Grüner Leben – Der Öko-Fragebogen »Geiz ist dumm«

Die Modedesignerin Gabriele Strehle und die Wegwerfgesellschaft


Die ZEIT: Warum sind Sie ökologisch ein Vorbild?

Gabriele Strehle: Ob ich ein Vorbild bin, weiß ich nicht. Aber Ökologie heißt ja eigentlich »Lehre vom Haushalt«. Dort fängt es ganz wörtlich bei mir an. Von klein auf habe ich gelernt, mich mit Weiterverwertung zu beschäftigen. Bei uns daheim wurde Leinenbettwäsche von der Weißnäherin, die dafür ins Haus kam, repariert. Und jeder Essensrest wurde Teil eines neuen, köstlichen Gerichts. Weiterverwerten ist eines meiner Grundprinzipien. Das andere ist Verantwortlichkeit. Wer sich verantwortlich fühlt für seine Mitmenschen, für die Nachwelt, der lebt nicht wie viele Manager und Industrielle nach dem Prinzip »Nach mir die Sintflut«. Vorbild kann ich nur sein, wenn ich bei mir selber anfange: als Privatperson und als Unternehmerin, die genau überlegt, wo sie bei welchen Produzenten welche Materialien einkauft und wo sie die von wem wie verarbeiten lässt. Fernost kommt da einfach nicht vor.

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ZEIT: Wer ist Ihr ökologisches Vorbild?

Strehle: Jeder Bauer und jede Bäuerin, die aus eigenem Antrieb biologisch anbauen. Die österreichischen Milchbauern, die von diesem Jahr an Milch von Kühen liefern, die nichts als Gras und Heu gefressen haben. Die alternativen Nobelpreisträger und diejenigen, die es werden sollten. Prominente wie Sting oder Bianca Jagger, die nicht nur mit ihrer Prominenz für ökologische Programme werben, sondern aktiv dafür kämpfen. Ein großes Vorbild ist Ernst Friedrich Schumacher, der britische Ökonom und Manager, dessen Buch über die Rückkehr zum menschlichen Maß mich früh bewegte. Ein Vorbild war auch meine Mutter, die mich – bevor es Mode wurde – erzogen hat, so zu denken, wie ich heute denke.

ZEIT: Was wollen Sie in einem Jahr anders machen?

Strehle: Ich will mehr Rad fahren und weniger Auto. Das bedeutet, ich muss meinen Alltag grundlegend umstrukturieren und neue Schwerpunkte setzen.

ZEIT: Was machten Sie vor einem Jahr noch anders? Und was bewog Sie, Ihr Verhalten zu ändern?

Strehle: Ich mache keine Urlaube mehr, für die ich zehn, fünfzehn Stunden im Flugzeug sitze. Europa ist so reich. Wenn mich Frühlingsgefühle packen, muss ich nicht nach Mallorca düsen, sondern kann nach Südtirol fahren. 

ZEIT: Welches Umweltverhalten in Ihrem Bekanntenkreis lehnen Sie ab?

Strehle: Viele, vor allem männliche, Bekannte im Management denken in Konkurrenz statt in Kooperation. Sie setzen auf kurzfristige statt auf nachhaltige Effizienz. Kurz gesagt: Sie denken kurzfristig statt langfristig.

ZEIT: Erziehen Sie Ihre Kinder zu einem bewussten Umgang mit der Natur?

Strehle: Meine Tochter Clara hat das, wie ich von meiner Mutter, so selbstverständlich gelernt wie alle anderen guten Manieren. Für mich gehört Umweltbewusstsein zu den grundlegenden Anstandsregeln. Das fängt bei Kleinigkeiten an: Wenn ich es einem Vierjährigen erlaube, seinen Kaugummi auf den Boden zu spucken oder seine Hamburger-Verpackung auf der Wiese liegen zu lassen, wird es später mühsam.

Leser-Kommentare
  1. ist sie doch der zerstörerischste auswuchs der egomanie - gesellschaftsschädigend sondergleichen!

  2. und danke für den artikel! interessant das diese denkweise gerade von einer frau kommt. sie hat auch ganz richtig geschrieben, männer denken in konkurrenz - statt kooperation. wer sagt der masse das h&m, kik und wie sie alle heißen nichts, absolut gar nichts zur ökologie und nachhaltigkeit unseres lebens beitragen. im gegenteil. weniger ist mehr! nämlich an qualität und lebensstandard.

    • Mihjo
    • 13.04.2010 um 14:48 Uhr

    Ich denke hier sind viele gute ansätze da. Dennoch glaube ich immernoch, dass es nicht die kleinen dinge sind: fegen statt saugen soll etwas ändern? meinen sie nicht, dass es vielleicht sinnvoller wäre, ihren wohnsitz näher an ihren arbeitsplatz zu verlegen oder umgekehrt? Müssen die Menschen in Asien nicht auch arbeiten und geld verdienen?

    ich freue mich ja über jeden, der grüne ideen umsetzt, aber bitte tut nicht so, als wäre das ein goldener weg.

  3. schön, dass Sie sich Gedanken über Nachhaltigkeit machen und Ihre Tochter umweltbewusst erziehen. Ihr Ansatz ist richtig, und es ist schade, dass sich unsere Wegwerfgesellschaft mittlerweile auch bei Textilien ihren Platz erobert hat. Kaufen, ein paarmal tragen, wegschmeißen - Discountware aus Fernost, die unter unwürdigen Bedingungen produziert wird und die wir eigentlich nicht wirklich bräuchten, macht's möglich.
    Ein kleiner Kritikpunkt am Rande: wer sich den Billigramsch aus Asien nicht kaufen möchte, verfügt deshalb nicht unbedingt über das nötige Kleingeld, um sich Kleidungsstücke Ihres hochwertigen, aber eben auch hochpreisigen Modelabels zuzulegen. Die muss man sich auch leisten können. Diese Lücke zu füllen, wäre doch vielleicht eine neue Geschäftsidee für Sie!

    • Hickey
    • 14.04.2010 um 8:02 Uhr

    Dafür können die meisten Menschen ja nichts, es sind Unternehmen die aus Profitgier die Qualität ihrer Produkte gemindert hat.

    Bei uns in der Kanzlei stehen über 25 Jahre alte Triumph Rechenmaschinen die noch einwandfrei funktionieren, die neuen Geräte halten jedoch maximal 4-5 Jahre.

    Ich würd die Geräte ja länger behalten, aber aufgrund der Digitalisierung, kann elektronische Geräte nicht mehr so einfach repaieren, das selbe betrifft Autos oder Schuhe die sehr oft sehr schlecht verarbeitet sind.

  4. Im Dreiliter-Auto vom Passivhaus am Tegernsee zwei mal die Woche in die Provinz!
    Und der Gatte und das Töchterchen haben garantiert die Sportwagen längst verkauft.
    Die Erde ist fast gerettet!

  5. Faktor Vier zeigt ganz schön, wie weniger Ressourcenverbrauch mehr Wohlstand schafft. Der größte Unsinn sind die Öko-Groupies, die einen Hybrid fahren und 1 l pro 100 Km sparen, dafür aber vermutlich 100 km mehr fahren, weil sie fahren ja öko.

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