Affenversuche und Massentierhaltung Respekt!
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Das Steak der Zukunft wächst im Labor heran – ganz ohne Tier

Wer wissen will, wie sich die Lebens- und Todesumstände der Nutztiere entwickeln werden, muss in die Schwellen- und Entwicklungsländer schauen. Die Menschen dort essen heute fünf Mal so viele Eier und drei Mal so viel Fleisch wie vor fünfzig Jahren. Kein Land legt in der Tiernutzung rasanter zu als China. Heute ist es der größte Schweineproduzent der Welt – und muss dennoch Fleisch importieren.

Bevölkerungswachstum und Verstädterung werden die Industrialisierung der Fleischproduktion weiter vorantreiben. Mit allen Schrecken, die in Europa mühsam verdrängt worden sind: in Drahtbatterien gesperrte Hühner; Schweine mit von Gitterböden deformierten Füßen; Dauerstress durch Lärm, Schmutz und Enge, wenn in Hallen Zehntausende, gar Hunderttausende Tiere untergebracht sind. Die Maßstäbe im Tierschutz drohen global weiter auseinanderzuklaffen. Zwar bestimmten Standards bei der Haltung, beim Transport und bei der Schlachtung von Tieren in reichen Staaten zunehmend über den Zugang zu Märkten, schreiben die Autoren des jüngsten FAO-Agrarberichts. Aber: »In einigen Entwicklungsländern wächst die Sorge, dass Tierschutz zu einer weiteren Hürde für sie werden könnte.«

»Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung«, wird Albert Einstein zitiert – eine Hypothese, die sicher nicht dem experimentellen Test unterzogen werden wird, ganz offenbar ist die Fleischeslust zu groß.

Als möglicher Ausweg gilt Fleisch, das ohne Tier heranwächst, im Laborgefäß: Muskelzellen, die in Nährflüssigkeit, stimuliert von Stromstößen und Roboterbewegungen, zum Retortensteak erwachsen. Mark Post, Physiologe an der Universität Maastricht, arbeitet an dieser Zukunft. »Wahrscheinlich wird es zunächst Fleischprodukte wie Würstchen oder Hamburger geben«, sagt er über das künftige Kunstfleisch. »Das Ziel ist aber, es so aussehen, schmecken und sich anfühlen zu lassen wie echtes Schwein oder Rind.« Vielleicht, irgendwann. Wann genau? »Fünf Jahre sind sicher nicht realistisch«, sagt Post, »Fortschritt und Umfang der gegenwärtigen Forschung sind dafür zu gering.«

Das könnte sich ändern, wenn sich ein Trend auf den Lebensmittelsektor überträgt, der den Alltag im Forschungslabor prägt. Wissenschaftler suchen dort längst nach Alternativen. 3R lautet die Formel. Sie steht für replacement, reduction, refinement – Tierversuche werden ersetzt, in ihrer Zahl reduziert oder wenigstens tiergerechter gestaltet.

So dürfen von 2013 an nur Kosmetikprodukte auf dem europäischen Markt angeboten werden, für die keine Experimente an Tieren durchgeführt wurden. Medikamente werden an Zellkulturen getestet, Umweltverträglichkeitsprüfungen an Fischeiern statt an Fischen vorgenommen, Biologiestudenten am Computermodell statt am Tier ausgebildet.

Transparenz und Kontrolle sind die wichtigsten Forderungen an den Tierschutz. Nicht neue Gesetze sind notwendig, sondern Bewusstseinswandel. In der Schweiz treibt der Jurist Antoine Goetschel diesen Wandel voran, der weltweit einzige »Tieranwalt«. Er kämpft auch für jene, die ohne öffentliche Kontrolle schutzlos ihren Besitzern ausgeliefert sind, die Heimtiere. Mit Erfolg zog er gegen eine Frau vor Gericht, die unter erbärmlichen Bedingungen 149 Katzen in ihrer Wohnung gehalten hatte. Es ist sein Verdienst, dass der Schweizer Nationalzirkus die Delfinabteilung seines Kinderzoos in Rapperswil schloss. Vielen würden wohl weitere Fälle für Goetschel einfallen.

Ungesühnt aber bleibt millionenfaches Leid, das sich jenseits unserer Wahrnehmung abspielt – und das für den überwältigenden Teil der Qualen steht, die Menschen Tieren zufügen. Über die Affenversuche von Andreas Kreiter wird bald ein Gericht befinden. Auf die Anklagebank gehören andere, doch die sind nur schwer dingfest zu machen. Sie quälen ihre Tiere hinter zugezogenen Wohnzimmergardinen. Oder sie greifen zum billigsten Schnitzel, zahlen und gehen.

Mitarbeit: Stefan Schmitt und Urs Willmann

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • Puzi
    • 08.04.2010 um 11:44 Uhr

    Eine schoene Zusammenfassung der aktuellen Verhaeltnisse. Ich bin gespannt, wann der erste Aufschrei ertoent und mich zum Vegetarier machen moechte (nicht war liebe Deftone).

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    puzi, ich teile deine ansicht, dass der artikel unaufgeregt verfasst worden ist. aber deine anschließende bemerkung über die da kommen, um dich zum vegetarier zu machen, finde ich nicht putzig, sondern naja, so gewöhnlich wie nur was.

    • joG
    • 09.04.2010 um 13:05 Uhr

    ....ohne Ledersitze?

    puzi, ich teile deine ansicht, dass der artikel unaufgeregt verfasst worden ist. aber deine anschließende bemerkung über die da kommen, um dich zum vegetarier zu machen, finde ich nicht putzig, sondern naja, so gewöhnlich wie nur was.

    • joG
    • 09.04.2010 um 13:05 Uhr

    ....ohne Ledersitze?

  1. Endlich werden hier alle Formen des Umgangs mit Tieren miteinander in Verbindung gebracht (Zucht, Verzehr, medizinische Forschung …) und endlich wird auf die fragwürdige, willkürliche Unterteilung der Tierwelt (in »menschenähnlich, schützenswert, respektierbar« und »Nutztier, unattraktiv, quälbar«) verwiesen.

    Ein hervorragender Artikel. Vielen Dank.

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    ja, der artikel ist gut geschrieben. das bemerkte auch schon puzi.
    aber der artikel hat doch auch einen inhalt, fas(s)t eine botschaft.
    und wo bleibt das negative?

    ja, der artikel ist gut geschrieben. das bemerkte auch schon puzi.
    aber der artikel hat doch auch einen inhalt, fas(s)t eine botschaft.
    und wo bleibt das negative?

  2. ist Pflicht!

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    wohl nicht nur g.b.hindert, g.b.hindert, was?

    *lol*
    Ich kann mich nur anschließen. Allein der Name disqualifiziert.

    wohl nicht nur g.b.hindert, g.b.hindert, was?

    *lol*
    Ich kann mich nur anschließen. Allein der Name disqualifiziert.

    • Lapje
    • 08.04.2010 um 12:21 Uhr

    Wer gibt Ihnen das Recht, mit Mäusen so umzugehen? Haben sich die Mäuse freiwillig gemeldet?

    Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte keine plumpen Terischützer-Sprüche ablassen, aber so etwas kommt mir dann immer als erstes in den Kopf...woher nehmen wir uns das Recht?

    Fleisch essen ist die eine Sache, das ist natürlich, aber Tierversuche?

    Eine Leser-Empfehlung
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    • PGMN
    • 08.04.2010 um 12:55 Uhr

    Ich hatte kürzlich eine interessante Diskussion darüber, was "natürlich" eigentlich bedeutet. Es kam dabei heraus, dass, egal, wie ich meinen Grundbegriff "Natur" definiere, kein qualitativer Unterschied zwischen dem Handeln von Menschen und dem Handeln von allem anderen feststellbar ist. Dies aber nur am Rande.

    Was also unterscheidet Fleischkonsum von Tierversuchen?
    Im einen Fall töte ich ein Tier, um mein eigenes Leben über Nahrungsaufnahme zu verlängern. Im anderen Fall töte ich (im schlimmsten Fall) ein Tier, um mein eigenes Leben durch getestete Medikamente oder neue Operations- und Behandlungsmethoden zu verlängern. Das Ziel ist also dasselbe. Den einzigen Unterschied, den ich feststellen kann, ist, dass meine Lebensverlängerung im ersten Fall unmittelbar, im zweiten mittelbar über die zu testende These geschieht. Soviel zum qualitativen Unterschied. Einen Quantitativen kann ich aber auch feststellen, indem ich beachte, dass ein getötetes und verzehrtes Schwein vielleicht zehn Menschen für fünf Tage am Leben erhält, danach muss ich ein Weiteres töten. Ein Schwein, welches beispielsweise in der Alzheimerforschung getötet wird, erhält aber potentiell beliebig viele Menschen für Jahre am Leben.

    Legen wir also qualitative Maßstäbe an, so sind Tierversuche genauso vertretbar wie Fleischkonsum, legen wir quantitative Maßstäbe an, so wäre es logisch und ethisch eher vertretbar, den Fleischkonsum völlig einzustellen, als Tierversuche zu verbieten.

    Jede Maus meldet sich so freiwillig wie das Rind in der Schlachtanlage.
    Bevor die Maus allerdings getötet wird, sind Grund und Notwendigkeit sorgfältig durchdacht.
    Ich zweifle, dass in einer modernen Schlachtanlage über die Tötung eines Kalbs nachgedacht wird, weil noch 10 zerlegte Kälber unverkauft in der Kühltheke liegen. Ich sehe damit die Notwendigkeit zur Tötung nicht mehr gegeben. Warum wird hier weitergetötet?

    Man könnte den Artikel über kriminelle Produktionsmethoden beliebig verallgemeinern. Ich werde wahrscheinlich nie verstehen warum sich Einzelne nur dem Tierschutz verschreiben, fragwürdige Herstellungsmethoden in anderen Industriezweigen aber nicht hinterfragen.
    Ich glaube noch nicht einmal, dass 1kg Mehl für 25 Cent kann im Einklang mit der Natur hergestellt werden kann. Das macht ja nur 250 € pro Tonne die sich Einzelhandel, Spediteur, Müller und Landwirt für Herstellung, Transport und zum Leben teilen.

    wenn tierversuche unnatürlich sind, heißt das noch nicht, dass fleisch zu essen natürlich ist. stell dir doch nur mal vor, lapje, wir müssten die tiere, die vertilgt werden, selbst fangen und schlachten; dann ist vielleicht klar, wie natürlich sowas ist.

    • PGMN
    • 08.04.2010 um 12:55 Uhr

    Ich hatte kürzlich eine interessante Diskussion darüber, was "natürlich" eigentlich bedeutet. Es kam dabei heraus, dass, egal, wie ich meinen Grundbegriff "Natur" definiere, kein qualitativer Unterschied zwischen dem Handeln von Menschen und dem Handeln von allem anderen feststellbar ist. Dies aber nur am Rande.

    Was also unterscheidet Fleischkonsum von Tierversuchen?
    Im einen Fall töte ich ein Tier, um mein eigenes Leben über Nahrungsaufnahme zu verlängern. Im anderen Fall töte ich (im schlimmsten Fall) ein Tier, um mein eigenes Leben durch getestete Medikamente oder neue Operations- und Behandlungsmethoden zu verlängern. Das Ziel ist also dasselbe. Den einzigen Unterschied, den ich feststellen kann, ist, dass meine Lebensverlängerung im ersten Fall unmittelbar, im zweiten mittelbar über die zu testende These geschieht. Soviel zum qualitativen Unterschied. Einen Quantitativen kann ich aber auch feststellen, indem ich beachte, dass ein getötetes und verzehrtes Schwein vielleicht zehn Menschen für fünf Tage am Leben erhält, danach muss ich ein Weiteres töten. Ein Schwein, welches beispielsweise in der Alzheimerforschung getötet wird, erhält aber potentiell beliebig viele Menschen für Jahre am Leben.

    Legen wir also qualitative Maßstäbe an, so sind Tierversuche genauso vertretbar wie Fleischkonsum, legen wir quantitative Maßstäbe an, so wäre es logisch und ethisch eher vertretbar, den Fleischkonsum völlig einzustellen, als Tierversuche zu verbieten.

    Jede Maus meldet sich so freiwillig wie das Rind in der Schlachtanlage.
    Bevor die Maus allerdings getötet wird, sind Grund und Notwendigkeit sorgfältig durchdacht.
    Ich zweifle, dass in einer modernen Schlachtanlage über die Tötung eines Kalbs nachgedacht wird, weil noch 10 zerlegte Kälber unverkauft in der Kühltheke liegen. Ich sehe damit die Notwendigkeit zur Tötung nicht mehr gegeben. Warum wird hier weitergetötet?

    Man könnte den Artikel über kriminelle Produktionsmethoden beliebig verallgemeinern. Ich werde wahrscheinlich nie verstehen warum sich Einzelne nur dem Tierschutz verschreiben, fragwürdige Herstellungsmethoden in anderen Industriezweigen aber nicht hinterfragen.
    Ich glaube noch nicht einmal, dass 1kg Mehl für 25 Cent kann im Einklang mit der Natur hergestellt werden kann. Das macht ja nur 250 € pro Tonne die sich Einzelhandel, Spediteur, Müller und Landwirt für Herstellung, Transport und zum Leben teilen.

    wenn tierversuche unnatürlich sind, heißt das noch nicht, dass fleisch zu essen natürlich ist. stell dir doch nur mal vor, lapje, wir müssten die tiere, die vertilgt werden, selbst fangen und schlachten; dann ist vielleicht klar, wie natürlich sowas ist.

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