Farbpsychologie: Der schwarze Block
Was sind das eigentlich für Menschen, die Schwarz als ihre Lieblingsfarbe bezeichnen? Bestimmt finstere Gesellen, oder?
- Datum: 06.04.2010 - 15:15 Uhr
Wer Schwarz als seine Lieblingsfarbe bezeichnet, ist ziemlich einsam – jedenfalls auf der Skala der Farbvorlieben. Mehr als ein Drittel der Deutschen bezeichnet Blau als ihre liebste Farbe, ein Fünftel liebt Rot. Und nur weniger als ein Zehntel sieht am liebsten Schwarz. Kein Wunder, glaubt man etwa dem Psychologen und Farbtherapeuten Max Lüscher, der den Schwarz-Anhängern zuschreibt, sie hätten "einen eigensinnigen Anspruch auf Geltung" und wollten sich vor allem Respekt verschaffen: "Dadurch verschließen sie sich Gefühlen und wirken leicht hart und intolerant."
Nun ist die Farbpsychologie eine Disziplin, die schwer von der Esoterik zu trennen ist. Aber welche Eltern machen sich keine Sorgen, wenn ihr Kind ein Bild ganz in Schwarz malt? Das ist natürlich Blödsinn, denn wenn kleine Kinder Schwarz als Malfarbe lieben, dann weil sie die besten Kontraste liefert, sagt etwa die Psychologin Christa Seidel. Erst später lernen Kinder, dass Schwarz auch eine symbolische Bedeutung hat. Und die ist enorm. Keine Farbe ruft bei Menschen so starke Gefühle hervor. Schwarz spricht steinzeitliche Existenzängste an. In der Dunkelheit lauerten die Tiere. Der Religionsforscher Jeffrey Burton Russell schreibt, Schwärze sei fast überall mit dem Bösen assoziiert: "Schwärze besitzt eine immense Palette von unheimlichen Assoziationen: Tod, die Unterwelt, die Leere, Blindheit, die Nacht, in der Räuber und Geister ihr Unwesen treiben."
Allerdings hat Schwarz offenbar auch eine faszinierende Wirkung. Schließlich werden viel mehr Spielfiguren von Darth Vader verkauft als von seinem guten Gegenspieler Luke Skywalker. Und es gibt zurzeit kaum ein erfolgreicheres Genre in der Literatur als Vampir-Romane. Schwarz, das sind nämlich nicht nur die Fieslinge, schwarz sind auch die Rächer. Zorro ist der Mann mit der schwarzen Maske, der das Böse austreibt. Batman hätte sich niemals einen gelben Gummianzug übergezogen. Schwarz ist also die Farbe der Mutigen.
Gäbe es all die gruseligen Mythen über Schwarz nicht, es würden sich wohl viel mehr Menschen zu dieser unbunten Farbe bekennen. Denn in Wirklichkeit sind wir alle schwärzer als wir vorgeben. Schwarz ist die beliebteste Farbe in der Kleidung. Schwarz ist die bestverkaufte Farbe bei Möbeln. In Wahrheit ist die Vorliebe für Schwarz ziemlicher Mainstream. Diejenigen, die sich offen dazu bekennen, sind demnach Menschen, die selbstbewusst genug sind, offen zuzugeben, wie gewöhnlich sie sind. Es ist also völlig zutreffend, dass Schwarz die Farbe der Mutigen ist.









find ich sehr gut :)
Mein Problem mit der Frage nach der Lieblingsfarbe ist schon immer gewesen: Das unterscheidet sich doch je nach Anlass und Zweck! Kleidung? Wandfarbe? Autofarbe? Modische Stiefel? Arbeitsstiefel? An wem? Zu welcher Jahreszeit? Will ich gefallen oder schockieren (und wem/wen)? Usw. usf.
Ich habe gelernt, die Frage nach der Lieblingsfarbe immer mit "blau" zu beantworten (oder "rot", falls ich mal als besonders dynamisch gelten will), weil mir sonst die Farbpsychologen eine problematische Persönlichkeit unterstellen. Aber vielleicht kann mir hier jemand erklären, was er *wirklich* meint, wenn er sagt, "Meine Lieblingsfarbe ist blau"?
Ich kenne doch einige Menschen, die selbstbewusst zu Schwarz stehen. Das sollte aber auch nicht schwierig sein, wenn man sich in der entsprechenden Szene bewegt. Auch wenn auf den einschlägigen Partys und Festivals (z.B. M’era Luna, WGT) der Anteil an Farben aus dem Textmarker-Spektrum zugenommen hat (sog. "Cybergoths"). Das missfällt z.B. uns Electros doch ganz schön.
Ich persönlich halte Abstand von Plastikschläuchen am Kopf, Knicklichtern und TaeBo-Tanzstilen.
"Gäbe es all die gruseligen Mythen über Schwarz nicht, es würden sich wohl viel mehr Menschen zu dieser unbunten Farbe bekennen."
Gäbe es mehr gruselige Mythen über Blau, würden sich weniger Menschen dazu bekennen. Was sagt der Artikel? Zum Angucken nehmen die Deutschen bunte Texturen, für den Kontrasteffekt und Seriosität Schwarz.
Da sehe ich weder Mut noch Durchschnitt, sondern Geschmack. Und der läßt sich genauso sinnvoll deuten wie Körpergröße.
...ist keine Farbe.
und dabei unerwähnt lassen, daß die Farbe schwarz die Farbe der SS und der deutschen Panzertruppe war.
Und was sagt da der Farbpsychologe dazu?
Nebenbei: die Uniformen für die guten Krieger der Siegermächte des 2.WK sehen da ausgesprochen armselig aus........
Ach ja, die deutschen Ordensritter kamen auch in schwarz gekleidet daher.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren