Tierschutz-Debatte Der Publizist Richard David Precht über TierversucheSeite 2/2
Die Logik dahinter ist schlicht: Weil wir mit Mäusen experimentieren, dürfen wir das auch mit Affen. Das Gegenargument ist leicht zu benennen: Wir dürfen es nicht, weil Affen eben keine Rinder oder Hühner sind, selbst wenn der Begriff »Tiere« sie unsauber zusammenbindet. Man müsste sich des Ernstes halber einmal vorstellen, dass Kenner der Affenpsychologie wie Jane Goodall oder Frans de Waal in der Kommission der DFG säßen. Was würden sie von den Experimenten halten?
Das wichtigste Argument, das Kreiter gegen seine Kritiker kennt, ist: Das Einpflanzen der Elektroden tut den Tieren nicht weh. Worin also soll das Verwerfliche bestehen? Nun, vielleicht darin, dass »die messbare Seite der Welt nicht die Welt ist. Sie ist die messbare Seite der Welt«, wie der Frankfurter Philosoph Martin Seel schreibt. Wo bleiben die psychischen Schädigungen der Tiere? Schäden durch die Käfighaltung, durch Angst und Traumatisierung? Ein Hirnforscher, der den mutmaßlichen Schaden seiner Affen nur am physiologischen Schmerzempfinden misst, geht auf verblüffende Weise unter sein Niveau.
Erklären kann man dies nur moralpsychologisch: durch ein Denken, das zwei Dinge so im Gehirn speichert, dass sie dort nicht zusammentreffen. Die Erkenntnisse der Wissenschaft über die Psyche von Affen einerseits und ihre »Benutzung« für die eigenen Experimente andererseits.
Für Frans de Waal gibt es für Versuche an unseren nächsten Verwandten nur ein Kriterium: »Die Art von Untersuchungen, die wir auch an menschlichen Freiwilligen vornehmen würden.« Immerhin gibt es in Deutschland seit 1991 keine invasiven Experimente mit Menschenaffen mehr. Das szientistische und das humanistische Weltbild haben sich hier erfreulicherweise vereint. Und auch die Lösung der Bremer Probleme dämmert schon am Horizont. Sie wird durch neue Generationen von Kernspintomografen und durch Computersimulationen kommen, die Kreiters Grundlagenforschung ersetzen werden. Es ist nur eine Frage der Zeit. Die Forschungen, die heute noch als »Zukunft« gerechtfertigt werden, sind schon bald Geschichte.
- Datum 11.04.2010 - 08:25 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 08.04.2010 Nr. 15
- Kommentare 92
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








"Von Nüchternheit beseelt, spotteten sie über die Blumenwiese aus Orchideen- und Laberfächern" - besser kann man den Dünkel der Szientisten nicht formulieren. Gratulation!
Mit dem Grundtenor des Artikels bin ich einverstanden, würde aber, was die Herleitung, die Wurzeln der beiden antagonistischen Haltungen betrifft, zum Teil andere Akzente setzen. Sie sprechen, Herr Precht, vom "christlich-abendländischen Humanismus" - aber ist ein Begriff, der "christlich" und "humanistisch" vereint, nicht eine contradictio in adiecto, gerade in Hinblick auf das Thema Ihres Artikels, den Tierschutz? Humanismus beruht auf dem Bildungsgut der Antike, wo nicht nur die höheren Tiere hoch geehrt waren: Wer einen Baum fällte oder eine Schlange tötete, versündigte sich und musste den Zorn der Götter beschwichtigen. Tiere als Gebrauchsgegenstände zu behandeln, das ist christlich: Macht euch die Erde untertan!
Tatsächlich sind aber humaninistische Werte mit der Zeit auch mit christlichen vereint worden. Allein aus dem Barock gibt es das Beispiel des christlichen Stoizismus.
Mit christlichen Werten ist vermutlich vorangig die Nächstenliebe und damit eben auch die Möglichkeit zum Mitleid und zum Mitfühlen gemeint. (Übrigens auch aus der Antike, man sehe sich nur die Idee der Katharsis im aristotelischen Theater an, die in der Aufklärung auch variiert wurde.)
Tatsächlich sind aber humaninistische Werte mit der Zeit auch mit christlichen vereint worden. Allein aus dem Barock gibt es das Beispiel des christlichen Stoizismus.
Mit christlichen Werten ist vermutlich vorangig die Nächstenliebe und damit eben auch die Möglichkeit zum Mitleid und zum Mitfühlen gemeint. (Übrigens auch aus der Antike, man sehe sich nur die Idee der Katharsis im aristotelischen Theater an, die in der Aufklärung auch variiert wurde.)
[entfernt. Wir freuen uns ueber Kritik, jedoch nur wenn diese sachlich und hoeflich formuliert ist. Vielen Dank fuer Ihr Verstaendnis. Die Redaktion/ew]
Lieber Leser,
ein Schreibfehler im Teaser hat hier Verwirrung gestiftet. Es muss natürlich Entwurf heißen.
Herzlichen Dank für den Hinweis.
an die Adresse von torschn Nr. 2: wenn das alles ist, was Sie zu bieten haben, dann würden Sie ja nicht mal ein Kochbuch auf die Reihe bringen ... vielleicht wären die Elektroden an Ihnen besser aufgehoben als bei den Affen!#
Aber nix für ungut, jeder macht so gut er kann :-)
Lieber Leser,
ein Schreibfehler im Teaser hat hier Verwirrung gestiftet. Es muss natürlich Entwurf heißen.
Herzlichen Dank für den Hinweis.
an die Adresse von torschn Nr. 2: wenn das alles ist, was Sie zu bieten haben, dann würden Sie ja nicht mal ein Kochbuch auf die Reihe bringen ... vielleicht wären die Elektroden an Ihnen besser aufgehoben als bei den Affen!#
Aber nix für ungut, jeder macht so gut er kann :-)
All das lässt sich natürlich auch gegen jede Schlachtviehhaltung vorbringen. Precht ist also Vegetarier. - Das war nur Spaß, sein Lammkotelett lässt er sich bestimmt schmecken. Dieser Artikel ist nichts weiter als die übliche wichtigtuerische Heuchelei eines professionellen Gutmenschen. Nein danke, darauf können wir verzichten.
Entfernt. Bitte beachten Sie die Regeln der Höflichkeit gegenüber anderen Diskussionsteilnehmern. Die Redaktion/cs
und das geht an die Nummer 3 karlafried:
... die Gutmenschen sind mir aber tausend mal lieber als die Schlechtmenschen, von denen es ja leider immer noch zu viele gibt, sonst sähe es in der Welt wirklich weitaus besser aus! Ihr Kommentar hört sich ganz nach der "Achse" an, ist aber auch schon langweilig ....
Entfernt. Bitte beachten Sie die Regeln der Höflichkeit gegenüber anderen Diskussionsteilnehmern. Die Redaktion/cs
und das geht an die Nummer 3 karlafried:
... die Gutmenschen sind mir aber tausend mal lieber als die Schlechtmenschen, von denen es ja leider immer noch zu viele gibt, sonst sähe es in der Welt wirklich weitaus besser aus! Ihr Kommentar hört sich ganz nach der "Achse" an, ist aber auch schon langweilig ....
Es ist wirklich nicht weit her mit dem Tierschutz; selbst nicht bei unserem besten Freund, wenn es denn ernst wird. 1999 wurde das Qualzuchtgutachten der Bundesregierung veröffentlicht. Passiert ist seither nichts. Rassehunde darf jeder "züchten", jeder darf mit Welpen Handel treiben. Die Schäden der Sozialisation spielen erst dann eine Rolle, hat der so gequälte Hund zugebissen. Inzucht, Erbkrankheiten, extreme Falten, Atemnot - all das und noch vielmehr interessiert die Justiz nicht. Kein Zuchtverein wurde je wegen seiner Verfehlungen der Zucht angeklagt.
Unser Tierschutz für Hunde ergießt sich über die "armen" Hunde Osteuropas oder am besten gleich auf dem schönen Mallorca, wo die Tierschutz-Prominenz eh residiert. Derweil werden 5 Milliarden Euro mit dem Hund umgesetzt und alle Anbieter ob Futtermittel, Tiermedizin oder Hundeproduktion verdienen mit dem kranken Hund besser als mit dem gesunden. Da hört der reale Tierschutz real auf. Geschäft nist drin, wo Liebe zum Hund draufsteht. Unser Tierschutzgewissen schicken wir derweil nach Mallorca.
Um bei Brecht zu bleiben: Biologisch gesehen hat der Mensch der Art Hund eine enorme Ausbreitung beschert. Das ist dann wohl nicht Prech'sche "Biologie". Gerechtigkeit ist eine anthropogene Erfindung. Sogesehen wurde der eigentlich Stoßpunkt der Thematik verpasst. Will der Mensch sich selbst schützen, muss er die Umwelt schützen. Mit allem was dazu gehört. Ansonsten holt uns die "gerechtigkeit" ein. Vielleicht erst in 200 Jahren. Philosophen sollten nicht über Biologie sprechen. Die Naturwissenschaften liefern genug Beweggründe um nachhaltig zu leben. Da ist mir dieser Affe ehrlich gesagt wesententlich egaler als hungernde Kinder. (Frau Kraft würde "Punkt" sagen)
Um bei Brecht zu bleiben: Biologisch gesehen hat der Mensch der Art Hund eine enorme Ausbreitung beschert. Das ist dann wohl nicht Prech'sche "Biologie". Gerechtigkeit ist eine anthropogene Erfindung. Sogesehen wurde der eigentlich Stoßpunkt der Thematik verpasst. Will der Mensch sich selbst schützen, muss er die Umwelt schützen. Mit allem was dazu gehört. Ansonsten holt uns die "gerechtigkeit" ein. Vielleicht erst in 200 Jahren. Philosophen sollten nicht über Biologie sprechen. Die Naturwissenschaften liefern genug Beweggründe um nachhaltig zu leben. Da ist mir dieser Affe ehrlich gesagt wesententlich egaler als hungernde Kinder. (Frau Kraft würde "Punkt" sagen)
"The day has been, I grieve to say in many places it is not yet past, in which the greater part of the species, under the denomination of slaves, have been treated by the law exactly upon the same footing, as, in England for example, the inferior races of animals are still. The day may come when the rest of the animal creation may acquire those rights which never could have been witholden from them but by the hand of tyranny.
The French have already discovered that the blackness of the skin is no reason a human being should be abandoned without redress to the caprice of a tormentor. It may one day come to be recognised that the number of the legs, the villosity of the skin, or the termination of the os sacrum are reasons equally insufficient for abandoning a sensitive being to the same fate. What else is it that should trace the insuperable line? Is it the faculty of reason or perhaps the faculty of discourse? But a full-grown horse or dog, is beyond comparison a more rational, as well as a more conversable animal, than an infant of a day or a week or even a month, old. But suppose the case were otherwise, what would it avail?
The question is not, Can they reason? nor, Can they talk? but, Can they suffer?"
Jeremy Bentham, 1748-1832
Ich finde auch, dass der Herr Precht sich nicht "bloß" auf die Affen beschrenken sollte. Die Leidensfähigkeit und auch einen gewissen Grad an Intelligenz finden wir genauso bei Hunden, Schweinen und Ratten. Alles drei gleichwertig intelligente Tiere, alle drei werden in eklatanter Weise von Wissenschaft und Privatpersonen missbraucht.
Ich finde auch, dass der Herr Precht sich nicht "bloß" auf die Affen beschrenken sollte. Die Leidensfähigkeit und auch einen gewissen Grad an Intelligenz finden wir genauso bei Hunden, Schweinen und Ratten. Alles drei gleichwertig intelligente Tiere, alle drei werden in eklatanter Weise von Wissenschaft und Privatpersonen missbraucht.
Unser Umgang mit den Tieren und namentlich dem Tier, das mit uns seit Jahrtausenden am engsten verbunden ist, ist unmenschlich. Denn was ist das für ein Mensch, der selbst seinen besten Freund den Lebensnerv raubt?
Erfinder Leonardo da Vinci sah bereits vor 500 Jahren: "Es wird die Zeit kommen, da das Verbrechen am Tier genauso geahndet wird, wie das Verbrechen am Menschen."
Christoph Jung
Dipolom-Psychologe und Biologe
Autor "Schwarzbuch Hund .- Die Menschen und ihr bester Freund"
Warum nur wollen wir wir immer die "Affen" im juristischen Sinne zu "Menschen" machen? Warum sehen wir uns nicht als das, was wir wirklich sind, nämlich als "Affen mit Spezialbegabung"?
Ganz einfach, weil's den Laberfachspezialisten nicht passt, auf die gleiche Stufe wie ein Affe ( hinunter- ) gestellt zu werden. Aber "adoptieren", die "Affen" zu uns "Menschen" emporzuheben, ja, das ist doch gleich was ganz anderes ....
Und ganz einfach gefragt: Was essen wir, Buchstaben auf Papier vielleicht? Wo wohnen wir, in Phantasiewelten vielleicht?
Wissenschaftler wollen das aber auch nicht. Ich als Philosophiestudent aknn Ihnen versichern, dass es viele wichtige Strömungen in der Philosophie, besonders in der aktuellen Debatte gibt, die durchaus dahingehend agieren, den Menschen nicht mehr als Abstufung zum Tier zu begreifen. Diese Menschen, mich eingeschlossen, pfelgen das ganze dann linguistisch zu manifestiren: "Der Mensch und andere Tiere"
Wissenschaftler wollen das aber auch nicht. Ich als Philosophiestudent aknn Ihnen versichern, dass es viele wichtige Strömungen in der Philosophie, besonders in der aktuellen Debatte gibt, die durchaus dahingehend agieren, den Menschen nicht mehr als Abstufung zum Tier zu begreifen. Diese Menschen, mich eingeschlossen, pfelgen das ganze dann linguistisch zu manifestiren: "Der Mensch und andere Tiere"
....und hat in seinem BMW Stoffsitze?
Aber Sie irren, wenn Sie meinen wir könnten auf das "wichtigtuerische Heuchelei eines professionellen Gutmenschen" verzichten. Die setzen sich durch und Sie werden verzichten müssen.
Hier geht es erstmal um eine ethische Debatte. Persönliche Anfeindungen und Kritik, jenseits der puren vernünftigen logik, haben hier nichts zu suchen, sollange das Ziel sien soll, auf wissenschaftlicher Basis, die Stellung andere Tiere zu begründen.
Hier geht es erstmal um eine ethische Debatte. Persönliche Anfeindungen und Kritik, jenseits der puren vernünftigen logik, haben hier nichts zu suchen, sollange das Ziel sien soll, auf wissenschaftlicher Basis, die Stellung andere Tiere zu begründen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren