Landwirtschaft Im Märzen der Forscher
Jahrzehnte lang wurde die Agrarwissenschaft in Deutschland vernachlässigt. Welthunger, Umweltbewusstsein und Klimawandel lassen sie nun endlich wieder aufblühen.
Mit dem Namen Weihenstephan verbinden die meisten Menschen die älteste Klosterbrauerei der Welt. Seit fast einem Jahrtausend überragt sie auf einem steilen Hügel das Freisinger Moos. Um die Benediktinerabtei herum leben weitere Traditionen: Seit 200 Jahren werden hier Forste, Nutztiere oder Ackerfrüchte erforscht und Lebensmittel veredelt. Anfangs in der Kurfürstlichen Centralbaumschule, heute auf dem modernen Agrarforschungs-Campus der Technischen Universität München (TUM).
In den Hörsälen und Bibliotheken, Treibhäusern und Labors, die weitläufig verteilt zwischen Waldstücken und noch märzkargen Versuchsfeldern liegen, suchen Verhaltensbiologen nach Therapien für stresskranke Legehennen, prüfen Bodenkundler Humusqualitäten, befragen Ernährungswissenschaftler Konsumenten, ob sie nanotechnische Verfahren bei ihrer Nahrung akzeptieren würden (Franzosen: eher ja; Deutsche: eher nein). Um nur ganz wenige der vielfältigen Erkenntnisinteressen und Fachrichtungen in der oberbayerischen Idylle zu nennen.
Bauernrevolten? Die galten hier seit der Sendlinger Mordweihnacht von 1705 nun wirklich als historisch erledigt. Vor zwei Jahren aber flammte am Weihenstephaner Berg doch wieder ein »Bauernaufstand« auf. So karikiert jedenfalls der Dekan Gerhard Wenzel, Pflanzenzüchter und Genetiker, eine Fehde forschungspolitischer Fraktionen, bei der Anhänger der Life Science und bodenständige Agrarwissenschaftler aneinandergerieten.
Ihr Streit flackert zwar nur noch selten auf. Doch es lohnt sich, mehr darüber zu erzählen, weil die Spannung für eine kaum bemerkte, unerwartete Entwicklung symptomatisch ist: die Renaissance der Agrarwissenschaft. Zahlreiche Interessenkonflikte begleiten das frühlingshafte Erblühen, in dessen Verlauf der primäre Sektor sich zukunftstauglich neu orientiert.
- Agrarforschung
Auch international ist die Agrarforschung im Aufbruch. Ein gewichtiges Beispiel: die Organisation CGIAR (Consultative Group on International Agricultural Research), die weltweit einige der bedeutendsten Forschungseinrichtungen vereint, unter ihnen das Reisforschungsinstitut auf den Philippinen oder das Institut für Tierhaltung in Kenia.
- Programme
2000 Wissenschaftler erkunden in 100 Ländern Nahrungspflanzen, Äcker, Forste und auch die Artenvielfalt, um die Sicherheit der Nahrungsversorgung zu verbessern. Ihre Mittel müssten glatt verdoppelt werden, fordert Weltbank-Präsident Robert Zoellick. Am Wochenende planten die 15 CGIAR-Institute in Montpellier acht »Megaprogramme« von Klimaschutz bis Genressourcen, in denen alle Mitglieder stärker kooperieren sollen. Nun sucht man noch einen CEO, der der Agrarforschung eine gewichtigere Stimme verleiht.
Sie waren beinahe totgesagt: Über zwei Jahrzehnte lang verkümmerte die Arbeit der Agrartechniker, Schweine- und Obstzüchter im Schatten des politischen Interesses. Das »eiserne Dreieck«, wie der feste Schulterschluss der Agrarwissenschaft mit dem Agrobusiness und der Politik genannt wurde, hatte sein Augenmerk lange einseitig auf Produktionssteigerungen gerichtet. Doch die erschienen angesichts subventionierter Überschüsse in Europa zunehmend als sinnlos. In den achtziger Jahren gerieten Massentierhaltung und intensive Anbaumethoden unter grünen Beschuss. Das Wort Bauer war gleichbedeutend mit Raubbauer. Dann blieben auch noch die Studenten weg. Landwirtschaft? Uncooler gings gar nicht.
Kein Wunder, ging es an den zehn Agrarwissenschaftsstandorten in Zeiten des Spardrucks gerade diesen vermeintlich anachronistischen Fakultäten an den Kragen. Von Rostock über Berlin bis Gießen wurde seit 1990 jede dritte Agrarwissenschaftlerstelle abgebaut. Dies geschah zufällig, konzeptionslos und oft bis zur »Unterschreitung der kritischen Masse«, bemängelte der Wissenschaftsrat. Auf einmal waren dann Experten für Agrarsoziologie, Tierernährung oder Gartenbau mit der Lupe zu suchen. Und nun beklagen Industrievertreter wie Friedrich Berschauer, Vorstand des Agrarriesen Bayer Crop Science, eine »deprimierende« Lage: »Wir kriegen ja nicht die besten Köpfe.«
Doch das ändert sich gerade, die Studentenzahlen sind auf fast 10.000 angestiegen, und jetzt seien unter den Bewerbern immer öfter »junge Mädchen mit Einserdurchschnitt, die die Welt retten wollen«, sagt Kurt Jürgen Hülsbergen, in Weihenstephan Studiendekan und Professor für Ökologischen Landbau. Und diese Hochmotivierten kommen nicht bloß aus jugendlichem Überschwang, sie haben die Menetekel der Zeit erkannt: Wenn weltweit die Böden erodieren, wenn Wasser und Flächen knapp werden und der Klimawandel, von der Landwirtschaft selbst kräftig beschleunigt, Dürren und Fluten und unberechenbare Anbaurhythmen auslöst, dann müssen gerade Agrarwissenschaftler Lösungen finden.
- Datum 31.03.2010 - 10:47 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 31.03.2010 Nr. 14
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»Es ist faszinierend: Die Biologie könnte zur Ingenieurwissenschaft werden!«
Endlich gleichwertig mit all den anderen 'Wissenschaften'.
Im Zeitalter leerer Kassen wird eine Aufwertung egal welcher Wissenschaft schwierig.
Daß die Bayer CropScience Probleme hat, die besten Köpfe zu bekommen, liegt unter anderem an der eigenen Einstellungspolitik. Jahrelanger Einstellungsstop. Nun müssten sie die besten Köpfe von ausländischen Forschungsinstituten oder der Syngenta abwerben.
Ökologische Landwirtschaft halbiert die Erträge und liefert keine signifikant bessere Qualität. Dieser Wahrheit muß als erstes ins Gesicht gesehen werden, denn sonst wird weiterhin die Masse der Mittel für den vergeblichen Versuch ausgegeben, Wunschdenken wissenschaftlich bestätigen zu können.
Die Unterscheidung von Grundlagenforschung und angewandter Forschung ist purer Unsinn. Diese künstliche Unterscheidung wird von 2 Akademikertypen aufrecht erhalten, die ihre alten Steckenpferde weiterrreiten wollen. Die einen halten sich lieber mit Gummistiefeln auf Feldtagen auf, beten Gerüchte und Industriepropaganda nach, interessieren sich nicht für Labortechnologie und machen kaum eigene echte Forschung, die anderen halten sich lieber in Laboren auf und produzieren Ergebnisse, die die Bevölkerung nicht versteht.
Jedes Problem kommt aus der Praxis. Lässt es sich mit Methoden, die bereits (woanders) in der Anwendung sind (angewandte Forschung) nicht lösen, muß man wohl Methoden in Betracht ziehen, die noch nicht in der Anwendung sind (Grundlagenforschung), vielleicht, weil die Methoden erst entwickelt werden müssen.
was man in D-land in den Agrarwissenschaften verdient, erkennen viele den Stellenwert.
Startet bei 1200 Euro Brutto und endet meist bei 2500 Euro Brutto bei nicht Selbstständigen nach 5 und mehr Berufsjahren, solange man nicht im Staatsdienst steht.
Hier mal eine kleine Kostprobe, der geforderten Leistungen, da geht einem doch das Herz auf
http://www.jobmonitor.com...
In der uralten Tradition der Veden, aus der auch der „Ayur Veda" ( ein Naturheilkunde-System ) stammt, gibt es einen Zweig, der ganzheitliches Wissen über die mit der Landwirtschaft verbundenen Faktoren bietet.
Der essentiellste Faktor ist dabei ein allem zu Grunde liegendes Feld, ein unendliches Reservoir von Energie und Intelligenz, dessen Anregungen für alle Phänomene des Universums verantwortlich sind ( das Konzept von Feldern kann verstanden werden, wenn man sich mit quanten-physikalischen Definitionen beschäftigt: http://de.wikipedia.org/w... ).
Die Vedischen Seher ( Sanskrit: 'Rishis' haben Zusammenhänge entdeckt, die Lösungsansätze ermöglichen, durch die die heute verstandenen und angewandten Zusammenhänge und Praktiken bereichert werden können.
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Wechselwirkung zwischen dem menschlichen Bewußtsein und der Umgebung: jeder Mensch beeinflußt seine Umgebung durch jeden Gedanken, jedes Wort und jede Handlung - gleichzeitig wir Sie / Er aber auch durch dieses 'kollektive' Sammelsurium beeinflußt — dieser Einfluß ist immer wechselseitig.
Nach Aussagen der vedischen Seher stellt dieses 'kollektive Bewußtsein' einen nicht unbedeutenden Faktor in der Ökosphäre dar — es werden Methoden beschrieben, wie der Mensch die im Feld brach liegende Intelligenz und Energie nutzen kann, um ALLE Faktoren von sozialen Systemen ins Gleichgewicht zu bringen: http://www.mvoai.org/ und http://www.mvccsa.com/far...
Das erste von mir im vorherigen Beitrag angegebene 'Link' muß heißen
http://www.mvoai.com/
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http://www.mvoai.com/
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Wird man dann auch endlich einmal über die positiven Auswirkungen von erhöhtem CO2 auf Pflanzenwuchs erfahren und wird CO2 dabei nicht wieder vor allem als “Klimakiller” dargestellt ?
Moderne Treibhäuser werden mit zentralen CO2-Versorgungsanlagen ausgestattet, um erhöhtes Pflanzenwachstum zu ermöglichen, mit erstaunlichen Ergebnissen.
Unter
http://www.co2science.org/
betreiben Vater und Sohn IDSO seit Jahren eine Web-Seite, auf der wöchentlich peer-to-peer geprüfte wissenschaftliche Literatur ausgewertet und beschrieben wird. Inzwischen stehen mehrere Hundert Berichte zur Verfügung.
Auf YouTube findet man einen Beitrag von Idso sen.
Carbon Dioxide: The Breath of Life
http://www.youtube.com/wa...
Die Anzahl der Menschen wird sich bis 2050 um ca. 3 Milliarden erhöhen.
Jede Möglichkeit, die Nahrungsbasis zu erhöhen, muss geprüft werden.
Ja, die Chinesen haben ausgerechnet, wie weit der Ertrag auf ihren Flächen durch den CO2-Anstieg steigen wird. Das mag zum Teil ihre konservative Haltung auf Klimagipfeln erklären.
Vielleicht sollten die Zahlen für Deutschland auch mal in den Medien auftauchen, um nicht nur die Nachteile zu beleuchten.
Ja, die Chinesen haben ausgerechnet, wie weit der Ertrag auf ihren Flächen durch den CO2-Anstieg steigen wird. Das mag zum Teil ihre konservative Haltung auf Klimagipfeln erklären.
Vielleicht sollten die Zahlen für Deutschland auch mal in den Medien auftauchen, um nicht nur die Nachteile zu beleuchten.
Ja, die Chinesen haben ausgerechnet, wie weit der Ertrag auf ihren Flächen durch den CO2-Anstieg steigen wird. Das mag zum Teil ihre konservative Haltung auf Klimagipfeln erklären.
Vielleicht sollten die Zahlen für Deutschland auch mal in den Medien auftauchen, um nicht nur die Nachteile zu beleuchten.
Wie schön, die Agrarwissenschaften blühen wieder auf!!!
Dem Wissenschaftsrat, der ExpertInnen dieser Fachrichtung mit der Lupe sucht und Herrn Berschauer von Bayer, der keine klugen Köpfe bekommt, empfehle ich eine ausführliche Suche in den Baumärkten und Garten-Centern dieses Landes. Denn in diesen Bereich mussten nicht wenige AgraringenieurInnen in den letzten Jahren ausweichen, um überhaupt einen Arbeitsplatz zu bekommen und dies nicht unbedingt in Führerungspositionen, sondern im Verkauf, oftmals nur als Teilzeitkräfte. Sicher, das ist eine Tätigkeit so gut oder schlecht wie jede andere, für die es aber entsprechende Ausbildungsberufe gibt und es keine Leute braucht, die ein Studium absolviert haben.
Die Lamentiererei über einen Fachkräftemangel, egal ob hier oder in anderen Branchen ist schlichtweg nervig und falls es ihn tatsächlich geben sollte, dann ist er doch wohl hausgemacht ("Von Rostock über Berlin bis Gießen wurde seit 1990 jede dritte Agrarwissenschaftlerstelle abgebaut....").
Ob sich Gartenbau oder Landwirtschaft für die Rettung der Welt eignet, hat mich während meines Studiums nicht wirklich interessiert, aber ich habe gerne Gartenbau studiert, fand es nicht uncool und habe zudem eine fundierte Ausbildung erhalten. Hätte ich jedoch noch einmal die Wahl, würde ich mich mangels beruflicher Perspektive auf keinen Fall noch einmal für ein Studium oder gar eine Promotion in einer dieser Fachrichtungen entscheiden!
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