Währungspolitik Die ruhigen Nachbarn

Dass China seine Währung billig hält, erzürnt die USA. Die Länder Asiens haben sich damit arrangiert

Die USA wettern schon lange dagegen, dass China seine Währung künstlich auf niedrigem Niveau hält

Die USA wettern schon lange dagegen, dass China seine Währung künstlich auf niedrigem Niveau hält

China und die USA haben wieder einmal Krach. Es geht um die alte Frage, um die es zwischen den beiden Großmächten meistens geht: Wie lange noch soll die Welt erdulden, dass die Chinesen ihre Währung durch massenhafte Devisenkäufe künstlich niedrig halten? Wie lange noch sollen sie ungestraft damit davonkommen, dass sie ihren Exportunternehmen auf diese Weise einen künstlichen Wettbewerbsvorteil verschaffen?

Eigentlich wollte US-Finanzminister Tim Geithner einen neuen Handelsbericht vorlegen, der China als »Währungsmanipulator« brandmarkt. Das hat er nun erst einmal gelassen. Stattdessen wirbt Geithner mit neuen Sprüchen um Sympathie für die amerikanische Position. Die USA, erklärt er, verfolgten beileibe nicht nur ihren eigenen Vorteil: Chinas Billigwährung mache es auch »den Schwellenländern schwer, ihre Währung an Wert gewinnen zu lassen«.

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Bloß: Bei den besonders betroffenen Nachbarländern Chinas geht dieses paternalistische »Wir haben es auch für euch getan« zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Man hört hier und da Kritik, vor allem von den Bauern. Doch weder die Politiker der Region noch die asiatischen Medien oder gar große Teile der Bevölkerung singen die amerikanischen Leidenschoräle gegen Chinas Währungspolitik in gleicher Lautstärke mit. Daran wird sich auch beim 16. Treffen der Asean-Länder in Vietnam Ende der Woche nichts ändern.

In Asien sind nicht einmal nennenswerte Stimmen zu hören, die das im Januar in Kraft getretene Freihandelsabkommen zwischen China und den zehn Asean-Staaten (Cafta) infrage stellen. Und das, obwohl die Währungsungleichgewichte eine große Belastung für dieses Bündnis bleiben und sich das Handelsdefizit zwischen China und Asean in der letzten Dekade verfünffacht hat. Der Stolz auf den neuen Bund überwiegt: Cafta ist nun das größte Handelsnetzwerk der Welt.

Und auch in den Ländern mit den größten Defiziten gegenüber China wie Indonesien, Singapur, den Philippinen und Vietnam beschwert sich kaum jemand über einen »manipulierten Yuan«. Die meisten sind überzeugt, dass ein prosperierendes China ihnen eher nutzt als schadet. Die philippinische Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo etwa, die sehr genau auf Stimmungsschwankungen in der labilen philippinischen Demokratie Rücksicht nehmen muss, bezeichnete Cafta als »beeindruckende regionale Gruppierung« und als eine veritable Konkurrenz für die USA und die EU.

Singapur begrüßte das Abkommen als »Meilenstein«, und der vietnamesische Premierminister Nguyen Tan Dung betonte, die Freihandelsvereinbarung bringe »große Chancen für beide Seiten«.

Am meisten Unruhe gab es in Indonesien, der zweitgrößten Demokratie Asiens. Doch selbst dort entzündete sich keine Debatte, die auch nur annähernd an das Ausmaß der amerikanisch-chinesischen heranreichte. Und das, obwohl das 240-Millionen-Einwohner-Land zu antichinesischen Stimmungen neigt, weil chinesische Einwanderer in der Wirtschaft eine zentrale Rolle spielen. Vergangene Woche verkündete Indonesiens Vizepräsident Boediono, langjähriger Finanzminister und ehemaliger Zentralbankchef, Cafta werde »Indonesiens Wirtschaft helfen zu wachsen«, denn Indonesiens Produkte seien wettbewerbsfähig.

Leser-Kommentare
  1. Würde eine Aufwertung des Yuan den Amerikanern wirklich helfen? Zwischen 2005 und 2008 erhöhte sich der Wert des Yuan gegenüber dem Dollar um 21 Prozent, aber Chinas Exporte in die USA wuchsen weiter und der Handelsüberschuss erhöhte sich von ca. 100 Mrd. in 2005 auf 300 Mrd. $ in 2008. Wenn jetzt der Yuan so stark aufgewertet würde, wie die USA es verlangen, so hätte das vielleicht den gewünschten Effekt, würde aber Chinas Wachstum stark behindern. Ausser den USA hat daran aber niemand ein Interesse.

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    • joG
    • 09.04.2010 um 13:02 Uhr

    ....nicht ableitbar, wie Sie die Frage stellen und die Antwort geben. Da sind viele Dinge nämlich vorher zu klären. Wo bspw legt China dann seine Handelsüberschüsse an? In Yuan oder Euro oder Rubel oder Yen. Daraus ergibt sich erst die Wirkung einer Wertänderung. Wenn die Chinesen Euro Anlegen steigt der Wert des Euro und die Europäer bezahlen in -Zukunft das chinesische Wachstum. Auch ist es durchaus fraglich, ob Wachstum der Größenordnung, die wir in den letzten Jahren in China sahen haltbar ist. Es sind erhebliche Ungleichgewichte entstanden, die ein ziemlich zerstörerisches Potential haben.

    Eine Aufwertung macht chinesische Exporte zwar billiger, jedoch alle Importe werden dadurch teurer. Chinas Importe sind im vergangenen Jahr um 53% angestiegen. Deshalb sind jetzt viele chinesische Wirtschaftswissenschaftler überzeugt, dass eine Aufwertung der dadurch drohenden Inflation begegnen kann. Nur darf es nicht so aussehen, als ob die Aufwertung auf westlichen Druck erfolgte.

    • joG
    • 09.04.2010 um 13:02 Uhr

    ....nicht ableitbar, wie Sie die Frage stellen und die Antwort geben. Da sind viele Dinge nämlich vorher zu klären. Wo bspw legt China dann seine Handelsüberschüsse an? In Yuan oder Euro oder Rubel oder Yen. Daraus ergibt sich erst die Wirkung einer Wertänderung. Wenn die Chinesen Euro Anlegen steigt der Wert des Euro und die Europäer bezahlen in -Zukunft das chinesische Wachstum. Auch ist es durchaus fraglich, ob Wachstum der Größenordnung, die wir in den letzten Jahren in China sahen haltbar ist. Es sind erhebliche Ungleichgewichte entstanden, die ein ziemlich zerstörerisches Potential haben.

    Eine Aufwertung macht chinesische Exporte zwar billiger, jedoch alle Importe werden dadurch teurer. Chinas Importe sind im vergangenen Jahr um 53% angestiegen. Deshalb sind jetzt viele chinesische Wirtschaftswissenschaftler überzeugt, dass eine Aufwertung der dadurch drohenden Inflation begegnen kann. Nur darf es nicht so aussehen, als ob die Aufwertung auf westlichen Druck erfolgte.

    • joG
    • 09.04.2010 um 12:55 Uhr

    ....nicht richtig: "Eigentlich wollte US-Finanzminister Tim Geithner einen neuen Handelsbericht vorlegen, der China als »Währungsmanipulator« brandmarkt. "

    Fakt ist, dass der Wert der Währung tatsächlich manipuliert wird und man das nicht "brandmarken wollte sondern lediglich feststellen.

    • joG
    • 09.04.2010 um 13:02 Uhr

    ....nicht ableitbar, wie Sie die Frage stellen und die Antwort geben. Da sind viele Dinge nämlich vorher zu klären. Wo bspw legt China dann seine Handelsüberschüsse an? In Yuan oder Euro oder Rubel oder Yen. Daraus ergibt sich erst die Wirkung einer Wertänderung. Wenn die Chinesen Euro Anlegen steigt der Wert des Euro und die Europäer bezahlen in -Zukunft das chinesische Wachstum. Auch ist es durchaus fraglich, ob Wachstum der Größenordnung, die wir in den letzten Jahren in China sahen haltbar ist. Es sind erhebliche Ungleichgewichte entstanden, die ein ziemlich zerstörerisches Potential haben.

  2. ... zuzuschauen, wie die großen int. Organisation so gar nichts hinbekommen, außer, ja außer Freihandelsabkommen. Es gibt keine Sozialausgleiche, keine gescheite Währungsstabilisierung, keine gescheiten Finanzmarktregeln, keine Umweltschutzrichtlinien von Bedeutung, NICHTS, nur Freihandel lässt sich scheinbar immer etablieren. Muss irgendwie an den einflussreichen Profiteuren im Hintergrund liegen, anders kann ich mir das nicht erklären.

    "Und das, obwohl die Währungsungleichgewichte eine große Belastung für dieses Bündnis bleiben und sich das Handelsdefizit zwischen China und Asean in der letzten Dekade verfünffacht hat."

    Da scheint jemand ganz wild drauf zu sein, den Fehler der EU zu wiederholen. Na ja, zumindest haben die noch keine gemeinsame Währung und die Asiaten sind es gewohnt von ihren Eliten und dem Rest der Welt gnadenlos ausgebeutet zu werden.

  3. Eine Aufwertung macht chinesische Exporte zwar billiger, jedoch alle Importe werden dadurch teurer. Chinas Importe sind im vergangenen Jahr um 53% angestiegen. Deshalb sind jetzt viele chinesische Wirtschaftswissenschaftler überzeugt, dass eine Aufwertung der dadurch drohenden Inflation begegnen kann. Nur darf es nicht so aussehen, als ob die Aufwertung auf westlichen Druck erfolgte.

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