Apple-KultUnser Tabernakel

Religiöser Konsum: Apples neues iPad

Apple-Chef Steve Jobs ist für viele eine Art Guru - wird er krank, fällt der Aktienkurs des ganzen Konzerns

Apple-Chef Steve Jobs ist für viele eine Art Guru - wird er krank, fällt der Aktienkurs des ganzen Konzerns

Empörte Katholiken, so meldete eine süddeutsche Zeitung, stehen in diesen Tagen vor Standesämtern und Amtsgerichten Schlange, um aus der Kirche auszutreten. Andere, weitaus längere Schlangen bildeten sich Ostern in den Vereinigten Staaten, wo die berühmte Elektrofirma Apple Inc. ihrer Gemeinde den neuen Tablet-Minicomputer iPad zu Füßen legte. Natürlich, die eine Schlangenbildung hat mit der anderen nichts zu tun, und doch ist diese Parallele von großer symbolischer Prägnanz. Denn auch die Firma Apple ist eine kirchenähnliche Organisation, die mit missionarischem Eifer gegen ein neurömisches Weltreich kämpft, gegen das Imperium von Microsoft.

An der Spitze der Apple-Weltkirche steht der Papst Steve Jobs, der während seines Pontifikats noch nie die Naherwartung der Gläubigen enttäuscht hat. Jedes seiner Marketinggerüchte ist später als käufliches Produkt auferstanden – so wie jetzt das numinose iPad. Tagelang hatten Apple-Kunden in ritueller Demut vor den stores ausgeharrt, vor allem vor dem Glaskubus in Manhattan, einer unterirdischen Konsum-Krypta, in der man das heilige iPad beschmusen darf wie einst Aron das Goldene Kalb.

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Dass der Kapitalismus davon lebt, Gebrauchsgegenstände mit religiösen Energien aufzuladen, ist seit Karl Marx ein alter Hut. Doch warum ist gerade im Fall von Computern diese Spiritualisierung so erfolgreich? Warum haben Hunderte von Bloggern beim unboxing, dem Auspacken des iPads, das Wunderding wie einen Kultgegenstand gen Himmel gereckt – als seien sie die neuen Priester einer Techno-Religion, die im Begriff steht, die alten Religionen abzulösen?

Tatsächlich enthält das iPad, eine Art flach gepresster Tabernakel, ein pfingstliches Versprechen, nämlich das Versprechen auf Teilhabe an weltweiter Kommunikation oder, um Theologen verständlich zu bleiben: an der Civitas Dei, der göttlichen Gemeinschaft der Internetbenutzer. Das iPad verheißt die Einheit einer Differenz, die Einheit aus der Diesseitswelt des Benutzers und dem virtuellen Jenseits, dem unendlichen Cyberspace der Mails, der Bilder, Texte und Wissensspeicher.

Die Apple-Religion verspricht nicht einen neuen Himmel und nicht eine neue Erde; sie beruhigt lediglich die Dauerpanik des Subjekts. Sie verspricht ihm hoch und heilig, dass es im alternativlosen Chaos der unverbesserlichen Welt nicht aus dem Netz fällt oder in den Schwarzen Löchern der Kommunikation auf immer verschwindet. Apples iPad garantiert Zugehörigkeit und Ordnung urbi et orbi. Kinder, fürchtet euch nicht, es besteht Anschluss. Be connected! Nur Ketzer wollen daran nicht glauben.

 
Leserkommentare
  1. Amen.

  2. Achtung liebe Theologen aufgepasst:
    http://www.youtube.com/wa...

  3. immer wieder enttäuschend, wie flach der Ball hier gespielt wird. Zum Glück ist das aber nicht auf Zeit.de begrenzt, der deutschsprachige Onlinejournalismus der grossen Printzeitungen lässt insgesamt zu wünschen übrig.
    Schwer vorzustellen, wie dann Marketing und PR Strategie ausgelegt werden müssen um in die PaidContent-Ära überzuleiten, wo der Besucher sich doch noch ziemlich gut an die vorhergehenden Nichtigkeiten erinnern wird.

    • Pyr
    • 10.04.2010 um 16:07 Uhr

    Danke sehr für den treffenden Artikel. Es ist eigentlich ziemlich traurig, leiden doch Apple-User wie wissenschaftliche nachgewiesen wurde am Stockholm-Snydrom: sie sind opfer von teils minderwertiger Hardware, die ihnen nicht alle Funktionen von Konkurrenzprodukten bietet und trotzdem ein Vielfaches kostet - und loben dennoch die Hardware gen Himmel, entschuldigen ihr iPad schon jetzt für die krassen Temperaturprobleme (das Teil wird im Sommer unbenutzbar sein!), denn es ist ja ihr geliebtes iPad, für das sie viel Geld ausgegeben haben... ;)

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    • J_Barr
    • 10.04.2010 um 17:15 Uhr

    Gibt es Quellen zu der Aussage, Apple-User leiden unter dem Stockholm-Syndrom und der Behauptung, dass Apple minderwertige Hardware verbaut?
    Oder ist das nur eine platte, in den Raum gestellte Aussage?

    Ich benutze privat ein MacBook, welches absolut problemlos läuft und sich subjektiv sehr wertig anfühlt. Beruflich benutze ich zwangsweise Win, auch ohne Probleme. Aber es bleibt immer das Gefühl, dass das Arbeiten unter Win immer etwas hakeliger läuft.

    Ansonsten hat der Artikel meiner Meinung nach wenig bis gar keine Aussagekraft.

    Auf den Punkt gebracht.

    Das einzige wozu man den Namen "Apple" in den letzten Jahren verwenden konnte, waren die einigermassen gleichmässigen Kursgewinne.

    Die unausgereiften Produkte sollen sich, die am Stockholm-Snydrom leidenden, Apple-Jünger kaufen.
    Kann man nur hoffen, dass die Presse deren Produkte auch weiterhin in den "Himmel" hebt.

    • J_Barr
    • 10.04.2010 um 17:15 Uhr

    Gibt es Quellen zu der Aussage, Apple-User leiden unter dem Stockholm-Syndrom und der Behauptung, dass Apple minderwertige Hardware verbaut?
    Oder ist das nur eine platte, in den Raum gestellte Aussage?

    Ich benutze privat ein MacBook, welches absolut problemlos läuft und sich subjektiv sehr wertig anfühlt. Beruflich benutze ich zwangsweise Win, auch ohne Probleme. Aber es bleibt immer das Gefühl, dass das Arbeiten unter Win immer etwas hakeliger läuft.

    Ansonsten hat der Artikel meiner Meinung nach wenig bis gar keine Aussagekraft.

    Auf den Punkt gebracht.

    Das einzige wozu man den Namen "Apple" in den letzten Jahren verwenden konnte, waren die einigermassen gleichmässigen Kursgewinne.

    Die unausgereiften Produkte sollen sich, die am Stockholm-Snydrom leidenden, Apple-Jünger kaufen.
    Kann man nur hoffen, dass die Presse deren Produkte auch weiterhin in den "Himmel" hebt.

  4. Ich hätte auch gerne ein iPad, aber ich will nie wieder so einen völlig Sinnlosen Artikel lesen. Es gibt genug Zeitungen die Werbung für Apple machen. Wenn Sie Werbung machen lassen sie sich wenigstens dafür bezahlen und wahren Sie das Gebot der Trennung von Inhalt und Werbung!

    • taam
    • 10.04.2010 um 16:08 Uhr

    Manche Sätze funktionieren immer: "Dass der Journalismus davon lebt, Gebrauchsgegenstände mit religiösen Energien aufzuladen, ist seit Tag x und Name y ein alter Hut." Das könnte man mit fast jedem Satz dieses Artikels machen! Ernsthaft Herr Assheuer, warum diese Plattitüden? Jede Unternehmenswerbung lebt heute davon, eine Aura zu simulieren, insofern sagen Sie da wenig Neues. Der Pabst/Jobs-Vergleich hat auch nicht ernsthaft analytischen Wert. Das liegt u.a. daran, dass junge Branchen in weiten Teilen von Ihren Gründern geführt werden. Apple ist da - zugegeben - ein Sonderfall aufgrund der Wiederkunft des Herrn Jobs; aber Friktionen mit dem Weggang bzw. Ausscheiden des Gründers zieht sich aber durch die Branche (und nicht nur da). Interessant wäre jedoch die Frage, was Apple ohne Jobs sein wird und ohne Jobs war - das ist in Bezug auf das Unternehmen wirklich spannend, sofern man sich für solche Fragen interessiert, was, glaube ich, als Nutzer nicht der Fall sein muss - außer man begegnet einem Journalisten, der so tut, als wenn ein Computer ein Tabernakel ist (was er nicht ist). Und damit sind wir dann bei den wichtigeren Fragen: Ist das Ding iPad wirklich eher ein Konsumtions-Tool? Wird es unser Lesen verändern, wird die Distribution für Texte, gesetzt den Fall, es ist erfolgreich, die Produktionslandschaft verändern? Und welche Texte sind damit unlesbar? Aber, mit Verlaub, dieses spöttische Mystifizieren Ihrerseits, dient wozu?

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    dem ist kaum hinzuzufügen, ausser vielleicht:

    auch eine detaillierter Vergleich der Marketingstrategien von Apple und Konkurrenz wäre doch mal interessant, verbunden mit einer vergleichenden Quantifizierung der offiziellen und, noch viel interessanter, inoffiziellen Kommunikationskanäle und deren Relativierung.

    Auch eine Auseinandersetzung mit der (Dis)Kontinuität in der Zielgruppenausrichtung und dem damit einhergehenden Wechsel der Kommunikationsstraegie wäre durchaus spannend.

    Richtig spannend sind dann die Widersprüche die man entdecken kann, und dann sind abschliessend auch Ausritte spekulativer Art sicher nicht unerwünscht.

    dem ist kaum hinzuzufügen, ausser vielleicht:

    auch eine detaillierter Vergleich der Marketingstrategien von Apple und Konkurrenz wäre doch mal interessant, verbunden mit einer vergleichenden Quantifizierung der offiziellen und, noch viel interessanter, inoffiziellen Kommunikationskanäle und deren Relativierung.

    Auch eine Auseinandersetzung mit der (Dis)Kontinuität in der Zielgruppenausrichtung und dem damit einhergehenden Wechsel der Kommunikationsstraegie wäre durchaus spannend.

    Richtig spannend sind dann die Widersprüche die man entdecken kann, und dann sind abschliessend auch Ausritte spekulativer Art sicher nicht unerwünscht.

  5. 7. Danke

    dem ist kaum hinzuzufügen, ausser vielleicht:

    auch eine detaillierter Vergleich der Marketingstrategien von Apple und Konkurrenz wäre doch mal interessant, verbunden mit einer vergleichenden Quantifizierung der offiziellen und, noch viel interessanter, inoffiziellen Kommunikationskanäle und deren Relativierung.

    Auch eine Auseinandersetzung mit der (Dis)Kontinuität in der Zielgruppenausrichtung und dem damit einhergehenden Wechsel der Kommunikationsstraegie wäre durchaus spannend.

    Richtig spannend sind dann die Widersprüche die man entdecken kann, und dann sind abschliessend auch Ausritte spekulativer Art sicher nicht unerwünscht.

    Antwort auf "Au weia"
    • loemy
    • 10.04.2010 um 16:56 Uhr

    Kann der Autor es nicht besser, oder ist er einer der sich durch Plattitüden produzieren will. Was für ein unwichtiger und lächerlicher Beitrag mal wieder über Apple in der Zeit. Da leide ich doch lieber am Stockholm Syndrom, gell Pyr. Für alle, welche wirklich über Schwächen, Stärken und die Strategie von Apple informiert werden wollen empfehle ich den Blog "Daring Fireball" von John Gruber. Fundierter Journalismus, frei von jeglicher Religion und Syndrom.
    Herr Assheuer, ihr Artikel ist nicht mal lustig und hat keinerlei Ähnlichkeit mit einer Satire.
    Ich würde hier z.B gerne mal eine fundierte Geschichte über die unterschiedlichen Strategien von Apple und Adobe lesen. Nicht einfach nur, wie schlecht es ist das Apple Flash auf ihren mobilen Geräten nicht unterstützt, sondern warum. Und warum Adobe Flash unbedingt durchdrücken will. Das wäre mal was.

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    Stockholm-Syndrom - wissenschaftlich belegt. Da sind Sie ja einem oberflächlichen Journalisten erneut auf den Leim gegangen (sie hatten das ja schon einmal geschrieben). Lesen Sie doch die Studie und nicht nur den sehr schlechten Artikel darüber. Eine relativ überschaubare Zusammenfassung finden Sie unter: http://www.heise.de/ix/ne...
    Das Stockholmsyndrom wird in der Studie nicht einmal erwähnt! Und das ist dann für Sie „wissenschaftlich belegt“?
    zu Flash: egal was man davon hält möchte Apple den (hoffentlich bald) Standard HTML-5 mit dem "Videoformat" H.264 unterstützen. Flash benötigt (speziell unter MacOSX) sehr viel Prozessorleistung und sorgt somit dafür, dass die Baterie sehr schnell leer sein würde (laut Apple nur etwa 1,5 h Flash-Video statt 10h H.264). Zudem kennt wohl jeder (egal ob unter OSX oder Windows-X) das nicht optimale Verhalten von Flash (stürzt gerne ab - neben vielen anderen Problemen...). Apple hätte einfach gerne, dass Flash der Vergangenheit angehört. Einige (bald viele?) Webseiten bieten inzwischen ja auch schon Filme im von (nicht nur) Apple gewünschten Format an (bereits über 200 Verlage wie auch z.B. YouTube - sonst könnte man ja YouTube nicht auf den iPhone benutzen)...
    Bin ja gespannt...
    Ansonsten finde ich den Artikel schon extrem tendenziell - aber auch lustig. (Habe viele Macs und arbeite damit produktiv - aber manchen Apple-Fans stehe ich auch fast fassungslos gegenüber - geradezu lächerlich sich beim Auspacken zu filmen...)

    Stockholm-Syndrom - wissenschaftlich belegt. Da sind Sie ja einem oberflächlichen Journalisten erneut auf den Leim gegangen (sie hatten das ja schon einmal geschrieben). Lesen Sie doch die Studie und nicht nur den sehr schlechten Artikel darüber. Eine relativ überschaubare Zusammenfassung finden Sie unter: http://www.heise.de/ix/ne...
    Das Stockholmsyndrom wird in der Studie nicht einmal erwähnt! Und das ist dann für Sie „wissenschaftlich belegt“?
    zu Flash: egal was man davon hält möchte Apple den (hoffentlich bald) Standard HTML-5 mit dem "Videoformat" H.264 unterstützen. Flash benötigt (speziell unter MacOSX) sehr viel Prozessorleistung und sorgt somit dafür, dass die Baterie sehr schnell leer sein würde (laut Apple nur etwa 1,5 h Flash-Video statt 10h H.264). Zudem kennt wohl jeder (egal ob unter OSX oder Windows-X) das nicht optimale Verhalten von Flash (stürzt gerne ab - neben vielen anderen Problemen...). Apple hätte einfach gerne, dass Flash der Vergangenheit angehört. Einige (bald viele?) Webseiten bieten inzwischen ja auch schon Filme im von (nicht nur) Apple gewünschten Format an (bereits über 200 Verlage wie auch z.B. YouTube - sonst könnte man ja YouTube nicht auf den iPhone benutzen)...
    Bin ja gespannt...
    Ansonsten finde ich den Artikel schon extrem tendenziell - aber auch lustig. (Habe viele Macs und arbeite damit produktiv - aber manchen Apple-Fans stehe ich auch fast fassungslos gegenüber - geradezu lächerlich sich beim Auspacken zu filmen...)

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