Benjamin Stein Religion ist kein WunschkonzertSeite 3/3

Doch schließlich ist es nicht die Idee der Religion, möglichst glatt durchs Leben zu kommen – siehe Hochzeitsnacht. Und dann lacht Benjamin Stein über sich selbst und nickt: »Wenn Sie meinen besten Freund fragen oder auch meine Frau, dann würden die sagen: ›Ja, der Benjamin ist manchmal schon ziemlich extrem.‹ Aber ich finde: Wenn man einen theologischen Gedanken denkt, dann muss man ihn auch konsequent zu Ende denken. Politisch betrachtet bin ich konsequent liberal. Nur in der Religion kann man es sich nicht aussuchen.«

Deswegen hat er auch mit den typischen jüdischen Verbandsvertretern wenig am Hut. »Für mein Judentum«, sagt Stein, »brauche ich keinen Zionismus und keinen Holocaust. Das spielt zwar eine Rolle, kommt aber von außen. Wenn sich jemand an mich wendet, weil er seine jüdische Identität sucht, dann sage ich ihm: ›Versuche doch mal, Schabbes-Kerzen anzuzünden, und schau, was das mit dir macht.‹«

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Vielleicht ist das für deutsche Ohren unheimlich. Wir wollen lieber in schöner Symmetrie, dass auch für die Juden der Holocaust der Kern ihrer Identität darstellt. Darauf hat sich der öffentliche Diskurs eingespielt. Aber es knirscht, wenn man Benjamin Stein glaubt: »Wo immer ich angesprochen werde, vom Zentralrat haben die Leute die Nase voll. Und das muss einen nicht wundern. Auf der einen Seite wird mit dem Hammer draufgeschlagen, auf der anderen mit der Goldwaage abgewogen.« Er hat da eine kritische Distanz, aber es regt ihn auch nicht wirklich auf. Er weiß, dass er ein Einzelgänger ist. Außerdem ist er Schriftsteller und deshalb schon von Berufs wegen auf Abweichung programmiert. Die jüdische Geschichte jedenfalls ist für ihn über 2500 Jahre alt und kann nicht auf die Schrecken des Nationalsozialismus reduziert werden.

Steins Tochter ist sieben Jahre alt. Sie geht auf eine jüdische Schule. Kürzlich bekam die Klasse Besuch von einer deutschen Grundschule. Da sagte einer der Schüler mit der Offenherzigkeit des Kindes: »Ich dachte, die Juden wären ausgestorben?« Steins Tochter erzählte dieses Erlebnis ihrem Vater. Dann fügte sie lachend hinzu – so wie man über die Begriffsstutzigkeit eines anderen den Kopf schüttelt: »Der hatte da wohl etwas verwechselt. Die Dinosaurier sind ausgestorben, aber doch nicht die Juden.«

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Leser-Kommentare
  1. ist opium für das volk, und wird bis heute missbraucht um menschen zu unterdrücken und zu kontrollieren. eine religion, die darauf gründet einen von menschenhand getöteten "erlöser" anzubeten, hat nichts christliches an sich, sie erscheint eher als etwas perverses. und die geschichte der unbefleckten empfängnis wurde erfunden, um alle thesen zur unterdrückung zu untermauern. was nützt es der menschheit einen ans kreuz genagelten anzubeten. es hält sie davon ab an sich selbst zu glauben und an das einmalige göttliche in ihnen.
    was hat sie uns gebracht diese religion? kriege, verfolgung, hexenverbrennung. und alles im namen gottes? erbärmlich.

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    • VMK
    • 10.04.2010 um 22:34 Uhr

    Das Judentum missioniert nicht. Wenn man es nicht von Geburt an ist, ist es sogar sehr schwierig, Jude zu werden. Auch sollten Sie nicht das jüdische Religion mit dem Christentum verwechseln. Wie man Herrn Steins Schilderungen entnehmen kann, ist es ja selbst für "aufgewärmte" Juden schwierig, in dieser Religion Anschluss zu finden.

    Bitte ersparen Sie deshalb den mehr oder weniger (lau-)warmen Anhängern irgendeiner Religion Ihre Missionierungsversuche. Wenn ich religiöse Propaganda hören möchte, kann ich mich auch in der Fußgängerzone mit den Zeugen unterhalten oder auf kath.net surfen.

    Außerdem gibt es auf jeder genormten Qwertz-Tastatur eine Umschalttaste, die man dazu nutzen kann um Satzanfänge, Namen und Substantive groß zu schreiben. Das erhöht die Lesbarkeit Ihrer Texte ungemein ;-)

    • VMK
    • 10.04.2010 um 22:34 Uhr

    Das Judentum missioniert nicht. Wenn man es nicht von Geburt an ist, ist es sogar sehr schwierig, Jude zu werden. Auch sollten Sie nicht das jüdische Religion mit dem Christentum verwechseln. Wie man Herrn Steins Schilderungen entnehmen kann, ist es ja selbst für "aufgewärmte" Juden schwierig, in dieser Religion Anschluss zu finden.

    Bitte ersparen Sie deshalb den mehr oder weniger (lau-)warmen Anhängern irgendeiner Religion Ihre Missionierungsversuche. Wenn ich religiöse Propaganda hören möchte, kann ich mich auch in der Fußgängerzone mit den Zeugen unterhalten oder auf kath.net surfen.

    Außerdem gibt es auf jeder genormten Qwertz-Tastatur eine Umschalttaste, die man dazu nutzen kann um Satzanfänge, Namen und Substantive groß zu schreiben. Das erhöht die Lesbarkeit Ihrer Texte ungemein ;-)

    • VMK
    • 10.04.2010 um 22:34 Uhr

    Das Judentum missioniert nicht. Wenn man es nicht von Geburt an ist, ist es sogar sehr schwierig, Jude zu werden. Auch sollten Sie nicht das jüdische Religion mit dem Christentum verwechseln. Wie man Herrn Steins Schilderungen entnehmen kann, ist es ja selbst für "aufgewärmte" Juden schwierig, in dieser Religion Anschluss zu finden.

    Bitte ersparen Sie deshalb den mehr oder weniger (lau-)warmen Anhängern irgendeiner Religion Ihre Missionierungsversuche. Wenn ich religiöse Propaganda hören möchte, kann ich mich auch in der Fußgängerzone mit den Zeugen unterhalten oder auf kath.net surfen.

    Außerdem gibt es auf jeder genormten Qwertz-Tastatur eine Umschalttaste, die man dazu nutzen kann um Satzanfänge, Namen und Substantive groß zu schreiben. Das erhöht die Lesbarkeit Ihrer Texte ungemein ;-)

    Antwort auf "religion"
  2. Wer weiß, das er den Rabbiner zuerst retten muss, ist so gebildet das er getrost das Kind retten wird und danach selbst Rabbiner wird!

    • ka.va
    • 11.04.2010 um 13:10 Uhr

    für eine so fruchtbare Auseinandersetzung mit Thora, Orthodoxie und Jüdischkeit! Für die Ehrlichkeit, den Mut und die Konsequenz in unserer Welt Modernität und spirituelle Klarheit in einer durchaus "aneckbaren" Form zu leben. Und Danke vor allem für die klare Aussage, jüdische Identität zwar beeinflusst, aber nicht fremdbestimmt von Shoa und Zionismus zu sehen und zu leben. Ich wünsche mir und hoffe, dass diese Bewegung in der jüdischen Welt wächst.

  3. Der Schlüssel zum Tresor? Gut, man macht also den Tresor mit diesem Schlüssel auf. Und findet in diesem Tresor ungesäuertes Brot. Von diesem Brot ernährt man sich dann sein ganzes Leben.
    Einerseits ist das nicht sehr abwechslungsreich und man wird natürlich sehr seltsam angesehen, wenn um den Tresor herum überall alle möglichen anderen Speisen verteilt würden. Warum nimmt man denn nur dieses ungesäuerte Brot aus dem Tresor?
    Andererseits wird aber im Tresor immer noch Matzen zu finden sein, wenn die anderen Speisen alle schlecht geworden, aufgegessen oder einfach nur verschwunden sind.

    Es geht nun bei diesem Vergleich darum, dass die Schrift wie das Brot Nahrung darstellt, nur eben Nahrung für den Geist und nicht für den Körper. Wie Literatur eben im Allgemeinen als Nahrung für den Geist gilt.

    Ich persönlich bevorzuge allerdings statt des Tresors mit dem Brot lieber den Apfelbaum. Dem gehen die Früchte auch nicht so schnell aus.

  4. Religion mag kein Wunschkonzert sein, aber es ist trotzdem ein Konzert, das sich von Dirigent zu Dirigent anders anhört.

  5. um was es geht, oder? egal welche religion, sie werden alle als unterdrückungs- und regulierungsmittel missbraucht! schön für die juden wenn sie nicht missionieren. das drückt aber auch ihre starrheit aus. in welchem zustand befindet sich denn israel? wie behandeln sie die palistinänzer? und alles wird mit dem glauben gerechtfertigt. wie weit haben sich die menschen denn seit den großen religionskriegen entwickelt? sie schlagen sich in gottes, oder welchen namen sie auch immer verwenden, noch immer die köpfe ein.

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    • VMK
    • 11.04.2010 um 21:47 Uhr

    Dies ist aber nicht Teil dieses Themas. Außerdem ist Religion nicht ausschließlich ein Grund für Krieg. Oft geht es um Geld oder Ressourcen. Sie wollen mir nicht allen Ernstes weismachen, dass der Irakkrieg wegen des Glaubens geführt wurde? Oder der 2. Weltkrieg? Wo Religion als Kriegsgrund vorgeschoben wird, verkommt sie zur Ideologie, wird missbraucht als Mittel zum Zweck.
    Natürlich kann man über Nutzen und Unfug von Religionen nach wie vor streiten. Ich toleriere sie jedenfalls.

    Wenn Sie Religion so verabscheuen wie sie hier schreiben, wie kommt es dann, dass der Hauptbestandteil Ihres Benutzernames aus der religiösen Mythologie stammt?

    • VMK
    • 11.04.2010 um 21:47 Uhr

    Dies ist aber nicht Teil dieses Themas. Außerdem ist Religion nicht ausschließlich ein Grund für Krieg. Oft geht es um Geld oder Ressourcen. Sie wollen mir nicht allen Ernstes weismachen, dass der Irakkrieg wegen des Glaubens geführt wurde? Oder der 2. Weltkrieg? Wo Religion als Kriegsgrund vorgeschoben wird, verkommt sie zur Ideologie, wird missbraucht als Mittel zum Zweck.
    Natürlich kann man über Nutzen und Unfug von Religionen nach wie vor streiten. Ich toleriere sie jedenfalls.

    Wenn Sie Religion so verabscheuen wie sie hier schreiben, wie kommt es dann, dass der Hauptbestandteil Ihres Benutzernames aus der religiösen Mythologie stammt?

    • VMK
    • 11.04.2010 um 21:47 Uhr

    Dies ist aber nicht Teil dieses Themas. Außerdem ist Religion nicht ausschließlich ein Grund für Krieg. Oft geht es um Geld oder Ressourcen. Sie wollen mir nicht allen Ernstes weismachen, dass der Irakkrieg wegen des Glaubens geführt wurde? Oder der 2. Weltkrieg? Wo Religion als Kriegsgrund vorgeschoben wird, verkommt sie zur Ideologie, wird missbraucht als Mittel zum Zweck.
    Natürlich kann man über Nutzen und Unfug von Religionen nach wie vor streiten. Ich toleriere sie jedenfalls.

    Wenn Sie Religion so verabscheuen wie sie hier schreiben, wie kommt es dann, dass der Hauptbestandteil Ihres Benutzernames aus der religiösen Mythologie stammt?

    Antwort auf "nicht verstanden"

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