ZEITmagazin Autotest Ein Auto fürs Klavier

Wolfram Siebeck fährt den Mercedes-Benz E 350 CGI Kombi.

Der Mercedes E 350 CGI bietet viel Nützliches, aber auch überflüssige Extras

Der Mercedes E 350 CGI bietet viel Nützliches, aber auch überflüssige Extras

Endlich ein Auto, das nicht klein und knubbelig ist, nicht unbequem und auch sonst nicht in unsere Zeit passt, wo von der Klobürste bis zur Hundehütte alles umweltfreundlich zu sein hat. Ich habe die vierzehn Tage im Fünftürer der neuen E-Klasse genossen wie das erste Glas Wein nach einer Wüstenwanderung. Die Wüste, das ist jener Geisteszustand, der uns Autofahrern verbietet, die Größe eines Wagens und die Kraft seines Motors an etwas anderem als seiner Umweltverträglichkeit zu messen. Hinzu kommt: Der ganze Katalog der Horrormeldungen – Temperaturanstieg in der Arktis, Spitzbergen, Grönland – liegt vor mir. Er steht in der Welt am Sonntag vom 22. August 1948. 1948! Damals, drei Jahre nach dem letzten Krieg, gab es praktisch keine Autos! Basiert also unser Öko-Denken auf falschen Daten?

Seit zehn Jahren fahre ich einen Fünftürer der E-Klasse, fühlte mich mit dem fast fünf Meter langen Blech deshalb gleich vertraut, vor allem mit den Basisfunktionen. Der Rest besteht aus Hunderten von Sensoren, die alle etwas bewirken. Viel Nützliches (beim Transportraum), Sicheres (Abstandregler im Tempomat) und Vernünftiges (80-Liter-Tank). Als Sonderausstattung gibt es dazu viele überflüssige Extras (Fernsehen für die Fondpassagiere, Notsitze im Kofferraum, Cupholder). Interessant fand ich ein Untermenü im Navi, das Restaurants mit Ethnoküchen auflistet, von afrikanisch bis wahrscheinlich zypriotisch. Doch bis ich das Menü begriffen hätte, wäre der Reis längst kalt geworden. Die Bedienungsanleitung allein fürs Navi ist 213 Seiten dick. Die Liste der Extras ist kürzer; aber auch wenn man sich beim Schnickschnack zurückhält, kommt man schnell auf 10.000 Euro. Dafür sind die Armaturen schlecht ablesbar und Ablagefächer immer noch knapp. Und der Verbrauch ist mit durchschnittlich 11,3 Liter auf 100 Kilometer bei dem Sechszylinder höher als bei meinem Achtzylinder, welcher dennoch eleganter beschleunigt als dieser moderne Motor der Blue-Efficiency-Serie. 

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Trotzdem: Der CGI ist durch den Kombi-Faktor das Beste, womit man heutzutage eine Katze und Weinkartons und womöglich sogar ein Klavier sicher durchs Leben kutschieren kann. Um die Ladefläche auf 1950 Liter zu vergrößern, genügt ein Griff an den Zugschalter. Die Kopfstützen müssen nicht mehr umständlich umgesteckt werden wie ehedem. Na gut: Ist man dann in freier Wildbahn unterwegs, könnte die Federung komfortabler sein. Von außen wirkt der Kombi bulliger als mein Oldie und hat jetzt vorn ganz klassisch zwei Scheibenwischer. Man ist eben konservativ bei Mercedes.

Wolfram Siebeck ist ZEITmagazin-Kolumnist

 
Leser-Kommentare
  1. was sollte das werden?
    Der reaktionäre Erguss, eines Testers der sich Luft verschaffen will? Aus dem es herraus bricht mit einem Bildnis dass dem Dionysos gerecht werden will?

    Ist es diese Art Erguss die sich darauf stützt, das mal wieder gesagt werden muss was jeder denkt sich aber keine traut zusagen?

    Aber einen Augenblick verweilen, es ging ja um das Auto.Der Mercedes, der also den braussenden Wellen der Klimaerwärmung trotzt wie der Fels in der Brandung.
    Sieht sich Herr Siebeck als Incitatus?

  2. Herr Siebeck fährt also gerne Mercedes.
    Damit Herr Siebeck dabei kein schlechtes Gewissen haben muss, dass wegen seinem genussvollen Lebensstil anderswo Leute durch verdorrte Ernten verhungern, leugnet er die Existenz des anthropogenen Klimawandels.
    Leider läßt sich dieser davon aber nicht bremsen
    Das Leugnen ist nicht schlau, nur einfach faul und leider auch lebensbedrohlich für die Familien die sich keinen Verbrauch von 11,3 Litern leisten können und damit meine ich nur Wasser pro Kopf, ganz zu schweigen von irgendeinem Gefährt.
    So darf Herr Siebeck als Koch in der Zeit darüber sinnieren, dass die Umweltverträglichkeit als wichtiges Kriterium beim Autokauf von geistiger Leere ("Wüste") zeugt.

    Bitte vermeiden Sie, Ihre Argumentationen mit Beleidigungen zu beschließen. Danke, die Redaktion/fk

  3. von angabe und kapitalgetrieben, noch ein cdu auto !

  4. Im Verlauf einer Debatte um den Umgang mit der Vergangenheit Deutschlands ist ein bekannter deutscher Literat einmal als "Verdrängungskünstler" bezeichnet worden. Dieser Terminus trifft auch auf Herrn Siebeck zu. Unverschämt ist an dieser Stelle nicht dessen persönliche Meinung - die Gedanken sind ja bekanntlich frei - sondern dass die ZEIT diesen vorgestrigen Ergüssen auf Bild-Niveau eine Plattform bietet.
    Jedenfalls bestätigen mich solche Artikel darin, mein Zeit-Abo gekündigt zu haben.

  5. mit welcher Aggressivität die ersten drei Rezensenten als selbst ernannte Verbal-Inquisitoren über einen Autor herfallen, der lediglich einen knappen Fahrbericht über ein neues Auto schrieb.

    Ist es der soziale Neid auf Güter, die man sich nach einem Blick auf seine eigene Lohnabrechnung sowieso nicht leisten kann? Oder die neue Form einer selbst ernannten Arbeiter-Kampfklasse, die brandschatzend durch die Städte zieht?

    Muss der Autor nach diesen drei Kommentaren damit rechnen, Opfer einer Kollektiv-Strafe zu werden? Es steht fast zu befürchten ...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das hat mit Neid nichts zu tun. Hätte Herr Siebeck so überschwänglich über einen neuen BMW-Brennstoffzellenauto berichtet wären die Reaktionen sicherlich andere gewesen.

    Hat er aber nicht. Vielleicht sollte beim nächstenmal Herr Siebeck in seinem "Katalog" weiter vorn nach schauen, bevor die nächste Hymne auf die Zukunftskiller unserer Kinder auf uns los lässt. Aber das ist sowieso nicht mehr so wichtig, denn mit diesem Artikel hat Wolfram Siebeck seine Reputation als unabhängiger (!!!) Journalist nachhaltig zerstört.

    Das hat mit Neid nichts zu tun. Hätte Herr Siebeck so überschwänglich über einen neuen BMW-Brennstoffzellenauto berichtet wären die Reaktionen sicherlich andere gewesen.

    Hat er aber nicht. Vielleicht sollte beim nächstenmal Herr Siebeck in seinem "Katalog" weiter vorn nach schauen, bevor die nächste Hymne auf die Zukunftskiller unserer Kinder auf uns los lässt. Aber das ist sowieso nicht mehr so wichtig, denn mit diesem Artikel hat Wolfram Siebeck seine Reputation als unabhängiger (!!!) Journalist nachhaltig zerstört.

    • TDU
    • 09.04.2010 um 10:37 Uhr

    Eben alles lifestylige langweilige Kisten. Aber das Bild zeigt doch wohl keinen Kombi, oder?

    • wowman
    • 09.04.2010 um 11:38 Uhr

    "Endlich ein Auto, das nicht klein und knubbelig ist, nicht unbequem und auch sonst nicht in unsere Zeit passt, wo von der Klobürste bis zur Hundehütte alles umweltfreundlich zu sein hat. (...) Die Wüste, das ist jener Geisteszustand, der uns Autofahrern verbietet, die Größe eines Wagens und die Kraft seines Motors an etwas anderem als seiner Umweltverträglichkeit zu messen."
    Endlich darf ich einen solchen Satz lesen. Ein Satz, der weit in eine Zukunft weist, in der wir - hoffentlich erlebe ich das noch - uns über die kollektive Hysterie lustig machen, die sich kurz nach der Jahrtausendwende breitmachte.

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    • baumge
    • 09.04.2010 um 12:58 Uhr

    ist Wolfram Siebeck auf jeden Fall - für die ewig gestrigen. Die 62 Jahre seit 1948 zeigen aber unsere Grenzen so deutlich auf, dass nur die ewig gestrigen das noch nicht erkennen wollen. Ich wünsche uns allen, dass dieses "noch" noch möglichst lange andauert - weil wir für die notwendigen Veränderungen sonst zu lange brauchen. Wie sagte schon Thomas von Aquin: Für Wunder muss man beten, für Veränderungen muss man arbeiten. Ich glaube, dass sich die ewig gestrigen in den nächsten 62 Jahren auch ohne beten noch ganz schön wundern werden.

    • baumge
    • 09.04.2010 um 12:58 Uhr

    ist Wolfram Siebeck auf jeden Fall - für die ewig gestrigen. Die 62 Jahre seit 1948 zeigen aber unsere Grenzen so deutlich auf, dass nur die ewig gestrigen das noch nicht erkennen wollen. Ich wünsche uns allen, dass dieses "noch" noch möglichst lange andauert - weil wir für die notwendigen Veränderungen sonst zu lange brauchen. Wie sagte schon Thomas von Aquin: Für Wunder muss man beten, für Veränderungen muss man arbeiten. Ich glaube, dass sich die ewig gestrigen in den nächsten 62 Jahren auch ohne beten noch ganz schön wundern werden.

    • baumge
    • 09.04.2010 um 12:58 Uhr

    ist Wolfram Siebeck auf jeden Fall - für die ewig gestrigen. Die 62 Jahre seit 1948 zeigen aber unsere Grenzen so deutlich auf, dass nur die ewig gestrigen das noch nicht erkennen wollen. Ich wünsche uns allen, dass dieses "noch" noch möglichst lange andauert - weil wir für die notwendigen Veränderungen sonst zu lange brauchen. Wie sagte schon Thomas von Aquin: Für Wunder muss man beten, für Veränderungen muss man arbeiten. Ich glaube, dass sich die ewig gestrigen in den nächsten 62 Jahren auch ohne beten noch ganz schön wundern werden.

    Antwort auf "herrlich zitierfähig"

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