Bremer Makaken : "Ich habe mich unter Kontrolle"

Der Tierschützer Wolfgang Apel will die Bremer Affenexperimente stoppen.
Der Kopf eines Makaken-Affen, in dem ein Führungsrohr für Elektroden implantiert ist, wird durch eine Plastikhalterung fixiert und für einen Tierversuch vorbereitet © BUAV/Deutscher Tierschutzbund

Das Versprechen war gewaltig: Die Affenversuche von Andreas Kreiter würden Ergebnisse liefern, die dem Menschen helfen, hieß es. Dem könne sich doch keiner verschließen. Außerdem sei die Forschung nach drei Jahren beendet, hatte die Bremer Politik am Anfang versprochen. Ich habe damals gesagt: Liebe Politiker, wenn ihr die Versuche erst einmal genehmigt, werdet ihr mit Sicherheit Probleme bekommen, das Rad wieder zurückzudrehen. Jetzt dauern die Versuche schon zwölf Jahre, viermal so lang. Und wenn Sie mich fragen, haben sie noch zu keinem Ziel geführt.

Was den Anfang dieser Geschichte betrifft, wundere ich mich noch über vieles andere. Warum zum Beispiel hat die Uni damals so beharrlich verschwiegen, dass ihr neuer Professor an Affenhirnen forschen will? Ich habe mich jedenfalls völlig überrumpelt gefühlt. Der Bremer Bevölkerung ging es vermutlich nicht anders.

Nach anderthalb Jahren Berufungsverfahren hieß es plötzlich, das Gesundheitsressort habe angeblich keine Bedenken gegen die Affenversuche. Der damalige Leiter der Veterinärabteilung der Behörde hat mir gesagt – und das vergesse ich nie –, er wolle die Versuche nicht, aber er könne nichts machen. Später kam heraus, dass er das Vorhaben selbst unterstützt hat. Heute fungiert er sogar als Tierschutzbeauftragter für Andreas Kreiters Versuche.

Der Tierschützer

Wolfgang Apel war schon als Kind Tierschützer aus Leidenschaft. 1978 übernahm der gebürtige Bremer ehrenamtlich den Vorsitz des örtlichen Tierschutzvereins, 1980 wurde er Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes. Seit 1993 ist er dessen Präsident. 2005 erhielt er für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Um es klar zu sagen: Mein Ärger trifft an dieser Stelle nicht Herrn Kreiter. Ich bin wütend darüber, wie die Uni das Ganze gestrickt hat. Das war ein hinterlistiges Spiel, aus dem die Öffentlichkeit nach Möglichkeit herausgehalten wurde. Als die es erfuhr, hatte man sich bereits festgelegt.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Ich habe nichts gegen Grundlagenforschung. Im Gegenteil. Ich denke, dass es da noch eine ganze Menge zu tun gibt. Aber wir müssen uns fragen, mit welchen Mitteln wir Wissen gewinnen und wofür wir Milliarden an Forschungsgeldern ausgeben.

Ich selbst bin ja kein Forscher. Aber ich habe viele Forscher gefragt, ob es irgendeine Chance gibt, dass bei den Versuchen von Herrn Kreiter Wissen für die Heilung von Menschen herauskommt. Solche Wege will ich doch nicht verbauen! Vielleicht, haben alle gesagt. Das ist mir zu wenig.

Mir ist vorgeworfen worden, es gehe mir nur ums Tier, der Mensch spiele keine Rolle. Das ist Blödsinn. In meiner eigenen Familie gibt es Demenz und Alzheimer. Aber ich sehe im Tierversuch einfach kein Allheilmittel, und schon gar nicht in dieser Affenforschung.

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Kommentare

40 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Zustimmung

Den Ansichten von Wolfgang Apelt stimme ich aus vollem Herzen zu.

Wir müssen uns alle zu der Wahrheit bekennen, daß Tierversuche den Tieren erhebliches Leid und Schmerzen zufügen. Und wir müssen uns mit aller Kraft dafür einsetzen, daß diese Quälereien deutlich reduziert werden.

Dafür benötigen wir verbesserte Tierschutzgesetze und Verordnungen.

Hirnforschung ist wichtig

Dank der Grundlagenforschung von Physiologen wie Herr Kreiter können heutzutage Taube wieder hören. Mit sogenannten Cochlea Implantaten können ehemals Gehörlose mit degenerierten Haarzellen wieder akustisch kommunizieren. Dank dieser Forschung werden eines Tages Blinde mit degenerierten Photozellen wieder in der Lage sein sich mit Hilfe ihrer Augen zu orientieren. Für Querschnittgelähmte bildet die physiologische Forschung die einzige Hoffnung eines Tages wieder gehen zu können. Wissenschaftlern in den USA ist es gelungen, dass ein Affe sich mittels eines Roboterarms selbst füttern kann. Es gibt etliche weitere medizinische Felder, wie z.B. Epilepsiekranke, die von dieser Forschung profitieren können.

Der Tierschutz ist angeblich das Ziel von Herrn Apels. Alleine ein Blick auf die Liste von Nobelpreisträgern von Hodgkin und Huxley bis hin zu Eric Kandel sollte selbst dem wissenschaftlichen Laien erkennen lassen, das die physiologische Forschung sehr wertvoll ist und das man auch in den nächsten 50-100 Jahren nicht darauf verzichten wird. Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist wo?

In Deutschland gibt es mit die modernsten Labore. Die Tiere haben große Freigehege und genießen regelmäßige unangekündigte und unabhängige tieräztliche Kontrollen. Dies ist nicht überall der Fall. In den USA z.B. muss ein Rhesusaffe mit einem Kubikmeter Lebensraum auskommen. Ist dem Staatsziel Tierschutz mit der Maximalforderung („Alles verbieten!“) von Herrn Apel also geholfen?

Damit idealisieren Sie aber das Bild

des perfekten Menschen. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass gehörlose oder stumme Menschen nicht unglücklicher sind als "normale" Menschen. Nur für den "normalen" Menschen scheint die Andersartigkeit nicht lebenswert zu sein. Mit dieser Argumentation könnte man auch die Abtreibung behinderter Embryos fordern, da das Leben dieses Menschen weniger lebenswert ist.

Zugegeben, es klingt verlockend Blinde wieder sehend und Gehörlose wieder hörend zu machen. Aber führt die Forschung am Affen wirklich dazu? Ich wage zu behaupten, dass die Forschung am Menschen mittels hochauflösender MRT und PET, etc. wesentlich aufschlussreicher sind und schon mehr Erkenntnisse gebracht hat als die neurologische Forschung am Affen. Zumal mit dem Probanden auch direkt kommuniziert werden kann.

Persönliche Animositäten?

Der Text liest sich, als gäbe es im Hintergrund eine Menge persönlich Dinge zwischen Herrn Appel und Herrn Kreiter zu klären.
Bei der Frage, ob wir solche Versuche zur Grundlagenforschung zulassen, sollte es doch keine Rolle spielen, ob uns der Kommunikationsstil des leitenden Wissenschaftlers gefällt, oder wie die Geschiche der Gebäude war usw.

Mit dem Argument "Mir haben Forscher gesagt, vielleicht kommt etwas dabei heraus, das ist mir zu wenig" kann man zudem alle Forschung angreifen. Wenn man von vornherein wüsste, was rauskommt, wäre es ja keine Wissenschaft.

Das entkräftet nicht die Argumente Stress und psychische Belastung, schafft aber eine Stimmung im Text, die einer objektiven Betrachtung wenig hilft.

Naja, letzten Endes ist das wohl ohnehin egal, da sich viele schon bei Betrachten des Bildes eine Meinung machen. Das menschliche Gehirn ist unglaublich gut darin, in fremden Dingen Menschen zu sehen (deshalb sehen wir Gesichter in Wolken aber keine Wolken in Gesichtern) - wie schwer fällt es da, den Affen auf dem Bild nicht zu vermenschlichen...

@Blixten

Ich Schlussfolgerung halte ich für äußerst problematisch. Dass Sie in dem Text lauter persönliche Animositäten zwischen den beiden Herren sehen, spricht dafür, dass Sie den Machtkampf mit einer ethischen Haltung verwechseln.
Um nichts anderes, als um die ethische Verantwortung des Wissenschaftlers gegenüber Lebewesen geht es m. E. in dieser Diskussion. Dass die Wissenschaft in dieser Hinsicht nicht unfehlbar ist, darüber müssen wir, denke ich, nicht diskutieren. Was aber zur Diskussion steht, ist die Frage, wie weit die Freiheit der Wissenschaft geht oder gehen kann? Meiner Meinung nach hat Sie die Grenze des Tolerierbaren überschritten, wenn sie Lebewesen als ein Ding unter Dingen betrachtet. Ich halte es für richtig und gut, dass der Mensch im Anblick eines ängstlichen Affen an einen Menschen denkt, denn das erinnert ihn an seine Verantwortung gegenüber dem Leben.

Zumutung

In der Stellungnahme wird kräftig emotionalisiert, da darf auch ein Bild mit einem ängstlich schauenden Affen nicht fehlen. Statt Argumente auszutauschen, lernt der Leser, Herr Apel ist persönlich enttäuscht. Herr Kreiter, die Uni, alle anderen, niemand denkt an ihn, aber jeder ist ihm Rechenschaft schuldig. Voraussetzung für ein Gespräch ist ein Schuldeingeständnis von Herrn Kreiter. Dabei offenbart er ein gesundes Unverständnis für Wissenschaft. Ein "Vielleicht" ist ihm nicht genug, allerdings sollte klar sein, dass man von seriösen Wissenschaftlern nicht mehr erwarten kann. Typisch für Tierschützer wie ihn ist seine Ignoranz für menschliches Leid. Morddrohungen gegen Herrn Kreiter (die wahrscheinlich von Herrn Apels Anhängerschaft stammen)? Nicht ernst zu nehmen! Warum? Berufsrisiko, ein Tierschützer bekommt auch Morddrohungen. Die persönliche Verwicklung wird ignoriert, eine Distanzierung von militanten Tierschützern liest man nicht, stattdessen wird abgewiegelt. Sieht sich Herr Apel als moralisches Vorbild? So jedenfalls nicht. Ein Wort noch zur Sache: Für das tägliche Schnitzel aufs Brot werden natürlich wesentlich mehr Tiere gequält als für die Hirnforschung. Aber da - meint man- beträfe es einen persönlich. Ein voller Magen ist natürlich ein wesentlich höheres Gut als wissenschaftlicher Fortschritt. Deshalb muss man Prioritäten setzen. Wohl bekomm's!

"mag den Antrieb haben, die Welt verändern zu wollen"

Misstraut den Menschen, die den Antrieb haben, die Welt verändern zu wollen. Besonders Berufsgruppen, die gerne über die perfekte welt nachdenken (Aerzte, Archtitekten, Wissenschaftler etc.) [...]

Verzichten Sie bitte auf beleidigende Unterstellungen. Die Redaktion/sh