Am Affen scheiden sich die Geister: Viele Deutsche sind gegen die Versuche mit Affen. An anderer Stelle sieht man eher über Tierquälereien hinweg

Natürlich habe ich gewusst, dass manche Menschen Tierversuche und besonders Experimente mit Affen ablehnen. Wissenschaftler wie ich laufen immer Gefahr, an den Pranger gestellt zu werden. Schon als Diplomand und Doktorand in Tübingen und Frankfurt habe ich entsprechende Diffamierungen und Übergriffe gegen Wissenschaftler mitbekommen. In Bremen aber sind zwei Dinge anders als im Rest der Republik: Hier lebt der oberste Funktionär des Deutschen Tierschutzbunds und hat mit seinem Machtapparat fast unbegrenzte Möglichkeiten. Und das Thema wird inzwischen hemmungslos für lokalpolitische Zwecke missbraucht. An sich sollten Politiker doch die Forschung fördern statt stören.

Die Universität Bremen hatte mich im März 1996 zu einem öffentlichen Bewerbungsvortrag eingeladen. Ich fuhr hin und war angenehm überrascht. Was für ein freundlicher Menschenschlag, dachte ich, hier kann man es gut aushalten. Das Berufungsverfahren lief – alles blieb ruhig. Der dann folgende Vernichtungsfeldzug schien mir damals unvorstellbar.

Alles begann mit einem professionell gemachten Plakat auf einer bezahlten Werbefläche an einem Knotenpunkt der Stadt: »Die Uni beruft den Affenfolterer Andreas Kreiter. Wenn Sie etwas dagegen haben, rufen Sie ihn doch an oder besuchen Sie ihn« stand darauf, inklusive meiner privaten Anschrift und Telefonnummer. Da war es also in der Welt, das Unwort vom »Folterer«. Ich war öffentlich gebrandmarkt.

Meine damals hochschwangere Frau saß gerade im Zug zurück nach Frankfurt. Schon, dass sie allein reiste, machte die Landeskriminalämter angesichts der offenen Plakatdrohung nervös. Sie veranlassten erste Schutzmaßnahmen.

Wie berechtigt diese erste Sorge war, hat sich in der beispiellosen, auf persönliche Vernichtung abzielenden Hetzkampagne der Tierschützer und ihrer Funktionäre gezeigt. Jahrelang gab es immer wieder tätliche Übergriffe und Morddrohungen. Der Polizeischutz wurde für uns zum Alltag. Gelegentlich distanzierten sich einzelne Tierschutzfunktionäre von den Gewaltandrohungen, riefen diese mit ihren Hetzkampagnen gegen mich aber gleichzeitig immer wieder hervor. Aufklärung, Vernunft oder womöglich sogar Kooperation waren und sind offenbar nicht gefragt.

Um überhaupt wieder einen sachlichen Ton in die Debatte zu bringen, hatte die Universität damals eine öffentliche Diskussionsrunde in der Bremer Bürgerschaft organisiert. Auf dem Podium saßen auch Wolfgang Apel und ich, im Saal die Kohorten des Herrn Apel, aufgeregt wie er. Ihn habe ich dort zum ersten Mal persönlich getroffen.

Ich erkläre einfach und verständlich, was unser Team in der Forschung tun und erreichen will, dachte ich. So hoffte ich, Missverständnisse auszuräumen. Eine ausgewogene Debatte interessierte jedoch nicht, das hat der gastgebende Bürgerschaftspräsident ziemlich schnell deutlich gemacht. Eine kurze Begrüßung, dann fiel er regelrecht über uns her. Offenbar galt ich schon damals für einige als politisches Schlachtvieh.

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Aber aufgeben? Ehrlich gesagt, mit dem Gedanken beschäftige ich mich kaum. Die Faszination, die von der Erforschung des Gehirns ausgeht, motiviert mich jeden Tag neu. Und wer einmal Patienten auf einer neurologischen oder psychiatrischen Station besucht hat, kann keine Zweifel mehr haben, dass diese Forschung dringend notwendig ist.

Außerdem bin ich kein unpolitischer Mensch. Die Grundwerte, die wir heute nicht verteidigen, sind morgen die ersten, die verloren gehen. Dass die Gefahr besteht, zeigen die zunehmenden Versuche, unsere Verfassung mit Sonderregelungswünschen einseitig orientierter Verbände – wie etwa von Tierrechtlern – zu verwässern. Für den Tierschutz braucht es ein vernünftiges Tierschutzgesetz, nicht irgendwelche wahlkampfmotivierten Änderungen in der Verfassung!