Campingplatz ...und jeden Abend Show

Mit Dampfsaunen und Bühnenprogramm locken deutsche Campingplatzbetreiber anspruchsvolle Urlauber auf die Wiese.

Stellplatz mit Spa: Campingplätze rüsten auf

Stellplatz mit Spa: Campingplätze rüsten auf

Sie mögen Gartenzwerge, trinken Bier und verbringen den Sommer dauergrillend: Dieses Klischee des Wohnwagenbesitzers hat sich spätestens mit der Comedyserie Die Camper verbreitet. Vielen Jüngeren gilt Campen als Urlaubsform, die ihre besten Zeiten hinter sich hat – zu Unrecht. Von Jahr zu Jahr herrscht mehr Gedränge auf den 3600 deutschen Campingplätzen zwischen Küste und Alpen: Im Vergleich zu 2007 stiegen die Besucherzahlen um 20 Prozent. »Mit sieben Millionen Gästen hatten wir 2009, mal abgesehen vom Vereinigungsjahr 1990, die größte Nachfrage aller Zeiten«, sagt Gunter Riechey, Präsident des Bundesverbands der Campingwirtschaft BVCD.

Die Branche gewinnt neue Kunden, weil sie Naturerleben mit Komfort verbindet. Heute reicht es nicht mehr, ein Toilettenhaus auf eine Wiese zu setzen und sie damit zum Campingplatz zu erklären. Neuere Anlagen wenden sich auch an anspruchsvolle Besucher.

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Das beginnt mit der Ausstattung. Viele Plätze ersparen es ihren Gästen inzwischen, sich die sanitären Anlagen zu teilen und unter der Dusche in die Haare fremder Menschen zu treten: Camper können sich für die Dauer des Aufenthalt ein privates Badezimmer mieten. Oft braucht der Camper nicht einmal Wohnwagen oder Zelt mitzubringen: Die deutschen Plätze bieten zunehmend Mietunterkünfte, Hütten oder einen Leih-Caravan. Inzwischen gibt es auf deutschen Campingplätzen über 13000 dieser Quartiere. Sie seien »für Einsteiger interessant«, sagt Riechey, »weil sie das Camping für sich ausprobieren können, bevor sie sich eine teure Ausrüstung selbst kaufen«.

Das Freizeitprogramm, das sich Gäste auf herkömmlichen Plätzen noch selbst organisieren müssen, liefern die modernen Camps gleich mit. Kinder können in Hochseilgärten klettern, Ritterburgen bauen oder, wie im Alfsee-Ferienpark in Osnabrück, Runden auf der angeschlossenen Kart-Bahn drehen. Manche Anlagen haben ein platzeigenes Spa. Auf dem Campingplatz Hopfensee im Allgäu etwa können die Gäste im Mosaikdampfbad oder der Zirbelholz-Stubensauna entspannen. Das Wellness-Camp Düne 6 in Zingst hat eine Schwimmhalle und Saunen mit Blick auf die Ostsee. Und Riechey selbst bietet auf seinem vielfach ausgezeichneten Camping- und Ferienpark Havelberge am mecklenburgischen Woblitzsee ein Programm wie in einem Ferienclub: »Unter meinen 60 Angestellten sind in der Hochsaison 15 Animateure.« Jeden Abend führt das Personal auf einer Showbühne Musicals oder Sketche auf.

Auch die Anbieter haben sich verändert: Neben den traditionellen Familienbetrieben etablieren sich zunehmend Ketten wie Riecheys Haveltourist mit neun Plätzen, Regenbogen-Camps oder Knaus Campingparks. »Wir erleben eine Professionalisierung, die Plätze werden gemanagt wie Hotels«, sagt die BVCD-Geschäftsführerin Daniela Leipelt. Die Betreiber vermarkten sich offensiv: Standplätze sind online buchbar, es gibt Pauschalpakete wie bei einer ganz normalen All-inclusive-Reise.

Warum aber sind gerade Camper, die doch im Allgemeinen als eher sparsam gelten, eine lukrative Zielgruppe – so attraktiv, dass man sie mit immer neuen Angeboten umwirbt? Eine mögliche Erklärung liefert eine neue Studie des Bundeswirtschaftsministeriums: Danach geben die sieben Millionen Camper während ihrer Aufenthalte im Jahr 3,3 Milliarden Euro aus, weitere 3 Milliarden investieren sie in ihre Ausrüstung.

»Die Studie widerlegt das Klischee, dass Camping gleich Billigurlaub sei«, sagt Riechey. Dauercamper sind zwar in der Tat sehr sparsam. Die sogenannten Touristikcamper aber, die mal hier, mal dort zu Gast sind, geben im Schnitt satte 45,80 Euro pro Kopf und Tag aus – »mehr als ein Pauschalurlauber in einer All-inclusive-Anlage«.

 
Leser-Kommentare
  1. Und wann man als (Rad-)Wanderer Abends müde ankommt und einfach seine Ruhe haben und nach Sonnenuntergang schlafen möchte - keine Chance. Party all night long. Und ab 6 Uhr morgens fahren dann schon die ersten Autos über den Platz und wecken alle Bewohner auf. Leider musste ich so etwas auf vielen Plätzen mittlerweile erleben. Da hilft wohl nur noch wild Zelten um seine Ruhe zu haben, oder?

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    Ich war vor ein paar Jahren im Frühsommer mit zwei Kindern auf einem als besonders naturnah und umweltfreundlichen eingestuften Zeltplatz im Sauerland. In der Woche, auch ohne "Program" sehr nett, aber ab Freitagnachmittag fielen die Kampfdrinker ein und an Schlaf war nicht mehr zu denken.
    Ich will niemand was vermiesen, aber könnte man nicht einfach trennen in Campingplätze für Sportler und Familien aud den ab 23:00 eine Nachtruhe und Campingplätze für Party und Komasaufen, wo anything goes. So kämen alle auf ihre Kosten.

    Ich war vor ein paar Jahren im Frühsommer mit zwei Kindern auf einem als besonders naturnah und umweltfreundlichen eingestuften Zeltplatz im Sauerland. In der Woche, auch ohne "Program" sehr nett, aber ab Freitagnachmittag fielen die Kampfdrinker ein und an Schlaf war nicht mehr zu denken.
    Ich will niemand was vermiesen, aber könnte man nicht einfach trennen in Campingplätze für Sportler und Familien aud den ab 23:00 eine Nachtruhe und Campingplätze für Party und Komasaufen, wo anything goes. So kämen alle auf ihre Kosten.

  2. Ich war vor ein paar Jahren im Frühsommer mit zwei Kindern auf einem als besonders naturnah und umweltfreundlichen eingestuften Zeltplatz im Sauerland. In der Woche, auch ohne "Program" sehr nett, aber ab Freitagnachmittag fielen die Kampfdrinker ein und an Schlaf war nicht mehr zu denken.
    Ich will niemand was vermiesen, aber könnte man nicht einfach trennen in Campingplätze für Sportler und Familien aud den ab 23:00 eine Nachtruhe und Campingplätze für Party und Komasaufen, wo anything goes. So kämen alle auf ihre Kosten.

    • Timo K
    • 25.04.2010 um 22:47 Uhr

    Und einfach ein selbstorganisierter Campingurlaub auf dessen Felde.
    Stilloser als das im Artikel beschriebene ist ja nichtmals ein saufurlaub auf Malle...

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