Glaubt an die Dimension des ewigen Zuhause: Nina Hagen © Rafa Samano/Cover/Getty Images

ZEITmagazin: Frau Hagen, als Sie ein Kind waren, hat Ihre Mutter, Eva-Maria Hagen, versucht, sich umzubringen.

Nina Hagen: Ja, das war ein großer Verlassenheitsschock. Da sieht man plötzlich, dass man für sie nicht der Mittelpunkt des Lebens ist. Meine Mutter wollte mich allein zurücklassen. Sie hatte wohl ganz vergessen, wie sehr ich sie liebte. Ich wollte sie immer beschützen. Ich hatte zum Beispiel Träume, in denen meine Mama nackig auf der Straße rumlief, da wollte ich ihr so gerne sagen, dass ich das scheiße finde, dass sie sich etwas anziehen soll.

ZEITmagazin: Aber Ihr Vater war für Sie da?

Hagen: Ja, ich war sein Ein und Alles. Doch als er anfing, fremdzugehen und sich mit anderen blonden Wesen zu beschäftigen, da kam zum ersten Mal in meinem Leben die Eifersucht hoch. Eifersucht ist ja die Angst, dass man nicht geliebt wird. Und diese Verlusterfahrung wiederholte sich immer wieder. Meine erste große Liebe, bei der ich dachte, wir müssten heiraten, wurde auch so gemein verraten.

ZEITmagazin: Gab es eine Rettung von dieser Verlustangst?

Hagen: Ich habe mich schon als Kind immer nach Gott gesehnt. Mich geliebt und aufgehoben zu fühlen, nicht nur jetzt und hier, sondern für immer und ewig. Und der liebe Gott ist mir tatsächlich mit ausgestreckten Armen entgegengekommen. Er hat nie gesagt: »Ach nö, Nina , du bist mir nicht gut genug. Ab heute bist du nicht mehr meine Tochter.« So was würde der nie machen!

ZEITmagazin: Wie haben Sie ihn kennengelernt, dass Sie so genau wissen, was er tut und was nicht?

Hagen: Da war ich 17 und wollte es wissen. Ich wollte den Gottesbeweis herbeizwingen. Ich habe LSD genommen, weil ich gehört hatte, dass so etwas auch die Naturvölker machen, um mit Gott in Verbindung zu treten. Das Ergebnis war ein LSD-Trip, der nur aus Schmerzen bestand. Es war die Hölle. Ich war an der Grenze zwischen Diesseits und Jenseits. Und da habe ich gesagt: »Lieber Gott, hilf mir!« Und sofort kam er und sprach: »Nina, ich bin hier, um dir zu helfen.« Und ich schlug die Augen auf und war in einer wunderschönen Welt. Friedliche Seligkeit. Und der liebe Gott guckte mir ins Gesicht. Und ich erkannte: Er liebt mich so, wie mich noch nie ein Mensch geliebt hat und wie auch kein Mensch je lieben kann! Und dann habe ich ihn gefragt: »Gehst du etwa wieder weg wie all die anderen?« Und er hat gesagt: »Ich war immer da, ich bin immer da, und ich werde immer da sein.«

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ZEITmagazin: Und was hat Sie so sicher gemacht, dass diese Gottesbegegnung nicht nur eine LSD-Halluzination war? Klingt ein bisschen so...

Hagen: Sprich mit Menschen, die eine Nahtoderfahrung hatten, die erzählen dir dasselbe: Es gibt die Dimension des ewigen Zuhause.