Personenrätsel Lebensgeschichte
Seinen Aufstieg verdankte er Mord und Totschlag. Der Fürstensohn besaß kein Anrecht auf den Thron, er hatte nicht mehr vorzuweisen als eine höfische Ausbildung und einen Ehrenposten bei seinem König. Als dieser in sein Stammland eilte, um einen Putsch niederzuschlagen, auf dem Weg dorthin jedoch unter seltsamen Umständen starb, witterte der junge Mann seine Chance. Er schwang sich zum Rächer des Königs auf, erschlug den Anführer und ließ sich krönen. Eines hatte er jedoch auf seinem rasanten Weg zur Macht übersehen: Der Besiegte hatte zur adeligen Oberschicht gehört und sich durch eine großzügige Steuerpolitik beim Volk beliebt gemacht. Nun galt er selbst als Putschist, überall flackerten Aufstände gegen ihn auf, und er wäre sicher Opfer eines Anschlags geworden, hätten ihn loyale Freunde nicht herausgehauen. Mit ihrer Hilfe besiegte er in einem Jahr gleich acht »Lügenkönige« und festigte seine Macht.
Den Frieden im Reich nutzte er zur Expansion. Im Osten eroberte er eine Ebene mit reichen Städten und einem Goldstaub führenden Fluss. Im Westen besetzte er Gebiete auf einem anderen Kontinent, um endlich ein angriffslustiges Grenzvolk zur Räson zu bringen. Auf diesem Kriegszug geriet er in Konfrontation mit einer Handvoll äußerst selbstbewusster und kulturstolzer Kleinstaaten. Noch immer geht die Legende, diese streitbaren Gemeinwesen hätten heldenhaft einen Barbarensturm zurückgeschlagen – obwohl er nie daran gedacht hatte, sie zu unterwerfen.
Allein die Gründung eines Riesenreichs auf drei Kontinenten hätte ihm einen Platz in den Geschichtsbüchern garantiert. Seinen Nachruhm befestigten jedoch weitsichtige, immer noch modern anmutende Reformen. An die Stelle eines Flickenteppichs alter Herrschaftsgebiete traten sich selbst verwaltende Provinzen unter von ihm ernannten »Königen auf Lebenszeit«. Eine überall verbindliche Kanzleisprache beendete den lästigen Sprachenwirrwarr, Königsstraßen erschlossen das Reich, eine einheitliche Rechtsordnung schützte vor Willkür, und eine neue Währung erleichterte den Handel. Sein erstaunlich gut funktionierender Vielvölkerstaat gewährte zudem religiöse Freiheit. Kein Wunder, dass ihm sogar bei seinen Gegnern ein ehrenvolles literarisches Denkmal gesetzt wurde.
Nachdem das Reich geordnet war, widmete er sich einer wahrhaft majestätischen Aufgabe: Neben einem älteren Verwaltungszentrum entstand eine glanzvolle neue Stadt mit Palast, Schatzkammer und riesiger Empfangshalle. Alle Baustile in seinem Reich gaben sich hier ein Stelldichein; die wertvollsten Materialien waren gerade gut genug für prächtige Reliefs, auf denen Würdenträger mit Bärten aus Lapislazuli einherschritten.
Seine Grabinschrift rühmte Waffenkünste, die den Mann ausmachen, und konventionelle Herrschertugenden wie Gerechtigkeitssinn und Selbstbeherrschung. Ungewöhnlich dagegen, dass er sich »Feind der Lüge und der Lügner« nennen ließ. Wer war’s?
Lösung aus Nr. 14:
Thomas Schaaf (geboren am 30.April1961 in Mannheim) gilt als »Mr. Werder Bremen«, seinem Verein ist er seit 1972 verbunden, seit 1979 bestritt er als Abwehrprofi 262 Bundesligaspiele. 1993 wurde er A-Jugend-Trainer, trainierte zwei Jahre später die Amateure und übernahm im Mai 1999 den Posten als Cheftrainer, verhinderte sogleich den Abstieg des Vereins und holte den DFB-Pokal. Mit Klaus Allofs als Manager im Hintergrund verbuchte Thomas Schaaf seitdem viele nationale und internationale Erfolge, 2004 gewann Werder im Doppelpack den DFB-Pokal und die Meisterschale, 2009 erneut den DFB-Pokal
- Datum 06.04.2010 - 11:51 Uhr
- Quelle ZEITmagazin, 08.04.2010 Nr. 15
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