Reise zum Bafa-See Kapikiri!Seite 3/3
Im blendenden Licht des Nachmittags tuckern wir hinüber ans menschenleere, unbewohnte Nordufer des Bafa Gölü. Ümit lässt den Kahn auf einen flachen Strand laufen, der wie eine weiße Sichel zwischen mächtigen runden Granitfelsen liegt. Das Wasser ist glasklar. »Du kannst es trinken«, sagt Ümit. Es schmeckt leicht salzig aus der hohlen Hand. 15, 16 Grad, schätze ich, man könnte baden im März... Ich lasse mich in den warmen Muschelsand fallen. Ich denke: Perfekt, Schlafsack, Feuerchen, versteckte Idylle, The Beach. Auf der Bootsfahrt zurück in Richtung Dorf kommen wir an einem halben Dutzend solcher kleinen Buchten vorbei, eine schöner als die andere. Niemand ist zu sehen, nur zwei Schafhirten winken hoch über dem Ufer. Auch im Sommer, sagt Mithat, kommt fast nie jemand hierher.
Es geht auf fünf, als wir in Kapikiri vom Kahn springen. Von allen Seiten treiben Frauen in wadenlangen Pluderhosen und Männer mit Gummistiefeln ihre Kühe heim von den Weiden. Gemächlich ziehen die Tiere die Dorfstraße hinauf und lassen ihre Fladen platschen. Ein schlanker jüngerer Mann kommt uns entgegen und grüßt freundlich. Er ist bartlos, trägt einen hellblauen Pulli und eine getönte Brille. »Das ist Abdullah Idin, unser Imam«, stellt Mithat ihn vor. Der Imam spricht Englisch. Er kommt mit auf einen Çay in die Pansiyon Agora, wo Mithats Mutter warmen, weichen Kuchen hinstellt.
Zum Sonnenuntergang gehe ich hinauf in die Felsen und schaue übers Dorf. Kapikiri, »Kapíkr«, was macht dich so magisch? Ist es der See, der jetzt golden glänzt zu deinen Füßen, ist es der Berg in deinem Rücken, der Fünffingerberg voller Höhlen, voller Geschichten, von Göttern, Räubern und Nomaden? Ist es deine jahrtausendealte Siedlungsgeschichte mit den vielen sichtbaren Spuren? Hier lebten Steinzeitmenschen, erst 1994 wurden ihre Felsmalereien entdeckt. Hier bauten Hethiter, Karer, Griechen, Römer, Christenmönche. Aus allen Epochen stehen noch Mauern, Tore, Türme; da und dort im Dorf hängt Wäsche zwischen antiken Säulenstümpfen. Vielleicht ist das dein Genius Loci: der ebenso ungenierte wie unkommerzielle Umgang mit dem kulturellen Erbe, das Fehlen von Verbotstafeln, Absperrungen, Souvenirläden, wie sie der Massentourismus gebiert.
Zwei Landschildkröten tapsen aus dem Felsenschatten ins Abendlicht
Es raschelt im Gras. Zwei Landschildkröten tapsen aus dem Felsenschatten neben meinem stillen Sitzplatz. Dann nähert sich im letzten Licht eine Rätselgestalt von oben. Trägt eine unförmige Last auf dem Rücken, hat weißblondes Haar, Fusselbart, verpflasterte Finger. Hallo, wie geht’s? Riku aus Helsinki, 22 Jahre alt, ist zum Bouldern hier. Das ist bodennahes Klettern an Blöcken und Überhängen, das Trumm auf dem Rücken heißt crash pad, eine dicke, gefaltete Schaumstoffmatte für den häufigen Fall des Falles. Riku zeltet seit zwei Wochen im Garten der Pansiyon Karia für umgerechnet zwei Euro pro Tag. WC- und Duschbenutzung inklusive. Es sei fantastisch, sagt Riku, er stehe auf und habe vor dem Zelt forty problems – womit er Boulder meint, geeignete Felsblöcke. Der Finne hat in einem Internetforum für Kletterer von Kapikiri erfahren. Im Karia logiert außer ihm ein junger Türke, der an einem Kletterführer schreibt. Und, werden danach viele kommen? Riku hebt wortlos seine mageren Schultern. »Jedenfalls gut«, sagt er dann und grinst mich von der Seite an, »dass zu deiner Zeit die Hippies dieses Paradies nicht entdeckt haben.« Okay, Riku. Da hast du wohl recht.
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Der Bafa-See an der Westküste der Türkei
- Datum 12.04.2010 - 17:53 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.04.2010 Nr. 15
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... wer sich wirklich und umfassend informieren will.
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Immer noch DER "Geheimtip": Club Natura von Dr.Koch Reisen. Sanfter Tourismus (seit 1985), ausgezeichnete Reiseleiter, authentische Küche. Natur plus Kultur. Hallo Nik, Gruß Werner!
Wenn man schon anfängt, die türkische Sprache liebevoll zu beschreiben, dann sollte man auch das türkische "ı", also das "i" ohne Punkt, richtig würdigen: Die deutsche Sprache hat zwei Aussprachen für das "e", einmal hell wie im Wort "Steg" und einmal dunkel wie in der ersten Silbe des Wortes "Gerät". Die türkische hat dafür zwei unterschiedliche Buchstaben, sie würde also "Steg" mit e schreiben und das e in "Gerät" konsequenterweise anders, also z.B.: "Gırät". Für uns klingt das ungewohnt, aber wer Deutsch als Fremdsprache lernt, hätte es damit bedeutend einfacher!
Die Erklärung des Buchstaben "ı" als Verschluckungsaufforderung ist daher etwas unglücklich, Langenscheidt beschreibt es deutlicher wie das "e" im Wort "Bulle". Und der deutsche "Blitz" wird dann nicht zu "yieldieriem", sondern zum schönen Wort "yıldırım", das besser verstanden wird, wenn man es ausspricht wie "yoldorom"...
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Die türkische Sprache ist sehr bilderreich. Es kann also Spaß machen, sie zu lernen!
Ich möchte mich meinem Vorschreiber anschließen und noch etwas ergänzen.
"Der Ortsname hat den Punkt nur auf dem ersten i; aus Mithats Mund klingt er wie »Kapíkr«."
Das ist nicht ganz richtig. Es müsste: Kapıkırı heißen, also ohne jeglichen Punkt.
Kapı = Tür
Kır = Weide, Wiese
Der Ortsname bedeutet demnach frei übersetzt "Tür zur Weide"
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