Griechenland Not mit Ansage
Griechenland wird es ohne neue Hilfe nicht schaffen
Wie sich die Zeiten ändern: Der Euro stabil, das leidige Griechenlandthema vom Tisch, die deutschen Steuerzahler beschützt – die Kanzlerin reiste als mediale Punktsiegerin vom großen Gipfel der Europäer in Brüssel ab. Keine zwei Wochen später geht der Euro am Devisenmarkt auf Talfahrt, drehen die Anleger den Griechen allmählich den Geldhahn zu.
Auch seriöse Investoren bezweifeln inzwischen, dass Griechenland seine Schulden bedienen kann. Die Hellenen müssen den Kapitalmärkten sieben Prozent Zinsen bieten, wenn sie sich Geld leihen wollen. Der Aufschlag gegenüber anderen Staaten ist so hoch wie noch nie seit dem Eintritt des Landes in die Währungsunion. Für Athen hat sich die Lage seit dem Gipfel von Brüssel nicht verbessert, sondern verschlechtert.
In ihrer Not lässt sich die griechische Regierung jetzt mit den Schmuddelkindern der Finanzbranche ein. Sie wirbt um Investoren, die sich auf Schwellenländer mit hohem Ausfallrisiko spezialisiert haben. Im eigenen Land wächst derweil das Misstrauen: Griechische Sparer bringen ihr Geld ins Ausland. Und die griechische Regierung kann ihrerseits nicht noch mehr kürzen, ohne die soziale Stabilität des Landes zu bedrohen.
Für Berlin könnte das unangenehm werden. Die Kanzlerin will den Eindruck vermeiden, Deutschland hafte für Schuldenstaaten, sie will die Anleger aber trotzdem dazu bringen, ihr Geld wieder nach Athen zu tragen. Deshalb gibt es Hilfe – aber nur als Ultima Ratio, nur wenn der Internationale Währungsfonds mitmacht und nur zu den Zinsen, die die Griechen am Markt bezahlen müssten.
Ergebnis ist ein halbherziger Rettungsplan, den niemand so nennen darf – und der schon deshalb nicht wirkt. Bald könnte sich Angela Merkel mit der Situation konfrontiert sehen, die sie immer vermeiden wollte: den Griechen entweder weitaus großzügigere Hilfen gewähren zu müssen oder eine Pleite in Athen zu riskieren.
All das womöglich vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen.
- Datum 07.04.2010 - 10:50 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.04.2010 Nr. 15
- Kommentare 36
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Jeder Staat, der über seine Verhaeltnisse lebt, zehrt von fiktiven Ressourcen oder zukuntsbezogenen Einkünften. Deshalb wird er früher oder spaeter mit der Wirklichkeit konfrontiert, sich derart einzuschraenken, dass er den Stand der Vor- bzw. Vor-Vorjahre erreicht bzw. in diese zurück versetzt wird. Das wiederum geht nicht ohne allerstrengste Einschraenkung, also einer Art von "Rosskur". Und welches Volk will sich einer solchen freiwillig oder willig unterziehen?
Vor einigen Jahrzehnten blieben derartige Zustaende noch auf nationaler Ebene - heute hingegen greifen sie global auf Kontinente und die gesamte Welt über. Also ist nicht bloss das betroffene Land sondern auch die Gemeinschaft -in vorliegendem Falle die EU - (stark) gefaehrdet. Es besteht vor allem die Gefahr eines Domino-Effekts.
Wie im Artikel zutreffend ausgeführt, lösen halbherzige Zusagen das Problem nicht - im Gegenteil, sie verschaerfen es. Alles laesst sich eben nicht mit Aspirin kurieren. Es sind Massnahmen erforderlich, die verhindern, dass die wirtschaftliche Misere in einen Teufelskreis ausartet.
"Jeder Staat, der über seine Verhaeltnisse lebt, zehrt von fiktiven Ressourcen oder zukuntsbezogenen Einkünften."
Na ja, das ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig.
Ein Staat kann (rein in Warenströmen gedacht) nur über seine Verhältnisse leben, wenn ihm andere Staaten mehr Waren liefern, als wie dieser wieder ausführt.
Jetzt ist es aber so, dass Griechenland selbst viel Potential (hohe Arbeitslosigkeit) hat, um für sich selbst Waren zu produzieren. Aufgrund des Euros und diverser Währungsungleichgewichte allerdings nicht günstig genug um damit konkurrieren zu können. Ein solches Land würde ohne die Importströme definitiv an Wohlstand verlieren, allerdings einen Teil auch selbst ausgleichen können.
"Das wiederum geht nicht ohne allerstrengste Einschraenkung, also einer Art von "Rosskur". Und welches Volk will sich einer solchen freiwillig oder willig unterziehen?"
Das wiederrum ist volkswirtschaftlicher Quatsch. Die Schulden stehen ja nicht im Nichts, es sind nicht erhobene Steuern auf hohe Einkommen und Vermögen. Mit anderen Worten jedem Schuldenberg steht ein Vermögensberg gegenüber. Leider flüchtet der, dank Kapitalfreizügigkeit, vor jeder Verantwortung ins Ausland. Sparen hingegen hebt die Zinsströme nicht auf, das Volk würde versklavt und irgendwann hungern und (völlig zu Recht) gegen diese Ausbeutung revoltieren und Ausgleich erzwingen.
"Jeder Staat, der über seine Verhaeltnisse lebt, zehrt von fiktiven Ressourcen oder zukuntsbezogenen Einkünften."
Na ja, das ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig.
Ein Staat kann (rein in Warenströmen gedacht) nur über seine Verhältnisse leben, wenn ihm andere Staaten mehr Waren liefern, als wie dieser wieder ausführt.
Jetzt ist es aber so, dass Griechenland selbst viel Potential (hohe Arbeitslosigkeit) hat, um für sich selbst Waren zu produzieren. Aufgrund des Euros und diverser Währungsungleichgewichte allerdings nicht günstig genug um damit konkurrieren zu können. Ein solches Land würde ohne die Importströme definitiv an Wohlstand verlieren, allerdings einen Teil auch selbst ausgleichen können.
"Das wiederum geht nicht ohne allerstrengste Einschraenkung, also einer Art von "Rosskur". Und welches Volk will sich einer solchen freiwillig oder willig unterziehen?"
Das wiederrum ist volkswirtschaftlicher Quatsch. Die Schulden stehen ja nicht im Nichts, es sind nicht erhobene Steuern auf hohe Einkommen und Vermögen. Mit anderen Worten jedem Schuldenberg steht ein Vermögensberg gegenüber. Leider flüchtet der, dank Kapitalfreizügigkeit, vor jeder Verantwortung ins Ausland. Sparen hingegen hebt die Zinsströme nicht auf, das Volk würde versklavt und irgendwann hungern und (völlig zu Recht) gegen diese Ausbeutung revoltieren und Ausgleich erzwingen.
in der bild-zeitung stand das angela merkel den euro, die eu und eigentlich auch griechenland und die ganze welt gerettet hat.
was nun?
... auf die BLÖ*-Schlagzeile gespannt sein, wenn Griechenland pleite geht oder der EURO platzt ;-)
Aber wahrscheinlich wird man das alles BLÖ*-zeitungskonform hinbiegen, und an der wahlweise Inflation oder Deflation sind dann wieder die faulen Hartzer schuld.
... auf die BLÖ*-Schlagzeile gespannt sein, wenn Griechenland pleite geht oder der EURO platzt ;-)
Aber wahrscheinlich wird man das alles BLÖ*-zeitungskonform hinbiegen, und an der wahlweise Inflation oder Deflation sind dann wieder die faulen Hartzer schuld.
"Jeder Staat, der über seine Verhaeltnisse lebt, zehrt von fiktiven Ressourcen oder zukuntsbezogenen Einkünften."
Na ja, das ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig.
Ein Staat kann (rein in Warenströmen gedacht) nur über seine Verhältnisse leben, wenn ihm andere Staaten mehr Waren liefern, als wie dieser wieder ausführt.
Jetzt ist es aber so, dass Griechenland selbst viel Potential (hohe Arbeitslosigkeit) hat, um für sich selbst Waren zu produzieren. Aufgrund des Euros und diverser Währungsungleichgewichte allerdings nicht günstig genug um damit konkurrieren zu können. Ein solches Land würde ohne die Importströme definitiv an Wohlstand verlieren, allerdings einen Teil auch selbst ausgleichen können.
"Das wiederum geht nicht ohne allerstrengste Einschraenkung, also einer Art von "Rosskur". Und welches Volk will sich einer solchen freiwillig oder willig unterziehen?"
Das wiederrum ist volkswirtschaftlicher Quatsch. Die Schulden stehen ja nicht im Nichts, es sind nicht erhobene Steuern auf hohe Einkommen und Vermögen. Mit anderen Worten jedem Schuldenberg steht ein Vermögensberg gegenüber. Leider flüchtet der, dank Kapitalfreizügigkeit, vor jeder Verantwortung ins Ausland. Sparen hingegen hebt die Zinsströme nicht auf, das Volk würde versklavt und irgendwann hungern und (völlig zu Recht) gegen diese Ausbeutung revoltieren und Ausgleich erzwingen.
....einer Demokratie mit der Aufnahme in die EU bestätigt. Damit haftet das Volk für die Entscheidungen seiner Regierung. Man kann nicht Souverän und Verantwortungslos sein.
....einer Demokratie mit der Aufnahme in die EU bestätigt. Damit haftet das Volk für die Entscheidungen seiner Regierung. Man kann nicht Souverän und Verantwortungslos sein.
... auf die BLÖ*-Schlagzeile gespannt sein, wenn Griechenland pleite geht oder der EURO platzt ;-)
Aber wahrscheinlich wird man das alles BLÖ*-zeitungskonform hinbiegen, und an der wahlweise Inflation oder Deflation sind dann wieder die faulen Hartzer schuld.
Die Eurokritiker hatten Recht, so sehr Recht, dass es Deutschland bald sehr weh tun wird.
Wer nicht hören will, muss fühlen, so hieß es in meiner Kindheit.
Hoffentlich steckt sich Deutschland nicht an den PIGS-Ländern an und holt sich die finanzielle Schweinegrippe.
Deutschlands Steuerzahler werden bluten und die deutschen Nichtsteuerzahler auch.
http://www.huffingtonpost...
liefert eine interessante Analyse der Situation Griechenlands. Die einzige Option, die einen Staatsbankrott ausschließt, setzt voraus, dass dem Land in den nächsten drei Jahren ~$150 Milliarden zur Verfügung gestellt werden. Das Bundesverfassungsgericht zählt im Lissabon-Urteil das Budgetrecht des Bundestags zur Verfassungsidentität, d.h. es darf nicht substanziell an supranationale Organisationen wie die EU übertragen werden. Hilfen von etwa ~$50 Milliarden, die Deutschland übernehmen müßte, würden im erheblichen Maße den finanziellen Gestaltungsspielraum Deutschlands einschränken und sind wohl verfassungswidrig. Es bleib die Pleite Griechenlands, innerhalb oder außerhalb des Euroraums.
... was kümmert die Politiker ihr Geschwätz von gestern.
Alles was zählt ist Machtdenken, das Erhalten und Gewinnen von Macht. Wenn es vorteilhaft ist, G zu retten, dann wird man das Geld zusammenbekommen und wenn man dazu Rechtsbruch begehen muss, den Notstand ausrufen, den Umweg über das IWF gehen oder sonst irgendwelche unmöglichen Tricks anwenden.
Und für D wäre es wohl sehr nützlich G Zahlungswillen zu erhalten, denn deutsche Banken haben wohl einiges an gr. Staatsanleihen im Depot. Ansonsten steht uns mit unserer Ackermann-Banken-Freundin Merkel der nächste Banken Bailout bevor.
Aber D ist halt nicht als einziges Land ausschlaggebend. Allein bei den Griechen kann ich mir nicht vorstellen, dass die maßgeblichen polititschen "Eliten" wirklich alle geschlossen hinter der derzeitigen Ausblutungspolitik stehen. Und je unangenehmer die Zustände werden, desto attraktiver erscheint ein Zahlungsstop und damit die offizielle Insolvenz und die Wiedereinführung einer eigenen Währung.
Warten wir mal ab, spannende Sache. Zumindest wenn man nicht selbst betroffen ist :-)
... was kümmert die Politiker ihr Geschwätz von gestern.
Alles was zählt ist Machtdenken, das Erhalten und Gewinnen von Macht. Wenn es vorteilhaft ist, G zu retten, dann wird man das Geld zusammenbekommen und wenn man dazu Rechtsbruch begehen muss, den Notstand ausrufen, den Umweg über das IWF gehen oder sonst irgendwelche unmöglichen Tricks anwenden.
Und für D wäre es wohl sehr nützlich G Zahlungswillen zu erhalten, denn deutsche Banken haben wohl einiges an gr. Staatsanleihen im Depot. Ansonsten steht uns mit unserer Ackermann-Banken-Freundin Merkel der nächste Banken Bailout bevor.
Aber D ist halt nicht als einziges Land ausschlaggebend. Allein bei den Griechen kann ich mir nicht vorstellen, dass die maßgeblichen polititschen "Eliten" wirklich alle geschlossen hinter der derzeitigen Ausblutungspolitik stehen. Und je unangenehmer die Zustände werden, desto attraktiver erscheint ein Zahlungsstop und damit die offizielle Insolvenz und die Wiedereinführung einer eigenen Währung.
Warten wir mal ab, spannende Sache. Zumindest wenn man nicht selbst betroffen ist :-)
... was kümmert die Politiker ihr Geschwätz von gestern.
Alles was zählt ist Machtdenken, das Erhalten und Gewinnen von Macht. Wenn es vorteilhaft ist, G zu retten, dann wird man das Geld zusammenbekommen und wenn man dazu Rechtsbruch begehen muss, den Notstand ausrufen, den Umweg über das IWF gehen oder sonst irgendwelche unmöglichen Tricks anwenden.
Und für D wäre es wohl sehr nützlich G Zahlungswillen zu erhalten, denn deutsche Banken haben wohl einiges an gr. Staatsanleihen im Depot. Ansonsten steht uns mit unserer Ackermann-Banken-Freundin Merkel der nächste Banken Bailout bevor.
Aber D ist halt nicht als einziges Land ausschlaggebend. Allein bei den Griechen kann ich mir nicht vorstellen, dass die maßgeblichen polititschen "Eliten" wirklich alle geschlossen hinter der derzeitigen Ausblutungspolitik stehen. Und je unangenehmer die Zustände werden, desto attraktiver erscheint ein Zahlungsstop und damit die offizielle Insolvenz und die Wiedereinführung einer eigenen Währung.
Warten wir mal ab, spannende Sache. Zumindest wenn man nicht selbst betroffen ist :-)
Sie irren wenn sie glauben, Griechenland hätte Trümpfe in der Hand. Im Vergleich zu langfristigen Transferzahlungen an Griechenland wäre ein einmaliger Bailout deutscher Banken nicht nur verfassungskonform, sondern auch billiger. Eine Lehre aus dem Argentinien-Debakel des IWF lautet (aus einem IWF-Bericht):
"The IMF should refrain from entering or maintaining a program relationship with a member country when there is no immediate balance of payments need and there are serious political obstacles to needed policy adjustment or structural reform"
Der Grund, warum Merkel überhaupt in einen Rettungsplan eingewilligt hat, ist politischer Natur. Nichts anderes als das für die EU so grundlegende deutsch-franzöisiche Verhältnis steht auf dem Spiel.
Sie irren wenn sie glauben, Griechenland hätte Trümpfe in der Hand. Im Vergleich zu langfristigen Transferzahlungen an Griechenland wäre ein einmaliger Bailout deutscher Banken nicht nur verfassungskonform, sondern auch billiger. Eine Lehre aus dem Argentinien-Debakel des IWF lautet (aus einem IWF-Bericht):
"The IMF should refrain from entering or maintaining a program relationship with a member country when there is no immediate balance of payments need and there are serious political obstacles to needed policy adjustment or structural reform"
Der Grund, warum Merkel überhaupt in einen Rettungsplan eingewilligt hat, ist politischer Natur. Nichts anderes als das für die EU so grundlegende deutsch-franzöisiche Verhältnis steht auf dem Spiel.
Schon mal über das System nachgedacht, das solche Dinge ermöglicht?
Zum IWF, Weltbank etc. (Wer Zeit hat, sollte sich unbedingt alle Teile angucken):
http://www.youtube.com/wa...
Zu Deutschland und der Krise - bitte ALLES lesen, und sacken lassen
http://www.nachdenkseiten...
Wir Europäer sind stolz auf die Zeit der Aufklärung - ich glaube, dass eine zweite Aufklärung schon überfallig ist.
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