Archäologie Schatzjagd auf dem Acker
Mit Metalldetektoren spüren Hobbyarchäologen in England Unmengen historischer Relikte auf – Preziosen für die Wissenschaft
© Reiner Luyken

Roger Mintey fahndet nach Münzen. Fast 10.000 Hobbyarchäologen in Großbritannien gehen auf Schatzsuche
Roger Mintey schlüpft in eine warme Jacke, zieht die vom letzten Ausflug noch lehmverschmierten Gummistiefel über seine Waden, schnallt Schutzpolster um die Knie und holt den tragbaren Metalldetektor und einen Spaten aus seinem Toyota Corolla. Er stapft auf eine Weide hinter den Stallungen der Clifton Cottage Farm in der Grafschaft Sussex. Ein südenglisches Idyll, Schafe grasen unter jahrhundertealten Eichen und Buchen, neugeborene Lämmer probieren ihre wackeligen Beine aus. Jenseits der heckenbesäumten Wiesen ragen die Kalkfelsen der North Downs auf. Die Morgensonne wirft lange Schatten.
Mintey fährt mit der tellergroßen Sonde über das Gras. Lange tut sich nichts. Dann piepst die Maschine. Er schaltet von Suchmodus auf Fundbetrieb um. Das Gerät brummt, offenbar ein vielversprechendes Zeichen. »Ich will’s mal versuchen«, murmelt Mintey und zückt den Spaten. Er hebelt einen kreisrunden Soden aus.
In Deutschland wird die Suche mit der Sonde hoch bestraft
Zwanzig Zentimeter unter der Oberfläche fördert er ein verschmutztes Etwas zutage, so groß wie eine Zwei-Euro-Münze. Vorsichtig reibt er den Lehm ab. »A ha’penny«, verkündet er, ein halber Penny, 18. Jahrhundert. Ich finde das aufregend. Für Mintey ist es ein alltäglicher Fund. Er will »eine fette Münze aus gehämmertem Silber« aufspüren. Mittelalter. Seit sechs Jahren ist ihm ein solches Kleinod nicht mehr zwischen die Finger gekommen. Sein ungewöhnlichster Fund auf der Clifton Cottage Farm stammte von 1833, eine von einem Verband in Großbritannien ansässiger Polen geprägte Medaille.
Aber man kann ja nie wissen. Der Farmer, ein Mister Leadbeater, hatte uns auf eine Unebenheit in der Bodenkontur aufmerksam gemacht. Das seien die Reste einer mittelalterlichen Straße, auf alten Landkarten sei sie noch eingezeichnet. Mintey ist Schatzsucher. Solange er die Erlaubnis eines Landbesitzers hat, darf er nach Preziosen suchen, ganz gleich, ob diese aus der Bronzezeit, der Ära der römischen Besatzung oder dem Mittelalter stammen.
Deutschen Archäologen stehen die Haare zu Berge, wenn sie nur das Wort »Metalldetektor« hören. Die Schatzsuche mit Metalldetektoren werde in Deutschland zu Recht hoch bestraft, glaubt Christian Möller, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte. Er verurteilt Ausgrabungen von Hobbyschatzsuchern als »Albtraum eines jeden Archäologen«. Bei von Amateuren ausgebuddelten Schätzen sei die Rekonstruktion von Geschichte oft nicht mehr möglich, erklärt seine Kollegin Susanne Heun, weil die entscheidenden Fund- und Befundzusammenhänge zerstört wurden. Der Altertumskunde komme es nicht auf den namenlosen Fund an, sondern auf das Gesamte. Die Hobbyarchäologie sei also »Diebstahl am Kulturerbe der Gesellschaft«.
In England sieht man das anders. Hier haben sich die Schatzsucher in einer landesweiten Organisation zusammengeschlossen, dem National Council for Metal Detecting. Mintey ist Vorsitzender der Region Süd. Das Council wird von der Regierung anerkannt. Diese Politik des Laisser-faire ist ziemlich einzigartig. Im benachbarten Irland ist sogar der Vertrieb von Fachliteratur und einschlägigen Zeitschriften verboten.
Doch ohne Amateure könnte der Archäologie langsam das Material ausgehen. Die Funde römischer Münzen erreichten in Europa Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Heute sind sie auf den Stand von Mitte des 18. Jahrhunderts zurückgefallen. Auch auf der Insel ging ihre Zahl bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Dann kamen die ersten erschwinglichen Metalldetektoren auf den Markt. Heute werden hier fast drei Mal so viele römische Goldstücke wie im restlichen Europa entdeckt.
Die meisten Altertumsfunde gehen auf das Konto jener 10.000 Enthusiasten, die bei Wind und Wetter mit Metallsonden über die Felder ziehen. Nur noch fünf Prozent aller Fundstücke stammen aus akademischen Ausgrabungen. Die archäologische Sammlung des Stadtmuseums von London besteht fast ausschließlich aus Material, das Mitglieder der Society of Thames Mudlarks liefern. Die fünfzig Moddergräber buddeln bei Ebbe im Uferschlick der Themse nach Schmuckstücken und Scherben. Sie alle sind Amateure.
- Datum 16.04.2010 - 19:04 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.04.2010 Nr. 16
- Kommentare 29
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Mal wieder typisch deutscher Quatsch
lieber dass der Bauer seine Schweinegülle über den Acker schüttet oder alles umgräbt als dass man einem Hobbyarchäologen seinen Spass erlaubt - und selbst wenn die Sachen dann im Handel verschwinden - lieber im Handel als in der Gülle oder unter der Autobahn.
dt. Archäologen kennen, dann wüssten sie, warum die Äußerungen getätigt werden und damit meine ich nicht die armen auf Zeit Angestellten Absolventen, die maximal drei Jahre ihrer Tätigkeit in diesem staatlich kontrollierten Monopol nachgehen können. Dann doch lieber die englische Lösung.
dt. Archäologen kennen, dann wüssten sie, warum die Äußerungen getätigt werden und damit meine ich nicht die armen auf Zeit Angestellten Absolventen, die maximal drei Jahre ihrer Tätigkeit in diesem staatlich kontrollierten Monopol nachgehen können. Dann doch lieber die englische Lösung.
dt. Archäologen kennen, dann wüssten sie, warum die Äußerungen getätigt werden und damit meine ich nicht die armen auf Zeit Angestellten Absolventen, die maximal drei Jahre ihrer Tätigkeit in diesem staatlich kontrollierten Monopol nachgehen können. Dann doch lieber die englische Lösung.
"Heute werden hier fast drei Mal so viele römische Goldstücke wie im restlichen Europa entdeckt."
Und was bringt das? Da findet ein Sondengänger mal solch einen Aureus (in welchem Acker findet man eigtl. so einen Aureus oder Solidus rumliegen???), gräbt ihn aus und zeigt ihn den örtlichen Archäologen (im besten Fall, im schlechtesten freut sich irgendein Sammler). Was fängt der dann damit an? Römische Münzen gibt es so viele, dass sie auf eBay zu tausenden versteigert werden. Erkenntnisse ergeben sich nur im Zusammenhang mit der Umgebung.
Wie soll man nachträglich bitte noch herausfinden, wie die Münze dort hinkam, warum, wem sie gehörte etc.?
Wer Spaß an Archäologie hat und gerne mal in den Ferien mit der Sonde läuft, der kann seine Freizeit als Grabungshelfer füllen. Das hilft den Archäologen, man kommt mit den Profis in Kontakt und macht nichts kaputt.
Wer das Gefundene behalten will ist hier natürlich fehl am Platz, aber dem sollte man sowieso saftige Geldbußen aufbrummen.
Nehmen wir an ich kaufe ein Grundstück.
Umgraben kann ich es - kein Problem, auch wenn dabei potenzielle Archäologische Fundstücke Kaputtgehen.
Aber wenn ich mit einem Metalldetektor erst suchen würde ist das verboten?
Sehe ich hier was falsch oder ergibt das obige keinen Sinn? Das entnehme ich nämlich dem Artikel...
Nehmen wir an ich kaufe ein Grundstück.
Umgraben kann ich es - kein Problem, auch wenn dabei potenzielle Archäologische Fundstücke Kaputtgehen.
Aber wenn ich mit einem Metalldetektor erst suchen würde ist das verboten?
Sehe ich hier was falsch oder ergibt das obige keinen Sinn? Das entnehme ich nämlich dem Artikel...
Nehmen wir an ich kaufe ein Grundstück.
Umgraben kann ich es - kein Problem, auch wenn dabei potenzielle Archäologische Fundstücke Kaputtgehen.
Aber wenn ich mit einem Metalldetektor erst suchen würde ist das verboten?
Sehe ich hier was falsch oder ergibt das obige keinen Sinn? Das entnehme ich nämlich dem Artikel...
In Deutschland mag man keine Amateure.
Dafür liebt und verehrt man Kittelträger, egal wie das Ergebnis aussieht.
Für alles braucht man einen Lehrgang oder Studium.
Manchmal wundere ich mich das es keinen Führerschein für den Toilettengang gibt.
Geld und öffentliche Fördermittel spielen hier ein wichtige Rolle. Stelle sich einer vor man dürfte in good old Germany auf Schatzsuche gehen. Dann würde man schnell sehen das die meisten Funde auf die Konten der Amateure gehen würden.
Wie wollen die "Profis" dann ihre hohen Subventionen rechtfertigen?
Ich finde das Englische System gut. Es ist fair und beruht auf Wissens und Erfahrungsaustausch zwischen Amateuren und Profis. Auch hier gilt, gemeinsam ist man stärker.
Ich freue mich das man in Kiel an eine Gesetzes Adaption denkt. Das ist ja fast schon revolutionär! ;-)
"Dann würde man schnell sehen das die meisten Funde auf die Konten der Amateure gehen würden."
Ja, klasse. Da gäbe es dann jede Menge kontextloser Funde, die der Wissenschaft überhaupt nichts mehr bringen.
Eine Ausgrabung ist im besten Fall von langer Hand geplant und läuft geordnet und systematisch ab. Es wird dann ein großes Areal komplett oder teilweise begraben, wobei jeder Fund und Befund sorgfältig dokumentiert und später ausgewertet wird. Die eigentlichen Fundstücke sind nach einem abgeschlossenen Projekt nur noch von sekundärer Bedeutung und werden konserviert oder ausgestellt.
Wie oben schon erwähnt - wer ausgraben will möge sich als Grabungshelfer melden, wer Schätze finden will sollte besser auswandern.
... es gäbe so viele bekannte Fundstätten, dass man man mit Notgrabungen ausgelastet sei.
Da ist es auf alle Fälle sinnvoll, sich der Realität zu stellen und einen vernünftigen Konsenz mit "Raubgräbern" oder "Hobbyarchäologen" (die Grenze ist wohl sehr fließend, je nachdem, worum es geht) zu suchen.
Der Idealfall wäre wohl, wenn interessierte Laien sich schulen lassen, wie sie feststellen, wann sie einen Fachmann informieren sollten. Und dann auch etwas davon haben - Mitarbeiten können, Anerkennung und ja, auch Geld - wenn etwas gefunden wird.
Vom hier angesprochenen freiwilligen Helfen bei Grabungen habe ich leider nicht viel Gutes gehört. Klar, ein bischen Abenteuer und Romantik, aber sowie tatsächlich etwas halbwegs Interessantes passiert, taucht ein "Professioneller" auf und verscheucht die Amateure, damit ihm bloß niemand "seinen" Fund streitig macht.
So treibt man - ich denke da realistisch - viele Menschen in die Illegalität. Fragen, wie die in #4, sind da nur der Einstieg über die weiche Droge "was wäre wenn".
Der Wissenschaft ist damit nicht gedient und solange die Wissenschaftler nicht mit interessierten Bürgern, sondern tendentiell gegen sie arbeiten, schlagen sie nicht nur wertvolle (und für sie überhaupt nicht bezahlbare) Hilfe aus, sondern riskieren auch, dass ihnen viele wichtige Funde niemals bekannt werden oder zur Verfügung stehen.
Alles Gute
Kai Hamannn
"Dann würde man schnell sehen das die meisten Funde auf die Konten der Amateure gehen würden."
Ja, klasse. Da gäbe es dann jede Menge kontextloser Funde, die der Wissenschaft überhaupt nichts mehr bringen.
Eine Ausgrabung ist im besten Fall von langer Hand geplant und läuft geordnet und systematisch ab. Es wird dann ein großes Areal komplett oder teilweise begraben, wobei jeder Fund und Befund sorgfältig dokumentiert und später ausgewertet wird. Die eigentlichen Fundstücke sind nach einem abgeschlossenen Projekt nur noch von sekundärer Bedeutung und werden konserviert oder ausgestellt.
Wie oben schon erwähnt - wer ausgraben will möge sich als Grabungshelfer melden, wer Schätze finden will sollte besser auswandern.
... es gäbe so viele bekannte Fundstätten, dass man man mit Notgrabungen ausgelastet sei.
Da ist es auf alle Fälle sinnvoll, sich der Realität zu stellen und einen vernünftigen Konsenz mit "Raubgräbern" oder "Hobbyarchäologen" (die Grenze ist wohl sehr fließend, je nachdem, worum es geht) zu suchen.
Der Idealfall wäre wohl, wenn interessierte Laien sich schulen lassen, wie sie feststellen, wann sie einen Fachmann informieren sollten. Und dann auch etwas davon haben - Mitarbeiten können, Anerkennung und ja, auch Geld - wenn etwas gefunden wird.
Vom hier angesprochenen freiwilligen Helfen bei Grabungen habe ich leider nicht viel Gutes gehört. Klar, ein bischen Abenteuer und Romantik, aber sowie tatsächlich etwas halbwegs Interessantes passiert, taucht ein "Professioneller" auf und verscheucht die Amateure, damit ihm bloß niemand "seinen" Fund streitig macht.
So treibt man - ich denke da realistisch - viele Menschen in die Illegalität. Fragen, wie die in #4, sind da nur der Einstieg über die weiche Droge "was wäre wenn".
Der Wissenschaft ist damit nicht gedient und solange die Wissenschaftler nicht mit interessierten Bürgern, sondern tendentiell gegen sie arbeiten, schlagen sie nicht nur wertvolle (und für sie überhaupt nicht bezahlbare) Hilfe aus, sondern riskieren auch, dass ihnen viele wichtige Funde niemals bekannt werden oder zur Verfügung stehen.
Alles Gute
Kai Hamannn
"Dann würde man schnell sehen das die meisten Funde auf die Konten der Amateure gehen würden."
Ja, klasse. Da gäbe es dann jede Menge kontextloser Funde, die der Wissenschaft überhaupt nichts mehr bringen.
Eine Ausgrabung ist im besten Fall von langer Hand geplant und läuft geordnet und systematisch ab. Es wird dann ein großes Areal komplett oder teilweise begraben, wobei jeder Fund und Befund sorgfältig dokumentiert und später ausgewertet wird. Die eigentlichen Fundstücke sind nach einem abgeschlossenen Projekt nur noch von sekundärer Bedeutung und werden konserviert oder ausgestellt.
Wie oben schon erwähnt - wer ausgraben will möge sich als Grabungshelfer melden, wer Schätze finden will sollte besser auswandern.
verrotten lassen, als sie in Sammlerhände oder in den Handel kommen zu lassen.
Wenn ich sehe, wie in Deutschland offenkundige Bodendenkmäler in Wald und Flur von Wegen und Traktoren zerschnitten werden, ohne dass hier irgendwer eingreift und die Sache ahndet, erscheint es mir doch sehr doppelbödig, wie man Schatzsuchern in Deutschland durch Bußgelder und generelle Verbote ihr Hobby unmöglich machen will.
Die deutsche, staatlich besoldete Archäologenzunft ist seit Jahren UNFÄHIG, neue und interessante Objekte an den Tag zu liefern, die ein breiteres Interesse an unserer Vorgeschichte hervorrufen könnte.
Sie wahrt stattessen eifersüchtig Ihre Pfründe, ohne die Öffentlichkeit dafür angemessen - mit neuen Funden - zu entschädigen.
Die Folge ist, dass die Allgemeinheit die Archäologie als "nett, aber verzichbar" betrachtet und mit entsprechend wenig Geldern ausstattet.
Die Geschichte zeigt nun, dass eifersüchtige Pründenhuberei, da wo sie gepflegt wurde, den Pfründenhubern meist wenig dauerhaft von Nutzen war.
Es wird Zeit umzudenken - für die deutsche Verbandsarchäologie.
verrotten lassen, als sie in Sammlerhände oder in den Handel kommen zu lassen.
Wenn ich sehe, wie in Deutschland offenkundige Bodendenkmäler in Wald und Flur von Wegen und Traktoren zerschnitten werden, ohne dass hier irgendwer eingreift und die Sache ahndet, erscheint es mir doch sehr doppelbödig, wie man Schatzsuchern in Deutschland durch Bußgelder und generelle Verbote ihr Hobby unmöglich machen will.
Die deutsche, staatlich besoldete Archäologenzunft ist seit Jahren UNFÄHIG, neue und interessante Objekte an den Tag zu liefern, die ein breiteres Interesse an unserer Vorgeschichte hervorrufen könnte.
Sie wahrt stattessen eifersüchtig Ihre Pfründe, ohne die Öffentlichkeit dafür angemessen - mit neuen Funden - zu entschädigen.
Die Folge ist, dass die Allgemeinheit die Archäologie als "nett, aber verzichbar" betrachtet und mit entsprechend wenig Geldern ausstattet.
Die Geschichte zeigt nun, dass eifersüchtige Pründenhuberei, da wo sie gepflegt wurde, den Pfründenhubern meist wenig dauerhaft von Nutzen war.
Es wird Zeit umzudenken - für die deutsche Verbandsarchäologie.
verrotten lassen, als sie in Sammlerhände oder in den Handel kommen zu lassen.
Wenn ich sehe, wie in Deutschland offenkundige Bodendenkmäler in Wald und Flur von Wegen und Traktoren zerschnitten werden, ohne dass hier irgendwer eingreift und die Sache ahndet, erscheint es mir doch sehr doppelbödig, wie man Schatzsuchern in Deutschland durch Bußgelder und generelle Verbote ihr Hobby unmöglich machen will.
Die deutsche, staatlich besoldete Archäologenzunft ist seit Jahren UNFÄHIG, neue und interessante Objekte an den Tag zu liefern, die ein breiteres Interesse an unserer Vorgeschichte hervorrufen könnte.
Sie wahrt stattessen eifersüchtig Ihre Pfründe, ohne die Öffentlichkeit dafür angemessen - mit neuen Funden - zu entschädigen.
Die Folge ist, dass die Allgemeinheit die Archäologie als "nett, aber verzichbar" betrachtet und mit entsprechend wenig Geldern ausstattet.
Die Geschichte zeigt nun, dass eifersüchtige Pründenhuberei, da wo sie gepflegt wurde, den Pfründenhubern meist wenig dauerhaft von Nutzen war.
Es wird Zeit umzudenken - für die deutsche Verbandsarchäologie.
Der beste Witz im Artikel:
"Doch ohne Amateure könnte der Archäologie langsam das Material ausgehen." Wenn die "unfähige, staatlich besoldete Archäologenzunft" (zweiter Witz!) die finanziellen Mittel hätte, allein die in den Museumsdepots liegenden "Schätze" auszuwerten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, würden Sie jedes Jahr mehr als 100 hochkarätige archäologische Ausstellungen besuchen können.
Schade, daß Sie die aus regulären Grabungen stammenden Funde nicht sensationell genug finden:
- Eiszeitkunst aus den Höhlen der Schwäbischen Alb, wie die Venus aus Mammut-Elfenbein vom Hohle Fels
http://www.archaeologie-o...
- Waldgirmes: Pferdekopf aus vergoldeter Bronze eines lebensgroßen Reiterstandbilds, evtl. Augustus:
http://www.dainst.de/inde...
http://de.wikipedia.org/wiki/Römisches_Forum_Lahnau-Waldgirmes
- Glauberg: "Keltisches" Fürstengrab mit Kultzugang und Siedlung
http://www.fuerstensitze....
http://de.wikipedia.org/w...
Im Unterschied zu den tollen Funden, die Sondengänger liefern, ist hier der gesamte Befundzusammenhang bekannt und liefert damit wichtige Daten.
Denn ohne sicheren Befundkontext sind auch solche Highlights wie die Himmelsscheibe von Nebra
http://de.wikipedia.org/w...
leider von geringerer Aussage.
Dass die Archäologie wertvolle Sicherungs- und Aufarbeitungsleistung leidet, ist unstrittig.
Auch dass es an Geldern fehlt, diese Aufarbeitung überhaupt zu leisten, ist natürlich klar.
Aber dass es in Deutschland in manchen Bundesländern Schatzsuchern verboten wird, sich auf Feld und Flur jenseits von Bodendenkmälern mit einer Sonde überhaupt nur ZU BEWEGEN, zeigt eine rigoristische Grundhaltung, die letztere in die Illegalität zwingt und Archäologie UND Öffentlichkeit wichtige Befunde und Indizien vorenthält.
Hinzu kommt, dass die archäologische Aufarbeitung gewisser Gegenden in Deutschland, gerade im Hinblick auf die Frühgeschichte, in meinen Augen als mehr als nur rudimentär zu betrachten ist.
Bodendenkmäler und ihr unmittelbares Umweld verroten im Wald, werden angeschnitten, überfahren und mit (wilden) Wegen überbaut, und niemand stört sich daran und greift entsprechend ein.
Man hat mal was von Raubgrabungen vor dem Krieg gehört, kann die Bodendenkmäler UNGEFÄHR datieren. Vielleicht hängt dort sogar ein altes Hinweisschild. Und das ist dann meist auch gewesen.
Diese völlig unbefriedigende Situation passt gewiss nicht zu der völlig rigoristischen Haltung gegenüber Sondengängern.
Sie widerpricht einerseits dem Interesse der Archäologie, sie widespricht aber auch dem Auskunfts- und Informationsrecht seitens der „einfachen“ Bevölkerung, auf deren Wohlwollen die Archäologie indessen angewiesen ist.
Der beste Witz im Artikel:
"Doch ohne Amateure könnte der Archäologie langsam das Material ausgehen." Wenn die "unfähige, staatlich besoldete Archäologenzunft" (zweiter Witz!) die finanziellen Mittel hätte, allein die in den Museumsdepots liegenden "Schätze" auszuwerten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, würden Sie jedes Jahr mehr als 100 hochkarätige archäologische Ausstellungen besuchen können.
Schade, daß Sie die aus regulären Grabungen stammenden Funde nicht sensationell genug finden:
- Eiszeitkunst aus den Höhlen der Schwäbischen Alb, wie die Venus aus Mammut-Elfenbein vom Hohle Fels
http://www.archaeologie-o...
- Waldgirmes: Pferdekopf aus vergoldeter Bronze eines lebensgroßen Reiterstandbilds, evtl. Augustus:
http://www.dainst.de/inde...
http://de.wikipedia.org/wiki/Römisches_Forum_Lahnau-Waldgirmes
- Glauberg: "Keltisches" Fürstengrab mit Kultzugang und Siedlung
http://www.fuerstensitze....
http://de.wikipedia.org/w...
Im Unterschied zu den tollen Funden, die Sondengänger liefern, ist hier der gesamte Befundzusammenhang bekannt und liefert damit wichtige Daten.
Denn ohne sicheren Befundkontext sind auch solche Highlights wie die Himmelsscheibe von Nebra
http://de.wikipedia.org/w...
leider von geringerer Aussage.
Dass die Archäologie wertvolle Sicherungs- und Aufarbeitungsleistung leidet, ist unstrittig.
Auch dass es an Geldern fehlt, diese Aufarbeitung überhaupt zu leisten, ist natürlich klar.
Aber dass es in Deutschland in manchen Bundesländern Schatzsuchern verboten wird, sich auf Feld und Flur jenseits von Bodendenkmälern mit einer Sonde überhaupt nur ZU BEWEGEN, zeigt eine rigoristische Grundhaltung, die letztere in die Illegalität zwingt und Archäologie UND Öffentlichkeit wichtige Befunde und Indizien vorenthält.
Hinzu kommt, dass die archäologische Aufarbeitung gewisser Gegenden in Deutschland, gerade im Hinblick auf die Frühgeschichte, in meinen Augen als mehr als nur rudimentär zu betrachten ist.
Bodendenkmäler und ihr unmittelbares Umweld verroten im Wald, werden angeschnitten, überfahren und mit (wilden) Wegen überbaut, und niemand stört sich daran und greift entsprechend ein.
Man hat mal was von Raubgrabungen vor dem Krieg gehört, kann die Bodendenkmäler UNGEFÄHR datieren. Vielleicht hängt dort sogar ein altes Hinweisschild. Und das ist dann meist auch gewesen.
Diese völlig unbefriedigende Situation passt gewiss nicht zu der völlig rigoristischen Haltung gegenüber Sondengängern.
Sie widerpricht einerseits dem Interesse der Archäologie, sie widespricht aber auch dem Auskunfts- und Informationsrecht seitens der „einfachen“ Bevölkerung, auf deren Wohlwollen die Archäologie indessen angewiesen ist.
... es gäbe so viele bekannte Fundstätten, dass man man mit Notgrabungen ausgelastet sei.
Da ist es auf alle Fälle sinnvoll, sich der Realität zu stellen und einen vernünftigen Konsenz mit "Raubgräbern" oder "Hobbyarchäologen" (die Grenze ist wohl sehr fließend, je nachdem, worum es geht) zu suchen.
Der Idealfall wäre wohl, wenn interessierte Laien sich schulen lassen, wie sie feststellen, wann sie einen Fachmann informieren sollten. Und dann auch etwas davon haben - Mitarbeiten können, Anerkennung und ja, auch Geld - wenn etwas gefunden wird.
Vom hier angesprochenen freiwilligen Helfen bei Grabungen habe ich leider nicht viel Gutes gehört. Klar, ein bischen Abenteuer und Romantik, aber sowie tatsächlich etwas halbwegs Interessantes passiert, taucht ein "Professioneller" auf und verscheucht die Amateure, damit ihm bloß niemand "seinen" Fund streitig macht.
So treibt man - ich denke da realistisch - viele Menschen in die Illegalität. Fragen, wie die in #4, sind da nur der Einstieg über die weiche Droge "was wäre wenn".
Der Wissenschaft ist damit nicht gedient und solange die Wissenschaftler nicht mit interessierten Bürgern, sondern tendentiell gegen sie arbeiten, schlagen sie nicht nur wertvolle (und für sie überhaupt nicht bezahlbare) Hilfe aus, sondern riskieren auch, dass ihnen viele wichtige Funde niemals bekannt werden oder zur Verfügung stehen.
Alles Gute
Kai Hamannn
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