Berufseinstieg : Risiken eingehen

Auf dem Weg zum Traumjob sollten Ingenieure Umwege nicht scheuen, rät der Personalberater Wolfgang Eckelt

DIE ZEIT: Wo gibt es heute Jobs?

Wolfgang K. Eckelt: Besonders die Softwareindustrie, die IT- und die Telekommunikationsbranche dürften in den nächsten Jahren exzellente Jobchancen bieten, denn fast alle Produkte, sei es der MP3-Player oder das Auto, werden multimediafähiger, elektronischer. Außerdem werden in der Medizintechnik , der Energiewirtschaft und mit Einschränkungen auch in der Windenergiebrache Ingenieure gesucht. Das sind aber Bereiche, die im Vergleich etwa zum Fahrzeugbau in der Bewerberwahrnehmung immer nur in der zweiten Reihe standen. Die als nicht so sexy galten oder als politisch inkorrekt. Da ist ein Quereinstieg möglich. Und neben den Entwicklungsjobs gewinnen Jobs im Vertrieb an Bedeutung.

ZEIT: Was heißt das genau?

Eckelt: Alle Produkte und Prozesse werden komplexer, in der Medizintechnik zum Beispiel. Für den Kontakt zwischen Herstellern und Vertreibern sowie mit den Kunden braucht man Ingenieure – die Produkte kann kein Betriebswirt mehr verstehen.

ZEIT: Wo lernt man das Verkaufen?

Eckelt: Das kann man so richtig nicht lernen. Wenn jemand extrovertiert und kommunikationsstark ist, dann kann er diese Fähigkeiten im Training durchaus schulen. Aber der introvertierte Tüftler, der am liebsten Uhrmacher werden würde, wird nicht zum Topconsultant.

ZEIT: Wie sehen Sie denn die Einstellungschancen für Ingenieure in der Fahrzeugindustrie ? Viele Unternehmen suchen wieder Ingenieure.

Eckelt: Die Branche bietet im Moment wesentlich schlechtere Aussichten als in der Vergangenheit. Wenn die Unternehmen heute Nachwuchs suchen, dann vor dem Hintergrund, dass anderthalb Jahre lang Dürre herrschte. Im Vergleich zum Vorjahr wird wieder verhalten rekrutiert – und wenn Sie sich mit Batterien auskennen, haben Sie sicher bessere Chancen als der klassische Maschinenbauer. Schon jetzt merkt man also, dass die Talsohle zumindest gefühlt erreicht ist. In den kommenden Jahren wird es wegen neuer Themen wie Elektromobilität und wegen des demografischen Wandels nochmals deutlich besser aussehen.

ZEIT: Jetzt setzen alle großen Hersteller auf Elektromobilität. Müssten da nicht schon heute wieder Ingenieure eingestellt werden?

Eckelt: Es gibt momentan keinen Hersteller und keinen nennenswerten Zulieferer, der das Thema nicht ganz groß propagieren würde – also ja, es werden Ingenieure für die »green technologies« gesucht, etwa Elektroingenieure, und da auch wieder Absolventen, young professionals. Oft werden aber Kräfte auch aus anderen Bereichen abgezogen und in die Zukunftsbereiche integriert.

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Kommentare

6 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Gefährlich, fragwürdig, theoretisch...

...sind die vorgeschlagenen Strategien: Das Jobrisiko eines Ingenieurs ist heute um ein Vielfaches höher als das eines qualifizierten Facharbeiters - seine Tätigkeit leichter und schneller "outzusourcen", oft ins billigere Ausland. Ingenieure sind die hochqualifizierte "Manövriermasse" in Unternehmen. Der Quereinstieg ins Lehramt ist zwar (in geringem Umfang) möglich - die Berufszufriedenheit aber häufig eingeschränkt durch die (sachlichen und personellen) Bedingungen an den Berufsschulen. Vollends fragwürdig der Hinweis auf die Entwicklungshilfe als "Parkstation": Dort werden vorwiegend praktische, handwerkliche und medizinische Fähigkeiten sowie soziales Engagement benötigt und: Berufserfahrung.

Entwicklungshilfe, Berufsschullehrer - das ich nicht lache.....

Bin Informatiker, also in einer Ingenieursdisziplin unterwegs, die noch einigermaßen krisenresistent
gilt, und war in der Entwicklungshilfe im Kongo (mitten in einer Krisenregion, also mehr als "Tellerrand") mit einer qualifizierten Tätigkeit beschäftigt.

Ich war dort mit meinen Aufgaben und mit dem Arbeitsklima mehr als zufrieden (habe dort ein Managementinformationssystem entwickelt und epidemiologische Studien durchgeführt) und habe viele wertvolle, Erfahrungen gemacht (also "Softskills" en masse).

Wieder in Deutschland musste ich mich erstmal wieder an die Engstirnigkeit der deutschen Firmen gewöhnen. Kommentare wie "Afrika? - verschwendete Zeit, dafür haben wir ja Sozialarbeiter!" oder - frei nach unserem Außenminister "Englisch, Franzöisch fließend - brauchen wir nicht, es ist Deutschland hier!" siind leider keine Seltenheit.
Was mich vor allem irritiert hat: das waren meistens junge Stadtleute, die zT selbst im Ausland waren, also keineswegs: "die ältere Generation im ländlichen Raum" !

Zudem die Heuchelei der BITKOM: "Wir suchen händeringend IT-Fachleute!" - mein Eindruck: aber bitte 25 Jahre, mit langjähriger Berufserfahrung in mind. 5 Technologien, möglichst gratis und vor allem: ohne die Fähigkeit international zu denken oder gar den Makel zu haben, 2 Fremdsprachen fliessend zu sprechen.

Für alle ohne ausreichend Vitamin B: verlasst dieses Entwicklungsland solange es noch geht und arbeitet dort, wo man euch was zu tun gibt und Euch willkommen heisst!