Schiedsrichter-Mode Mon Schiri

Der Schiedsrichter von heute trägt Rot, Gelb, Grün, Grau, Neonrot, Türkis. Das tut ihm nicht gut. Eigentlich müsste es für ihn Schwarz geben.

Walter Eschweiler bei der WM 1982 in Spanien

Walter Eschweiler bei der WM 1982 in Spanien

1994 war die Welt voller Aufbruch, Osteuropa hatte sich gerade demokratisiert, Südafrika auch, die Love-Parade hieß "The Spirit Makes You Move", jetzt sollten auch die Schiedsrichter ihren Frühling haben. Zum allerersten Mal durfte am 12. Juni 1994 ein deutscher Schiedsrichter, es traf Markus Merk, in einem Hemd antreten, das nicht mehr schwarz war, sondern grün.

Markus Merk trat aus der Kabine des Berliner Olympiastadions, wartete auf die beiden Finalisten des Pokals, Herta BSC Amateure gegen Bayer Leverkusen. Als Erster der Spieler sah und erkannte ihn Ulf Kirsten, Nationalspieler aus Leverkusen. Er lief auf Merk zu und rief sinngemäß (wenn das Merksche Gedächtnis nicht trügt): "Ich fass es nicht!"

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Die Befreiung war eine von oben: Die DFB lockerte die Regeln auf Geheiß der Fifa. Man erinnert sich beim DFB, man habe "die Schiedsrichter menschlicher aussehen lassen wollen". Es folgten Jahre der modischen und moralischen Verirrung. Anders als die Polizisten, die später auch die Farbe wechselten, bekamen die Schiedsrichter nicht einfach eine neue Farbe, sie bekamen neben Schwarz viele neue Farben und sogar einige Muster.

Auf Grün folgten auch Rot und Gelb und Weiß, Ende der Neunziger trugen die Schiedsrichter Rot-Weiß, Gelb-Schwarz und Rot-Schwarz quer gestreift. Sie sahen aus wie Spieler von Juventus Turin. Zuletzt trugen sie sogar Neonrot und Türkis. Es sind die Farben, die Fußballspieler nicht tragen wollen, weil sie nicht gehänselt werden wollen. Das immer spärlicher verwendete Schwarz des Schiedsrichters verschwand in der Bundesliga und in der Champions League zugunsten eines dark onix der Firma Adidas, eines bläulichen Anthrazits, das so aussieht, als wäre ein schwarzes Trikot jahrelang zusammen mit den falschen Socken gewaschen worden.

Die Spieler haben dem Schiedsrichter seine Farbe schließlich sogar geraubt. Das Auswärtstrikot der Bayern: schwärzer als onix. Das neue Auswärtstrikot der Nationalmannschaft: richtig schwarz.

Leser-Kommentare
    • Hainuo
    • 12.04.2010 um 12:22 Uhr

    Unsere Richter des bunten Regenbogens werden es ihnen danken. Ich denke mit Mitleid an eine Szene zurück, in welcher der in der Trikothierarchie sehr weit unten anzusiedelnde Weidenfeller (rosa Leibchen) seine Wut aus Mangel an Alternativen am Schiedsrichter auslassen musste. Mögen uns solche Ereignisse in Zukunft erspart werden.

  1. Ob es wirklich besser ist, die Schiedsrichter wieder ganz in Schwarz oder doch mit buntem Oberhemd pfeifen zu lassen? Darüber kann man trefflich streiten. Aber so wesentlich ist die Frage ja auch wieder nicht.

    Übrigens: Wenn besagtes Ereignis wirklich 1994 stattfand, lautete die Pokal-Finalpaarung nicht Bayer Leverkusen gegen Hertha BSC Amateure (das war nämlich 1993), sondern Werder Bremen gegen Rot-Weiß Essen. Werder gewann seinerzeit mit 3:1.

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