Teilchenbeschleuniger LHC Im Trommelfeuer der Urknälle
Seite 2/2:

Warum nennt man das Higgs-Boson auch »Gottesteilchen«?

Dieser Mechanismus greift auch, wenn ein Gerücht den Raum durchquert. Darum herum scharen sich ebenfalls Zuhörer und verleihen ihm so eine (wenn auch flüchtige) Masse. Auf ähnliche Weise soll das Higgs-Feld eine Art Pseudopartikel hervorbringen – das Higgs-Teilchen. Dessen Nachweis wäre der beste Beleg für die ganze Theorie.

Die Mehrzahl der Physiker geht davon aus, dass das Higgs-Teilchen existiert; für den dahinter liegenden Mechanismus gibt es so viele Hinweise, dass er fast als indirekt bewiesen gilt. Nur der Astrophysiker Stephen Hawking hat 100 Pfund darauf gewettet, dass das Higgs-Teilchen nie gefunden wird. Sollte er recht behalten, wäre die Frage, was den subatomaren Bausteinen unserer Welt ihre Masse verleiht, wieder völlig offen.

Aber warum nennt man das Higgs-Boson auch »Gottesteilchen«?

Preisfrage: Wie verkauft man eine komplizierte physikalische Theorie, für die sich niemand interessiert? Antwort: Indem man einen Bezug zur Metaphysik herstellt. Dass diese Methode zuverlässig funktioniert, hat nicht nur Stephen Hawking bewiesen, der in seiner Kurzen Geschichte der Zeit immer wieder auf »Gott« und dessen Plan zu sprechen kommt. Auch Leon Lederman ist ein gutes Beispiel.

Nachdem er 1988 den Nobelpreis für Physik erhalten hatte, tat er, was viele auf der Höhe ihres Ruhmes tun: Er schrieb ein Buch. Selbstverständlich eines über sein Forschungsgebiet, die Suche nach den Bausteinen der Materie. Darin bezeichnete er das verzweifelt gesuchte Higgs-Boson als »goddamn particle« (gottverdammtes Teilchen). Als am Ende noch ein griffiger Buchtitel fehlte, kam der Verleger auf die Idee: Wenn aus goddamn particle das »Gottesteilchen« würde, wäre nüchterne Physik auch für Gläubige interessant.

Und so geschah es: Ledermans Buch erschien 1993 unter dem Titel The God Particle – und seither hat das Higgs-Teilchen seine höheren Weihen weg. Dessen eigentlicher Namensgeber Peter Higgs ist darüber übrigens keineswegs erfreut: Schließlich glaube er selbst nicht an Gott, und auch das nach ihm benannte Partikel habe damit nichts zu tun.

Werden am Large Hadron Collider Schwarze Löcher erzeugt?

»Hoffentlich!«, würden viele Physiker antworten. Denn Schwarze Löcher unter Genf gäben Auskunft über die Struktur von Raum und Zeit. Im Jahr 2001 war der Bau des LHC am Anfang, der Betriebsbeginn in weiter Ferne, die Physiker hatten Muße für Gedankenspiele. Einige rechneten im Internet vor, dass in der Maschine tatsächlich Schwarze Löcher entstehen könnten – womöglich im Sekundentakt.

Denn bei den Teilchencrashs wird Materie auf engstem Raum zusammengepresst, was laut Relativitätstheorie das Raum-Zeit-Gefüge verzerrt. Wenn dieses Gefüge eine bestimmte, theoretisch vorhergesagte Struktur hat, können beschleunigte Teilchen gleichsam winzige Löcher hineinreißen – eben Schwarze Löcher. Klingt komisch? Physikern war diese Idee nicht neu, sie wurde schon diskutiert, als der Schwerionenbeschleuniger RHIC im Jahr 2000 in Brookhaven auf Long Island anlief.

Weil aber Schwarze Löcher den Ruf gefährlicher Allesfresser haben, kamen Befürchtungen auf: Ein künstliches Schwarzes Loch könne außer Kontrolle geraten und zuerst Brookhaven (beziehungsweise Genf) verschlucken, danach die ganze Erde. Beiderseits des Atlantiks zogen Untergangspropheten gegen RHIC und LHC vor Gericht, in Deutschland sogar bis vors Bundesverfassungsgericht – stets vergeblich. Tatsächlich würden sich künstliche Schwarze Löcher ganz anders verhalten als ihre kosmischen Verwandten. Sie wären mikroskopisch klein, deshalb würden sie binnen Sekundenbruchteilen zerstrahlen.

Das sagt die Theorie, aber auch alle Beobachtungen sprechen dafür: Im All und in der Atmosphäre passieren in jeder Sekunde unzählige ähnliche Teilchenkollisionen wie im LHC. Würden daraus stabile Schwarze Löcher entstehen, wäre das All voll von ihnen. Natürlich kann niemand beweisen, dass aus dem LHC kein gefräßiges Schwarzes Loch erwächst. Aber deshalb die Maschine stoppen? Dann dürfte man auch nicht mehr vor die eigene Haustür treten, weil man von einem Meteoriten getroffen werden könnte. Die Menschheit geht weitaus größere Risiken ein als mit dem LHC.

Hat die Physik ihr Ende erreicht, wenn das Higgs-Boson auftaucht?

Das Ende der Physik wurde schon oft ausgerufen. Aber bis jetzt gab es dann doch immer noch genug Widersprüche zwischen Theorie und Experiment. Zum Beispiel kann auch das Standardmodell der Teilchenphysik nicht erklären, wie Gravitation entsteht. Oder die Dunkle Materie – jene unbekannten Teilchen, aus denen mehr als 80 Prozent der Materie im Universum bestehen.

Manche Theoretiker sagen gar voraus, dass für jedes Elementarteilchen des Standardmodells ein Zwillingsteilchen existiert. Würde man eines davon am LHC finden, wäre das eine Sensation. Die Wissenschaftler hätten neue Daten für die erhoffte »Weltformel«: Eine solche »Theorie für Alles« solle Relativitätstheorie und Quantenphysik (zu der auch das Standardmodell gehört) vereinigen, träumte schon Albert Einstein. Die Experimentatoren hätten dann ein Argument, einen noch größeren Beschleuniger zu bauen, um nach den anderen Zwillingsteilchen zu suchen.

Im schlimmsten Fall finden die Physiker am Cern nur das Higgs-Boson. Dann hätten sie die Vorhersagen des Standardmodells zwar bestätigt, aber keine Anzeichen für eine neue Physik entdeckt. Ihrer Wissenschaft würde das kein Ende setzen, wohl aber der Ära der Beschleuniger. Von den goldenen Zeiten der Teilchenphysik bliebe dann nur ein Ringtunnel im Juragestein.

 
Leser-Kommentare
    • Lutz1
    • 09.04.2010 um 13:06 Uhr

    Das große Märchen vom Urknall.
    Wenn genug honorige Wissenschaftler eine Theorie vertreten wird sie zum Paradigma und wir verneigen uns mehrheitlich und heldenfürchtig vor diesen selbsternannten Genies.
    Es war schon immer in der Geschichte der menschlichen Rasse so,das die Masse der Menschen der Gruppendynamik und Suggestion mit ihrer magnetischen Energie wie Schäfchen hinterherläuft.
    Der Prophet galt im eigenen Land noch nie etwas.
    Diese Theorie ist wirklich nur eine Theorie.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • PGMN
    • 09.04.2010 um 17:04 Uhr

    Eine Theorie in wissenschaftlicher Ausdrucksweise kommt dem Faktum in der Umgangssprache schon sehr nahe. Insofern ist die "Urknall-Theorie" der Wissenschaft die Erklärung des wissenschaftlichen "Faktums", dass sich alle Materie auf genügend großer Skala von uns weg bewegt. Gleichzeitig erklärt die Theorie die Fakten der kosmischen Hintergrundstrahlung, der Dichte leichter Elemente und deren Isotopen sowie das Alter beobachteter Sterne.
    Sofern Sie für all diese Beobachtungen keine bessere Erklärung haben, ist die Urknalltheorie die Beste momentan zur Verfügung stehende, und die sie unterstützenden Beobachtungen heben diese wissenschaftliche Theorie auf dasselbe Niveau, welches gesellschaftlich als Faktum bezeichnet wird.

    "Das große Märchen vom Urknall.
    Wenn genug honorige Wissenschaftler eine Theorie vertreten wird sie zum Paradigma und wir verneigen uns mehrheitlich und heldenfürchtig vor diesen selbsternannten Genies."

    Bitte lesen Sie erst einmal ein paar Details über die Urknall-Theorie nach, bevor Sie über sie urteilen. Haben Sie eine bessere Erklärung für die Rotverschiebung - die Beobachtung, daß sich der Großteil des Universums mit zunehmender Entfernung sich immer schneller von uns wegbewegt?

    Die Wissenschaft ist keine Religion - man kann ihre Hypothesen und Theorien selber nachvollziehen, da sie logisch aufeinander aufbauen. Und wenn man tatsächlich einen Fehler entdeckt, dann ist die Wissenschaft auch gerne bereit, ihre Thesen zu revidieren. Das ist aber bei der Urknall-Theorie in den Jahrzehnten seit dem sie aufgestellt wurde noch keinem gelungen. Also, warum spotten Sie darüber?

    • PGMN
    • 09.04.2010 um 17:04 Uhr

    Eine Theorie in wissenschaftlicher Ausdrucksweise kommt dem Faktum in der Umgangssprache schon sehr nahe. Insofern ist die "Urknall-Theorie" der Wissenschaft die Erklärung des wissenschaftlichen "Faktums", dass sich alle Materie auf genügend großer Skala von uns weg bewegt. Gleichzeitig erklärt die Theorie die Fakten der kosmischen Hintergrundstrahlung, der Dichte leichter Elemente und deren Isotopen sowie das Alter beobachteter Sterne.
    Sofern Sie für all diese Beobachtungen keine bessere Erklärung haben, ist die Urknalltheorie die Beste momentan zur Verfügung stehende, und die sie unterstützenden Beobachtungen heben diese wissenschaftliche Theorie auf dasselbe Niveau, welches gesellschaftlich als Faktum bezeichnet wird.

    "Das große Märchen vom Urknall.
    Wenn genug honorige Wissenschaftler eine Theorie vertreten wird sie zum Paradigma und wir verneigen uns mehrheitlich und heldenfürchtig vor diesen selbsternannten Genies."

    Bitte lesen Sie erst einmal ein paar Details über die Urknall-Theorie nach, bevor Sie über sie urteilen. Haben Sie eine bessere Erklärung für die Rotverschiebung - die Beobachtung, daß sich der Großteil des Universums mit zunehmender Entfernung sich immer schneller von uns wegbewegt?

    Die Wissenschaft ist keine Religion - man kann ihre Hypothesen und Theorien selber nachvollziehen, da sie logisch aufeinander aufbauen. Und wenn man tatsächlich einen Fehler entdeckt, dann ist die Wissenschaft auch gerne bereit, ihre Thesen zu revidieren. Das ist aber bei der Urknall-Theorie in den Jahrzehnten seit dem sie aufgestellt wurde noch keinem gelungen. Also, warum spotten Sie darüber?

  1. Außer der Physik selber ist noch eine Frage interessant: Ich bin nicht im Bilde darüber, wie viele Menschen weltweit die Theorie so weit durchschauen, dass sie mitreden können - vielleicht sind es nur ein paar hundert.
    Wie schaffen es also diese paar hundert Physiker, bei der Staatengemeinschaft für so ein Projekt -zig Milliarden locker zu machen, wenn sie nichtmal den praktischen Nutzen voraussagen können?
    Bei politischen Entscheidungen dieser Größenordnung muss sonst jeder Minister haarklein Kosten und Nutzen gegeneinander aufrechnen und der Öffentlichkeit zugänglich machen.
    Was ist an der Physik anders?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Parvis
    • 09.04.2010 um 16:20 Uhr

    die erste Voltasche Säule entwickelte, konnte er den praktischen Nutzen auch nicht vorhersagen. Wie auch?

    Es gibt keinen praktischen Nutzen und trotzdem ist es toll!

    Und wenn es die ersten Nobelpreise gibt, dann sind wir doch alle stolz, oder?

    Zum Urknall:

    Dass am Cern über Sinn oder Unsinn der Urknalltheorie geforscht wird, halte ich für mediale Übertreibung.
    All den Medien (und das sind fast alle), die mangels Kenntnisse nichts über Higgs-Boson, Stringtheorien, supersymmetrische Teilchen etc. schreiben können, schreiben eben über den Urknall und schwarze Löcher. Schön, die Leser "verstehen" es, doch mit der Forschung selbst hat es nicht mehr viel zu tun.

    • Chaled
    • 10.04.2010 um 11:26 Uhr

    An der Physik ist anders, dass sie bei dauerhafter Forschung immer wieder neue Gebiete erschließt die zum Nutzen des Menschen (oder zumindest einer Gruppe) genutzt werden.
    Unser komplettes komfortables modernes Leben beruht auf der Physik. Ein Beispiel ist der Transistoreffekt. Ohne ihn kein IC, keine PC und überhaupt keine Elektronik wie Sie sie kennen (oder könnten wir einen PC vielleicht mit Braunischen Röhren bauen?)

    Nun zu den Kosten. Sie belaufen sich auf ca. 3 Milliarden EURO (alle Kosten incl. Nachbesserungen) und werden von Ländern aus der EU gestellt. Diese 3 Milliarden EURO sind im Vergleich (noch dazu geteilt durch viele Länder) wenig zu z.B. den 70 Milliarden EURO die allein Deutschland in seine Banken im Jahr 2009 investiert hat um irgendetwas undursichtiges zu retten. Ach übrigends: Die 70 Milliarden wurden ohne Kosten/Nutzenrechnung und ohne die Liste der Empfänger der Öffentlichkeit zugänglich zu machen ausgegeben.

    • Parvis
    • 09.04.2010 um 16:20 Uhr

    die erste Voltasche Säule entwickelte, konnte er den praktischen Nutzen auch nicht vorhersagen. Wie auch?

    Es gibt keinen praktischen Nutzen und trotzdem ist es toll!

    Und wenn es die ersten Nobelpreise gibt, dann sind wir doch alle stolz, oder?

    Zum Urknall:

    Dass am Cern über Sinn oder Unsinn der Urknalltheorie geforscht wird, halte ich für mediale Übertreibung.
    All den Medien (und das sind fast alle), die mangels Kenntnisse nichts über Higgs-Boson, Stringtheorien, supersymmetrische Teilchen etc. schreiben können, schreiben eben über den Urknall und schwarze Löcher. Schön, die Leser "verstehen" es, doch mit der Forschung selbst hat es nicht mehr viel zu tun.

    • Chaled
    • 10.04.2010 um 11:26 Uhr

    An der Physik ist anders, dass sie bei dauerhafter Forschung immer wieder neue Gebiete erschließt die zum Nutzen des Menschen (oder zumindest einer Gruppe) genutzt werden.
    Unser komplettes komfortables modernes Leben beruht auf der Physik. Ein Beispiel ist der Transistoreffekt. Ohne ihn kein IC, keine PC und überhaupt keine Elektronik wie Sie sie kennen (oder könnten wir einen PC vielleicht mit Braunischen Röhren bauen?)

    Nun zu den Kosten. Sie belaufen sich auf ca. 3 Milliarden EURO (alle Kosten incl. Nachbesserungen) und werden von Ländern aus der EU gestellt. Diese 3 Milliarden EURO sind im Vergleich (noch dazu geteilt durch viele Länder) wenig zu z.B. den 70 Milliarden EURO die allein Deutschland in seine Banken im Jahr 2009 investiert hat um irgendetwas undursichtiges zu retten. Ach übrigends: Die 70 Milliarden wurden ohne Kosten/Nutzenrechnung und ohne die Liste der Empfänger der Öffentlichkeit zugänglich zu machen ausgegeben.

  2. Es liegt nicht an der Physik sondern an der Grundlagenforschung im allgemeinen.
    Politiker bauen mist/ müssen den Mist ihrer Vorgänger ausbaden
    => entweder sie lösen die Probleme , oder sie investieren öffentlichkeitswirksam in die Forschung und verkaufen die missstände als unvermeidlich
    => alle lieben sie
    Deshalb machen es die Politiker.
    Das heißt aber nicht ,dass Grundlagenforschung überflüssig ist im Gegenteil sie ist wichtig. Die Wichtigkeit wird wiebei allen großen Erkenntnissen meist nur in der Rückschau erkannt.

    • Parvis
    • 09.04.2010 um 16:20 Uhr

    die erste Voltasche Säule entwickelte, konnte er den praktischen Nutzen auch nicht vorhersagen. Wie auch?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hallo Parvis,
    ich hatte meine Frage eigentlich anders gemeint. Ich wollte wissen, wie die Physiker es schaffen, Milliarden locker zu machen für ein Projekt, das sie den Entscheidungsträgern nur oberflächlich erklären können.
    Und die Voltasche Säule war billiger als der LHC.

    Hallo Parvis,
    ich hatte meine Frage eigentlich anders gemeint. Ich wollte wissen, wie die Physiker es schaffen, Milliarden locker zu machen für ein Projekt, das sie den Entscheidungsträgern nur oberflächlich erklären können.
    Und die Voltasche Säule war billiger als der LHC.

    • PGMN
    • 09.04.2010 um 17:04 Uhr

    Eine Theorie in wissenschaftlicher Ausdrucksweise kommt dem Faktum in der Umgangssprache schon sehr nahe. Insofern ist die "Urknall-Theorie" der Wissenschaft die Erklärung des wissenschaftlichen "Faktums", dass sich alle Materie auf genügend großer Skala von uns weg bewegt. Gleichzeitig erklärt die Theorie die Fakten der kosmischen Hintergrundstrahlung, der Dichte leichter Elemente und deren Isotopen sowie das Alter beobachteter Sterne.
    Sofern Sie für all diese Beobachtungen keine bessere Erklärung haben, ist die Urknalltheorie die Beste momentan zur Verfügung stehende, und die sie unterstützenden Beobachtungen heben diese wissenschaftliche Theorie auf dasselbe Niveau, welches gesellschaftlich als Faktum bezeichnet wird.

  3. Wenn jemand eine bessere Theorie (die die sehr vielen Beobachtungen erklärt) als die des Urknalls entwickelt, dann wird diese als allgemeingültig anerkannt. Ich gehe mal davon aus, dass die diese Theorie entwickelt haben. Dann können Sie sie gerne veröffentlichen und wir können sie alle nachrechnen, mathematisch überprüfen...
    Es ist mir unbegreiflich warum so viele Menschen das Zustandekommen der Theorien und Modelle in den Naturwissenschaften als dogmatischen Prozess oder ähnliches (Stichwort: Verschwörung) sehen.
    Nur weil man etwas nicht versteht heißt es nicht, dass es nicht so ist, oder das es andere verstanden haben könnten. Jeder ist ein Experte auf seinem Gebiet, aber auf anderen Gebieten vertraue ich den Experten auf den anderen Gebieten. Schließlich kann ich mich ja z.B. nicht selber behandeln wenn ich krank bin, denn ich bin kein Arzt. Auch wenn ich dazu in der Lage wäre mir Medikamente im Labor zu synthetisieren. Mit der Physik ist es ähnlich. Irgendwann kapituliere ich vor der notwendigen Mathematik, daher muss ich einen Physiker zu rate ziehen. Allerdings kann sich ja auch jeder hinsetzen, ein Physikstudium absolvieren und dann die Urknalltheorie überprüfen. Also tun sie nicht so, als wäre sie vorgegeben. Sie können sie ja selber überprüfen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das liegt an unserem ach so tollen Bildungssystem: man muss
    i) lesen, schreiben und rechnen koennen (essentiell)
    ii) Goethe kennen und Schiller (was okay ist)
    iii) Englisch sprechen (auch okay)
    iv) eine zweite Fremdsprache kennen (mglst. noch eine dritte, ach was je mehr desto besser)
    v) die Bibel kennen
    vi) die wichtigsten Sparten in den Wissenschaften kennen
    vii) und in den Kuensten nicht ganz unbewandert sein
    Dabei sind iv) und v) vollkommen ueberfluessig, und der arme Schueler weiss immer noch nicht was denn der Unterschied zwischen v) und vi) ist.

    Ich fordere immer noch das Pflichtfach Erkenntnistheorie, das schliesst ja sogar die Religion mit ein.

    Hallo keyescart,
    Ich denke, die Leute sehen Dogmatik in der Naturwissenschaft, weil sie sie nicht wirklich verstehen. Ein katholischer Priester redet mit Autorität, und die hat er aus einer Tradition, die zur Bewahrung einer einheitlichen Lehre Dogmen formulierte. Dieselbe Tradition spricht aber den Priestern auch eine besondere Befähigung zu, mit Gott in Verbindung zu treten. Eben daraus schöpfen sie ihre Autorität.
    .
    Nicht jeder kann Priester werden - dazu braucht man besondere Opferbereitschaft, besondere Bildung - und man muss ein Mann sein. Es kann auch nicht jeder Physiker werden. Dazu braucht man einen klaren Kopf und unbegrenzte Frustrationstoleranz. Schließlich ist man noch lange nicht fertig, wenn man ein Physikstudium absolviert hat.
    .
    Die allermeisten Menschen haben nicht den Hauch einer Chance auf eine Beteiligung am Diskurs der Physiker bzw. der Priester. Dabei stellen beide Gruppen Thesen auf, die die Alltagswelt auf den Kopf stellen. Kein Wunder also, dass das Treiben von Physikern mit dem der Priester in den Köpfen der Leute verschwimmt.

    Das liegt an unserem ach so tollen Bildungssystem: man muss
    i) lesen, schreiben und rechnen koennen (essentiell)
    ii) Goethe kennen und Schiller (was okay ist)
    iii) Englisch sprechen (auch okay)
    iv) eine zweite Fremdsprache kennen (mglst. noch eine dritte, ach was je mehr desto besser)
    v) die Bibel kennen
    vi) die wichtigsten Sparten in den Wissenschaften kennen
    vii) und in den Kuensten nicht ganz unbewandert sein
    Dabei sind iv) und v) vollkommen ueberfluessig, und der arme Schueler weiss immer noch nicht was denn der Unterschied zwischen v) und vi) ist.

    Ich fordere immer noch das Pflichtfach Erkenntnistheorie, das schliesst ja sogar die Religion mit ein.

    Hallo keyescart,
    Ich denke, die Leute sehen Dogmatik in der Naturwissenschaft, weil sie sie nicht wirklich verstehen. Ein katholischer Priester redet mit Autorität, und die hat er aus einer Tradition, die zur Bewahrung einer einheitlichen Lehre Dogmen formulierte. Dieselbe Tradition spricht aber den Priestern auch eine besondere Befähigung zu, mit Gott in Verbindung zu treten. Eben daraus schöpfen sie ihre Autorität.
    .
    Nicht jeder kann Priester werden - dazu braucht man besondere Opferbereitschaft, besondere Bildung - und man muss ein Mann sein. Es kann auch nicht jeder Physiker werden. Dazu braucht man einen klaren Kopf und unbegrenzte Frustrationstoleranz. Schließlich ist man noch lange nicht fertig, wenn man ein Physikstudium absolviert hat.
    .
    Die allermeisten Menschen haben nicht den Hauch einer Chance auf eine Beteiligung am Diskurs der Physiker bzw. der Priester. Dabei stellen beide Gruppen Thesen auf, die die Alltagswelt auf den Kopf stellen. Kein Wunder also, dass das Treiben von Physikern mit dem der Priester in den Köpfen der Leute verschwimmt.

  4. Das liegt an unserem ach so tollen Bildungssystem: man muss
    i) lesen, schreiben und rechnen koennen (essentiell)
    ii) Goethe kennen und Schiller (was okay ist)
    iii) Englisch sprechen (auch okay)
    iv) eine zweite Fremdsprache kennen (mglst. noch eine dritte, ach was je mehr desto besser)
    v) die Bibel kennen
    vi) die wichtigsten Sparten in den Wissenschaften kennen
    vii) und in den Kuensten nicht ganz unbewandert sein
    Dabei sind iv) und v) vollkommen ueberfluessig, und der arme Schueler weiss immer noch nicht was denn der Unterschied zwischen v) und vi) ist.

    Ich fordere immer noch das Pflichtfach Erkenntnistheorie, das schliesst ja sogar die Religion mit ein.

    Antwort auf "Bessere Idee?"
  5. ...ist ja ein sehr geläufiges Wort. Es wird sogar bei Wikipedia erläutert.

    Was unter diesem : -Georges Edouard Lemaître- zu lesen ist, sollte auch mal bedacht sein. Ebenso das Hubble selbst nicht wusste, daß er ein Indiz für diese Hypothese lieferte da die Hypothese vor der Entdeckung der Rotverschiebung des Lichtes ferner Galaxien durch Hubble von Lemaître »erdacht« wurde.

    Und weil diese Hypothese eine Kopfgeburt ohne Bezug zur Realität von Beobachtungen ist, und obendrein der Versuch klassische Vorstellungen mit der Relativitätstheorie in "Einklang" zu bringen, was der Quadratur des Kreises entspricht, ist da auch des öfteren von »Folklore« die Rede.

    Heute vor 75 Jahren, hatte noch kein Mensch von so einer Annahme etwas gewusst. Ihre "Erfinder" ist auch kaum notiert. Was die Vehemenz der Vertretung seiner Hypothese gar nicht erahnen lassen würde. Wenn man sich ansieht, wer diese Theorie akzeptierte, wird verständlicher um was es da geht.
    "Auf einer Tagung im November 1951 akzeptierte die Päpstliche Akademie der Wissenschaften Lemaîtres Theorie. Papst Pius XII. führte in einem abschließenden Vortrag aus, der mit dem Urknall zeitlich festlegbare Anfang der Welt sei einem göttlichen Schöpfungsakt entsprungen.
    "
    http://de.wikipedia.org/wiki/Georges_Lemaître

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hallo Parasympatikus,
    Sie zitieren: "Papst Pius XII. führte in einem abschließenden Vortrag aus, der mit dem Urknall zeitlich festlegbare Anfang der Welt sei einem göttlichen Schöpfungsakt entsprungen"
    .
    da ist eine ungeheure Dynamik in der geistlichen Welt zu spüren: Gottes Wirken wird um 10 Milliarden Jahre zurück verlegt! Kein Wunder, dass einige Leute glauben, eines Tages werde Er wohl ganz ausgedient haben!
    .
    Das ist natürlich der Wunsch des Ochsen, zu fliegen. Fest steht aber, dass der Glaube immer mehr der Interpretation unterworfen ist.

    Hallo Parasympatikus,
    Sie zitieren: "Papst Pius XII. führte in einem abschließenden Vortrag aus, der mit dem Urknall zeitlich festlegbare Anfang der Welt sei einem göttlichen Schöpfungsakt entsprungen"
    .
    da ist eine ungeheure Dynamik in der geistlichen Welt zu spüren: Gottes Wirken wird um 10 Milliarden Jahre zurück verlegt! Kein Wunder, dass einige Leute glauben, eines Tages werde Er wohl ganz ausgedient haben!
    .
    Das ist natürlich der Wunsch des Ochsen, zu fliegen. Fest steht aber, dass der Glaube immer mehr der Interpretation unterworfen ist.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service