Design Voll ins SchwarzeSeite 3/3

Einst blond, jetzt schwarzhaarig: das Model Agyness Deyn
Schwarz war schon immer die Farbe derer, die eine neue Zeit gekommen sahen. Im 17. Jahrhundert kleideten sich die niederländischen Kaufleute schwarz. So wollten sie sich von der prunksüchtigen Adelsgesellschaft abgrenzen. Gleichzeitig wohnte dem Schwarz etwas Elitäres inne. Der Handwerker und Kleinbürger kleidete sich stets in gedeckte Farben, weil schwarze oder weiße Stoffe zu schnell schmutzig geworden wären. Schwarz trug man an Feiertagen. Durch die Kleidung wurde signalisiert, dass man am jenem Tag nicht arbeiten musste. Entsprechend wurde bis zu Beginn des vorigen Jahrhunderts auch noch in Schwarz geheiratet. Deshalb ist noch heute der feierliche Anzug schwarz. Doch Schwarz wurde nicht nur Farbe des Bürgertums, sondern – viel später, als wieder einmal ein Neubeginn anstand – auch der Rebellion gegen ebendieses. Als die Beats und die Existenzialisten gegen die selbstzufriedene Bourgeoisie angingen, wählten sie das "All Black Costume" zu ihrer Uniform.
Weil Schwarz nichts ist, die Abwesenheit von Licht, lenkt es unweigerlich den Blick auf das Wesentliche. Nichts wird so stark hervorgehoben wie das, was von Schwarz umgeben ist. Schon früh wussten das Frauen zu nutzen. So etwa entstand das schwarze Halsband im 18. Jahrhundert. Da es nicht statthaft war, weibliche Reize zu betonen, behalf man sich mit schwarzem Samt. Durch den Kontrast betonten die Frauen ihre Schlüsselbein-Partie: ein erotischer Hauch in all der Prüderie. So ist es mit den Menschen, die Schwarz anzieht: Es zieht sie zu dem, was man noch nicht sieht. Zu dem, was noch kommt.
Wenn Hans-Peter Jochum die Ausstellung Back in Black eröffnet, werden schwarze Stühle von Hans Wegner zu sehen sein, schwarze Leuchtobjekte von Gianfranco Fini. Wenn es gut läuft, werden seine Kunden begeistert die neue alte Entschiedenheit kaufen.
"Eigentlich ist das ganz lustig", sagt Jochum. Als er Anfang der Achtziger sein Geschäft in Berlin eröffnete, waren seine Kunden vor allem Menschen, die dem allgemeinen Schwarz entfliehen wollten. "In allen bürgerlichen Wohnungen standen damals die Corbusier-Liege und der Freischwinger von Marcel Breuer. Leute kamen zu mir, um endlich Möbel zu bekommen, mit denen sie sich von anderen unterschieden." Schön, dass jemand die schwarzen Sachen für sie aufgehoben hat. Der Wert mancher Objekte hat sich zwischenzeitlich verfünfzehnfacht.
- Datum 07.04.2010 - 11:03 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 08.04.2010 Nr. 15
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Schwarz auf Schwarz zu fotografieren gehört wohl zu den denkbar schwierigsten Aufgaben.
Welchen Anteil daran hatte denn Delta E?
einfach KULT!
Nicht zu vergessen der schwarze Humor.
Was auch immer die niederländischen Kaufleute des 17. Jahrhunderts ausdrücken wollten, indem sie schwarz trugen - sie taten jedenfalls nichts anderes, als was spanische Adlige schon hundert Jahre zuvor getan hatten. Und wenn der Apple-Konzern Weiß als Design-Farbe groß gemacht und mit dem iPhone das Mobiltelefon neu erfunden hat, dann nur, indem er auf Designkonzepte aus Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" zurückgriff.
http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_II._(Spanien)
http://de.wikipedia.org/w...
http://www.palantir.net/2...
http://www.palantir.net/2...
- sehr schön!
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