Pharmakonzerne Lizenzen für Babys?
Patente auf Leben sind verboten. Trotzdem kämpfen Pharmakonzerne härter denn je um Exklusivrechte an Samen- und Eizellen. Allen voran eine alte deutsche Firma: Merck
Als Johann Wolfgang Goethe an seinem Faust schrieb, war der Frankfurter Dichter oft bei den Mercks im nahen Darmstadt zu Gast. Mit einem Spross des Apothekerclans verband den jungen Dichter eine enge Freundschaft: Johann Heinrich Merck, selbst literarisch interessiert und zudem ein äußerst kritischer Geist, soll Goethe zur Figur des Mephisto inspiriert haben. Und vermutlich waren es auch die Merckschen Mörser und Phiolen, die ihm als Vorlage für die Laborszenen des Gelehrtendramas dienten.
Bei Merck ist man stolz auf die Firmengeschichte, die bis 1668 zurückgeht. Der mattgrüne Apothekerschrank aus der Goethe-Zeit steht im Werksmuseum auf einem Ehrenplatz, auch die Festschrift mit dem Verweis auf die Dichterfreundschaft stapelt sich dort neben dem Eingang. Fragen zu Mephisto & Co beantwortet Merck zurzeit allerdings zögerlich. Der Grund: Die älteste Pharmafirma der Welt steckt selbst mitten in einem ganz modernen Wissenschaftsthriller. Er spielt in gediegenen Schweizer Pharmalaboren sowie auf entlegenen Inseln der Karibik. Es geht um Profit, Patente und die Software des menschlichen Seins.
Je besser die Forscher die medizinischen Zusammenhänge verstehen, desto größer wird die Begier, dieses Wissen auch zu Geld zu machen. Das Patentrecht hilft dabei. Doch was bedeutet das für Patienten? Müssen sie fürchten, dass ein paar mächtige Pharmakonzerne der Konkurrenz verbieten, neue Pillen gegen Krebs und andere Plagen der Menschheit zu erfinden? Werden Eltern für künstlich gezeugte Kinder künftig lebenslang Lizenzgebühren zahlen müssen?
Der Weg dahin ist bereits beschritten. Und Merck ist vorne mit dabei.
So Faust-gleich sich die Forscher in Darmstadt auch bemühten in der Medizin, Chemie und Biologie – über ein Jahrzehnt lang haben sie keine eigenen Pillen erfunden. Bei Merck regierte das Mittelmaß. Entsprechend enthusiastisch wurde 2006 der Kauf der Genfer Firma Serono gefeiert. »Eine Hochzeit im Himmel«, schwärmte Pharmachef Elmar Schnee. Inzwischen jedoch droht aus der Verbindung Höllenärger zu erwachsen: Als Marktführer in der Fruchtbarkeitstherapie hielten sich die Schweizer offenbar für so omnipotent, dass sie zusammen mit ihren Wirkstoffen auch menschliche Eizellen, Spermien und sogar Embryos patentiert haben wollten.
Für Theologen ist das Blasphemie, Bioethiker fürchten die Monopolisierung menschlichen Lebens – weshalb der Gesetzgeber strenge Verbote aufstellte. Die europäische Biopatent-Richtlinie von 1998 schließt geistiges Eigentum am menschlichen Körper in allen Entwicklungsphasen – inklusive der Keimzellen – ausdrücklich aus. Was Unternehmen aber nicht hindert, solche Patente einzureichen.
Pharmakritiker Christoph Then warnt davor, dass ein kürzlich erteiltes Patent auf ein neues Medikament von Merck Serono dem Unternehmen mittelbar Rechte auf die behandelten Eizellen einräumt. »Kein Unternehmen soll aus einer Fruchtbarkeitstherapie Verwertungsansprüche auf menschliches Leben ableiten können«, kritisiert der Mediziner. Wochenlang hat er zusammen mit einer Kollegin die Akten des Europäischen Patentamts studiert. In dieser Woche will Then Einspruch einlegen.
Es wäre nicht das erste Mal, dass er die Genfer Forscher ärgert. Bevor Then jüngst das Institut Testbiotech (Verbandszweck: »Technikfolgenabschätzung«) gründete, arbeitete der Bayer fast zehn Jahre lang als Gentechnikexperte bei Greenpeace in Hamburg. Auch damals hatte er schon mit Serono zu tun – allerdings ohne es zu wissen.
- Datum 09.04.2010 - 13:51 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.04.2010 Nr. 15
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Hochbezahlte, studierte Menschen prügeln sich quasi um das Leben, insoweit man damit Geld scheffeln kann. So als wenn es nichts anständiges gäbe, mit dem man seinen Lebensunterhalt und noch einiges darüber hinaus verdienen könnte. Für mich sind diese Vertreter der Menschheit Abschaum.
Alle Patente, die die DNA von Menschen, Tieren und Pflanzen betreffen, gehören aufgehoben.
Allen Patienten ist anzuraten, soweit wie möglich auf Arzneimittel zu verzichten, am besten ganz. Ein gesundes Leben ist auch ohne Zusatz- und Hilfsstoffe möglich.
Besser wäre noch die Krankenkassen zu meiden und so den Sumpf der sich "Gesundheitsbranche" nennt auszutrocknen und zu dem zu machen was er wirklich ist. Krank und überflüssig.
"Besser wäre noch die Krankenkassen zu meiden und so den Sumpf der sich "Gesundheitsbranche" nennt auszutrocknen und zu dem zu machen was er wirklich ist. Krank und überflüssig."
Per se ist die Idee der Krankenkasse eine hochsoziale. Beschissen ist nur, was daraus im Laufe der Zeit gemacht wurde (Paradebeispiele gibt es zur Genüge, es sei der Film "Sicko" von Michael Moore empfohlen). Hier gehören unumgängliche Gesetzte geschaffen bzw. kontrolliert, um zB kranken Menschen die Aufnahme in eine Versicherung zu garantieren. Edelkassen für die Ewiggesunden mit dem hohen Lebensstandard darf es laut dem Gleichheitsprinzip nicht geben.
"Besser wäre noch die Krankenkassen zu meiden und so den Sumpf der sich "Gesundheitsbranche" nennt auszutrocknen und zu dem zu machen was er wirklich ist. Krank und überflüssig."
Per se ist die Idee der Krankenkasse eine hochsoziale. Beschissen ist nur, was daraus im Laufe der Zeit gemacht wurde (Paradebeispiele gibt es zur Genüge, es sei der Film "Sicko" von Michael Moore empfohlen). Hier gehören unumgängliche Gesetzte geschaffen bzw. kontrolliert, um zB kranken Menschen die Aufnahme in eine Versicherung zu garantieren. Edelkassen für die Ewiggesunden mit dem hohen Lebensstandard darf es laut dem Gleichheitsprinzip nicht geben.
"Besser wäre noch die Krankenkassen zu meiden und so den Sumpf der sich "Gesundheitsbranche" nennt auszutrocknen und zu dem zu machen was er wirklich ist. Krank und überflüssig."
Per se ist die Idee der Krankenkasse eine hochsoziale. Beschissen ist nur, was daraus im Laufe der Zeit gemacht wurde (Paradebeispiele gibt es zur Genüge, es sei der Film "Sicko" von Michael Moore empfohlen). Hier gehören unumgängliche Gesetzte geschaffen bzw. kontrolliert, um zB kranken Menschen die Aufnahme in eine Versicherung zu garantieren. Edelkassen für die Ewiggesunden mit dem hohen Lebensstandard darf es laut dem Gleichheitsprinzip nicht geben.
Moin,
das Problem mit vielen Patenten rührt u.a. aus der weniger bekannten Tatsache, dass das europäische Patentamt (EPO) sich aus Patentgebühren finanziert. Diese geniale Privatisierung der staatlichen Aufgabe der Gewährleistung der Rechtssicherheit führt dazu, dass die EPO bevorzugt daran interessiert ist Patente zu erteilen. Aber weniger daran die Auswirkungen auf das Allgemeinwohl zu berücksichtigen. Dann kommt es zu Auswüchsen wie im Artikel beschrieben.
CU
P.S.: weitere Stichworte sind Trivialpatent, Patent-Troll und U-Boot-Patent (-> Wiki)
als die Parmaindustrie samt "Forschende Pharmaunternehmen". Sie erklären sich selbst zu Rettern aller kranken und nutzen ihre Stellung um sich auf usnere Kosten zu bereichern. Sie sparen nicht an Tierversuchen um möglichst viele unsinnige aber teure meidkamente auf den Markt zu bringen. Sie interessieren sich nicht für Menschen, sie sind eien industrie und kein Gemeinnütziger Ferein, wie ihre Werbung suggeriert.
Wenn ich den Artikel so lese, wird mir ganz mulmig.
Wenn es um Patente und persönlichkeitsrechte geht, brauchen wir dringend Piraten im Budnestag.
Bei diesem Thema, darf der ethische Gesichtspunkt nicht utnergraben werden. Hier geht es um ethische Fragen, die unser slebstverständnis und usnere Zukunft evident betreffen.
"Allen Patienten ist anzuraten, soweit wie möglich auf Arzneimittel zu verzichten, am besten ganz. Ein gesundes Leben ist auch ohne Zusatz- und Hilfsstoffe möglich."
Genau das! Das müssen die Deutschen endlich lernen, die für jeden Murks tabletten schlucken! lasst die dinger liegen.
Patente werden offensichtlich an allen Ecken und Enden missbraucht. Längst schützen sie nicht mehr den kleinen Mann, sondern zementieren die Übermacht großer Unternehmen. Denn nur diese können sich die Anwalts-Heerscharen leisten, um entsprechende Ansprüche auch durchzusetzen - für einen mittelständischen Betrieb ist es dagegen ein viel zu großes Risiko, gegen einen Riesenkonzern vorzugehen.
Die einfache Lösung: Patente KOMPLETT abschaffen. JETZT!
...konservativ und schütte nur ungerne Kinder mit dem Bade aus.
...konservativ und schütte nur ungerne Kinder mit dem Bade aus.
Ein Argument fehlt da noch: wenns wir nicht machen, machen es die anderen.
Irgendwie hat die Pharmaindustrie (der Freudsche Fehler "Parmaindustrie" oben ist fast schon eine intelligente Umschreibung dieser Käsebranche) dringend eine moralische Wende nötig. Man wird den Eindruck nicht los, dass es den dort tätigen Menschen ziemlich heftig das Maß verrissen hat.
Aber so lange wir alle von den Profiten der Käsekocher profitieren … wer soll, wer will sich wehren? Wer unterstützt jene Leute, die diese Patentkrimis bekannt machen? Alle zwei Jahre die Zeit. Danke dafür, aber reichen tut das mit Sicherheit nicht.
"Wer unterstützt jene Leute, die diese Patentkrimis bekannt machen? Alle zwei Jahre die Zeit. Danke dafür, aber reichen tut das mit Sicherheit nicht."
Stimmt - Medienenthüllungen müssen auch für mehr Missmut auf dem Stimmzettel sorgen. Ansonsten: entsprechende Petitionen unterstützen, auf diesbezüglichen Demos mitlaufen, Kaufverhalten ändern (bzw. einfach zu einem gesünderen Lebensstil wechseln). Soetwas kann jeder und sollte im großen Stil, sofern in diesem Staate der Souverän wirklich das Volk sein sollte, auch helfen.
Es ist Schinken, der aus Parma kommt, der Käse heißt Parmesan.
"Wer unterstützt jene Leute, die diese Patentkrimis bekannt machen? Alle zwei Jahre die Zeit. Danke dafür, aber reichen tut das mit Sicherheit nicht."
Stimmt - Medienenthüllungen müssen auch für mehr Missmut auf dem Stimmzettel sorgen. Ansonsten: entsprechende Petitionen unterstützen, auf diesbezüglichen Demos mitlaufen, Kaufverhalten ändern (bzw. einfach zu einem gesünderen Lebensstil wechseln). Soetwas kann jeder und sollte im großen Stil, sofern in diesem Staate der Souverän wirklich das Volk sein sollte, auch helfen.
Es ist Schinken, der aus Parma kommt, der Käse heißt Parmesan.
Bei jedem Forschungsprojekt möchten die Geldgeber den Erfolg oder Mißerfolg einfach ermitteln können. Da werden dann die Anzahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen und die Anzahl der Patente gezählt. Das führt dann dazu, daß die Wissenschaftler, die die Projekte bearbeiten, jeden Datenschnipsel veröffentlichen oder patentieren lassen, um eventuell eine Anstellung in einem möglichen Folgeprojekt zu bekommen. Das machen mittlerweile auch öffentliche Geldgeber so. Das erhöht den Druck auf die Wissenschftler, führt zu vielen Patenten mit wenig Innovation, sorgt aber auch dafür, das Wissenschaftler nicht im Elfenbeinturm einschlafen, wie es in den 70ern und 80ern offenbar oft passiert ist. Menschlich verständlich. Verbesserungsvorschläge sind willkommen.
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