Konjunktur Es geht bergauf
Die deutsche Wirtschaft klettert langsam aus der Krise. Und ein kleines Wunder zeichnet sich ab: Der erwartete Erdrutsch am Arbeitsmarkt bleibt aus
Als hätte jemand einen Schalter umgelegt: Mit einem Mal hielt Robert Bauer neue Großaufträge in der Hand. Aus der Schweiz, aus Belgien, aus den USA, aus Russland und Asien. Sie kamen innerhalb weniger Tage nach dem Jahreswechsel.
»Im März 2010 war der Auftragseingang höher als in jedem Monat des Boomjahres 2008«, sagt Bauer. Er klingt etwas müde. Aber wen wundert es? So ein Auf und Ab müssen Mitarbeiter und Manager erst einmal verkraften. Voriges Jahr ruhte die Produktion bis zu zwei Tage in der Woche. Die Lichtschranken, Lichtgitter und Sensoren der Firma Sick aus Waldkirch fanden dramatisch weniger Abnehmer. Die ganze Firma war mit Krisenmanagement beschäftigt, Einkauf und Produktion wurden heruntergefahren, Kurzarbeit wurde organisiert.
»Jetzt sind wir wieder auf Volllast«, sagt Bauer. Die Firma Sick ist Zulieferer für die Autoindustrie, den Textilmaschinenbau, die Verpackungsindustrie, die Holzmaschinenhersteller und viele andere. Seit es für diese Branchen wieder aufwärtsgeht, arbeiten einige der 5000 Beschäftigten von Sick wieder samstags, im ungarischen Werk sogar sonntags.
Sick zeigt, wohin sich die Industrie derzeit entwickelt. Nicht nur die deutsche, schließlich hat das Unternehmen zuletzt 80 Prozent seiner 600 Millionen Euro Umsatz im Ausland gemacht. Wer die Lichtgitter von Sick bestellt, baut Maschinen, um Waren für Kauf- und Autohäuser herzustellen. Der Mittelständler spürt es also, wenn der Optimismus zurückkehrt.
Nicht überall geht es so rasant bergauf wie bei Sick. Aber erstaunlich viele Manager und Unternehmer wagen inzwischen einen optimistischen Ausblick: Der Medizintechnik-Anbieter und Klinikbetreiber Fresenius will in diesem Jahr um bis zu neun Prozent wachsen, der Gentechnik-Konzern Qiagen rechnet gar mit bis zu 16 Prozent plus. Selbst leidgeprüfte Autohersteller wie BMW erwarten ein solides einstelliges Wachstum. In den ersten drei Monaten dieses Jahres produzierten die Hersteller in Deutschland schon 30 Prozent mehr Autos als im Vorjahresquartal.
Der Aufschwung ist da. Ob er wirklich anhält und ob daraus eine lange neue Wachstumsphase wird, »das werden wir erst in der zweiten Hälfte dieses Jahres erkennen«, sagt Gustav Horn. »Wenn wir dann tatsächlich auf einem klaren Wachstumskurs sind, dann wäre uns allerdings etwas Unglaubliches gelungen. Geradezu ein Kunststück, ein Geniestreich.«
Horn ist Chef des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung in Düsseldorf. Wenn der Ökonom von einem Kunststück spricht, meint er zum einen das Tempo, in dem sich viele Unternehmen von der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg erholen. Zum anderen blickt er auf den Arbeitsmarkt. Viel mehr Stellen hätten verloren gehen müssen. Viel härter hätte die Krise jeden Einzelnen treffen müssen. Dass es nicht geschah, kann man ein Kunststück nennen. Oder ein Jobwunder. Der Versuch jedenfalls, es zu erklären, führt zu neuen Einsichten darüber, wie die deutsche Wirtschaft heute funktioniert. Einsichten, die das Land über diesen Aufschwung hinaus prägen werden.
- Datum 09.04.2010 - 06:45 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.04.2010 Nr. 15
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Wenn wir die tatsächlich vorhandenen Möglichkeiten der neuen E-Mobilität mit etwas mehr Schneid in den Wirtschaftskreislauf transportieren würden, also eine schnelle partielle Umstellung der Automobilindustrie vom Verbrennungsmotor auf den Elektroantrieb, dann würden wir einen Innovations -und Arbeitsplatzzuwachs bekommen, daß uns richtig nach vorne katapultieren würde.
Alles ist da, es bräuchte nichts mehr als den Startschuß; der Bürger jedenfalls wartet schon !!!
Die Elektromotoren und Akkus aus China... die Steuerelektronik aus Japan oder Korea... Wetten?
Die Elektromotoren und Akkus aus China... die Steuerelektronik aus Japan oder Korea... Wetten?
Danke Bertelsmann! Fleiß und Innovation haben die deutsche Industrie an der Spitze gehalten. Da kann auch die sogenannte "Krise" mit einigen 10000 Bankern, die ihr Privatvermögen etwas erhöht haben, nichts gegen ausrichten. Trotzdem fände ich es für eine Zeitschrift wie die "Zeit" angemessener, ausgewogener zu berichten. Sämtliche passenden Statistiken als Jubelmeldungen auszuwählen, hat etwas von "Prawda" an sich. Objektivität sieht anders aus.
danke angela dann wird ja alles gut.(ironie off)
wenn man allerdings die anzahl sozialversicherter vollzeitjobs als indikator heranziehen würde sähe die sache anders aus.
... über die Eigentumsform und die Kapitalrendite der letzten 10 Jahre ...
So, wie sich das anhört, hat Herr Prof. Sinn dort nicht viel Ansehen ...
wenn wir jetzt schon freudetaumelnd vom wachstum/ aufschwung reden, sei daran erinnert das es vor der krise diskussionen gab, das genau dieser aufschwung nicht bei den menschen ankommt.
aber was solls...noch ein paar jahre lohnzurueckhaltung verkraftet ihr doch alle?
Nur um das auch hier nochmal in Erinnerung zu rufen. Es ist auch nie zu spät noch kann es dafür nie einen falschen Zeitpunkt noch ein ungeeignetes Forum dafür geben.
Bergauf und zwar konstant geht nur eines, nämlich der Zuwachs der Vermögensentwicklung, dies nebst der positiven Entwicklung bei den Einkommen... ab ca. 1Mio. geht es auch in dieser Kategorie nur nach oben.
Als kleines Infohäppchen...
1% besitzen 23% aller Nettovermögen (Zuwachs in den vergangenen 5 Jahren ist 10%). Netto versus Brutto, d.h. das etwa Steuern, so diese mal bezahlt werden, bereits abgezogen sind.
Ebenso der Anteil bei 10% der Bevölkerung. Der Anteil hat sich immerhin von ca. 57% auf 61% ausgeweitet. Wie denn da ja überall von Krise geredet wird?
70% (das sind generell die abhängigen Lohnempfänger) besitzen immerhin noch 8600 Euro per Capita, immerhin ein Rückgang um 1,5 von 10.5% Anteile am Kuchen auf 9% Anteile. Sind nicht das die Stützen der Exportorientierten Wirtschaftsideologie?
In Euros sind das 10% bei den 1%, 7% bei den 10% und eben -5,7% bei den restlichen 70%.
...und da kommen solch lustige Demagogen wie Westerwelle und dessen Derivate daher und lässt diese auf die los die bereits keine Anteile mehr an diesen Vermögenswerten haben...
ach ja, ich hab noch vergessen... der Zuwachs bei den 1% in etwas verständlicheren Euro Beträgen ist ca. 150 Mrd.. Die Bankenrettung, die als systemisch für "alle" deklariert wurde hat sich aber aus den leeren Töpfen der anhängig Beschäftigten bedient (die werden ja Zwangsbesteuert) und dazu beigetragen das diese in den nächsten Jahren erhebliche Anteile des erwirtschafteten Volksvermögens für den Schuldendienst aufbringen müssen. Hilfreich dazu Beitragen wird wie immer die höchst Asoziale MWSt., aber der Kreativität bei der ausweitung von Einnahmequellen sind ja eigentlich keine Grenzen gesetzt. Von dürfen oder wollen kann hier also keine Rede sein. Dazu kommt noch, das man sich mal genauer ansieht wer den etwa die grössten Käufer der Bundesschuldscheine sind. Dann wird die Quadratur des Kreises so quasi endlich wirklichkeit.
kallewestrich: Aber ist das ein Grund eine Veuve Cliquot aufzumachen? Sicher nicht, denn die Hauptsituation hat sich noch nicht gravierend geändert. Nur in der Peripherie kommt wieder Dynamik auf... Unsere Strukturprobleme bleiben.
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