In meiner Schulzeit standen sie sich spöttisch gegenüber: die Physik-, Chemie- und Biologielehrer auf der einen Seite und die Kollegen aus den sogenannten Geisteswissenschaften auf der anderen. Vielleicht, weil die Naturwissenschaftler ahnten, dass man den Geist eines Tages in seine materiellen Bestandteile zerlegen und ordentlich verpackt ihnen überstellen würde. Von Nüchternheit beseelt, spotteten sie über die Blumenwiese aus Orchideen- und Laberfächern. Gemeint waren Fächer wie Deutsch, Geschichte und Sozialkunde, die Übungsplätze unserer Kultur, unserer Werte und Leitvorstellungen.

Historisch gesehen waren meine Lehrer die Erben zwei verschiedener Traditionen: des Szientismus der modernen Naturwissenschaften und des christlich-abendländischen Humanismus. Und da sie in der gesellschaftlichen Wirklichkeit außerhalb von Lehrerzimmern nur selten aufeinandertreffen, gibt es sie bis heute.

Umso heftiger ertönt das Geschrei, wenn sich eine Konfrontation nicht vermeiden lässt. Wie in Bremen. Dort forscht der Neurobiologe Andreas Kreiter mit Makaken. Er pflanzt ihnen Elektroden ins Gehirn. Ein ganz normaler Vorgang, nicht nur für Kreiter, sondern auch für die Bremer Universität, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Das Tierschutzgesetz verbietet solche Affenversuche nicht. Es verliert ohnehin kein Wort über Affen. Aus Sicht des Gesetzgebers ist der Graben zwischen Schimpanse und Mensch tiefer als der zwischen Schimpanse und Huhn. Für Menschen gibt es bürgerliche Rechte und Pflichten, für die anderen nur ein Schutzgesetz.

Biologisch begründet ist das nicht. Genetisch stehen sich Menschen und Affen sehr viel näher als Affen und Hühner. Die strenge moralische Trennung zwischen Affen und Menschen stammt aus einer unwissenschaftlichen Zeit. Aus der Theologie des Thomas von Aquin zum Beispiel, der beide nach einem sicheren Kriterium voneinander schied: nach der Sterblichkeit und der Unsterblichkeit ihrer Seelen. Noch vor hundert Jahren galten unsere haarigen Verwandten als läppisch, frech, geil, minderwertig und brutal. Bis die Naturwissenschaft sich der Sache annahm. Man untersuchte Intelligenz, Verhalten und Psyche. Im Jahr 1921 schrieb der Berliner Psychologe Wolfgang Köhler auf der Anthropoidenstation in Teneriffa eine erste Psychologie des Schimpansen .

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Verhaltensforscher, Genetiker und Neurobiologen zeigen heute ein beeindruckend komplexes Bild der nichtmenschlichen Primaten. Affen sind faszinierend soziale Wesen. Sie kennen Hilfsbereitschaft, Fürsorge und Gemeinschaftsgeist. Ihre Psyche ist sensibel und kompliziert. Sie empfinden Zuneigung, Trauer und psychischen Schmerz.

Affen biologisch ernst zu nehmen bedeutet, sie nicht schlicht als Tiere zu sehen, sondern als psychisch sensible Verwandte. Umso erstaunlicher mutet es an, dass Gerhard Heldmaier, der Vorsitzende der Senatskommission für tierexperimentelle Forschung bei der DFG, keine ethischen Bedenken bei den Bremer Versuchen sieht. Heldmaier ist Tierphysiologe, kein Tierpsychologe. Er verweist auf die 2,7 Millionen anderen Versuchstiere, die in deutschen Labors benutzt und getötet werden.