Zehn Jahre CDU-Vorsitz Die Methode Merkel

Seit zehn Jahren führt Angela Merkel die CDU, seit fünf Jahren ist sie Kanzlerin – keiner hat ihr das zugetraut. Ihre Gegner verzweifeln, viele rätseln: Wie macht sie das nur?

Angela Merkel hat die CDU verändert wie vor ihr nur Adenauer und Kohl. Viele fragen sich, wie sie das macht

Angela Merkel hat die CDU verändert wie vor ihr nur Adenauer und Kohl. Viele fragen sich, wie sie das macht

Wie lang sind zehn Jahre?

"Wenn ich mir überlege, was alles in der Zeit passiert ist, ist es eine lange Strecke", antwortet Angela Merkel. "Vom Gefühl her ist es unglaublich schnell vergangen, weil jeder Tag so ausgefüllt ist.«

Anzeige

Provisorien und kurzes Glück

Wie schlecht muss es einer konservativen, sehr westlichen Partei gehen, wenn sie einer jungen Ostdeutschen die bangen Herzen zuwirft und sie mit 95 Prozent zur Vorsitzenden wählt? Sehr schlecht ging es der CDU vor zehn Jahren. Sie hatte ihren Ehrenvorsitzenden verloren, der partout keine Auskunft über einige Parteispenden geben wollte. Und ihren Vorsitzenden, der im Bundestag einen unwahren Satz gesagt hatte. Und nun steht da Angela Merkel, die zum Sturz von Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble beigetragen hatte, und winkt schüchtern in die Menge, mit einem Lächeln, das Rettung verheißt.

Sie selbst erinnert sich genau: "Ich sehe mich noch in diese Halle gehen. Von so einer Zuneigung und so einem Wohlwollen wird man nur in ganz außergewöhnlichen Situationen empfangen und begleitet.« Es ist der 10. April 2000, wir befinden uns in der Essener Gruga-Halle, und eine neue Ära beginnt, die Ära von Angela Merkel. Doch das glauben an diesem Tag nur wenige.

Die Abgesandten ihrer innerparteilichen Konkurrenz, die da durch die Gänge streifen, raunen von einer "Übergangsvorsitzenden", die alsbald den eigentlich starken Männern wird Platz machen müsse, Roland Koch und Christian Wulff. Die beiden regieren heute in Wiesbaden und Hannover dem Ende ihrer Karrieren entgegen und überlegen, was es im Leben außer Politik noch geben könnte.

Angela Merkel ist nun seit zehn Jahren Vorsitzende der CDU, seit bald fünf Jahren Kanzlerin, und wenig spricht dagegen, dass sie auch noch ein drittes Mal zur Regierungschefin gewählt werden könnte, vielleicht mit einem dritten Koalitionspartner. Schon jetzt ist klar, dass sie in ihrem Jahrzehnt die Partei so sehr verändert hat wie vor ihr nur Konrad Adenauer und Helmut Kohl. Wie hat sie das gemacht, mit welcher Methode, und was bedeutet das für die CDU und die deutsche Demokratie? 

Wir begegnen ihr im Kanzleramt, um mit ihr über ein Thema zu reden, das sie sonst eher meidet – die Methode Merkel. Hier wird gerade renoviert, darum sitzt sie im falschen Büro, dem vom Amtschef Ronald Pofalla, der wiederum eine Etage tiefer ziehen musste. Der Raum ist karg, die Kanzlerin wie immer.

Was an sich schon mal erstaunlich ist, denn für gewöhnlich werden Kanzler nach ein paar Jahren etwas majestätisch. "Woll’n Se ’nen Kaffee?", fragt sie nun und will auch gleich einschenken. Im politischen Berlin ist für so etwas schon in mittleren ausländischen Botschaften ein Livrierter zuständig. In dieser ostentativen Merkelschen Normalität liegt etwas bezwingend Sympathisches, sie gibt auch eine erste Antwort auf die Frage nach der Methode Merkel: Sie überhöht sich nicht, sie bleibt bei sich. Und sie hält sich immer auch eine Flucht ins Profane offen.

Kohl und die Feindschaft

In diesen Tagen wird Angela Merkel öfter mit Helmut Kohl verglichen, der am 3. April 80 wurde. Ein bisschen nervt sie das, jetzt liest sie spottlustig aus einem Zeitungsporträt über den damaligen Kanzler von 1992 vor, in dem vom "Führungsvakuum" die Rede ist und Kohl als "Staatsmoderator" charakterisiert wird. So wie sie heute. Auch der Konturverlust der CDU wurde seinerzeit schon beklagt.

Tatsächlich sieht sich Merkel als Parteivorsitzende in seiner Tradition. "Wenn man zurückblickt, hat Helmut Kohl die CDU von einer Honoratiorenpartei zu einer wirklichen Volkspartei geformt und als Parteivorsitzender, auch bevor er Bundeskanzler wurde, dabei erstaunliche und erhebliche Öffnungen für die CDU durchgesetzt.«

Leser-Kommentare
  1. ... nicht besser. Sie ist und bleibt ein Trauerspiel deutscher Politik.

  2. Wie Helmut Kohl!

    Genauso wie der Pfälzer Lehrmeister beherrscht sie Partei und cdu-Wählerschaft.
    Und genauso wie die Bevölkerung 16 Jahre unter Kohl ausgehalten hat, wird sie ebenso lange Merkel aushalten.

    Da aber nicht die Politik bzw. die Regierung das Land regiert sondern die Lobbyisten, ist es schließlich doch egal, wer den Kanzler gibt.

  3. Gibt es tatsächlich eine Art Mafia hinter allen Entscheidungen?
    Lesen SIE:
    http://community.zeit.de/...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Schöner hochtrabender Text, aber wo ist die Realität darin abgebildet?

    Denn die Fakten schauen doch ganz anders aus. Die "Regierenden" und die EU verkaufen doch schamlos still und heimlich ihre Länder mitsamt den Völkern an sogenannte "Investoren" - überwiegend an die US-Zockerbanden. Siehe auch hier bei Wikipedia:

    Wikipedia: MAI - Multilaterales Investitionsabkommen

    Dessen Inhalte waren seinerzeit Bestandteil des EU-Verfassungsvertrages und sind auch im Lissabonvertrag nur unwesentlich abgeschwächt vorhanden. Darum durfte das Volk auch nicht darüber abstimmen. Interessant hierzu ist auch folgender Artikel:

    Das "MAI", ein Ermächtigungsgesetz für die Multis

    Das sind die Verschwörungen hinter den Kulissen. Daraus resultiert auch die "Systemrelevanz" der Banken und das (für einige unverständliche) Handeln der Bundesregierung un der anderer Länder nicht nur zur Finanzkrise, aber auch aktuell zu Griechenland.

    Wem gehört die Deutschland GmbH nun wirklich, die aus der Deutschland AG zusammengewürfelt wurde?

    Uns Deutschen mit Sicherheit schon lange nicht mehr (wenn uns nach 1945 jemals was wirklich gehört hat). Bis 2099 gilt jedenfalls noch US-Besatzungsrecht und nicht alle Artikel wurden mit den 2 2 Verträgen aufgehoben.

    Schöner hochtrabender Text, aber wo ist die Realität darin abgebildet?

    Denn die Fakten schauen doch ganz anders aus. Die "Regierenden" und die EU verkaufen doch schamlos still und heimlich ihre Länder mitsamt den Völkern an sogenannte "Investoren" - überwiegend an die US-Zockerbanden. Siehe auch hier bei Wikipedia:

    Wikipedia: MAI - Multilaterales Investitionsabkommen

    Dessen Inhalte waren seinerzeit Bestandteil des EU-Verfassungsvertrages und sind auch im Lissabonvertrag nur unwesentlich abgeschwächt vorhanden. Darum durfte das Volk auch nicht darüber abstimmen. Interessant hierzu ist auch folgender Artikel:

    Das "MAI", ein Ermächtigungsgesetz für die Multis

    Das sind die Verschwörungen hinter den Kulissen. Daraus resultiert auch die "Systemrelevanz" der Banken und das (für einige unverständliche) Handeln der Bundesregierung un der anderer Länder nicht nur zur Finanzkrise, aber auch aktuell zu Griechenland.

    Wem gehört die Deutschland GmbH nun wirklich, die aus der Deutschland AG zusammengewürfelt wurde?

    Uns Deutschen mit Sicherheit schon lange nicht mehr (wenn uns nach 1945 jemals was wirklich gehört hat). Bis 2099 gilt jedenfalls noch US-Besatzungsrecht und nicht alle Artikel wurden mit den 2 2 Verträgen aufgehoben.

    • BerndL
    • 09.04.2010 um 18:51 Uhr

    wer unter ihnen Kanzler ist.
    Bei allen, die sich hier über sie aufregen:
    Waren etwa Schröder oder Kohl besser?
    Haben denn alle vergessen, was wir denen "verdanken"?

  4. Der Autor unterschätzt Frau Merkel. Sie ist eine hoch intelligente,gebildete Frau, die in der DDR eine Kader- Eliteausbildung bekam. Zudem hat sie die Psychologie und Funktionsweise von Gruppen verstanden.
    Sie verfolgt eine stringente Agenda, in der es eben durchaus von Merkel erwünscht ist, wenn sich Koalitionspartner zerfleischen.
    Noch ist das System Merkel in der Phase des Aufbaus.

    Nur selten rutscht ihr raus, was sie wirklich will. Das ist dann, wenn sie im Bundestag im Nebensatz von der Einführung eines "Klima-Regimes" spricht, oder wenn auf Parteifeiern ein Satz wie "Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit." rausrutscht.

    Merkel ist ein Kind der DDR. Ihr Vater ist mit seiner Familie aus freien Stücken 1954 in die DDR übergesiedelt. Das war also nach den Massakern vom 11.06.1953. Man wusste 1954, woran man mit der DDR war.

    Dieser Vater hat Merkel sehr geprägt und ihr zahlreiche fähige Mentoren verschafft.
    Er hat ihr die Vorzüge des Sozialismus nahe gebracht, das zentralverwaltungswirtschaftliche Denken, die Überzeugung, dass eine staatliche (Elite-)Lenkung dem freiheitlichen Ansatz überlegen sei. Auch ihre Vorliebe für Überwachung, Vorratsdatenspeicherung, gläserne Bürger, Aushebelung von Bürger- und Freiheitsrechten hat sie dort gelernt.

    Merkel arbeitet an einem Staat, der mit freiheitlich demokratischer Grundordnung wenig gemein hat.

    Hoffentlich wacht dieses Land auf, bevor es zu spät ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bei aller verständlicher Abneigung gegenüber unserer Kanzlerin sollte man nicht auf die Methoden zumeist der Konservativen verfallen: Das ist, Zitate so zu entstellen, daß sie das Gegenteil des Gemeinten ausdrücken.

    "Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit."

    Dieser Satz steht im Kontext, daß die erwähnten Strukturen nicht von einer Globalen Instanz garantiert, sondern von den Bürgern jeden Tag erkämpft und verteidigt werden müssen.
    Und soviel Fairneß muß sein.

    Ups, es muss natürlich 17. Juni 1953 heißen ...

    @ SchwarzerRegen

    Der Zusammenhang war folgender:

    Merkel: "Politik ohne Angst, Politik mit Mut - das ist heute erneut gefragt. Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit. Unsere Werte müssen sich im Zeitalter von Globalisierung und Wissensgesellschaft behaupten. Und wenn sie sich behaupten sollen, dann müssen wir bereit sein, die Weichen richtig zu stellen. Auch da sind wieder Widerstände zu überwinden."

    Eindeutigkeit geht anders. So kann das auch die Sprache einer Sozialistin sein, die für die Weltrevolution ihrer Ideologie kämpft. Merkel hätte das klarstellen können, hat es aber trotz Aufforderung nie getan.

    Das schlimme ist: Die reale Politik von Frau Merkel (Vorratsdatenspeicherung, Elena, Kinderkrippenpflicht, Kirchenfeindlichkeit, etc. ) passt dazu. Es geht nicht mehr um die freie Entfaltung mündiger Bürger, sondern um überwachte Untertanen eines sich in alles einmischenden Kollektivs.

    Insbesondere bei der Klimahysterie müsste eine Physikerin erkennen, dass das Unfug ist. Trotzdem macht sie mit, um Bürgerrechte im Fahrwasser der Weltuntergangshysterie beschneiden zu können. Merkels Worte vom "Klima-Regime" in diesem Zusammenhang sind einfach nur erschreckend.

    Bei aller verständlicher Abneigung gegenüber unserer Kanzlerin sollte man nicht auf die Methoden zumeist der Konservativen verfallen: Das ist, Zitate so zu entstellen, daß sie das Gegenteil des Gemeinten ausdrücken.

    "Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit."

    Dieser Satz steht im Kontext, daß die erwähnten Strukturen nicht von einer Globalen Instanz garantiert, sondern von den Bürgern jeden Tag erkämpft und verteidigt werden müssen.
    Und soviel Fairneß muß sein.

    Ups, es muss natürlich 17. Juni 1953 heißen ...

    @ SchwarzerRegen

    Der Zusammenhang war folgender:

    Merkel: "Politik ohne Angst, Politik mit Mut - das ist heute erneut gefragt. Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit. Unsere Werte müssen sich im Zeitalter von Globalisierung und Wissensgesellschaft behaupten. Und wenn sie sich behaupten sollen, dann müssen wir bereit sein, die Weichen richtig zu stellen. Auch da sind wieder Widerstände zu überwinden."

    Eindeutigkeit geht anders. So kann das auch die Sprache einer Sozialistin sein, die für die Weltrevolution ihrer Ideologie kämpft. Merkel hätte das klarstellen können, hat es aber trotz Aufforderung nie getan.

    Das schlimme ist: Die reale Politik von Frau Merkel (Vorratsdatenspeicherung, Elena, Kinderkrippenpflicht, Kirchenfeindlichkeit, etc. ) passt dazu. Es geht nicht mehr um die freie Entfaltung mündiger Bürger, sondern um überwachte Untertanen eines sich in alles einmischenden Kollektivs.

    Insbesondere bei der Klimahysterie müsste eine Physikerin erkennen, dass das Unfug ist. Trotzdem macht sie mit, um Bürgerrechte im Fahrwasser der Weltuntergangshysterie beschneiden zu können. Merkels Worte vom "Klima-Regime" in diesem Zusammenhang sind einfach nur erschreckend.

  5. ganz richtig schrieben sie im artikel:
    "Innenpolitisch sind die Folgen von zu wenig geistiger Führung eminent." ebensogut könnte man einen braunbären ins kanzleramt setzen. aber so bleibt man zumindest relativ unbehelligt an der macht - und nur das zählt für frau merkel.

    • BerndL
    • 09.04.2010 um 20:40 Uhr

    nur gut , daß wenigstens sie wissen, was und wie Frau Merkel denkt.

    Sie erhielt eine "Kader-Elite Ausbildung".
    Es gab "Massaker" in der DDR.
    Sie will die Freiheitsrechte aushebeln.

    Julia, dann ist Frau Merkel ja gefährlich und passen sie schön auf, daß sie nicht eines Tages die Freiheit durch den Sozialismus ersetzt hat und es wieder "Kader-Eilte Ausbildungen " gibt.

  6. Die Demokratie in D hat sich schon längst weiterentwickelt. Auf Bundesebene, aber ganz sicher auf Landesebene, kaufen sich die Wichtigen, die Reichen und die Mächtigen ihre Regierungen zusammen (siehe Saarland). Da fließen Spendengelder, da wird über das Anzeigengeschäft die Presse gelenkt, da werden Wirtschaftszahlen und Statistiken zurechtgebogen, dass es passt (Wirtschaftsaufschwung passend zur NRW-Wahl). Man muss deshalb nicht annehmen, dass die Politik die fähigsten Köpfe vorsetzt, sondern diejenigen, die am besten in das Konzept der "Eliten" passt. Es waren nicht H. Kohls Fähigkeiten die ihn zum Dauervorsitzenden machten, sondern die Verpflechtungen mit den Reichen und Einflussreichen. Ergo: Sich an der Macht "halten" ist nicht positiv zu sehen, weil es heute ein an "der Macht gehalten werden" ist.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service