Stadtgeschichte Freiberg in SachsenVom Silber zur SonneSeite 4/5

So zehn Prozent.

Stand Freiberg je auf der Kippe?

Aus meiner Sicht nicht. Freiberg schafft es.

Sie haben beim Neujahrsempfang über den Spruch am Donatstor gepredigt: Gemeinwohl geht über dein Wohl.

Ja, überall im Osten fehlt bürgerliche Substanz, eine tragende Schicht. Hier wächst sie. Das Schlossplatzquartier bauen wir zum Hörsaalzentrum um. Das holt die Studenten in die Stadt.

Was nervt? Lokalstolz, der sich auf Tradition beschränkt

Schramm überreicht ein Dossier: Tradition allein schafft noch keine Zukunft. Etwas drucksend erzählt er vom peinlichen Darmstadt-Deal: In den neunziger Jahren hatte Freiberg Plattenbauquartiere an die Darmstädter Wohnungsbaugesellschaft veräußert, mit der Klausel, sie in 15 Jahren zurückzukaufen. Darmstadt modernisierte alles, Freiberg vergaß die Klausel und stand zum Fälligkeitstermin auf dem Schlauch. Man hatte auf die Rückbauprämien der Bundesregierung spekuliert – eine Regelung, die für Plattenstädte wie Halle-Neustadt oder Hoyerswerda gedacht war. Renovierten Neubau konnte man schlecht tilgen. Also zerstörte Freiberg, der Prämie wegen, Altbausubstanz. Schilda ließ grüßen.

Ganz wichtig sei das Mittelsächsische Theater, gibt uns Schramm mit auf den Weg. 1790 begründet, beschäftigt es 175 Festangestellte. 1993 fusionierte man mit Döbeln. Exitus drohte, als Ministerpräsident Milbradt verkündete, die Mittelsachsen sollten, falls sie unbedingt Theater brauchten, nach Dresden oder Leipzig fahren. 30000 Protestunterschriften belehrten ihn anders. 15 Abonnentenringe hat das Theater und durchwirkt Stadt und Region. Die Spielzeiteröffnungen sind Volksfeste.

Tags zuvor sahen wir Woyzeck, eine schöne Büchner-Inszenierung – werksnah, nicht bieder, nicht schrill. Und als es ans Morden ging, als Woyzeck die Metze Marie erdolchte, blutete diese gar sehr. Huuuch!, schrien die Seniorinnen im Parkett. Nachher belebten wir uns in der Stadtwirtschaft mit Budweiser und böhmischer Blasmusik und disputierten mit Woyzeck und dem nebenbuhlerischen Tambourmajor (Urs-Alexander Schleiff und Andreas Pannach) über Liebe und Theaterblut. Ein Freiberger Schauspieler ist nahbar, kein Star. Er dient der Stadt wie Bäcker, Lehrer, Bücherfrau.

Was ist das Schönste an Freiberg?, fragten wir die Bücherfrau Heike Wenige, die außer ihrem Taschenbuchladen auch einen Lyrik-Salon betreibt.

Die Altstadt. Der Grüngürtel. Kneipen, Kultur, alles ist nah. Man wird gegrüßt. Man kennt so viele Menschen.

Leserkommentare
  1. Der Prinzenräuber hieß nicht Götz, sondern Konrad, genannt Kunz, von Kaufungen.
    http://de.wikipedia.org/w...

    Ansonsten ist das ein schöner Artikel über eine bemerkenswerte Stadt.

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