals und heute. Und auch, wie schwer sich Verantwortung im modernen Wirtschaftsleben wirklich zuordnen lässt.
- Datum 03.04.2010 - 08:21 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 31.03.2010 Nr. 14
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...."Corporate Germany" noch das alte Problem der selektiven Anwendung von Gesetz und willkürliche Strafmaße gegen Täter. Auch die Haftung alter Manager für Schäden ist ungenügend. Anders als der Artikel sagt, ist der Fall Siemen ein Beleg, dass alte Manager geschützt werden. Von Pierer ist eher ein Beispiel dafür, dass Manager fast unbelangt bleiben, im Gegensatz zur Behauptung im Artikel. Wenn ein Manager einen Schaden von mehr als einer Milliarde durch eine Straftat verantwortet, so kann es nicht sein, dass er 6 Millionen zahlt und strafrechtlich geschützt bleibt, wenn man ein seriöses Gemeinwesen sein will. Fälle wie Siemens, MAN, Daimler, Telekom, DB uvm gesellen sich zu den politischen Fällen wie Kohl, Schröder, Kundus, Anstiftung zum Datenklau Affaire et Al und demonstrieren klar und deutlich eine durchseuchte Gesellschaft. Der Umgang mit diesen Fällen, auch in den Medien, legt ein zutiefst krankes Staatswesen bloß und die meisten Bürger, soweit sie das Problem überhaupt erkennen, wollen nichts dagegen tun.
Nicht nur der Fall Telekom zeigt, dass ab einer bestimmten Position die Gleichheit vor dem Gesetz nicht mehr vorhanden ist. Es ist schon in Vergessenheit geraten, dass die Vorstände und Aufsichtsräte der Banken (bis auf einige Einzelfälle) immer noch in der gleichen Position sind und nicht zur Verantwortung gezogen worden sind. Der Fall Zumwinkel hat in diesem Zusammenhang sehr deutlich gezeigt wie mit "Super-Managern" rechtlich umgegangen wird.
> http://de.wikipedia.org/w...
Wer glaubt den wirklich, dass heutzutage ein Spitzenmanager explizite Anweisungen geben, wenn es darum geht, rechtswidrige Entscheidungen zu treffen? Da wird es dem Gesprächspartner überlassen, seine eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen, da wird höchstens genickt oder bedeutsam geschwiegen, wenn jemand sein Verständnis absichern will. Die Kommunikation läuft ja geradezu darauf hinaus, dass unsere "Verantwortungsträger" nicht zur Verantwortung gezogen werden können, wenn es eng für sie wird: Rede statt zu schreiben, nicke, statt zu reden, das ist die Devise.
....vorstellen, dass ein auch leitender Angestellter Euro 2 Millionen überweisen kann, ohne das abzusprechen. Es in 20 verschiedenen Ländern zu tun, ohne eine Erfassung durch das Controlling ist ausgeschlossen. Das bedeutet, dass Gruppen von Mitarbeitern und Angestellte organisiert zusammen wirken, um Gesetze zu brechen und illegal Dritte erheblich zu schädigen.
Das wäre in meinem Buch Organisiertes Verbrechertum und sollte als solches verfolgt und bestraft werden.
....vorstellen, dass ein auch leitender Angestellter Euro 2 Millionen überweisen kann, ohne das abzusprechen. Es in 20 verschiedenen Ländern zu tun, ohne eine Erfassung durch das Controlling ist ausgeschlossen. Das bedeutet, dass Gruppen von Mitarbeitern und Angestellte organisiert zusammen wirken, um Gesetze zu brechen und illegal Dritte erheblich zu schädigen.
Das wäre in meinem Buch Organisiertes Verbrechertum und sollte als solches verfolgt und bestraft werden.
... und wieder tun wir völlig überrascht: in Deutschland soll es eine Zwei-Klassen-Rechtssprechung geben - na wer hätte das gedacht?
....so etwas gesagt und wurde angefeindet, ich würde Deutschland schlecht machen.
....so etwas gesagt und wurde angefeindet, ich würde Deutschland schlecht machen.
Wenn es um die Einkünfte geht, reklamieren diese Typen die hohe Verantwortung die sie tragen. Kommt es dazu, dass sie Verantwortung übernehmen müssten, verweisen sie auf die schlechter bezahlten Untergebenen.
Es kommt eben nicht darauf an, welche Managerschule jemand besucht hat, sondern auf Lebenserfahrung und Charakter.
...dann wäre das was anderes. Fristlose Kündigung, Hartz4 und Anpöbeln von der FDP wäre da das mindeste.
Bei Bespitzelung, Bank-gegen-die-Wand-fahren, Untreue, Unfähigkeit etc. gibts natürlich Bonus und Abfindung.
Was lernen unsere Kinder daraus ?
Zock den Staat ab, wo es geht. Arbeite schwarz, hinterzieh Steuern, nimm alles mit von Wohngeld bis Hartz4, beklau deine Firma (ohne dich erwischen zu lassen).
Machst du es nicht, bist du blöd.
Gewissen, Moral und Anstand sind Kennzeichen des Prekariats.
Ganz einfach.
den ich zu diesem Thema je gelesen habe. Vielen Dank!
den ich zu diesem Thema je gelesen habe. Vielen Dank!
den ich zu diesem Thema je gelesen habe. Vielen Dank!
....vorstellen, dass ein auch leitender Angestellter Euro 2 Millionen überweisen kann, ohne das abzusprechen. Es in 20 verschiedenen Ländern zu tun, ohne eine Erfassung durch das Controlling ist ausgeschlossen. Das bedeutet, dass Gruppen von Mitarbeitern und Angestellte organisiert zusammen wirken, um Gesetze zu brechen und illegal Dritte erheblich zu schädigen.
Das wäre in meinem Buch Organisiertes Verbrechertum und sollte als solches verfolgt und bestraft werden.
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