Zweiter Weltkrieg "Winston ist zurück"
Im Frühjahr 1940 wurde Winston Churchill britischer Premierminister. Hitler hatte seinen Meister gefunden.
© Fox Photos/Getty Images

September 1940: Der britische Premier Winston Churchill inspiziert die Schäden der Bombenangriffe auf London
Ich fühlte mich, als ob die Vorhersehung mich begleitet hätte und mein ganzes bisheriges Leben nur eine Vorbereitung auf diese eine Stunde und diese Prüfung gewesen wäre.« So erinnerte sich Winston Churchill später an jenen Nachmittag des 10. Mai 1940, an dem er zum Premierminister des Vereinigten Königreichs ernannt worden war.
Die Prüfung, vor die er sich und das Land gestellt sah, sollte eine lange und schwere sein – und augenblicklich beginnen. Nur wenige Stunden zuvor, am frühen Morgen desselben Tages, hatte Adolf Hitler den Westfeldzug eröffnet. Sechs Wochen später standen deutsche Truppen in Paris, und Englands Armee sah sich am Strand von Dünkirchen eingeschlossen. Durch Hitlers triumphalen Sieg in Westeuropa war das Königreich auf einmal von einem beängstigenden Gegner bedroht, der keine zwanzig Meilen entfernt am anderen Ufer des Ärmelkanals stand. Militärische oder nennenswerte materielle Unterstützung der Vereinigten Staaten war nicht in Aussicht. Vom britischen Empire durfte man keine praktische Hilfe erwarten. Und die deutsche Invasion schien unmittelbar bevorzustehen.
»Cometh the hour, cometh the man«, wie wir im Englischen sagen, wenn der rechte Mann zur rechten Zeit erscheint. Nie war dieses Sprichwort treffender. Jener lange Sommer 1940 steht für die glänzendsten Monate in Churchills schillernder Karriere. Er war der personifizierte Widerstand gegen Hitler. Seine brillanten Reden und Radioansprachen wurden damals Englands schärfste Waffe. Dabei konnte er seinen Landsleuten zunächst nichts als »Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß« verheißen.
Aber er überzeugte sie von der moralischen Richtigkeit des Krieges, von der Notwendigkeit, für die Freiheit und die Rettung der Zivilisation zu kämpfen. Seine einzige Politik, sagte er, bestehe darin, »gegen eine monströse Tyrannei in den Krieg zu ziehen, die im finsteren Katalog der Menschheitsverbrechen unübertroffen ist«. Das einzige Ziel sei ein »Sieg, wie lang und schwer der Weg auch sein mag; denn ohne Sieg gibt es kein Überleben«. Ein Scheitern, erklärte er wenig später in einer seiner berühmtesten Reden, hätte zur Folge, dass »die ganze Welt, einschließlich der Vereinigten Staaten, einschließlich all dessen, was wir gekannt und geliebt haben, im Abgrund eines neuen dunklen Zeitalters versinken wird«.
Es war ein ungeheures Glück für Großbritannien, in der Stunde der größten Gefahr Winston Churchill an der Spitze zu haben. Es hätte durchaus auch anders kommen können. Kaum jemand hatte mit ihm als Premier gerechnet, 1940 schien der 65Jährige längst am Ende seiner wechselvollen Karriere angekommen zu sein.
Seine Frau warnt ihn vor den Folgen seines Jähzorns
1874 geboren – ein Nachfahre des Herzogs von Marlborough, der einst an der Seite von Prinz Eugen dem Expansionsdrang Ludwigs XIV. Einhalt geboten hatte –, war er von den Werten des viktorianischen und edwardianischen England durchdrungen. Er hatte den Glanz und die Macht eines Weltreichs verinnerlicht, und es erschien ihm selbstverständlich, in der großen Politik mitzumischen. Bereits vor dem und im Ersten Weltkrieg bekleidete er Ministerämter; das Desaster der britischen Armee auf der türkischen Halbinsel Gallipoli 1916 allerdings, für das er die Verantwortung trug, schien seine Karriere jäh zu beenden. Doch er hielt sich in der Politik und wurde in den zwanziger Jahren ein weitgehend erfolgloser Finanzminister. Während Hitler schon die Macht ergriffen hatte und Deutschland den Krieg vorbereitete, dümpelte er im politischen Abseits dahin.
Selbst in der eigenen Partei, der Conservative Party, hielten ihn viele für begabt, aber unsolide. Labouranhängern indes galt er wegen seiner entschiedenen Sozialismusfeindlichkeit und seiner Ablehnung jeglicher Form von konstitutioneller Kontrolle der britischen Herrschaft in Indien als Erzreaktionär. Auch in der Deutschland-Frage war er außen vor. Während die Linke gegen die Wiederaufrüstung opponierte und die Rechte versuchte, mit Appeasement Hitlers Ambitionen einzudämmen, blieb Churchill isoliert, seine Warnungen wurden ignoriert.
Der unerbittliche Antibolschewist und zeitweilige Bewunderer Mussolinis erkannte Hitlers gefährliche Fähigkeiten durchaus. Noch 1935 war er bereit, dem deutschen »Führer« politisches Geschick zu attestieren. Aber seine eigenen konservativen Werte, die in der Glorifizierung englischer Institutionen und Traditionen wurzelten, lagen Lichtjahre von den Idealen des Faschismus entfernt. Nicht nur Hitlers Judenhass befremdete ihn.
Als die britische Appeasementpolitik mit dem Münchner Abkommen 1938, das zur Aufteilung der Tschechoslowakei und zur Besetzung Prags im folgenden März geführt hatte, endgültig gescheitert war, wurden Churchills Warnungen endlich ernst genommen. Nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen und der englischen Kriegserklärung im September 1939 berief man ihn als Marineminister wieder in die Regierung. Die Flotte signalisierte es um den Erdball: »Winston ist zurück.«
Doch gleich die ersten Monate gerieten zum Desaster. Die Niederlage, die Großbritannien im April 1940, nach Hitlers Feldzug in Norwegen, erlitt, ging im Wesentlichen auf Churchills Konto. Den politischen Preis indes zahlte Premierminister Neville Chamberlain. Das Parlament zwang ihn am 10. Mai zum Rücktritt. Sein Nachfolger hätte Außenminister Lord Halifax werden können, einer der Väter der Appeasementpolitik. Chamberlain schlug ihn vor, auch König Georg VI. bevorzugte Halifax; zudem war er der Favorit seiner Partei. Aber Halifax lehnte ab. Instinktiv spürte er, dass er nicht das Zeug zum Kriegsherrn hatte. Damit ebnete er Churchill den Weg.
Innerhalb weniger Tage gerieten Halifax und er in einer entscheidenden Frage aneinander. So diskutierte das kleine Kriegskabinett – Churchill, Halifax, Chamberlain und die beiden Labourvertreter Clement Attlee und Arthur Greenwood – Ende Mai 1940, während die britische Armee am Strand von Dünkirchen verloren schien, ob man Friedensfühler ausstrecken sollte. Italien hatte angeboten, Bedingungen für eine Übereinkunft mit Hitler auszuloten. Halifax war dafür, Churchill, der neue Premier, entschieden dagegen. Er fürchtete, jedes Eingehen auf Hitlers Forderungen könnte die britische Verteidigungsfähigkeit beschädigen. Im Übrigen untergrabe schon der bloße Versuch, mit Hitler zu verhandeln, die eigene Kampfmoral. Also wäre es besser, standhaft zu bleiben, selbst wenn das zu einer Niederlage führte.
Attlee und Greenwood unterstützten ihn. Chamberlain, immer noch eine Schlüsselfigur, schloss sich ihm ebenfalls an. Der Premierminister hatte nicht kraft seiner Persönlichkeit gewonnen, sondern weil er die besseren Argumente auf seiner Seite hatte. Und das Glück: Denn kurz darauf gelang es, fast 340.000 britische Soldaten mit einer Armada kleiner Schiffe vom französischen Strand zu evakuieren. Churchill machte daraus das »Wunder von Dünkirchen«; die Niederlage schien verschmerzt.
In den folgenden Wochen und Monaten schnellte sein Ansehen in die Höhe. Jetzt beherrschte er den politischen und – als Verteidigungsminister wie als Premier – den militärischen Kurs des Landes.
Auch für Hitler hatte Großbritanniens Entscheidung, den Widerstand fortzusetzen, erhebliche Konsequenzen. Trotz seines Triumphs über Frankreich war es ihm nicht gelungen, den Krieg in Westeuropa zu beenden. Und hinter Großbritannien stand das Phantom Amerika – das militärisch immer noch schwach war und sich nicht am Krieg beteiligen wollte, aber nach und nach zu einer immer stärkeren Unterstützung Englands verleitet wurde und, wie Hitler sehr wohl wusste, eine wachsende Gefahr für das Nazireich darstellte. Nur Wochen nach dem Sieg über Frankreich wies Hitler folglich seine Generäle an, den Ostfeldzug vorzubereiten. Dies war der Krieg – gegen den »jüdischen Bolschewismus« und zur Gewinnung von »deutschem Lebensraum im Osten« –, den er schon in Mein Kampf angekündigt hatte. Die strategische Notwendigkeit freilich bestand darin, die Sowjetunion in einem Blitzangriff auszuschalten, um Großbritannien an den Konferenztisch zu zwingen und Amerika aus dem Krieg herauszuhalten.
Jetzt hingen alle Hoffnungen in Großbritannien an Churchill. Er selbst sah sich als Hüter und Verteidiger der europäischen Zivilisation. Durch die schiere Stärke seiner Persönlichkeit dominierte er jede Situation, jeden Raum, den er betrat, wobei seine Egozentrik mitunter schwer zu ertragen war. Er konnte vollendet unsensibel, garstig und überheblich sein und verlangte seiner Umgebung dann völlig Unzumutbares ab.
Im Juni 1940 schrieb ihm seine Frau Clementine einen berühmt gewordenen Brief. »Deine Kollegen und Untergebenen«, warnte sie ihn, »könnten Dich aufgrund Deiner derb sarkastischen & anmaßenden Art rundheraus ablehnen [...]. Winston, mein Schatz – ich muss gestehen, dass ich eine Verschlechterung Deines Benehmens bemerke; & Du bist auch nicht mehr so nett, wie Du einmal warst.« Sie erinnerte ihn an die Macht, die er besaß, und fuhr fort: »Mit dieser schrecklichen Macht musst Du Umgangsformen, Freundlichkeit & wenn möglich olympische Gelassenheit verbinden [...]. Ich kann es nicht ertragen, dass all jene, die dem Land & Dir dienen, Dich nicht auch lieben, statt Dich nur zu bewundern und zu respektieren. Abgesehen davon wirst Du mit Jähzorn & Grobheit auch nichts erreichen. So etwas ruft entweder Abneigung hervor oder sklavische Ergebenheit. [...] Bitte vergib Deiner Dir liebend ergebenen & wachsamen Clemmie.« Sie zerriss den Brief, überdachte ihn noch einmal, setzte ihn wieder zusammen und sandte ihn an ihren Mann. Ihre Zeilen dürften nicht ohne Wirkung geblieben sein.
Bald spürt er, dass England nur noch Amerikas Juniorpartner ist
Für einen Menschen in seinen Sechzigern verfügte Churchill über eine erstaunliche Energie – oft noch durch ein Glas Whisky oder Champagner befeuert. »Heute erledigen« stand auf den meisten der zahllosen Briefe und Mitteilungen, die sich aus seinem Büro ergossen. War der Premier anwesend, wurden seine Sekretärinnen, Berater, Assistenten in einen regelrechten Schaffensrausch getrieben. Schon aus dem Bett heraus diktierte er am Morgen erste Briefe und Anordnungen. Mittag- und Abendessen, geselliges Beisammensein – alles wurde zum Kriegsrat genutzt. Noch spätabends bestellte er seine Minister ein, anschließend gab es oft einen Film. Wie Hitler verfügte Churchill über die Fähigkeit, die Nacht zum Tag zu machen und bis zwei oder drei Uhr morgens aufzubleiben. Sekretärinnen hatten für mitternächtliche Diktate bereitzustehen – die »Midnight Follies«, wie jemand sie nannte.
Nicht immer glänzte Churchill, wie so gern beschrieben, durch Charme und Witz, oft genug quälte er sein erschöpftes Publikum auch mit ausufernden Monologen und ermüdenden Reminiszenzen. Häufig inspirierten ihn die frühen Morgenstunden zu »glänzenden Einfällen« – und verlangten nach weiterem Sekretärinneneinsatz, um das Diktat eines Memorandums an die Armeeführung, den Entwurf einer Radioansprache oder gar einen Brief an den Präsidenten der Vereinigten Staaten aufzunehmen. »Winston hat zehn Ideen am Tag«, notierte sein wichtigster militärischer Berater, General Sir Alan Brooke, später sarkastisch, »von denen nur eine gut war, und er wusste nicht, welche.«
Churchill brachte seine Mitarbeiter oft zur Verzweiflung. Doch sie wussten, unter welchem Druck der Premier stand. Und er konnte Reue zeigen. Einen Ausbruch gegen seinen Privatsekretär bedauerte er prompt: »Wissen Sie, ich erscheine vielleicht ziemlich bissig, aber es gibt nur einen Menschen, den ich wirklich beißen will – Hitler.«
Vor allem Brooke, von 1941 an Chef des Generalstabs, hatte viel zu ertragen, mischte sich Churchill doch ständig in militärische Angelegenheiten. Brooke beschrieb den Premier als »so ziemlich den schwierigsten Menschen, mit dem man zusammenarbeiten kann«, fügte jedoch hinzu, dass »ich um nichts auf der Welt die Gelegenheit hätte verpassen wollen, mit ihm zusammenzuarbeiten!« Nichtsdestotrotz beugte sich Churchill, anders als Hitler, wohlbegründeten Einwänden des Militärs gegen seine oft impulsiven und falschen Interventionen.
1940 und 1941, als der Sieg unerreichbar schien, waren Churchills größte Jahre. Im Dezember 1941 überfielen die Japaner Pearl Harbor, und Deutschland erklärte den USA den Krieg – die Amerikaner traten an die Seite Großbritanniens. Damit aber wurden die Briten in der westlichen Allianz unaufhaltsam zum Juniorpartner.
Churchills Verhältnis zu US-Präsident Franklin D. Roosevelt war in Wirklichkeit nicht so herzlich, wie der englische Premier gern behauptete. Wenn die beiden sich trafen, wurde Roosevelt die überschwängliche Art des Briten schnell lästig. Zudem hatten die beiden Staaten mitnichten die gleichen Interessen (vor allem, was die Zukunft des Empire betraf); Kontroversen über die Strategie blieben nicht aus.
Im Laufe des Krieges geriet Churchill auf den Konferenzen der »großen Drei« gegenüber den wirklich »großen Zwei« – Roosevelt und Stalin – immer weiter ins Hintertreffen. Nach der Landung in der Normandie und nachdem die alliierten Streitkräfte unter dem Befehl General Eisenhowers vereint worden waren, verlor er weiter an Einfluss. Seine schwindende Autorität machte ihm zu schaffen. »Bis Juli 1944 hatte England ein gewichtiges Wort in die Waagschale zu werfen«, bemerkte er zu seinem Arzt. »Danach war mir bewusst, dass es Amerika war, das die großen Entscheidungen traf.« Politiker und Generäle in seiner Umgebung konstatierten eine wachsende Frustration. Churchill trank und fiel in dramatische Wutausbrüche. Mittlerweile ließ seine Gesundheit zu wünschen übrig.
Als der Krieg dem Ende entgegenging, ahnte er schon, dass Hitlers Schreckensherrschaft eine neue Tyrannei folgen würde – die der Sowjetunion über Osteuropa. Verspätet wandte er sich jetzt gegen die maßlose Zerstörung deutscher Städte durch die Flächenbombardements, die er Ende 1941 in Reaktion auf die deutschen Luftangriffe gebilligt und später wiederholt befürwortet hatte – nicht zuletzt als Ersatz für die »zweite Front« im Westen, die von Stalin immer wieder verlangt worden war. Nach der Zerstörung Dresdens im Februar 1945 wuchsen die Zweifel. Churchill selbst hatte noch unmittelbar zuvor, auf der Konferenz in Jalta, zu umfassenden Luftangriffen auf ostdeutsche Städte gedrängt, um die Sowjets zu beeindrucken. Jahre später auf die Bombardierung deutscher Städte zurückblickend, behauptete er, dass »es auf dem Höhepunkt des Krieges die einzige Möglichkeit war, zurückzuschlagen«, und fügte hinzu: »Natürlich war ich letztlich verantwortlich.«
Am 8. Mai 1945 stand Churchill neben dem König und der königlichen Familie auf dem Balkon des Buckingham-Palasts, unter ihnen die jubelnde Menge. Lange nach Mitternacht jedoch, als das Hochgefühl des Tages abgeklungen war, saß er wieder bei der Arbeit, schließlich befand sich das Land nach wie vor im Krieg, Japan war noch nicht besiegt.
Aber schon Wochen vor der Kapitulation des fernöstlichen Kaiserreichs am 2. September 1945 musste Churchill Downing Street verlassen. Bei den ersten allgemeinen Wahlen seit 1937 wurde Britanniens Kriegsheld am 6. Juli aus dem Amt gewählt.
Dies war nicht so schockierend, wie es uns heute vielleicht vorkommen mag. Was bereits 1940 ein Soldat zum Ausdruck gebracht hatte, wurde von unzähligen anderen Soldaten und Zivilisten geteilt: »Dieser Krieg wird den Kampf nur wert sein, wenn nach ihm eine neue Ordnung der Dinge kommt.«
Jeder wusste, was das Land Winston Churchill zu verdanken hatte. Viele aber erinnerten sich auch an die Politik der Konservativen Partei während der entbehrungsreichen Zwischenkriegsjahre. Die Wähler unterschieden zwischen dem Kriegsherrn und dem Innenpolitiker. Nur wenige konnten sich Churchill als den Premier vorstellen, der die ersehnte »neue Ordnung der Dinge« herbeiführen würde.
Der Labourführer Clement Attlee löste ihn ab und sorgte für sechs Jahre radikaler innenpolitischer Reformen. Anschließend kehrte Churchill bis 1955 wieder ins Amt zurück, ein zunehmend geschwächter Premier. Im Januar 1965 starb er. Da galt er längst als die bedeutendste Gestalt der britischen Geschichte, Hunderttausende gaben ihm in London das letzte Geleit. Für sie alle blieb Winston Churchill der Mann, der den Kampf um Großbritannien und die ganze europäische Zivilisation gegen Hitlers Soldaten geführt und inspiriert hatte, bis zum Sieg.
Aus dem Englischen von Michael Adrian.
Der Autor ist Historiker und lebt in Manchester. 1998/2000 erschien seine zweiteilige Biografie Adolf Hitlers
- Datum 09.04.2010 - 16:22 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle DIE ZEIT, 08.04.2010 Nr. 15
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„Man sagt von ihm: er ist brillant, er ist temperamentvoll, er ist ehrgeizig; und das bedeutet in England soviel, wie wenn man in Deutschland sagen würde: er ist phantasielos, er ist stumpfsinnig, er ist faul. Dies würde einen Politiker in Deutschland ruinieren; jenes ruiniert ihn in England.“ (Carl-Erdmann Pückler über Winston S. Churchill im Jahr 1938)
Über ihn und seinesgleichen wird die Geschichte in zwei oder dreihundert Jahren urteilen. Was sind schon 65 Jahre Distanz?!
Der Krieg hat in allen beteiligten Ländern Halunken nach oben gespült oder dort gehalten.
Stalin, Mao, Truman und Eisenhower, Churchill, de Gaulle und Benesch...
Nach heutigen Maßstäben allesamt Verbrecher.
Insofern empfinde ich den üblichen Heldenkult um sie als schwer erträglich.
Fast will es scheinen, daß manche Deutsche endlich auch wieder ihre Schurken anbeten können wollen, wie früher Bismarck (der nach Lust und Laune Kriege anzuzetteln pflegte). Oder daß man insgeheim hofft, wieder solch heroische "Staatsmänner" zu bekommen, die rücksichtlos über Leichen gehen.
(Wurde nicht vor kurzem in der Zeit geschrieben, der Niedergang Großbritanniens habe mit sozialer Politik, Selbstbestimmung für die Kolonien und Demokratisierung begonnen?
http://www.zeit.de/politi...)
Der von Churchill abgesegnete britische Terrorismus gegen die deutsche Zivilbevölkerung ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist in Deutschland z.B., wie Churchill dafür sorgte, den demokratisch gewählten iranischen Präsidenten Mossadegh wegzuputschen, nur weil er es wagte, den britischen Gratiszugriff auf das iranische Erdöl zu gefährden. Churchill war ein Imperialist der widerlichsten Sorte.
Ich finde nicht angemessen, wie Sie einen Demokraten wie Churchill (und Truman, Eisenhower, De Gaulle) in einen Topf werfen mit Diktatoren wie Stalin und Mao und dann allesamt zu Verbrechern erklären.
Niemand ist vollkommen, Churchill sicher nicht. Aber in finsterster Zeit hat dieser Mann die Stellung gehalten gegen eine schreckliche Tyrannei, die von Deutschland ausging und die - hätte sie gesiegt - das Ende der Demokratie und in Wahrheit der Zivilisation, den Triumph eines Verbrecherregimes bedeutet hätte. Dass wir heute in Freiheit leben können (und dass der Holocaust nur zum Teil sein Ziel erreichte), das verdanken wir der Sturheit und Größe eines Mannes wie Churchill.
Miteingechlossen werden sollte auch eine differenzierte Betrachtung des Luftkrieges; sicher brutalisiert jeder Krieg. Aber Deutschland kann und sollte sich nicht beklagen - wer hat angefangen?
Eisenhower, Churchill, De Gaulle? In einem Satz genannt mit Stalin und Mao? Ein finsteres Geschichtsverständnis haben Sie...
Ich finde nicht angemessen, wie Sie einen Demokraten wie Churchill (und Truman, Eisenhower, De Gaulle) in einen Topf werfen mit Diktatoren wie Stalin und Mao und dann allesamt zu Verbrechern erklären.
Niemand ist vollkommen, Churchill sicher nicht. Aber in finsterster Zeit hat dieser Mann die Stellung gehalten gegen eine schreckliche Tyrannei, die von Deutschland ausging und die - hätte sie gesiegt - das Ende der Demokratie und in Wahrheit der Zivilisation, den Triumph eines Verbrecherregimes bedeutet hätte. Dass wir heute in Freiheit leben können (und dass der Holocaust nur zum Teil sein Ziel erreichte), das verdanken wir der Sturheit und Größe eines Mannes wie Churchill.
Miteingechlossen werden sollte auch eine differenzierte Betrachtung des Luftkrieges; sicher brutalisiert jeder Krieg. Aber Deutschland kann und sollte sich nicht beklagen - wer hat angefangen?
Eisenhower, Churchill, De Gaulle? In einem Satz genannt mit Stalin und Mao? Ein finsteres Geschichtsverständnis haben Sie...
Ich finde nicht angemessen, wie Sie einen Demokraten wie Churchill (und Truman, Eisenhower, De Gaulle) in einen Topf werfen mit Diktatoren wie Stalin und Mao und dann allesamt zu Verbrechern erklären.
Niemand ist vollkommen, Churchill sicher nicht. Aber in finsterster Zeit hat dieser Mann die Stellung gehalten gegen eine schreckliche Tyrannei, die von Deutschland ausging und die - hätte sie gesiegt - das Ende der Demokratie und in Wahrheit der Zivilisation, den Triumph eines Verbrecherregimes bedeutet hätte. Dass wir heute in Freiheit leben können (und dass der Holocaust nur zum Teil sein Ziel erreichte), das verdanken wir der Sturheit und Größe eines Mannes wie Churchill.
Miteingechlossen werden sollte auch eine differenzierte Betrachtung des Luftkrieges; sicher brutalisiert jeder Krieg. Aber Deutschland kann und sollte sich nicht beklagen - wer hat angefangen?
"Aber in finsterster Zeit hat dieser Mann die Stellung gehalten gegen eine schreckliche Tyrannei, die von Deutschland ausging und die - hätte sie gesiegt - das Ende der Demokratie und in Wahrheit der Zivilisation, den Triumph eines Verbrecherregimes bedeutet hätte."
das Glück der Engländer war, dass die Naziführung nach den "Blitzsiegen" wirklich jeden Bezug zur Realität verloren hatte und den Russlandfeldzug auch noch eröffnete
da wäre auch wenn GB eingenommen worden wäre noch vieles offen gewesen, ganz Nord- und Südamerika, fast ganz Afrika und große Teile Asiens - das sind schon ganz andere Hausnummern, unmöglich das alles zu erobern, zu besetzen und zu kontrollieren
und in den Jahren vor 1939 waren die Staaten in Europa vieles nur keine tollen gefestigte Demokratien, selbst heute haben wir eher totalitäre Lobbykratien (ein paar Politiker einer Partei entscheiden über den Kurs und was in einem Land geschieht und das auf Zuruf einer kleinen Elite mit sehr viel Geld) als Demokratien und Leichen haben alle im Keller
Ich möchte keineswegs das Ausmaß der Verbrechen der genannten Personen gleichsetzen. Dennoch würde ich keiner von ihnen die Hand geben wollen, denn es klebt das Blut Unschuldiger an ihnen.
Und "Demokraten" waren die Westallierten genau in dem Maße, wie es ihnen in den Kram paßte (etwa so wie die meisten heutigen "demokratischen" Politiker bei uns). Truman, Eisenhower, Churchill, de Gaulle: Im Ausland war ihnen jeder noch so grausame Diktator gerade recht, sofern er den wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen nur zu Diensten war.
Und ich bin nach wie vor nicht der Meinung, daß man Zivilisten bombardieren darf, wenn einem gerade keine anderen militärischen Mittel zur Verfügung stehen, um Dampf abzulassen.
Das ist nämlich genau die Rechtfertigung der meisten Terroristen, und das ist Churchills Rechtfertigung gewesen.
Was wäre denn die historische Lehre, wenn tatsächlich Terrorismus gerechtfertigt ist, um noble Ziele durchzusetzen?
"Aber in finsterster Zeit hat dieser Mann die Stellung gehalten gegen eine schreckliche Tyrannei, die von Deutschland ausging und die - hätte sie gesiegt - das Ende der Demokratie und in Wahrheit der Zivilisation, den Triumph eines Verbrecherregimes bedeutet hätte."
das Glück der Engländer war, dass die Naziführung nach den "Blitzsiegen" wirklich jeden Bezug zur Realität verloren hatte und den Russlandfeldzug auch noch eröffnete
da wäre auch wenn GB eingenommen worden wäre noch vieles offen gewesen, ganz Nord- und Südamerika, fast ganz Afrika und große Teile Asiens - das sind schon ganz andere Hausnummern, unmöglich das alles zu erobern, zu besetzen und zu kontrollieren
und in den Jahren vor 1939 waren die Staaten in Europa vieles nur keine tollen gefestigte Demokratien, selbst heute haben wir eher totalitäre Lobbykratien (ein paar Politiker einer Partei entscheiden über den Kurs und was in einem Land geschieht und das auf Zuruf einer kleinen Elite mit sehr viel Geld) als Demokratien und Leichen haben alle im Keller
Ich möchte keineswegs das Ausmaß der Verbrechen der genannten Personen gleichsetzen. Dennoch würde ich keiner von ihnen die Hand geben wollen, denn es klebt das Blut Unschuldiger an ihnen.
Und "Demokraten" waren die Westallierten genau in dem Maße, wie es ihnen in den Kram paßte (etwa so wie die meisten heutigen "demokratischen" Politiker bei uns). Truman, Eisenhower, Churchill, de Gaulle: Im Ausland war ihnen jeder noch so grausame Diktator gerade recht, sofern er den wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen nur zu Diensten war.
Und ich bin nach wie vor nicht der Meinung, daß man Zivilisten bombardieren darf, wenn einem gerade keine anderen militärischen Mittel zur Verfügung stehen, um Dampf abzulassen.
Das ist nämlich genau die Rechtfertigung der meisten Terroristen, und das ist Churchills Rechtfertigung gewesen.
Was wäre denn die historische Lehre, wenn tatsächlich Terrorismus gerechtfertigt ist, um noble Ziele durchzusetzen?
"Aber in finsterster Zeit hat dieser Mann die Stellung gehalten gegen eine schreckliche Tyrannei, die von Deutschland ausging und die - hätte sie gesiegt - das Ende der Demokratie und in Wahrheit der Zivilisation, den Triumph eines Verbrecherregimes bedeutet hätte."
das Glück der Engländer war, dass die Naziführung nach den "Blitzsiegen" wirklich jeden Bezug zur Realität verloren hatte und den Russlandfeldzug auch noch eröffnete
da wäre auch wenn GB eingenommen worden wäre noch vieles offen gewesen, ganz Nord- und Südamerika, fast ganz Afrika und große Teile Asiens - das sind schon ganz andere Hausnummern, unmöglich das alles zu erobern, zu besetzen und zu kontrollieren
und in den Jahren vor 1939 waren die Staaten in Europa vieles nur keine tollen gefestigte Demokratien, selbst heute haben wir eher totalitäre Lobbykratien (ein paar Politiker einer Partei entscheiden über den Kurs und was in einem Land geschieht und das auf Zuruf einer kleinen Elite mit sehr viel Geld) als Demokratien und Leichen haben alle im Keller
Spanien und Portugal wüteten seit dem 16 Jhrd in Südamerika, die Franzosen und Engländer in Nordamerika, wobei da überall die Urbevölkerung und deren Kultur mehr oder weniger in 200 Jahren völlig eliminiert wurde, die Belgier im Gebiet des Kongo ab 1885 mit ca. 10 Millionen Toten (da ist heute noch das absolute Chaos), und Sklaven aus Afrika holten sich alle Staaten, die Urbevölkerung Australiens und speziell Neuseelands wurde ebenfalls sehr stark dezimiert oder ganz ausgelöscht, die kleineren Massenmorde innerhalb Europas und anderswo nicht mal angeführt - das waren alles die weißen Europäer
und was haben die Machthaber daraus gelernt, es wird aufgerüstet was das Zeug hält, der Waffenexport ist ein einträgliches Geschäft, so "tolle und ergiebige" Massenvernichtungswaffen wie derzeit hat es vorher noch nie gegeben, Natur und Menschen werden ausgebeutet was das Zeug hält, es wird im Namen der Freiheit gemordet und geplündert
die Welt ist außerhalb Europas nicht viel besser geworden, das sterben und ausbeuten für europäischen Wohlstand wurde nur globalisiert und Europa muss mit anderen Großmächten die Profite teilen, es wird aber nicht mehr lange dauern, dann muss die europäische Elite wieder vor Ort, also in Europa Menschen ausbeuten, weil alles andere schon verteilt und ausgebeutet wurde
Spanien und Portugal wüteten seit dem 16 Jhrd in Südamerika, die Franzosen und Engländer in Nordamerika, wobei da überall die Urbevölkerung und deren Kultur mehr oder weniger in 200 Jahren völlig eliminiert wurde, die Belgier im Gebiet des Kongo ab 1885 mit ca. 10 Millionen Toten (da ist heute noch das absolute Chaos), und Sklaven aus Afrika holten sich alle Staaten, die Urbevölkerung Australiens und speziell Neuseelands wurde ebenfalls sehr stark dezimiert oder ganz ausgelöscht, die kleineren Massenmorde innerhalb Europas und anderswo nicht mal angeführt - das waren alles die weißen Europäer
und was haben die Machthaber daraus gelernt, es wird aufgerüstet was das Zeug hält, der Waffenexport ist ein einträgliches Geschäft, so "tolle und ergiebige" Massenvernichtungswaffen wie derzeit hat es vorher noch nie gegeben, Natur und Menschen werden ausgebeutet was das Zeug hält, es wird im Namen der Freiheit gemordet und geplündert
die Welt ist außerhalb Europas nicht viel besser geworden, das sterben und ausbeuten für europäischen Wohlstand wurde nur globalisiert und Europa muss mit anderen Großmächten die Profite teilen, es wird aber nicht mehr lange dauern, dann muss die europäische Elite wieder vor Ort, also in Europa Menschen ausbeuten, weil alles andere schon verteilt und ausgebeutet wurde
Ich möchte keineswegs das Ausmaß der Verbrechen der genannten Personen gleichsetzen. Dennoch würde ich keiner von ihnen die Hand geben wollen, denn es klebt das Blut Unschuldiger an ihnen.
Und "Demokraten" waren die Westallierten genau in dem Maße, wie es ihnen in den Kram paßte (etwa so wie die meisten heutigen "demokratischen" Politiker bei uns). Truman, Eisenhower, Churchill, de Gaulle: Im Ausland war ihnen jeder noch so grausame Diktator gerade recht, sofern er den wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen nur zu Diensten war.
Und ich bin nach wie vor nicht der Meinung, daß man Zivilisten bombardieren darf, wenn einem gerade keine anderen militärischen Mittel zur Verfügung stehen, um Dampf abzulassen.
Das ist nämlich genau die Rechtfertigung der meisten Terroristen, und das ist Churchills Rechtfertigung gewesen.
Was wäre denn die historische Lehre, wenn tatsächlich Terrorismus gerechtfertigt ist, um noble Ziele durchzusetzen?
Spanien und Portugal wüteten seit dem 16 Jhrd in Südamerika, die Franzosen und Engländer in Nordamerika, wobei da überall die Urbevölkerung und deren Kultur mehr oder weniger in 200 Jahren völlig eliminiert wurde, die Belgier im Gebiet des Kongo ab 1885 mit ca. 10 Millionen Toten (da ist heute noch das absolute Chaos), und Sklaven aus Afrika holten sich alle Staaten, die Urbevölkerung Australiens und speziell Neuseelands wurde ebenfalls sehr stark dezimiert oder ganz ausgelöscht, die kleineren Massenmorde innerhalb Europas und anderswo nicht mal angeführt - das waren alles die weißen Europäer
und was haben die Machthaber daraus gelernt, es wird aufgerüstet was das Zeug hält, der Waffenexport ist ein einträgliches Geschäft, so "tolle und ergiebige" Massenvernichtungswaffen wie derzeit hat es vorher noch nie gegeben, Natur und Menschen werden ausgebeutet was das Zeug hält, es wird im Namen der Freiheit gemordet und geplündert
die Welt ist außerhalb Europas nicht viel besser geworden, das sterben und ausbeuten für europäischen Wohlstand wurde nur globalisiert und Europa muss mit anderen Großmächten die Profite teilen, es wird aber nicht mehr lange dauern, dann muss die europäische Elite wieder vor Ort, also in Europa Menschen ausbeuten, weil alles andere schon verteilt und ausgebeutet wurde
seinen Meister in der Sowjetunion gefunden. Während Kreise in England und den USA zunächst nur auf einen Feldzug Richtung Osten hofften und die Faschisten kräftig unterstützen.
Aber die anglo-amerikanischen Imperialisten waren natürlich schon auf Grund ihres historischen Vorsprungs gewiefter als the germans.
Naja, das ist nicht ganz zutreffend, gell?
Immerhin hat ja die UDSSR mit Nazi-Deutschland ein Hitler-Stalin Abkommen geschlossen. Dieser Tage kann man ja viel lesen über Katyn; da kann man besichtigen, was dieses Abkommen bedeutet hat.
In dieser Zeit haben die Briten mit Churchill an ihrer Spitze allein gestanden - und gestanden haben sie. Daran darf man schon erinnern.
Naja, das ist nicht ganz zutreffend, gell?
Immerhin hat ja die UDSSR mit Nazi-Deutschland ein Hitler-Stalin Abkommen geschlossen. Dieser Tage kann man ja viel lesen über Katyn; da kann man besichtigen, was dieses Abkommen bedeutet hat.
In dieser Zeit haben die Briten mit Churchill an ihrer Spitze allein gestanden - und gestanden haben sie. Daran darf man schon erinnern.
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