ArchäologieSchatzjagd auf dem Acker

Mit Metalldetektoren spüren Hobbyarchäologen in England Unmengen historischer Relikte auf – Preziosen für die Wissenschaft von 

Roger Mintey fahndet nach Münzen. Fast 10.000 Hobbyarchäologen in Großbritannien gehen auf Schatzsuche

Roger Mintey fahndet nach Münzen. Fast 10.000 Hobbyarchäologen in Großbritannien gehen auf Schatzsuche  |  © Reiner Luyken

Roger Mintey schlüpft in eine warme Jacke, zieht die vom letzten Ausflug noch lehmverschmierten Gummistiefel über seine Waden, schnallt Schutzpolster um die Knie und holt den tragbaren Metalldetektor und einen Spaten aus seinem Toyota Corolla. Er stapft auf eine Weide hinter den Stallungen der Clifton Cottage Farm in der Grafschaft Sussex. Ein südenglisches Idyll, Schafe grasen unter jahrhundertealten Eichen und Buchen, neugeborene Lämmer probieren ihre wackeligen Beine aus. Jenseits der heckenbesäumten Wiesen ragen die Kalkfelsen der North Downs auf. Die Morgensonne wirft lange Schatten.

Mintey fährt mit der tellergroßen Sonde über das Gras. Lange tut sich nichts. Dann piepst die Maschine. Er schaltet von Suchmodus auf Fundbetrieb um. Das Gerät brummt, offenbar ein vielversprechendes Zeichen. »Ich will’s mal versuchen«, murmelt Mintey und zückt den Spaten. Er hebelt einen kreisrunden Soden aus.

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In Deutschland wird die Suche mit der Sonde hoch bestraft

Zwanzig Zentimeter unter der Oberfläche fördert er ein verschmutztes Etwas zutage, so groß wie eine Zwei-Euro-Münze. Vorsichtig reibt er den Lehm ab. »A ha’penny«, verkündet er, ein halber Penny, 18. Jahrhundert. Ich finde das aufregend. Für Mintey ist es ein alltäglicher Fund. Er will »eine fette Münze aus gehämmertem Silber« aufspüren. Mittelalter. Seit sechs Jahren ist ihm ein solches Kleinod nicht mehr zwischen die Finger gekommen. Sein ungewöhnlichster Fund auf der Clifton Cottage Farm stammte von 1833, eine von einem Verband in Großbritannien ansässiger Polen geprägte Medaille.

Aber man kann ja nie wissen. Der Farmer, ein Mister Leadbeater, hatte uns auf eine Unebenheit in der Bodenkontur aufmerksam gemacht. Das seien die Reste einer mittelalterlichen Straße, auf alten Landkarten sei sie noch eingezeichnet. Mintey ist Schatzsucher. Solange er die Erlaubnis eines Landbesitzers hat, darf er nach Preziosen suchen, ganz gleich, ob diese aus der Bronzezeit, der Ära der römischen Besatzung oder dem Mittelalter stammen.

Deutschen Archäologen stehen die Haare zu Berge, wenn sie nur das Wort »Metalldetektor« hören. Die Schatzsuche mit Metalldetektoren werde in Deutschland zu Recht hoch bestraft, glaubt Christian Möller, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte. Er verurteilt Ausgrabungen von Hobbyschatzsuchern als »Albtraum eines jeden Archäologen«. Bei von Amateuren ausgebuddelten Schätzen sei die Rekonstruktion von Geschichte oft nicht mehr möglich, erklärt seine Kollegin Susanne Heun, weil die entscheidenden Fund- und Befundzusammenhänge zerstört wurden. Der Altertumskunde komme es nicht auf den namenlosen Fund an, sondern auf das Gesamte. Die Hobbyarchäologie sei also »Diebstahl am Kulturerbe der Gesellschaft«.

In England sieht man das anders. Hier haben sich die Schatzsucher in einer landesweiten Organisation zusammengeschlossen, dem National Council for Metal Detecting . Mintey ist Vorsitzender der Region Süd. Das Council wird von der Regierung anerkannt. Diese Politik des Laisser-faire ist ziemlich einzigartig. Im benachbarten Irland ist sogar der Vertrieb von Fachliteratur und einschlägigen Zeitschriften verboten.

Doch ohne Amateure könnte der Archäologie langsam das Material ausgehen. Die Funde römischer Münzen erreichten in Europa Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Heute sind sie auf den Stand von Mitte des 18. Jahrhunderts zurückgefallen. Auch auf der Insel ging ihre Zahl bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Dann kamen die ersten erschwinglichen Metalldetektoren auf den Markt. Heute werden hier fast drei Mal so viele römische Goldstücke wie im restlichen Europa entdeckt.

Die meisten Altertumsfunde gehen auf das Konto jener 10.000 Enthusiasten, die bei Wind und Wetter mit Metallsonden über die Felder ziehen. Nur noch fünf Prozent aller Fundstücke stammen aus akademischen Ausgrabungen. Die archäologische Sammlung des Stadtmuseums von London besteht fast ausschließlich aus Material, das Mitglieder der Society of Thames Mudlarks liefern. Die fünfzig Moddergräber buddeln bei Ebbe im Uferschlick der Themse nach Schmuckstücken und Scherben. Sie alle sind Amateure.

Mintey fand vor zwanzig Jahren zwei irdene Gefäße mit mehr als 6000 mittelalterlichen Gold- und Silbermünzen. Die 300 bemerkenswertesten Stücke dieses Horts liegen heute im Archiv des British Museum in London. Eine Münze und die zwei Gefäße sind im Stadtmuseum der Bezirksstadt Guildford ausgestellt. Für sich selbst behielt Mintey damals 25 Taler, er verwahrt sie in einem ordentlich beschrifteten Schaukasten in seinem sonst ziemlich unordentlichen Junggesellenhaus.

Den Rest ließ er auf einer groß angekündigten Auktion in London versteigern, auf der sogar Händler aus den USA Gebote abgaben. Der Erlös, 185.000 Pfund, wurde vom Finanzamt als nicht zu versteuerndes Glückslos eingestuft – wie ein Treffer im Lotto. Er hatte doppeltes Glück. Einem 1882 verabschiedeten Gesetz zufolge gehörte der halbe Schatz dem Finder, die andere Hälfte dem Landbesitzer. Der Multimillionär, auf dessen Grund Mintey ihn fand, verzichtete auf seinen Anteil.

Minteys Reingewinn addierte sich in heutiges Geld umgerechnet auf gut und gerne eine halbe Million Euro. Er hängte seinen Job an den Nagel – er hatte seinen Lebensunterhalt nach einem Psychologiestudium in Oxford als Wirtschaftsmanager bestritten – und führt seither ein Leben als Privatier. Der Reiz seines Hobbys bestehe für ihn vor allem in der immer neuen Hoffnung, etwas, das er gefunden habe, in einem Museum ausgestellt zu sehen. Dann könne er sagen, »ich habe das ausgegraben«.

Natürlich gibt es schwarze Schafe im Metier, auch in England. Manche können der Versuchung nicht widerstehen, Funde zu verheimlichen und im Handel verschwinden zu lassen, damit sie den Erlös nicht mit dem Grundbesitzer teilen müssen. Raubgräber machten sich seit 1983 wiederholt über eine römische Tempelstätte unweit der Clifton Cottage Farm her. Die Schatzsuche in archäologisch abgegrenzten Bereichen ist selbstverständlich verboten. Von den Erträgen aus diesem Hobby kann ohnehin so gut wie niemand leben. Viel zu selten sind wirklich wertvolle Funde. Es sei eine Liebhaberei, erklärt Mintey, die floriere, solange sich jeder an einen Verhaltenskodex halte und an unter Gentlemen getroffene Vereinbarungen.

Roger Bland glaubt, das funktioniere sehr gut. Bland leitet die Abteilung für antiquarische Einzelstücke und Schatzfunde des British Museum, der größten kulturgeschichtlichen Sammlung der Welt . Er veröffentlicht jedes Jahr Berichte mit detaillierten Beschreibungen aller als treasure definierten, archäologisch bedeutsamen Funde, deren Meldung seit 1996 obligatorisch ist. Die Aufstellungen werden immer umfangreicher. Der letzte Band ist 434 Seiten stark. Auf seinem Computer hat Bland darüber hinaus Zugriff auf eine Datenbank weniger wichtiger Objekte, deren Meldung freiwillig ist. Sie verzeichnet über eine halbe Million Einzelstücke und wächst von Tag zu Tag.

Der Numismatiker und Experte für Relikte der Römerzeit führt zwei für die Altertumswissenschaft besonders wichtige Funde an, die ohne mit Metallspürgeräten ausgerüstete Laien vermutlich nie gemacht worden wären, ein Wikingergrab in Cumwhitton im nordwestenglischen Cumbria und eine ganz außergewöhnliche römische Trinkschale mit keltischen Motiven und Inschriften der vier Kastelle des Hadrianswalls. Das Heidemoor, aus dem sie zutage gefördert wurde, war nie auf dem Radarschirm der Archäologen aufgetaucht. Und in der Grafschaft Wiltshire fanden detectorists sogar 43 bis dahin unbekannte Römerstätten. Die Schatzsucher, davon ist Bland überzeugt, erwiesen der Wissenschaft einen großen Dienst.

Wie steht es mit dem Vorwurf, dabei werde kulturelles Erbe vernichtet? Bland holt das Foto einer römischen Goldvase aus dem Regal. Ein Hobbyausgräber fand sie in einem Acker in der Grafschaft Kent. Sie sieht aus, als sei sie aus dem zehnten Stock eines Hochhauses gefallen. »Wissen Sie, was die größte Gefahr für Antiquitäten ist? Der Pflug und in der Landwirtschaft verwendete Chemikalien.«

Landmaschinen dringen tief in den Boden ein, starke Traktoren schleppen sie immer schneller durch die Erde. An der Goldvase kann man deutlich die Stelle erkennen, an der ein Ackergerät sie aufgerissen und durch das Erdreich geschleift hat, bevor sie liegen blieb. Niemand kann mehr sagen, in welche Bodenschicht sie eingebettet war. Nicht der Schatzsucher zerstörte den archäologischen Kontext, sagt Bland, sondern die Landwirtschaft.

Das alte Argument, die Zeugnisse der Vergangenheit seien nirgends besser aufgehoben und konserviert als im Boden, verliert an Schlagkraft. Neun von zehn Funden werden auf Ackerland gemacht, in den meisten Fällen nahe der Oberfläche. Tiefe Funde sind nur bei einer großen Masse Metall möglich. 1979 fand ein Schatzsucher 64.000 in einer Bleikiste versteckte römische Münzen zwei Meter unter der Oberfläche. Das blieb eine Ausnahme. Auch moderne Geräte können eine kleine keltische Münze nur bis sechs Zentimeter unter der Erde aufspüren.

Auf hundert Quadratmetern lagen 1585 Kostbarkeiten aus Gold und Silber

Bland zeigt ein weiteres Foto. Auf ihm ist eine filigrane, mit Edelstein eingelegte Spange zu sehen. Sie liegt, teilweise von Erde bedeckt, zwischen jungen Getreidehalmen. So wurde das Schmuckstück gefunden. Es gehört zum Staffordshire Hoard. Am 5. Juli 2009 spürte ein Terry Herbert den aufsehenerregenden Gold- und Silberschatz auf. Landmaschinen hatten 1585 Kostbarkeiten auf einem über hundert Quadratmeter großen Areal verstreut. Dieser bislang umfangreichste Fund aus der angelsächsischen Zeit der Insel sorgte für Schlagzeilen rund um die Welt. Er nötigte Geschichtswissenschaftler, Archäologen und Kunsthistoriker, ihre Vorstellungen vom Leben im England des 7. und 8. Jahrhunderts grundlegend zu revidieren.

Der Finder meldete seine Entdeckung ordnungsgemäß dem für seine Grafschaft zuständigen Verbindungsmann des von Roger Bland geleiteten Programms zur Erfassung von Fundstücken. Es wird von vierzig über ganz England und Wales verteilten Helfern und zehn im British Museum beschäftigten Mitarbeitern verwaltet.

Warum ist Schottland nicht eingeschlossen? Bland schmunzelt: Seit die Schotten 1999 ihr eigenes Parlament erhielten, bildeten sie sich ein, sie seien den Engländern in allem überlegen. Er druckt eine Grafik aus. Auf der hat er für jedes Jahr die Zahl aller wichtigen Schatzfunde auf der Insel eingetragen. Bis 2002 waren die schottischen und die englisch-walisischen Zahlen vergleichbar. Danach stiegen sie im Süden der Insel von 300 auf knapp 800 an, im Norden fielen sie unter 200.

Warum? In England und Wales haben Museen ein Vorkaufsrecht auf wichtige Schätze. Aber sie müssen den Findern den Marktwert ihrer Beute zahlen. Nach schottischem Recht gehören archäologische Fundstücke automatisch dem Staat. Ist es da ein Wunder, dass sie unterschlagen werden?

Bland hat mit seinem französischen Kollegen Xavier Loriot ähnliche Aufstellungen für Kontinentaleuropa ausgearbeitet. In Frankreich herrscht eine noch restriktivere Gesetzgebung als in Schottland. Die Funde römischer Goldmünzen nehmen dort dennoch zu. Archäologen und Schatzsucher haben sich insgeheim darauf geeinigt, die Gesetze zu ignorieren. Auch in Deutschland werden Funde wieder häufiger. Ein Kollege aus dem Kultusministerium in Kiel steht in engem Kontakt mit Bland. Er prüft Wege, das englische System in Schleswig-Holstein zu kopieren.

Die Kosten wirken abschreckend. Ein Expertenausschuss taxierte den Marktwert des Schatzes von Staffordshire auf umgerechnet 3,7 Millionen Euro. Das Gesetz gibt Museen vier Monate Zeit, um das Geld aufzubringen. Schon drei Wochen vor dem Stichtag am 17. April hatten die städtischen Sammlungen von Birmingham und Stoke-on-Trent den Betrag beisammen. Ein aus Steuermitteln und Lotteriegewinnen finanzierter Fonds zur Sicherung nationalen Kulturerbes steuerte über eine Million Pfund bei, einzelne Bürger beteiligten sich mit 900.000 Pfund, Stiftungen und Vermächtnisse besorgten den Rest. Das englische System ist auf das Engagement der gesamten Gesellschaft angewiesen.

Ich lege Bland die bescheidene Ausbeute meines Ausflugs mit Roger Mintey vor. Drei Halfpennys , ein 1945 geprägter ten pence , eine von Mintey auf das 17. oder 18. Jahrhundert taxierte Bleimünze, vier Knöpfe. Einer stammt von der Jacke eines Fuchsjägers. Bland holt eine numismatische Fibel hervor und nimmt die abgenutzten Halfpennys in Augenschein. Auf einer Münze kann er gar nichts erkennen, die zweite stammt aus der Regierungszeit Georgs II. 1729 bis 1754, die dritte aus der seines Nachfolgers Georgs III. Auf der Rückseite zeichnen sich die Konturen der Inselgöttin Britannia ab.

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Leserkommentare
  1. Mal wieder typisch deutscher Quatsch
    lieber dass der Bauer seine Schweinegülle über den Acker schüttet oder alles umgräbt als dass man einem Hobbyarchäologen seinen Spass erlaubt - und selbst wenn die Sachen dann im Handel verschwinden - lieber im Handel als in der Gülle oder unter der Autobahn.

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    • lepkeb
    • 16. April 2010 19:47 Uhr

    dt. Archäologen kennen, dann wüssten sie, warum die Äußerungen getätigt werden und damit meine ich nicht die armen auf Zeit Angestellten Absolventen, die maximal drei Jahre ihrer Tätigkeit in diesem staatlich kontrollierten Monopol nachgehen können. Dann doch lieber die englische Lösung.

    • lepkeb
    • 16. April 2010 19:47 Uhr

    dt. Archäologen kennen, dann wüssten sie, warum die Äußerungen getätigt werden und damit meine ich nicht die armen auf Zeit Angestellten Absolventen, die maximal drei Jahre ihrer Tätigkeit in diesem staatlich kontrollierten Monopol nachgehen können. Dann doch lieber die englische Lösung.

    Antwort auf "Suchen Verboten"
  2. "Heute werden hier fast drei Mal so viele römische Goldstücke wie im restlichen Europa entdeckt."

    Und was bringt das? Da findet ein Sondengänger mal solch einen Aureus (in welchem Acker findet man eigtl. so einen Aureus oder Solidus rumliegen???), gräbt ihn aus und zeigt ihn den örtlichen Archäologen (im besten Fall, im schlechtesten freut sich irgendein Sammler). Was fängt der dann damit an? Römische Münzen gibt es so viele, dass sie auf eBay zu tausenden versteigert werden. Erkenntnisse ergeben sich nur im Zusammenhang mit der Umgebung.

    Wie soll man nachträglich bitte noch herausfinden, wie die Münze dort hinkam, warum, wem sie gehörte etc.?

    Wer Spaß an Archäologie hat und gerne mal in den Ferien mit der Sonde läuft, der kann seine Freizeit als Grabungshelfer füllen. Das hilft den Archäologen, man kommt mit den Profis in Kontakt und macht nichts kaputt.
    Wer das Gefundene behalten will ist hier natürlich fehl am Platz, aber dem sollte man sowieso saftige Geldbußen aufbrummen.

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    Nehmen wir an ich kaufe ein Grundstück.

    Umgraben kann ich es - kein Problem, auch wenn dabei potenzielle Archäologische Fundstücke Kaputtgehen.

    Aber wenn ich mit einem Metalldetektor erst suchen würde ist das verboten?

    Sehe ich hier was falsch oder ergibt das obige keinen Sinn? Das entnehme ich nämlich dem Artikel...

  3. Nehmen wir an ich kaufe ein Grundstück.

    Umgraben kann ich es - kein Problem, auch wenn dabei potenzielle Archäologische Fundstücke Kaputtgehen.

    Aber wenn ich mit einem Metalldetektor erst suchen würde ist das verboten?

    Sehe ich hier was falsch oder ergibt das obige keinen Sinn? Das entnehme ich nämlich dem Artikel...

    Antwort auf "Fahrlässig"
  4. In Deutschland mag man keine Amateure.
    Dafür liebt und verehrt man Kittelträger, egal wie das Ergebnis aussieht.
    Für alles braucht man einen Lehrgang oder Studium.
    Manchmal wundere ich mich das es keinen Führerschein für den Toilettengang gibt.

    Geld und öffentliche Fördermittel spielen hier ein wichtige Rolle. Stelle sich einer vor man dürfte in good old Germany auf Schatzsuche gehen. Dann würde man schnell sehen das die meisten Funde auf die Konten der Amateure gehen würden.
    Wie wollen die "Profis" dann ihre hohen Subventionen rechtfertigen?

    Ich finde das Englische System gut. Es ist fair und beruht auf Wissens und Erfahrungsaustausch zwischen Amateuren und Profis. Auch hier gilt, gemeinsam ist man stärker.

    Ich freue mich das man in Kiel an eine Gesetzes Adaption denkt. Das ist ja fast schon revolutionär! ;-)

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    "Dann würde man schnell sehen das die meisten Funde auf die Konten der Amateure gehen würden."

    Ja, klasse. Da gäbe es dann jede Menge kontextloser Funde, die der Wissenschaft überhaupt nichts mehr bringen.

    Eine Ausgrabung ist im besten Fall von langer Hand geplant und läuft geordnet und systematisch ab. Es wird dann ein großes Areal komplett oder teilweise begraben, wobei jeder Fund und Befund sorgfältig dokumentiert und später ausgewertet wird. Die eigentlichen Fundstücke sind nach einem abgeschlossenen Projekt nur noch von sekundärer Bedeutung und werden konserviert oder ausgestellt.

    Wie oben schon erwähnt - wer ausgraben will möge sich als Grabungshelfer melden, wer Schätze finden will sollte besser auswandern.

    ... es gäbe so viele bekannte Fundstätten, dass man man mit Notgrabungen ausgelastet sei.

    Da ist es auf alle Fälle sinnvoll, sich der Realität zu stellen und einen vernünftigen Konsenz mit "Raubgräbern" oder "Hobbyarchäologen" (die Grenze ist wohl sehr fließend, je nachdem, worum es geht) zu suchen.

    Der Idealfall wäre wohl, wenn interessierte Laien sich schulen lassen, wie sie feststellen, wann sie einen Fachmann informieren sollten. Und dann auch etwas davon haben - Mitarbeiten können, Anerkennung und ja, auch Geld - wenn etwas gefunden wird.

    Vom hier angesprochenen freiwilligen Helfen bei Grabungen habe ich leider nicht viel Gutes gehört. Klar, ein bischen Abenteuer und Romantik, aber sowie tatsächlich etwas halbwegs Interessantes passiert, taucht ein "Professioneller" auf und verscheucht die Amateure, damit ihm bloß niemand "seinen" Fund streitig macht.

    So treibt man - ich denke da realistisch - viele Menschen in die Illegalität. Fragen, wie die in #4, sind da nur der Einstieg über die weiche Droge "was wäre wenn".

    Der Wissenschaft ist damit nicht gedient und solange die Wissenschaftler nicht mit interessierten Bürgern, sondern tendentiell gegen sie arbeiten, schlagen sie nicht nur wertvolle (und für sie überhaupt nicht bezahlbare) Hilfe aus, sondern riskieren auch, dass ihnen viele wichtige Funde niemals bekannt werden oder zur Verfügung stehen.

    Alles Gute
    Kai Hamannn

  5. "Dann würde man schnell sehen das die meisten Funde auf die Konten der Amateure gehen würden."

    Ja, klasse. Da gäbe es dann jede Menge kontextloser Funde, die der Wissenschaft überhaupt nichts mehr bringen.

    Eine Ausgrabung ist im besten Fall von langer Hand geplant und läuft geordnet und systematisch ab. Es wird dann ein großes Areal komplett oder teilweise begraben, wobei jeder Fund und Befund sorgfältig dokumentiert und später ausgewertet wird. Die eigentlichen Fundstücke sind nach einem abgeschlossenen Projekt nur noch von sekundärer Bedeutung und werden konserviert oder ausgestellt.

    Wie oben schon erwähnt - wer ausgraben will möge sich als Grabungshelfer melden, wer Schätze finden will sollte besser auswandern.

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    verrotten lassen, als sie in Sammlerhände oder in den Handel kommen zu lassen.

    Wenn ich sehe, wie in Deutschland offenkundige Bodendenkmäler in Wald und Flur von Wegen und Traktoren zerschnitten werden, ohne dass hier irgendwer eingreift und die Sache ahndet, erscheint es mir doch sehr doppelbödig, wie man Schatzsuchern in Deutschland durch Bußgelder und generelle Verbote ihr Hobby unmöglich machen will.

    Die deutsche, staatlich besoldete Archäologenzunft ist seit Jahren UNFÄHIG, neue und interessante Objekte an den Tag zu liefern, die ein breiteres Interesse an unserer Vorgeschichte hervorrufen könnte.

    Sie wahrt stattessen eifersüchtig Ihre Pfründe, ohne die Öffentlichkeit dafür angemessen - mit neuen Funden - zu entschädigen.

    Die Folge ist, dass die Allgemeinheit die Archäologie als "nett, aber verzichbar" betrachtet und mit entsprechend wenig Geldern ausstattet.

    Die Geschichte zeigt nun, dass eifersüchtige Pründenhuberei, da wo sie gepflegt wurde, den Pfründenhubern meist wenig dauerhaft von Nutzen war.

    Es wird Zeit umzudenken - für die deutsche Verbandsarchäologie.

  6. verrotten lassen, als sie in Sammlerhände oder in den Handel kommen zu lassen.

    Wenn ich sehe, wie in Deutschland offenkundige Bodendenkmäler in Wald und Flur von Wegen und Traktoren zerschnitten werden, ohne dass hier irgendwer eingreift und die Sache ahndet, erscheint es mir doch sehr doppelbödig, wie man Schatzsuchern in Deutschland durch Bußgelder und generelle Verbote ihr Hobby unmöglich machen will.

    Die deutsche, staatlich besoldete Archäologenzunft ist seit Jahren UNFÄHIG, neue und interessante Objekte an den Tag zu liefern, die ein breiteres Interesse an unserer Vorgeschichte hervorrufen könnte.

    Sie wahrt stattessen eifersüchtig Ihre Pfründe, ohne die Öffentlichkeit dafür angemessen - mit neuen Funden - zu entschädigen.

    Die Folge ist, dass die Allgemeinheit die Archäologie als "nett, aber verzichbar" betrachtet und mit entsprechend wenig Geldern ausstattet.

    Die Geschichte zeigt nun, dass eifersüchtige Pründenhuberei, da wo sie gepflegt wurde, den Pfründenhubern meist wenig dauerhaft von Nutzen war.

    Es wird Zeit umzudenken - für die deutsche Verbandsarchäologie.

    Antwort auf "@Alexander76"
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    Der beste Witz im Artikel:
    "Doch ohne Amateure könnte der Archäologie langsam das Material ausgehen." Wenn die "unfähige, staatlich besoldete Archäologenzunft" (zweiter Witz!) die finanziellen Mittel hätte, allein die in den Museumsdepots liegenden "Schätze" auszuwerten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, würden Sie jedes Jahr mehr als 100 hochkarätige archäologische Ausstellungen besuchen können.

    Schade, daß Sie die aus regulären Grabungen stammenden Funde nicht sensationell genug finden:

    - Eiszeitkunst aus den Höhlen der Schwäbischen Alb, wie die Venus aus Mammut-Elfenbein vom Hohle Fels
    http://www.archaeologie-o...

    - Waldgirmes: Pferdekopf aus vergoldeter Bronze eines lebensgroßen Reiterstandbilds, evtl. Augustus:
    http://www.dainst.de/inde...
    http://de.wikipedia.org/wiki/Römisches_Forum_Lahnau-Waldgirmes

    - Glauberg: "Keltisches" Fürstengrab mit Kultzugang und Siedlung
    http://www.fuerstensitze....
    http://de.wikipedia.org/w...

    Im Unterschied zu den tollen Funden, die Sondengänger liefern, ist hier der gesamte Befundzusammenhang bekannt und liefert damit wichtige Daten.
    Denn ohne sicheren Befundkontext sind auch solche Highlights wie die Himmelsscheibe von Nebra
    http://de.wikipedia.org/w...
    leider von geringerer Aussage.

    Dass die Archäologie wertvolle Sicherungs- und Aufarbeitungsleistung leidet, ist unstrittig.

    Auch dass es an Geldern fehlt, diese Aufarbeitung überhaupt zu leisten, ist natürlich klar.

    Aber dass es in Deutschland in manchen Bundesländern Schatzsuchern verboten wird, sich auf Feld und Flur jenseits von Bodendenkmälern mit einer Sonde überhaupt nur ZU BEWEGEN, zeigt eine rigoristische Grundhaltung, die letztere in die Illegalität zwingt und Archäologie UND Öffentlichkeit wichtige Befunde und Indizien vorenthält.

    Hinzu kommt, dass die archäologische Aufarbeitung gewisser Gegenden in Deutschland, gerade im Hinblick auf die Frühgeschichte, in meinen Augen als mehr als nur rudimentär zu betrachten ist.

    Bodendenkmäler und ihr unmittelbares Umweld verroten im Wald, werden angeschnitten, überfahren und mit (wilden) Wegen überbaut, und niemand stört sich daran und greift entsprechend ein.

    Man hat mal was von Raubgrabungen vor dem Krieg gehört, kann die Bodendenkmäler UNGEFÄHR datieren. Vielleicht hängt dort sogar ein altes Hinweisschild. Und das ist dann meist auch gewesen.

    Diese völlig unbefriedigende Situation passt gewiss nicht zu der völlig rigoristischen Haltung gegenüber Sondengängern.

    Sie widerpricht einerseits dem Interesse der Archäologie, sie widespricht aber auch dem Auskunfts- und Informationsrecht seitens der „einfachen“ Bevölkerung, auf deren Wohlwollen die Archäologie indessen angewiesen ist.

  7. ... es gäbe so viele bekannte Fundstätten, dass man man mit Notgrabungen ausgelastet sei.

    Da ist es auf alle Fälle sinnvoll, sich der Realität zu stellen und einen vernünftigen Konsenz mit "Raubgräbern" oder "Hobbyarchäologen" (die Grenze ist wohl sehr fließend, je nachdem, worum es geht) zu suchen.

    Der Idealfall wäre wohl, wenn interessierte Laien sich schulen lassen, wie sie feststellen, wann sie einen Fachmann informieren sollten. Und dann auch etwas davon haben - Mitarbeiten können, Anerkennung und ja, auch Geld - wenn etwas gefunden wird.

    Vom hier angesprochenen freiwilligen Helfen bei Grabungen habe ich leider nicht viel Gutes gehört. Klar, ein bischen Abenteuer und Romantik, aber sowie tatsächlich etwas halbwegs Interessantes passiert, taucht ein "Professioneller" auf und verscheucht die Amateure, damit ihm bloß niemand "seinen" Fund streitig macht.

    So treibt man - ich denke da realistisch - viele Menschen in die Illegalität. Fragen, wie die in #4, sind da nur der Einstieg über die weiche Droge "was wäre wenn".

    Der Wissenschaft ist damit nicht gedient und solange die Wissenschaftler nicht mit interessierten Bürgern, sondern tendentiell gegen sie arbeiten, schlagen sie nicht nur wertvolle (und für sie überhaupt nicht bezahlbare) Hilfe aus, sondern riskieren auch, dass ihnen viele wichtige Funde niemals bekannt werden oder zur Verfügung stehen.

    Alles Gute
    Kai Hamannn

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