Afghanistan Ein schöner Freund
Sterben für Afghanistan? Wer kann das von unseren Soldaten verlangen, wenn sich Kabuls Präsident vom Westen absetzt?
© Ahmad Masood /Reuters

Der afghanische Präsident Hamid Karsai steht seit langem in der Kritik des Westens. Jetzt droht er sich abzuwenden
Da läuft gerade jemand aus dem Ruder. Hunderttausend Soldaten hat die Nato nach Afghanistan geschickt. Sie riskieren ihr Leben auch, um das Regime in Kabul zu schützen. Präsident Karsai aber nennt sie "Eindringlinge". Die Einmischung des Westens könne dazu führen, verkündet er, dass die afghanische Bevölkerung die Taliban als eine legitime "nationale Widerstandsbewegung" betrachte.
Zur gleichen Zeit ist der Afghanistankrieg am Karfreitag, sieben Monate nach dem Luftschlag von Kundus, mit brutaler Härte ins Bewusstsein der Deutschen zurückgekehrt. Die Bestürzung ist groß über den Tod der drei Bundeswehr-Fallschirmjäger und der sechs versehentlich erschossenen afghanischen Soldaten.
In die Trauer um die Toten mischt sich nun Verstörung, ja Zorn. Karsais bizarre Äußerungen werfen ein weiteres Mal die Frage auf: Wozu führen wir diesen Krieg eigentlich? Und für wen? Für unseren Verbündeten Karsai offenbar nicht. Der hält törichte Reden, die in der Drohung an die eigenen Anhänger im Parlament gipfeln: "Wenn ihr und die internationale Gemeinschaft noch mehr Druck auf mich ausübt, dann schließe ich mich, ich schwöre es, den Taliban an!"
Wer hat die Wahlen gefälscht? "Die Ausländer waren das!"
Gibt Karsai den Krieg verloren? Will er sich als Beschützer seines Volkes aufspielen, das zu viele zivile Opfer beklagen muss? Bereitet er sich auf die Zeit nach dem amerikanischen Abzug vor, dessen Beginn Barack Obama für das kommende Jahr angekündigt hat? Arrangiert er sich heute schon mit den Mächtigen von morgen? Eines erscheint klar: Das Wohlergehen des eigenen Clans ist ihm wichtiger als das Schicksal seines Landes, gar als der Erfolg der westlichen Mission.
Was der Präsident sagt, ist kalkuliert – und grotesk. Erst zitiert die New York Times Teilnehmer eines Essens, bei dem Karsai den Amerikanern vorgeworfen habe, sie wollten sein Land und die Region beherrschen; sie hinderten ihn daran, mit den Taliban Frieden zu schließen.
Dann gibt er dem Westen die Schuld an den massiven Fälschungen bei seiner Wiederwahl im August 2009. "Nicht die Afghanen haben diesen Betrug begangen, die Ausländer waren das."
Schließlich droht er sogar damit, die geplante Frühjahrsoffensive gegen die Taliban zu verhindern. US-General Stanley McChrystal, oberster Nato-Kommandeur in Afghanistan, sitzt stumm daneben und traut seinen Ohren nicht.
Warum also sind wir in Afghanistan? Warum hat der Deutsche Bundestag das Mandat eben erst verlängert und das Bundeswehrkontingent auf 5350 Soldaten erhöht? Natürlich, das ist der erste Grund, wegen der Anschläge vom 11. September 2001. Al-Qaida sollte der Vorbereitungs- und Rückzugsraum genommen werden, von dem aus das Terrornetzwerk seine Angriffe geplant hatte. Der Kampf gegen diesen mörderischen Terrorismus war ein legitimes, vom UN-Sicherheitsrat gebilligtes Ziel.
Aber al-Qaida ist aus Afghanistan inzwischen vertrieben, über die Grenzen nach Pakistan, auch nach Somalia oder in den Jemen. Krieg führt der Westen dort vernünftigerweise nicht.
Der zweite Grund: Die Taliban sollen nicht an die Macht zurückkehren, die Düsternis ihres Steinzeit-Islamismus soll sich nicht wieder über das Land legen. Nur scheinen die Taliban einer Rückeroberung der Macht heute so nahe zu sein wie lange nicht mehr. Nicht allein Karsai will mit ihnen verhandeln, auch der Westen – zumindest mit den "Moderaten" unter ihnen.
Und der dritte Grund: Wir möchten gern ein klein bisschen Fortschritt, ein wenig Rechtsstaatlichkeit und vielleicht sogar etwas Gleichberechtigung nach Afghanistan bringen. Natürlich keine "Demokratie nach westlichem Muster". Da wehren alle ab, man ist ja nicht naiv. Und doch sind die liebsten Argumente, auch der Bundesregierung: Schul- und Straßenbau, Lehrer- und Polizistenausbildung. Aber darf ein Land dafür Krieg führen?
Natürlich nicht. Es muss schon um existenzielle Gefahren gehen, der internationale Frieden muss bedroht sein, zuallererst die eigene Sicherheit. Und auch dann sucht verantwortungsvolle Politik noch nach anderen Auswegen. Amerikas militärische Reaktion auf 9/11 war verständlich, vielleicht unabweisbar. Deutschland stand dabei an seiner Seite. Bündnisloyalität, dies ist der Hauptgrund, warum bis heute deutsche Soldaten in Afghanistan kämpfen.
Wie lange wird dieser Grund noch tragen? Und kann mit der Regierung Karsai – unfähig und korrupt bis auf die Knochen – eine "Strategie zur Übergabe in Verantwortung" gelingen, von der Bundeskanzlerin Merkel Ende Januar in einer Regierungserklärung sprach?
Es gibt noch einen weiteren, einen letzten Grund, eng mit der Bündnisloyalität verbunden. Er lautet, Deutschland darf sich in Nato und EU nicht isolieren. Bündnistreue und Berechenbarkeit sind hohe Güter. Sie begründen Deutschlands Teilnahme am Krieg. Die Frage nach seinem Sinn aber beantworten sie nicht.
Wird am Ende unseres militärischen Eingreifens ein dem Westen freundlich gesinntes Afghanistan stehen? Man kann das mit Fug und Recht bezweifeln. Wenn aber der Wunsch nach Demokratie und nach Mindeststandards von Rechtsstaatlichkeit in Afghanistan bei uns größer ist als bei den Afghanen selbst, dann kämpft die Bundeswehr auf verlorenem Posten.
Es ist ein wachsendes Gefühl von Vergeblichkeit, das den Tod der Soldaten noch tragischer, noch unerträglicher erscheinen lässt.
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- Datum 08.04.2010 - 16:48 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.04.2010 Nr. 15
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Wenn der Karsai das so will sollen Alle( Westlichen) Soldaten
abziehen !
Die Taliban werden dann den Rest Besorgen, vom letzten Krieg .
Wenn es für Karsai kein Geld mehr gibt ( EU ,Nato ) usw .was soll da aus den Afgahnischen Volk werden ?
Karsei kümmert sich nur um sich und seinen Familienklan !
Ich Vermute ganz stark er Spioniert für dieTalis .
"Wenn der Karsai das so will sollen Alle( Westlichen) Soldaten
abziehen !"
Wieso vertreten Sie diese Meinung?
"Wenn der Karsai das so will sollen Alle( Westlichen) Soldaten
abziehen !"
Wieso vertreten Sie diese Meinung?
Ich habe den Eindruck, dass der Einsatz in Afghanistan immer sinnloser wird. Jedes Opfer ist zuviel. Es ist gut vorstellbar, dass dieses Land nach Abzug der westlichen Streitkräfte wieder zurück ins Mittelalter fällt!
Also, raus aus Afghanistan!
Karsai zeigt hier die ganze Lächerlichkeit des Einsatzes.
Wahrscheinlich bringt auch Obamas Truppenaufstockung keinen bleibenden Erfolg und wir deutschen sehen Hoffnung darin "Polizisten" auszubilden, die danach legale Strassenräuber oder je nach Laune ebenfalls Taliban werden.
Als Schwarze Kommödie oder als Farce wäre dies ein herrliches Stück Weltheater.
Vielleicht sollten wir etwas ganz anderes tun, was mehr Erfolg haben könnte als alles bisherige.
Vielleicht an jeden Einwohner Afghanistans ein iPhone verteilen und die Infrastruktur fürs Internet aufbauen damit Bildung und Kunst in die mittelalterlichen Köpfe kommt
:-)
oder raus aus Afghanistan und Haschisch weltweit legalisieren, das dann der Westen selbst anbaut und damit sinken die Preise um 90 % und der wichtigste Exportzweig Afhanistans bricht ein und den Taliban geht das Geld aus
:-)
Mit Opium/Heroin/Morphin genauso, das stellt der Westen künftig selbst her und verdirbt damit die Weltmarkt-Preise, was den Taliban und der Mafia weltweit schwer schaden würde. Dazu ändern wir noch die von vielen Ärzten beklagte strenge Zurückhaltung und verschreiben das Zeug legal den Millionen Schmerzgepeinigten oder den freudlosen Alten in unseren Ländern
:-)
Möglicherwiese meine ich diese drei Punkte vielleicht ernst. Verrückter als unser bisheriges Vorgehen in Afghanistan wären sie jedenfalls nicht.
;-)
in solchen archaischen ländern zählt ausschließlich männliches
imponiergehabe,man darf das alles nicht so ernst nehmen. außerdem haben wiederholt deutsche soldaten afghnische soldaten/zivilisten erschossen.es ist klar, daß da die afghanen sauer werden.man sollte mit dem militär aus afghanistan schnellstmöglichst abziehen, und das geld für den militäreinsatz den afghanen in form von entwicklungshilfe geben für einen begrenzten zeitraum, und dann tschüß und auf wiedersehen.mfg
Es mag sein, dass der Wahlbetrug von Karsei ausging. Die Hand darübergehlaten hat aber der Westen und insbesondere die USA. Ich erinnere mich da an Peter Galbraith, einen Ex UN-Diplomat, der entlassen wurde, als es sich mit seinem Vorgesetzen gestritten hatte. Dieser Kai Eide, der Top UN Beauftragte in Afghanistan zu der Zeit, war zusammen nit den USA fleißig dabei zu verschleiern und herabzuspielen, dass ein geschätztes Drittel aller Stimmen wahrscheinlich unecht waren. Und nicht etwa durch subtile, schwer nachweißliche Fälschung. Es wurden z.B. ein einer Region zehn mal mehr Stimmen gezählt als von Wählern abgegeben worden waren.
Die USA haben also den lieben Herrn Karsai dort hin gesetzt und sind jetzt ernsthaft überrascht, dass er ihnen in den Rücken fällt? Demokratie zu fördern in dem man sie zur Farce macht ist eben nicht der erfolgversprechendste Weg.
http://www.guardian.co.uk...
bekannt ist,daß karsai ebenso wie allawi cia-gesteuert sind( wikiped). und die orangene revolution in der ukraine? und in georgien?
expräsident carter hat in einem bericht veröffentlicht,daß ca 400 mio zu seiner zeit über den cia für wühlarbeit in den iran geflossen sind.
hier wird deutlich,daß in den ganzen ländern,wo öl im spiel ist,die usa ihre machtinteressen zunächst mit sog. demokratie-bewegungen,dann marionettenregierungen ,und wenn das nicht zum erfolg führt mit brutalster militärischer gewalt durchzusetzen versuchen. dabei setzen sie auf die korruptesten , windigsten kandidaten. im falle allawi war es vorauszusehen,daß die wahlen durch nachtricksen hingebogen werden mußten.
nun zeigt sich aber,daß diese marionetten die größeren schlitzohren und eben nicht die hoch gelobten,selbstlosen demokraten und so blöde sind,daß sie das usa-desaster nicht voraussehen würden .
gefährlich sind diese polit-sprechblasen im bundestag,die in vasallentreue zu den usa(cia) diese verbrecherischen unternehmen vorbehaltlos unterstützen.
diese leute sind die schreibtischmörder unserer gefallenen soldaten.
diese gewissenlose politbande ist zum rücktritt zu zwingen.
karsai ist diesen ganzen polit-naiven gutmenschen von cdu/spd /fdp , diesen kriegslobbyisten in den ministerien,ausschüssen etc.haushoch überlegen .
er kocht verständlicherweise seine suppe.
nur die ganz blöden glauben noch an amerika.
und reagiert darauf.
Gibt es die Taliban überhaupt noch oder sind das schon wieder Stammeskonflikte?
Er zeigt ziemlich genau auf, was die Probleme in Afghanistan sind:
über militärische Möglichkeiten und Sinn des Einsatzes frönt man seitens Parlament und Regierung reinem Wunschdenken, das eigentliche Motiv (wir sind da, weil unsere NATO-Partner da sind) ist rein formal und dem schwerwiegenden Handeln, nämlich Krieg zu führen, in keiner Weise angemessen.
Das tun, was die anderen tun, auch wenn die Unsinnigkeit und Undurchführbarkeit des Tuns jeden Tag deutlicher wird, ist irrationale Politik, und zu sagen, eine paar tote Soldaten wären leichter zu ertragen, als eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Bündnispartnern, ist Zynismus.
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