Nina Hagen "Gott kam mir mit ausgestreckten Armen entgegen"Seite 2/2

ZEITmagazin: Haben Ihre Freunde nicht gesagt: »Nina, du hast ja einen Sprung in der Schüssel«?

Hagen: Nö, die haben interessiert zugehört. Weil ich ja authentisch bin. Aber ich habe gemerkt, dass mein Erlebnis wirklich nur für mich Sinn macht. Für andere Menschen ist das ein interessanter Tatsachenbericht, aber den eigenen Glauben kriegt man nur, wenn man selber mit Gott eine Beziehung aufbaut.

ZEITmagazin: Seit Sie 17 sind, sind Sie also in Gott aufgehoben. Das ist ja nicht schlecht.

Hagen: Ja, es war eine richtige Rettung. Ich habe inzwischen auch verstanden, dass ich keiner irdischen, sexuellen Liebe mehr bedarf. Ich bin ja schon, seit meine erste Liebe starb, Witwe. Ich suche nach keiner Liebe, die Liebe ist einfach da. Ich renne nicht rum und will mich wieder verheiraten oder so was.

Ijoma Mangold

gehört neben der Fotografin Herlinde Koelbl und dem Psychologen Louis Lewitan zu den Interviewern unserer Gesprächsreihe. Mangold ist stellvertretender Ressortleiter des ZEIT-Feuilletons und Moderator der ZDF-Literatursendung »Die Vorleser«

ZEITmagazin: Also ist nur noch Gott Ihr Lebens- und Liebespartner?

Hagen: Ja, bester Freund, Lehrer, Meister, Gott, die Liebe in Person.

ZEITmagazin: Das klingt eher nach dem Lebenskonzept einer Nonne?

Hagen: Ja, ich bin ja auch eine Nonne.

ZEITmagazin: Und seit wann sind Sie eine Nonne?

Hagen: Spätestens seit der Geburt meiner Tochter Cosma. Aber auch schon vorher. Wenn du Nonne bist, ist alles geheiligt. Auch die sexuelle Beziehung. Für die Nonne ist ja die Liebe eine heilige Sache. Die macht das ja nicht, weil sie Triebe empfindet, sondern einfach nur, weil sie die Liebe lebt, dabei schwanger wird und ein Kind auf die Welt bringt.

ZEITmagazin: Normalerweise gehört zum Glauben immer auch der Zweifel. Kennen Sie auch Zweifel an der Existenz Gottes?

Hagen: Nee, kenne ich nicht.

ZEITmagazin: Dann sind Sie aber eine Ausnahme und ein Glückskind!

Hagen: Ja, deswegen hat Gott mir meine Stimme geschenkt, mit der ich seine gute Nachricht verkünde.

 
Leser-Kommentare
    • Kanzel
    • 14.04.2010 um 11:00 Uhr

    Da bin ich doch wirklich beeindruckt. Nina Hagen, die in den prüden Anfängen der Fernseh-Talkshows mit einer Masturbationsprästentation die deutschsprachigen Nationen schockte, zugleich damit aber auch der weiblichen Sexualität mehr Geltung verschaffen wollte, spricht davon, dass Sex eine heilige Sache ist, da man dabei "die Liebe lebt".
    Dieser urchristliche Gedanke ausgesprochen von ihr, die das Leben gerade auch in den Extremen kennt, sticht in dieser mittlerweile sehr egoistisch geworden Gesellschaft deutlich hervor und deshalb gebührt ihr großen Respekt!

  1. Bei dieser geilen Anfangsmusik dachte keine Mensch an eine tiefe Gottesverbundenheit... ;-) Aber ok, das Universum ist in, es ist um uns rum, und je mehr wie damit zurechtkommen, desto eher ruhen wir in der Welt.

  2. 1. Die Marsianer sind bereits auf der Erde gelandet.
    2. Auf dem Mars gibt es kein intelligentes Leben.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Joe

  3. Den Trick, Gott durch die Einnahme von LSD anzulocken, empfehle ich nicht zur Nachahmung.

  4. 6. [...]

    Entfernt. Bitte unterlassen Sie persönliche und beleidigende Äußerungen. Danke. /Die Redaktion pt.

  5. Ja, das kann man beobachten. Aber weniger an Nina Hagen. Eher an anderweitigen, öffentlichen "Geschehnissen". Oder Aussagen, behauptungen, etc...

    Frau Hagens Erfolg gibt ihr schließlich Recht. Soweit ich weiß ist Klaus Kinski einer gewissen, für Künstler als "normal" erachteten Irrsinnigkeit unterlegen und vermutlich auch nicht sonderlich glücklich verschieden. Vom Leben verstanden hat dieser Mann, meiner Meinung nach, gar nichts.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die meisten Leute sind der Meinung, wenn sie ein paar Wortketten miteinander verbinden können, ähnlich einem Kreuzworträtsel, wo alles irgendwie zusammenpassen und ineinander greifen muss, so hätten sie die Welt verstanden und wären somit auf dem richtigen Pfad. Gleichzeitig nehmen sie (die Leute, nicht Sie!)sich das Recht, von einer erhobenen Schiedsrichterwarte, den Weltverkehr regeln und lenken zu können, wenn man sie denn nur ließe. Was aber tatsächlich stattfindet ist, dass man diese Weltpolizisten mit den Armen fuchteln sieht und dass mit ihren Mundbewegungen bei Erklärung der Welt, Miniaturwinde erzeugen, bei dem die Erde (wider Erwarten) nicht das Drehen einstellt. Kein Wunder: Mehrere Milliarden weitere "Wissende" sind ebenso dabei, die Welt zu erklären und zu deuten. "Es" gefunden zu haben ist ein Trostpreis, den man sich nur selbst verleihen kann. Eine der größtmöglichen Illusionen, zu der man als Mensch fähig ist. Es ist so, als ob man in einem Schwarm von Millionen Fischen glaubt, der Boss zu sein. Kann man sich einbilden und dabei glücklich sein - oder auch nicht!

    Die meisten Leute sind der Meinung, wenn sie ein paar Wortketten miteinander verbinden können, ähnlich einem Kreuzworträtsel, wo alles irgendwie zusammenpassen und ineinander greifen muss, so hätten sie die Welt verstanden und wären somit auf dem richtigen Pfad. Gleichzeitig nehmen sie (die Leute, nicht Sie!)sich das Recht, von einer erhobenen Schiedsrichterwarte, den Weltverkehr regeln und lenken zu können, wenn man sie denn nur ließe. Was aber tatsächlich stattfindet ist, dass man diese Weltpolizisten mit den Armen fuchteln sieht und dass mit ihren Mundbewegungen bei Erklärung der Welt, Miniaturwinde erzeugen, bei dem die Erde (wider Erwarten) nicht das Drehen einstellt. Kein Wunder: Mehrere Milliarden weitere "Wissende" sind ebenso dabei, die Welt zu erklären und zu deuten. "Es" gefunden zu haben ist ein Trostpreis, den man sich nur selbst verleihen kann. Eine der größtmöglichen Illusionen, zu der man als Mensch fähig ist. Es ist so, als ob man in einem Schwarm von Millionen Fischen glaubt, der Boss zu sein. Kann man sich einbilden und dabei glücklich sein - oder auch nicht!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service