US-Wirtschaft Vier Prozent

Was der Anstieg der langfristigen Zinsen in den USA für die Konjunktur bedeutet

Die Nachfrage nach US-Bundesanleihen hat zuletzt merklich nachgelassen

Die Nachfrage nach US-Bundesanleihen hat zuletzt merklich nachgelassen

Von allen Finanzjongleuren haben die Staatsanleihenhändler das feinste Sensorium. Wer sich die Mühe machte, der konnte die große Rezession der Weltwirtschaft frühzeitig an den Kursen auf den Bondmärkten ablesen. Zu Wochenbeginn trug sich dort eine bemerkenswerte Begebenheit zu: Die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen stieg auf vier Prozent – zum ersten Mal seit Monaten.

Für die Pessimisten ist es der Anfang vom Ende. Sie sehen folgendes Szenario. Nun entweicht auch noch aus der Blase am Anleihemarkt die Luft. Aus Angst vor einer steigenden Staatsverschuldung und höheren Inflationsraten meiden Investoren öffentliche Schuldtitel. Der Staat muss höhere Zinsen bieten, wenn er seinen Finanzbedarf decken will, der Haushalt rutscht noch tiefer ins Minus, die Staatspleite rückt näher. Die Wiederbelebung der Wirtschaft durch staatliche Rettungsprogramme scheitert.

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Tatsächlich hat die Nachfrage nach US-Bundesanleihen zuletzt merklich nachgelassen. Es gibt aber noch eine ganz andere Interpretation: Demnach zeigt der Zinsanstieg, dass der Aufschwung kommt. Auf dem Höhepunkt der Krise vertrauten die Investoren ihr Geld niemand anderem als dem Staat an. Jetzt, da die Zuversicht steigt, werden sie wieder mutiger und investieren auch in Aktien und Firmenanleihen – der Staat bezahlt mehr, wenn er sich Geld leihen will. Dafür bezahlen Unternehmen und Privatleute weniger. Weil die öffentliche Hand in dem Maße, in dem sich der Aufschwung selbst trägt, ihre Konjunkturprogramme zurückfahren kann, kommt das gerade recht.

Außerdem: Die Höhe der langfristigen Zinsen hängt immer auch von der Höhe der kurzfristigen Zinsen ab. Und die bestimmt die Notenbank. Wenn die Langfristigen also anziehen, dann liegt es daran, dass die Investoren davon ausgehen, dass die Federal Reserve wegen der verbesserten Konjunktur das Geld einsammeln wird, das sie in den Zeiten der Panik auf den Markt geworfen hat. Der Zinsanstieg wäre also ein Zeichen der Gesundung. Für diese Variante spricht: Von Inflationsfurcht ist an den Märkten noch nicht allzu viel zu spüren – so ist die Nachfrage nach inflationsgeschützten Anleihen bisher kaum gestiegen. Wenn die Optimisten recht behalten, ist das Kalkül der Krisenretter aufgegangen. Die nächsten Wochen werden spannend.

 
Leser-Kommentare
  1. [...] der Staat bezahlt mehr, wenn er sich Geld leihen will. Dafür bezahlen Unternehmen und Privatleute weniger.

    Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Bankster aus altruistischen oder was auch immer für Motiven den Personen niedrigere Zinsen anbieten, nur weil sie an Staatsanleihen jetzt mehr verdienen.
    Haben Sie da irgendwelche Belege, dass das so läuft?

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    ...ebenfalls, dass das mehr ist als Wunschdenken.

    So ganz verstehe ich die Zins-Preisgestaltung bei den Anleihen ohnehin nicht. Meines Wissens erlaubt die FED (ebenso wie die EZB mit Griechenland-Anleihen), die Staatsanleihen als Sicherheit zu hinterlegen und damit Geld zu schöpfen.

    Faktisch ist das also ein beinahe risikoloses Geschäft, denn werden die Anleihen wertlos, dann ist eh alles vorbei aber Bank hat vorher zumindest noch ordentlich Boni abgeworfen. Die Banken müssten sich um diese Papiere also eigentlich reißen und die Zinsen extrem niedrig sein. Schon deshalb geht das Argument von Schieritz in Scherben, da die Anleihen imho ja zum erneuten Schöpfen von Geld (mit Mindestreserve-Hebel) verwendet werden können, damit also sogar die Kredite an die Bevölkerung billiger werden könnten, je mehr Anleihen eine Bank kauft.

    Warum also werden die Anleihen-Zinsen teurer? Entweder ich habe noch irgendwas grundlegendes nicht verstanden/übersehen oder es ist ganz einfach so, dass die Multi-Mrd. Hedgefonds diesmal gegen den Dollar spielen und damit zumindest Teilerfolge erziehlen. Letztlich werden die ohnehin den längeren Atem haben, die wiederholen das Spiel so lange bei verschiedenen Ländern, bis es mal irgendwo klappt, weil die entsprechende Regierung gerade im Sommerurlaub war oder sowas.

    Ultimativer Lemmingismus, denn wenn das globale Kartenhaus craht, ist über kurz oder lang auch der Spekulant arbeitslos. Sofern er sich nicht vorher in Sachwerte flüchtet.

    ...ebenfalls, dass das mehr ist als Wunschdenken.

    So ganz verstehe ich die Zins-Preisgestaltung bei den Anleihen ohnehin nicht. Meines Wissens erlaubt die FED (ebenso wie die EZB mit Griechenland-Anleihen), die Staatsanleihen als Sicherheit zu hinterlegen und damit Geld zu schöpfen.

    Faktisch ist das also ein beinahe risikoloses Geschäft, denn werden die Anleihen wertlos, dann ist eh alles vorbei aber Bank hat vorher zumindest noch ordentlich Boni abgeworfen. Die Banken müssten sich um diese Papiere also eigentlich reißen und die Zinsen extrem niedrig sein. Schon deshalb geht das Argument von Schieritz in Scherben, da die Anleihen imho ja zum erneuten Schöpfen von Geld (mit Mindestreserve-Hebel) verwendet werden können, damit also sogar die Kredite an die Bevölkerung billiger werden könnten, je mehr Anleihen eine Bank kauft.

    Warum also werden die Anleihen-Zinsen teurer? Entweder ich habe noch irgendwas grundlegendes nicht verstanden/übersehen oder es ist ganz einfach so, dass die Multi-Mrd. Hedgefonds diesmal gegen den Dollar spielen und damit zumindest Teilerfolge erziehlen. Letztlich werden die ohnehin den längeren Atem haben, die wiederholen das Spiel so lange bei verschiedenen Ländern, bis es mal irgendwo klappt, weil die entsprechende Regierung gerade im Sommerurlaub war oder sowas.

    Ultimativer Lemmingismus, denn wenn das globale Kartenhaus craht, ist über kurz oder lang auch der Spekulant arbeitslos. Sofern er sich nicht vorher in Sachwerte flüchtet.

  2. "Alles stürzte sich deshalb auf die Dollar-Anleihen, die bei der plötzlichen enormen Nachfrage natürlich anstiegen."

    Wenn viele Anleihen nachgefragt werden, müssten die Zinsen doch sinken statt steigen (was sie aber getan haben), oder nicht?

    "Angebot und Nachfrage regelten wie immer den Preis."

    Im Falle Griechenlands beantwortet das nicht die Frage warum griechische Anleihen angeblich nicht nachgefragt werden, wenn damit quasi Geld gedruckt werden kann (mit 7% von Griechenland zu verzinst, zur EZB schaffen und nur rund 3% für das dafür ausgereichte Zentralbankgeld zahlen). Nahezu risikolos.

    Welche Erklärung gibts dafür? Ich schnall es nicht.

  3. Ich habe das Gefühl, dass er von der Wirtschaft keine Ahnung hat. Sollte die Nachfrage nach US-Anleihen steigt, wären Zinsen sinkend und nicht steigend! D.h. Angebot ist im Moment größer als Nachfrage. Für mich ist erst der Anfang. Zum Glück habe ich alle US-Anleihen verkauft.

    • GeorgT
    • 12.04.2010 um 9:20 Uhr

    ist in den USA Leitkultur. Vielleicht dringt es so langsam in die Koepfe ein, so dass sich die Zinsen am langen Ende, wo sie nur begrenzt von der FED unten gehalten werden koennen, am Schuldenstand, der realen Leistungsfaehigkeit und damit dem tatsaechlichen Ausfallrisiko zu orientieren beginnen.
    Dies ist auch dringend notwendig, wenn die FED jemals die kurzfristigen Zinsen wieder anheben moechte. Welche Auswirkungen eine verflachte bzw invertierte Zinsstrukturkurve nach sich zieht, zeigt die Geschichte der
    letzten Leitzinserhoehungsphase durch Bernanke. Ich kann nur hoffen, dass die Maerkte den laecherlich niedrigen Zins
    am langen Ende fuer US Anleihen in Anerkennung der realen Risiken nicht laenger akzeptieren.
    Ob daraus das Ende der Wirtschaftskrise abzuleiten ist wage ich zu bezweifeln, denn wer haette die juengste Entwicklung der Zinsen fuer griechische Anleihen so interpretiert?

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