Fußball-WM 2010 Den Sand nicht in den Kopf!

Südafrikas Nationalelf trainiert in Deutschland für die Fußball-WM. Wird es helfen?

Wohin fährt man ins Trainingslager, wenn man demnächst gegen die besten Fußballteams der Welt antreten muss? Nach Brasilien natürlich. Und nach Deutschland. Das sagten sich die Südafrikaner mit Blick auf die ewige WM-Tabelle: Die Heimatländer von Pelé und Beckenbauer führen sie an, und die Kicker vom Kap können viel von ihnen lernen. Das müssen sie auch, wenn sie sich beim Turnier aller Turniere nicht blamieren wollen. Noch nie in der 80-jährigen Geschichte des Weltcups spielte eine Mannschaft mit, die auf der Weltrangliste so weit hinten stand wie die Südafrikaner: Platz 88, hinter Moldawien. Selbst in Afrika sind sie nur die Nummer 17.

Eine Gurkentruppe also? Nein, eine Bananentruppe! Böse Zungen schimpfen sie jedenfalls Banana Banana. In Wahrheit heißt die südafrikanische Auswahl Bafana Bafana, was so viel bedeutet wie »die Jungs«. Ihre Landsleute erwarten bei der WM Wunderdinge von ihnen.

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Es wäre eine Sensation, wenn sie in ihrer furchterregenden Gruppe mit Mexiko, Uruguay und Frankreich die Vorrunde überstünden. Die Funktionäre des Weltfußballverbandes Fifa fragen sich schon: Wie retten wir die Stimmung, wenn der WM-Gastgeber allzu früh rausfliegt?

Diesem sportlichen Super-GAU will Bafana Bafana durch den Nachhilfeunterricht bei den Fußballgroßmächten vorbeugen. In Rio und São Paulo war das Team schon. Diese Woche bezieht es für 14 Tage im fränkischen Herzogenaurach Quartier, in einem Hotel mit einem »leichten Hauch großer Triumphe«, das sogar »Weltmeistern hilft, ihre Performance zu verbessern«. Das verspricht jedenfalls die Webseite ihrer Herberge, deren Namen der Franken-Maradona Lothar Matthäus nicht schöner hätte erfinden können: Herzo-Base. Klingt ungemütlich, nach US-Militär und Feldwebeldrill. Hier haben sich die argentinischen Stars auf den Weltcup 2006 vorbereitet. Vielleicht beflügelt der Geist der Stätte auch die Südafrikaner.

Das Problem ist nur: Die Südafrikaner haben keine Stars. »Außer vielleicht unserem Spielmacher Steven Pienaar«, meint Nelson Rashavha von Kick Off, dem südafrikanischen Soccer-Zentralorgan. »Aber kein Einziger der heutigen Nationalspieler wäre in der fabelhaften Elf von 1996 aufgestellt worden.« Es waren die Helden der golden generation, die in jenem Jahr Afrika-Meister wurden. Seither ging es rapide bergab.

Die Länderspiele der Südafrikaner enden regelmäßig 0:0, und es ist oft eine Qual, den Jungs zuzuschauen, wenn sie sich gegen Fußballzwerge wie Namibia oder Lesotho abrackern. Sie kicken so zaghaft, ideenlos und statisch wie die Clubs in ihrer ersten Liga: fader Schlafwagen-Fußball, planloses Ballgestochere im Mittelfeld, serienweise Fehlpässe, tausend vergebene Chancen. Vermutlich wird nirgendwo auf der Welt so oft übers Tor gedroschen wie hier. Weil den mittelmäßigen Akteuren der internationale Vergleich fehlt, überschätzen sie sich allerdings gerne.

Die Misere hat der nationale Fußballverband Safa verursacht. Inkompetente und korrupte Funktionäre vernachlässigten jahrelang die Nachwuchsarbeit, plünderten den Etat und drehten erfolglos das Trainerkarussell: In 18 Jahren wurden 16 Übungsleiter ausprobiert. Nun soll der Brasilianer Carlos Alberto Parreira alles richten. Der alte Fuchs hat fünf Weltmeisterschaften auf dem Buckel und holte mit der Selecão 1994 den Cup Jules Rimet an die Copacabana.

Leser-Kommentare
  1. kompliment an den verfasser. Sehr unterhaltsam! Musste die ganze Zeit schmunzeln :)

    Besonders hier " Sie lähmt die Gegner, verbiegt die Linien und verändert die Flugbahn von Jabulani, dem WM-Ball"

    Herrlich -

  2. Die südafrikanische Nationalmannschaft ist schwach aufgestellt und im internationalen Bereich kaum wettbewerbsfähig. Auch ist bei Afrika-Matches ersichtlich, dass die Spieler nicht aufeinander eingespielt sind. Doch eine Meisterschaft im eigenen Lande lässt eine gewisse Hoffnung aufkommen, wie einst bei den Südkoreanern während der WM 2002. Ich bin wirklich gespannt, welche sportlichen Leistungen die "die Jungs" erzielen können. Für weitere WM 2010-Hintergrundinfos siehe Südafrika-Portal:
    http://2010sdafrika.wordp...

  3. "Nun soll der Brasilianer Carlos Alberto Parreira alles richten. Der alte Fuchs hat fünf Weltmeisterschaften auf dem Buckel und holte mit der Selecão 1994 den Cup Jules Rimet an die Copacabana."

    Wahrlich ein Fuchs, der Herr Parreira, ist der Coupe Jules Rimet doch schon seit 1970 im Besitz des Brasilianen Verbandes, nachdem die Nationalmannschaft zum 3. Mal Weltmeister geworden war. Der FIFA WM-Pokal, seit der WM 1974 der Nachfolger, den holte Parreira nach Brasilien.

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